18 Juni 2015

18. Juni, 2015  |  Pascal Gietler  @PascalCTB


Während sich Cleveland und Oakland in den Finals duellieren, laufen bei den anderen 28 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Bye, bye Rampenlicht - nach spektakulärem Umzug, Star-Trades und den ersten Conference-Semi-Finals seit 2007 haben die Brooklyn Nets den Weg zurück auf den Boden der Tatsachen gefunden. Bereits vor Saisonbeginn ging der Fokus von „Win Now“ auf „Oh Shit...In der Zukunft müssen wir ja auch noch Basketball spielen!“ 

Mit Paul Pierce wurde nicht verlängert, die einstige „Big Three“ wurde auf den Trademarkt geworfen und ein Haufen von Zweitrundenpicks (Markel Brown, Cory Jefferson und Bojan Bogdanovic) haben ihre Chance auf der größten Basketball-Bühne bekommen. 

Trotz des noch immer prominenten Kaders und der Tatsache, dass die Eastern Conference so mies gewesen ist wie schon länger nicht mehr, mussten die Brooklyn Nets bis zum letzten Spiel zittern, ob sie das Minimalziel „Playoffs“ erreichen würden. Am Ende hat es mit der sagenhaften Bilanz von 38 Siegen bei 44 Niederlagen für die Playoffs gereicht. 

Die Tatsache, dass der Atlantic Division-Konkurrent aus Boston bereits im zweiten Jahr des Rebuilds besseren und erfolgreicheren Basketball als die Brooklyn Nets spielt, lässt für die kommenden Jahre aus Nets-Sicht Böses ahnen - denn schließlich besitzen die Kelten zwei kommende Erstrundenpicks der Nets (2016 und 2018) und dazu das Recht, den eigenen Pick 2017 mit Brooklyn zu tauschen.

In den Playoffs war das zweitbeste Team der Regular Season, Atlanta, der Gegner. Brooklyn hat sich recht teuer verkauft. Mit 2-4 schied BK zwar wie erwartet früh aus, stellte die Falken jedoch besonders in den ersten vier Spielen vor eine Herausforderung. Besonders der oft kritisierte Coach Lionel Hollins machte bei Fans und Experten viel Boden gut.

Offseason Agenda
Nach einer solch katastrophalen Saison sollte eigentlich jede Position vom Point Guard bis zum Back-Up-Center auf dem Prüfstand stehen, weder der General Manager noch der Coach sollten zu fest im Sattel sitzen. Verflucht nochmal: Nicht mal der Zeugwart oder der Fahrer des Teambusses sollte sich seiner Sache zu sicher sein. 

Doch bei den Brooklyn Nets ist man anscheinend bereit, sich das Äquivalent eines fürchterlichen Autounfalls für die kommenden Jahren im Zeitlupentempo anzuschauen. Man muss schon sehr masochistisch veranlagt sein, um in einer solchen Situation fröhlich zur Tagesordnung überzugehen, denn ein paar Dinge stehen mal fest: General Manager Billy King wird sein Amt behalten und das womöglich noch eine ganze Weile! 


Während King sich aller Voraussicht nach in naher Zukunft über eine Vertragsverlä... - Verzeihung... Ich brauchte gerade meine Hände, um sie mir vor die Stirn zu schlagen und um mir die Tränen von der Wange zu wischen. Nochmal: WÄHREND BILLY KING SICH ALLER VORAUSSICHT NACH IN NAHER ZUKUNFT ÜBER EINE VERTRAGSVERLÄNGERUNG (!!!!!) freuen darf, musste Assistant GM Bobby Marks nach 20-jähriger Amtszeit die Koffer packen - es wird somit etwas frischer Wind in das Front Office der Nets kommen. 

King hat im Sommer direkt eine große Aufgabe vor sich: Nachdem Brook Lopez seinen Namen in den vergangenen drei Jahren in mindestens 378473240380 Tradegerüchten gelesen hat, wird der Center im Sommer wohl nun den offenen Free Agent Markt betreten. Er wird zum „Unrestricted Free Agent“ und kann somit bei jeder beliebigen Franchise unterschreiben. King wird Lopez wohl nur mit der Hilfe des Geldes (und einem zusätzlichen fünften Vertragsjahr) von einem Verbleib überzeugen können. 

Neu-Net Thaddeus Young knüpft sein Schicksal laut Insidern eng an das von Brook Lopez - Young hat wie Lopez eine Spieleroption für die kommende Spielzeit und würde der Franchise gerne erhalten bleiben, falls Lopez sich auch im kommenden Jahr das Nets-Jersey überstreift. Diese beiden Personalien genießen laut King absolute Priorität.

Personal
Lionel Hollins wird auch in der kommenden Saison als Headcoach der Brooklyn Nets in die Saison gehen. Wie fest er im Sattel sitzt, wird dann der Verlauf der Saison zeigen - man kann nicht davon ausgehen, dass die Nets im kommenden Jahr sportlich besser aufgestellt sein werden, als sie es in diesem Jahr gewesen sind. Für die Spieler dürfte der Verbleib von Hollins jedoch mal zumindest den Hauch von Kontinuität nach Brooklyn bringen. 



Quizfrage: Wie viele Coaches hatte Brook Lopez seit seiner Rookie-Saison 2008-09? Not one, not two, not three, not four, not five, not six - BUT SEVEN. Brook Lopez hatte in seiner relativ jungen Karriere mehr Coaches als MJ Ringe. Es bleibt zu hoffen, dass Lionel Hollins es in seiner zweiten Off-Season nun endlich schafft, die dringend benötigte defensive Toughness in den Borough zu bringen.

Backups wie Alan Anderson, Mirza Teletovic, Markel Brown und Earl Clark, deren Verträge ebenfalls auslaufen oder optional sind, könnten sich einen neuen Arbeitgeber suchen müssen. 

Draft
King war am Draftabend wieder recht aktiv. Beinahe schon historisch sind diverse Moves, die die Nets am Draft-Day unter King vollzogen haben, und auch dieses Jahr gab es einen Trade, der Mason Plumlee samt Zweitrundenpick Pat Connaughton nach Portland schickte. 

Im Gegenzug haben die Nets Rondae Hollis-Jefferson von der University of Arizona und Steve Blake bekommen. RHJ ging an #23 über die Draft-Theke und soll den Nets die dringend benötigte Athletik und Defensive auf dem Flügel verleihen. Hollis-Jefferson galt als einer der besten Verteidiger im Draft, der einzige Makel in seinem Spiel ist seine offensive Limitation. 

Außerdem haben sich die Nets an #29 mit Chris McCullough aus der Bronx (via Syracuse University) verstärkt. McCullough soll perspektivisch den Frontcourt in der Tiefe verstärken, jedoch ist eine Einschätzung über den athletischen Big Man zu diesem Zeitpunkt schwierig, da er sich nach nur 16 Spielen das Kreuzband gerissen hat. Brooklyn spekuliert mit McCullough eindeutig auf sein Potenzial, denn aktuell gibt es viele Skeptiker, die in ihm keinen NBA-Spieler mit rosiger Zukunft sehen.

In der zweiten Runde wurde King auch noch aktiv. Er schickte zwei zukünftige Zweitrundenpicks für den argentinischen „Mini-Ginobili“ Juan Vaulet nach Charlotte. Vaulet wird in der Summer League für die Nets auflaufen, danach aber wohl erst mal zurück nach Argentinien müssen. 

Mit Cliff Alexander haben sich die Nets (vorerst nur für die Summer League) mit einem athletischen Big Man verstärkt, der vor einem Jahr zu den besten High School-Spielern des Landes zählte. In Kansas konnte sich Alexander unter Bill Self zwar nie richtig behaupten und hatte zu allem Übel im Februar noch Probleme mit einigen NCAA-Richtlinien, aber falls er sich nicht komplett dumm in der Summer League anstellt, werden die Nets ihm wohl eine Chance in der NBA geben. 


Kohle
Werden alle Optionen gezogen, hätten die Brooklyn Nets rund 90 Mio. $ (*schluck) an feststehenden Gehaltsausgaben zu stemmen. Falls sowohl Brook Lopez als auch Thad Young die Biege machen, wäre das Team mit rund 75 Mio. $ noch immer über der Gehaltsobergrenze - welch wunderbare Verhandlungsgrundlage für eine potentielle Vertragsverlängerung. 

Im Falle eines solchen Super-GAUs würde Brooklyn wohl so ziemlich alles versuchen, um Joe Johnsons bald auslaufenden Vertrag (knapp 25 Mio. $ in der kommenden Saison) abzustoßen und zumindest den Hauch von finanzieller Flexibilität zu erlangen.

Sollten die Nets jedoch sowohl mit Lopez als auch mit Young verlängern wollen, würden die beiden kombiniert wohl um die 30 Mio. $ verdienen - somit wäre man in Brooklyn bei den Gehaltsausgaben wieder im neunstelligen Bereich. 

Auch in diesem Szenario würde man wohl alles versuchen, um Joe Johnson loszuwerden, denn Billy King hat wohl eine klare Order aus Russland bekommen, die dank der Hilfe von Google-Translate wohl in etwa so aussieht: Экономия денег! (dt. SPAR GELD!) 

Zukunft
Die Zukunft der Nets ist nichts für Leute, die unter Achluophobie leiden - sie sieht wirklich stockduster aus. Man hat erst 2019 wieder Kontrolle über den eigenen First Rounder, ist vermutlich noch bis zur Saison 2016/17 finanziell nicht gerade flexibel, Besitzer Mikhail Prokhorov verliert Gerüchten zufolge etwas Interesse an seinem Spielzeug. 

Was jedoch noch viel Schlimmer ist: Die Organisation wurde in den vergangenen drei Jahren an die Wand gefahren und der Fahrer - ein gewisser „Bobby Queen“ (Zur Wahrung seiner Anonymität wird hier ein falscher Name verwendet) wird vermutlich unbescholten weiter hinterm Lenkrad sitzen dürfen, ohne mal zum Idiotentest zu müssen. Es ist düster in Brooklyn. Sehr düster.