01 Juli 2015

30. Juni, 2015  |  Daniel Schlechtriem @W14Pick


Der 1. Juli steht vor der Tür, in der NBA mit dem Draft und der Trade Deadline das wichtigste Datum in Personalfragen. Denn: Ab Mitternacht dürfen Teams mit Free Agents verhandeln. Und apropos vor der Tür stehen: Genau das werden Coaches, GMs und sonstige Teamvertreter um Punkt Mitternacht bei ihren Wunschzielen auch tun und die Objekte ihrer Begierde hofieren.

Hier sind diejenigen, die garantiert hochrangigen Besuch bekommen werden. Die zehn besten Free Agents des Jahrgangs 2015 - mitsamt einer Prognose ihrer Zukunft:



1. LeBron James

SF | Alter: 30
Letztes Team: Cleveland Cavaliers
Letztes Gehalt: 20,6 Mio. $

Der beste Spieler der Welt ist wieder Free Agent. Aber nach seinem unrühmlichen Abgang 2010 kann er der ganzen Stadt Cleveland nicht noch mal in die Weichteile treten und verschwinden. Oder doch? – Nein, kann er nicht. LeBron will die Championship in seine Heimatstadt holen und daher die Free Agency nie wirklich als solche wahrnehmen.

Prognose: Nur aus monetären Gründen steigt der vierfache MVP aus seinem Kurzzeitvertrag – um einen weiteren, etwas höher dotierten mit ähnlichen Konditionen zu unterschreiben und sich dann im nächsten Sommer, wenn es dank des neuen TV-Vertrags richtig Kohle gibt, königlich entlohnen zu lassen. LeBron bleibt bei den Cavs, über 2016 hinaus.

2. Marc Gasol 

C | Alter: 30
Letztes Team: Memphis Grizzlies
Letztes Gehalt: 15,8 Mio. $

Weil LeBron nie wirklich den offenen Markt erreichen wird, wird Spanier Marc Gasol zum begehrtesten Free Agent des Sommers. Der ehemalige Second Round Pick hat sich zu einem der besten, manche sagen zum besten Center der Liga entwickelt und nach Jahren des Vorsitzes im Verteidigungsministerium des Grit'n'Grind Houses am Mississippi River eine offensive Variabilität entwickelt, die ihn unter den Großen der Liga zum wohl gefährlichsten Two Way Player der Welt macht. Ein solcher Spieler ist nur selten auf dem Markt, entsprechend hoch die Nachfrage respektive die Namhaftigkeit der Interessenten. Die Knicks um Phil Jackson haben schon früh die Finger nach dem einst Übergewichtigen geleckt, ebenso die Lakers. Die Spurs könnten mit einem Schlag ihre Probleme in der Zone lösen und wären wieder der Favorit im hochdekorierten Westen. Allerdings wird es schwierig werden, den als bescheiden und genügsam bekannten DPOY 2013 aus seiner vertrauten Umgebung zu locken.

Prognose: Gasol braucht weder den Glamour einer Weltmetropole, noch die Allüren eines Kobe oder Melo. Wenn er wechselt, dann zu den Spurs. Die sind aber Außenseiter, der Spanier weiß, was er an den Grizzlies hat und wird weitere Jahre zusammen mit Z-Bo die Zonen der Liga unsicher machen.

3. Kawhi Leonard 

SF | Alter: 23
Letztes Team: San Antonio Spurs
Letztes Gehalt: 2,9 Mio. $

Zahltag im Hause Leonard. Der Finals MVP des Vorjahres ließ zu Saisonbeginn keinen Zweifel an der eigenen Wertschätzung und den damit verbundenen Gehaltsvorstellungen, dem Front Office der Spurs wiederum war diese Zahl zu hoch. Nun liegt eine ganze Saison zwischen diesen Ereignissen und angesichts der drohenden Free Agency werden die Spurs nicht viel anbrennen lassen. Zwist zwischen Vater und Sohn ist durchaus nicht unüblich, wenn es ums Geld geht, zur Trennung muss das aber nicht führen. Insbesondere wenn der älteste Bruder Timmy allein aus Charaktergründen gerne auf die grünen Scheinchen verzichtet und der argentinische Cousin Manu womöglich in den Sonnenuntergang reitet. Onkel R.C könnte sich im eigenen Haus nicht mehr blicken lassen, wenn Kawhi in die weite Welt hinauszieht.

Prognose: "Zieht mit jedem Angebot mit" ist heutzutage oftmals eine Floskel, hier aber Tatsache. Die Spurs werden gar nicht erst zulassen, dass ihr zukünftiges Flaggschiff mit anderen Teams spricht und Kawhi alles geben, was er verlangt.

4. LaMarcus Aldridge 

PF | Alter: 29
Letztes Team: Portland TrailBlazers
Letztes Gehalt: 16,3 Mio. $

Seit neun Jahren spielt der sechsfache All-Star im Rose Garden, die zweite Playoff-Runde erlebte er nur einmal. Ernüchternd war das deutliche Aus zuletzt gegen Memphis, selbst mit Wes Matthews wären die Blazers mehr oder weniger chancenlos gewesen. Genau das wird ihrem besten Spieler Kopfzerbrechen bereiten, denn LaMarcus Aldridge kommt in ein Alter, in dem er sich ernsthafte Gedanken um seine Karriere machen muss. Er wird voraussichtlich seinen letzten großen Vertrag unterschreiben und seine Prioritäten abwägen: Loyalität? Geld? Erfolg? Für die ersten beiden Punkte muss er die Umzugskartons nicht packen, für den dritten eben schon. Denn obwohl in Damian Lillard einer der besseren jungen Guards der Liga mit ihm den Locker Room teilt, sind die Aussichten in dieser Western Conference auf den großen Wurf in absehbarer Zeit mehr als überschaubar. Zieht es den gebürtigen Texaner daher in die Heimat? In Dallas würde man ihn mit offenen Armen empfangen, viel besser sind die sportlichen Perspektiven dort aber auch nicht. Auch die Spurs würden ihn kaum von der Bettkante stoßen, ebenfalls nicht die Teams aus den größten Märkten der Liga, Los Angeles und New York.

Prognose: Apropos Umzugskartons. Eben die hat LMA angeblich schon gepackt. Wenn man lokalen Medien Glauben schenken darf, steht sein Haus in Portland zum Verkauf. Das spricht nicht für einen Verbleib im kalten Nordwesten. Aldridge wird wechseln, wenn die Spurs bei Gasol leer ausgehen, werden sie hier zuschlagen. Das funktionierende Team und der beste Coach der Liga schlagen die Strahlkraft der Lakers.

5. Jimmy Butler 

SG | Alter: 25
Letztes Team: Chicago Bulls
Letztes Gehalt: 2,0 Mio. $

Der amtierende Most Improved Player könnte neben Kawhi Leonard der Spieler mit der größten Gehaltserhöhung werden. Butler will nicht weniger als einen Maximalvertrag, im Weg stehen könnte dabei sein Status als Restricted Free Agent. Nicht viele Teams werden sich an ihn herantrauen und den eigenen Cap Hold belasten, in bestem Wissen, dass die Bulls ihren Wing nicht abzugeben gedenken. Dabei ist das Front Office in Chicago traditionell knausrig und wird Butler nur mit Zähneknirschen die geforderte Zahl aufs Papier schreiben, wohlwissend, dass sie den einstigen Franchise Player Derrick Rose bis 2017 in diesen Gefilden bezahlen müssen. Folglich beginnt die Pokerrunde: Gerüchten zufolge hat Butler kein Problem damit, lediglich sein Qualifying Offer in Höhe von 4,4 Mio. $ zu akzeptieren, um dann nächstes Jahr nicht nur das eigene Schicksal völlig zu kontrollieren, sondern auch dank des dann massiv gestiegenen Caps richtig abzukassieren. Ein hohes Risiko für GM Forman.

Prognose: Im Oktober boten die Bulls einen Langzeitvertrag in mittlerer Höhe. Butler lehnte ab und gewann diese Runde, denn sein Marktwert ist enorm gestiegen. Das bringt die Bulls zwar in enorme Schwierigkeiten, jedoch können sie es sich kaum leisten, die ganze nächste Spielzeit Unruhe zu haben. Wollen sie weiter relevant sein, müssen sie Butler wortwörtlich um jeden Preis in der Windy City halten.

6. Kevin Love 

PF | Alter: 26
Letztes Team: Cleveland Cavaliers
Letztes Gehalt: 15,7 Mio. $

Er hat es geschafft. Kevin Love hat die ersten Playoff-Partien seiner Karriere absolviert. Zugegeben, es waren nur die vier der ersten Runde gegen Boston, danach musste er verletzungsbedingt wieder zusehen. Zumindest haben die Cavs gezeigt, dass sie ihm das bieten können, was er sich nach Jahren der Qual in Minneapolis so sehnlich wünscht: Postseason Basketball. Dennoch ist Love aus seinem Vertrag ausgestiegen. Das hat wie im Falle seines Kameraden LeBron primär finanzielle Gründe. Dass er nächstes Jahr wieder in Cleveland aufläuft, steht allerdings nicht ähnlich in Stein gemeißelt. Der Stretch Forward hat nie einen Hehl aus seiner alten Liebe Kalifornien und den Lakers gemacht. Dort würde er wie ein Held empfangen werden, könnte von Kobe die Fackel übernehmen und die glorreiche Franchise zusammen mit dem frisch gedrafteten D'Angelo Russell in eine neue Ära führen. Auch die Rockets arbeiten an einem Plan und können der Double-Double Maschine bessere sportlichen Voraussetzungen bieten. Außenseiter wie Phoenix und Boston werden ihr Glück ebenfalls versuchen.

Prognose: Das Jahr in Cleveland lief nicht so, wie sich der ehemalige Wolf das vorgestellt hatte, bei der kleinsten Widrigkeit wurde ihm die Chris-Bosh-Gedächtnis-Buhmann-Rolle angehängt. Die Verlockung, mit dem besten Spieler der Welt auf dem Parkett zu stehen, ist zwar groß. Alte Liebe rostet aber bekanntlich nicht: Love wechselt zu den Lakers (sofern diese bei Aldridge leer ausgehen).

7. DeAndre Jordan

C | Alter: 26
Letztes Team: Los Angeles Clippers
Letztes Gehalt: 11,4 Mio. $

„Die Clippers sind immer noch die Clippers“ twitterte Magic Johnson nach dem Ausscheiden in der zweiten Runde gegen die Rockets. Und es würde in die schmerzerfüllte Historie dieser Franchise passen, wenn sie nun eine ihrer Säulen verlieren und damit wieder ein ordentlich Stück vom großen Traum zurückgeworfen werden. Angeblich existiert ein Zerwürfnis Jordans mit Franchise Player Chris Paul, was rivalisierende Teams nur zu gerne hören werden. Einen Big von Jordans Präsenz und defensiven Qualitäten gibt es nicht häufig, kein Wunder, dass einer ganzen Reihe Teams Interesse nachgesagt wird. Am größten ist es in Jordans Heimatstaat Texas. Die Mavs bemühen sich bisher am nachdrücklichsten um DeAndre 3000, können ihm jedoch keine allzu große sportliche Perspektive bieten. Der Stadtrivale der Clippers hat ebenfalls Bedarf auf den großen Positionen, wird sich jedoch zuerst um erwähnte Love und Aldridge bemühen. Milwaukee und New York werden ebenfalls die Finger ausstrecken.

Prognose: Die Clippers könnten einen Abgang nicht kompensieren, qualitative Center gibt es in diesem Free Agent Jahrgang kaum. Bei Eigentümer und Teilzeitmaskottchen Steve Ballmer liegt das Geld bekanntlich recht locker, deshalb wird DeAndre einen Maximalvertrag vorgelegt bekommen. Nur wenn die internen Meinungsverschiedenheiten nicht unüberbrückbar sind, wird er diesen nicht unterschreiben.

8. Dwyane Wade

SG | Alter: 33
Letztes Team: Miami Heat
Letztes Gehalt: 15,0 Mio. $

Flash in einem anderen Trikot als dem der Heat? Eigentlich unvorstellbar, dennoch gar nicht so unrealistisch. Wade hat in den letzten Jahren zusammengerechnet auf rund 36 Mio. $ verzichtet, nur verständlich, dass er mit seinem wohl letzten großen Vertrag keine Rabatte mehr vergeben möchte. Von Seiten der Heat ist ebenfalls Umdenken angesagt. Trotz namhafter Verstärkungen verpasste Miami zum ersten Mal seit 2008 die Playoffs. Die neuen Hoffnungsträger Dragic und Whiteside wollen bezahlt werden, da ist die Begeisterung darüber, einen verletzungsanfälligen 33-jährigen mit annähernd maximalem Geld zu überhäufen verständlich überschaubar. Das bis 2019 zu löhnende Gehalt von Bosh, das kolportierte von Dragic und der Opt-In von Deng bringen Miami in die Zwickmühle. Folglich dieses Dilemma und Wades Kokettieren mit einer neuen Herausforderung. Angeblich sind die Lakers interessiert, doch deren Priorität liegt bei den großen Positionen. Sein alter Kumpel LeBron würde den elffachen All-Star mit offenen Armen in Cleveland begrüßen, aber die können noch sehr viel weniger Cash bieten als Miami.

Prognose: Wade hat etwas über 16 Millionen Dollar auf dem Tisch liegen lassen – er will mehr. Ob Miami ihm dies bezahlen kann, hängt davon ab, ob sie Abnehmer für Chalmers und Andersen finden. Doch selbst wenn wäre das Team wie schon seit Jahren nicht ausgeglichen besetzt. Miami denkt an die Zukunft und geht neue Wege. Wades führt nach Hollywood zu den Lakers.

9. Draymond Green

PF | Alter: 25
Letztes Team: Golden State Warriors
Letztes Gehalt: 2,7 Mio. $

Aus dem Meisterschaftstraum zurück in die Realität: Zwar ließ der Emporkömmling Green im Taumel der Zelebrierungen des ersten Titels der Franchise seit 40 Jahren verlauten, dass er auf jeden Fall auch im nächsten Jahr für die Warriors spielen werde. Doch am Verhandlungstisch sieht die Sache oftmals anders aus: Golden State muss Draymonds Vorgänger David Lee im kommenden Jahr knapp 15,5 Mio. $ überweisen, ihn via Trade von der Gehaltsliste zu bekommen scheint gänzlich unrealistisch. Wenn sie nun auch Green leistungsgerecht bezahlen, wäre er der sechste Spieler im Kader mit zweistelligem Millionensalär und das Team von Joe Lacob richtig tief in der Luxussteuer. Kommendes Jahr wird Harrison Barnes Free Agent, in zwei Jahren MVP Steph Curry. Selbst bei massiv steigendem Cap stehen den Warriors wirtschaftlich gewichtige Entscheidungen bevor. Greens Status als Restricted Free Agent wird hierbei nicht helfen: Die Pistons wollen den Combo Forward in seine Michiganer Heimat zurückholen und haben den Cap Space für ein sehr hohes Angebot. Auch die großen Märkte, die womöglich bei anderen Spielern den Kürzeren ziehen, könnten plötzlich Interesse anmelden.

Prognose: Mit der gewonnenen Meisterschaft im Rücken lässt sich ein Teambesitzer eher dazu überreden, zusätzliche Millionen in den Topf zu werden. Dazu wird im Falle Greens aber einiges an Kraft nötig sein, vor allem wenn man perspektivisch denkt. Die Warriors werden bluten, aber das nehmen sie für ihr Eigengewächs in Kauf.

10. Paul Millsap 

PF | Alter: 30
Letztes Team: Atlanta Hawks
Letztes Gehalt: 9,5 Mio. $

In der überraschend starken Saison der Hawks war Paul Millsap der Stabilitätsfaktor. Der einstige Second Round Pick wurde zum zweiten Mal in Folge ins All-Star Team berufen und war teamintern zweitbester Scorer und bester Rebounder. Das weckt Begehrlichkeiten, Atlanta trifft das Schicksal eines jeden Überraschungsteams. Die besten Spieler werden heiß umworben und mit großen Summen gelockt. Der kleine Markt in Atlanta lässt wenig Spielraum und womöglich müssen sich die Hawks zwischen Millsap und ihrem anderen Starting Five Free Agent, DeMarre Carroll, entscheiden. Beide Spieler werden umworben sein, selbst von ehemaligen Arbeitgebern. Die Jazz gelten als der nachdrücklichste Interessent Millsaps und würden allein wegen einer Zusage dessen Bruder Elijah weiter beschäftigen. Wie bei so ziemlich jedem qualitativen Free Agent sind auch die Knicks dran, die Rockets wollten den variablen Big schon immer nach Südosttexas holen.

Prognose: Millsap wird den wichtigsten Vertrag seiner Karriere unterschreiben und daher der Spur des Geldes folgen. Ein Abgang Carrolls wäre zwar schmerzhaft, könnte aber eher aufgefangen werden. Daher werden die Hawks alles daran setzen, ihren individuell besten Spieler in Georgia zu halten.