30 Juni 2015

30. Juni, 2015  |  Philipp Landsgesell @Phillyland


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die Vorfreude und Erwartungshaltung war nicht nur in Ohio riesengroß. Die gefeierte Rückkehr des ehemaligen Verräters LeBron James in seine Heimat nach Cleveland sollte zur großen Party werden. Mit Neuzugang Kevin Love und Point Guard Kyrie Irving sollte eine neue Ära der „großen Drei“ eingeläutet werden. 

Doch wie so oft war der Hype größer als das tatsächliche Ergebnis auf dem Feld. Die Bilanz der Cavaliers nach 39 Spielen war mit 19-20 unterirdisch, die Spiele selbst durch viele Isolationen wenig ansehnlich. Head Coach David Blatt musste heftige Kritik einstecken. General Manager David Griffin (andere sagen LeBron James) suchte gezwungenermaßen per Trade nach Verstärkungen und fand sie in New York, beziehungsweise Denver. Die beiden Guards J.R. Smith und Iman Shumpert sowie Center Timofey Mozgov verstärkten die Cavaliers und impften ihnen neues Leben ein. 

Hilfreich war zudem, dass LeBron James alle Kritiker Lügen strafte und wieder in Hochform spielte, nachdem erste Fragen auftauchten, ob wir den besten James schon hinter uns haben. Auch ein anderer All-Star spielte groß auf: Kyrie Irving erzielte im Januar gegen die Trail Blazers 55 Punkte und toppte diese Leistung mit 57 Punkte gegen den Titelverteidiger aus San Antonio. Die Cavaliers beendeten die Saison mit einem 34-9 Lauf, dem Titel in der Central Division und Platz zwei im Osten hinter den Atlanta Hawks.

In den Playoffs stürmte Cleveland trotz Verletzungen von Love und Irving dank eines unmnenschlich aufspielenden LeBron James bis zu einer 2-1 Serienführung in den NBA-Finals. Erst dann fanden die Golden State Warriors die passenden Antworten, den völlig dezimierten Cavaliers ging die Puste aus und die Dubs holten sich verdientermaßen den NBA Titel. 


Offseason Agenda
Oberstes Ziel des Managements muss es sein, die eigenen Free Agents zu halten und die schwache Bank zu verstärken. Auch wenn viele Bankspieler wegen den Verletzungen in die Startaufstellung rutschten, besteht dort dringend Handlungsbedarf. Mit Shawn Marion geht ein Spieler sicher in Rente, Mike Miller und Kendrick Perkins sind keine produktiven NBA Spieler mehr. 

Zu einer Veränderung auf der Trainerbank wird es dagegen wohl nicht kommen. General Manager David Griffin und Besitzer Dan Gilbert scheinen großes Vertrauen in ihren Head Coach zu haben und lassen sich von den aufkommenden Medienberichten über das zerrüttete Verhältnis zwischen ihrem Superstar und ihrem Head Coach nicht beirren. Eine Veränderung wird nur passieren, wenn James auf eine Absetzung drängt. 

Personal
Über zu wenig Arbeit wird sich GM Griffin nicht beschweren können. James, Love und J.R. Smith haben eine Spieleroption, die wahrscheinlich alle nicht ziehen und damit zu Free Agents werden. Tristan Thompson, Iman Shumpert und Matthew Dellavedova werden zu Restricted Free Agents, die Cavs können also mit jedem Angebot mitziehen. Hinzu kommt, dass die Verlängerungen von Kyrie Irving (fünf Jahre, 90 Millionen Dollar) und Anderson Varejao (zwei Jahre, 20,3 Millionen Dollar) greifen. 

Die Organisation muss sich also auf einen Gehaltszettel vorbereiten, der zwischen fetten 100 und 110 Millionen Dollar liegen wird. Besitzer Dan Gilbert wird tief in die Tasche greifen müssen, um das Team zusammen zu halten. Alles andere ist auch keine Option, will man James überzeugen weiterhin an die Mission 'Titel für Ohio' zu glauben. Das würde den Cavs eine Luxusteuer einschenken, vor der sogar die Brooklyn Nets Respekt haben werden.

Mit James steht und fällt alles in Cleveland, das weiß auch Gilbert. Der Superstar selbst wird wahrscheinlich erneut nur für ein Jahr unterschreiben, um sich jede Flexibilität zu erhalten und einen neuen Vertrag unterschreiben zu können, wenn der neue TV-Vertrag in der nächsten Saison einsetzt. Mit dem Einjahresvertrag setzt er zugleich die Organisation unter Druck, ihm die besten Spieler an die Seite zu stellen. James hält also nicht nur auf dem Spielfeld alle Fäden in der Hand.



Es wird interessant zu beobachten sein, wie es sich mit Loves Vertragsverlängerung abspielt. Zwar forderte James keinen Trade von Love in der vergangenen Saison, doch das Zusammenspiel auf dem Feld klappte nicht reibungslos. Dass der Ausfall von Love nicht sonderlich schwer wirkte, spricht ebenfalls nicht für Love. Doch Love nach nur einer Saison gehen zu lassen, nachdem so viel für ihn in der vergangenen Saison abgegeben wurde, ist nicht realistisch. 

Anders sieht die Situation  bei Tristan Thompson aus, über den sich James mehrere Male öffentlich positiv äußerte und der sich in den Playoffs mit fantastischen Leistungen eine fette Vertragsverlängerung verdient hat. Dass Thompson vom gleichen Agenten wie James betreut wird, spricht auch nicht für eine kostengünstige Vertragsverlängerung. 

Auch bei Shumpert, Smith und Dellavedova haben die Cavaliers keine wirkliche Wahl: Alle drei Spieler müssen gehalten werden, da sie keine Alternativen haben. Ein Problem ist natürlich, dass alle drei Spieler in den Playoffs gute Leistungen gezeigt haben und dementsprechend nun entlohnt werden wollen. 

Draft
Ihren eigenen Draft-Pick, Tyus Jones, verschifften die Cavaliers im Tausch für Rakeem Christmas (36. Pick) und Cedi Osman (31. Pick) nach Minnesota. Außer Christmas und Osman landeten die Cavs auch noch Sir'Dominic Pointer mit dem 56. Pick. Osman bleibt in Europa, Pointer wird es nicht in den Kader schaffen. Am ehesten besteht für Christmas die Chance, ein paar Einsatzminuten als letzter Mann von der Bank zu ergattern. 

Kohle
Wie oben erwähnt werden die Cavaliers nach den verschiedenen Vertragsverlängerungen weit über dem Salary Cap und tief im Luxussteuer-Bereich liegen.

Verstärkungen könnten also nur durch die Mini-Midlevel Exception, den Draft, Minimalverträge oder einen Trade erfolgen. Besonders Brandon Haywoods nicht-garantierter Vertrag ist ein wichtiger Chip für Griffin.

Zukunft
Die Aufgabe der Franchise ist so simpel wie kompliziert: LeBron James muss glücklich gemacht werden. Da wirkliche Alternativen fehlen, wird mit allen Spielern verlängert und der Kader mit älteren Spielern, die noch auf der Suche nach einem Ring sind, aufgefüllt. 

Wenn die vielen Fragen geklärt sind und LeBron James ein weiteres Mal versuchen wird, den lang ersehnten Titel in seinen Heimatstaat zu holen, sind die Cavs noch immer mit großem Abstand das beste Team im Osten. Die Cavs werden mit einem kaum veränderten Kader einen erneuten Angriff auf die NBA-Krone starten.