17 Juni 2015

17. Juni, 2015  |  Torben Siemer  @lifeoftorben


Während sich Cleveland und Oakland in den Finals duellieren, laufen bei den anderen 28 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Platz acht im Westen (49-33) und ein Erstrundenaus war die Bilanz in der Vorsaison 2013/14, in dieser Spielzeit ging Platz sieben mit einem Sieg mehr (50-32) in die Statistik ein. In Runde eins traf Dallas auf einen Rivalen aus der Southwest Division, die zweitplatzierten Rockets aus Houston. 

Nach fünf Spielen war die vor allem auf Mavericks-Seite von teils desolater Defensive geprägte Serie vorbei und das Team von Rick Carlisle auf dem Weg in den Sommerurlaub. Basketball-Deutschland war darüber nicht uneingeschränkt traurig, denn so wird Dirk Nowitzki im September ein wohl letztes Mal im Nationaltrikot auf dem Parkett stehen. 

Für Dallas startete die Saison hervorragend, in den ersten Wochen lief die Offensive – auch dank eines gnädigen Spielplans – auf Hochtouren. Im Dezember und Januar dann fand sich Dirk Nowitzki in einem Loch wieder, die Gesundheit beraubte ihn nach eigener Aussage der im Sommer aufgebauten Kondition. 

Der Playoff-Kurs wurde zwar beibehalten, für den angepeilten großen Wurf aber, das wurde immer öfter deutlich, würde es mit dem aktuellen Personal nicht reichen. Also vollzogen Donnie Nelson und Mark Cuban am 18. Dezember 2014 einen viel beachteten Trade mit den Boston Celtics, der im Austausch für Jae Crowder, Jameer Nelson, Brandan Wright und den eigenen Erstrundenpick in der 2016er Draft Rajon Rondo und Dwight Powell ins American Airlines Center brachte. 


Dass aus den Hoffnungen auf Playoff-Rondo am Ende eher in Anlehnung an Homer Simpsons Ron-D’oh wurde, wissen wir inzwischen – als Hoffnungsträger für einen tiefen Run in die Postseason geholt, legte sich der ebenso streitbare wie selbstbewusste Spielmacher unter anderem im laufenden Spiel lautstark mit Headcoach Rick Carlisle an. Nach Spiel eins der Houston-Serie schließlich „verletzte“ er sich beim Versuch beider Seiten, ihr Gesicht zu wahren. Und doch wussten alle: Das war in die Hose gegangen. 

Hinterher haben es zwar immer viele schon von Anfang an gewusst – aber selbst Dirk Nowitzki gab zu Protokoll, dass man eben jenen Trade und das damit verbundene Risiko wieder eingehen würde. Das Front Office der Mavericks hatte hoch gepokert und auf das falsche Pferd gesetzt. 

Offseason Agenda
Schlicht und ergreifend: So gut wie alles. Der Kader für die nächste Saison (siehe unten) ist bestenfalls bruchstückhaft erkennbar, in der voraussichtlich 18. und vorletzten Saison von Franchise Player Dirk Nowitzki wird es weiterhin darum gehen, so kurzfristig wie möglich einen schlagfertigen Kader aufs Feld zu stellen. 

Tyson Chandler zu halten oder einen vergleichbaren Defensivanker zu verpflichten, steht nach der weitgehenden Offenbarung am defensiven Ende wohl im Vordergrund. Mit Rick Carlisle wird auch in der neuen Saison einer der angesehensten Coaches der Association die Taktikbretter beschriften, zumindest dort herrscht also Kontinuität.

Personal
Chandler Parsons, Dirk Nowitzki und Devin Harris. Diese drei Spieler tragen zur neuen Saison sicher das Mavericks-Trikot, Bernard James (QO) und Dwight Powell (TO) könnten für jeweils knapp eine Million Dollar gehalten werden. 

Abgesehen davon lässt sich wenig vorhersagen: Monta Ellis kann eine Player Option (9 Mio. $) ziehen, wird aber nach zwei guten Jahren wohl mit Aussicht auf einen höher dotierten Vertrag aus seinem jetzigen aussteigen, gleiches gilt für Al-Farouq Aminu, der in der abgelaufenen Saison sein Gehalt von 981 Tausend Dollar mehr als wert war und wesentlich mehr verdienen wird können und wollen. Letzteren werden die Mavs wohl zu halten probieren, bei Ellis ist das aktuell schwer zu sagen. 



Raymond Felton hat ebenfalls eine Spieleroption (4,5 Mio $), ob er andernorts besser bezahlt würde, halte ich für fraglich. Aus der Playoff-Rotation werden somit Tyson Chandler, Rajon Rondo, Amar’e Stoudemire, Richard Jefferson, Charlie Villanueva und JJ Barea Free Agents. Chandler wird das Front Office nach einer guten Saison zu einer weiteren Saison in weiß und blau überreden wollen, billig aber dürfte das nicht werden. 

Die Mavericks haben also aller Voraussicht nach auf eigentlich jeder Position Bedarf, nicht umsonst geistern Namen wie LaMarcus Aldridge oder DeAndre Jordan in den letzten Wochen immer wieder durch die Medien. Im Front Office sowie im Trainerstab wird sich aller Voraussicht nach wenig bis gar nichts ändern, dafür aber werden sie in der Free Agency umso mehr zu tun haben. 

Draft
Die Picks 21 und 52 gehören aktuell den Dallas Mavericks, in den letzten Jahren aber hielt sich die Ausbeute aus dem Nachwuchs-Pool in eher engen Grenzen. Gut möglich, dass auch in diesem Jahr wieder versucht wird, für den Draft Pick einen Veteranen oder zumindest erfahrenen Profi zu akquirieren. Dirk Nowitzkis Uhr tickt nicht leiser und Rick Carlisle gilt nicht gerade als Freund von Rookies. 

Nehmen die Mavericks ihr Wahlrecht wahr, ist eine Vorhersage aufgrund des bereits angesprochenen Bedarfs auf eigentlich allen Positionen schwierig. In verschiedenen Mock Drafts tauchen Spieler wie Montrezl Harrell (PF, Louisville), Justin Anderson (SF, Virginia), Rondae Hollis-Jefferson (SF, Arizona) oder Rashad Vaughn (SG, Las Vegas) um Position 20 herum auf. Ob überhaupt ein Rookie den Weg nach Dallas findet, liegt letztendlich wohl am Gegenwert, den die Mavs in einem potentiellen Trade erhalten könnten.

Kohle
In der Saison 2014/15 lag das Salary Cap bei knapp 63 Millionen Dollar, für 2015/16 wird es nach aktuellem Stand auf etwa 68 Millionen Dollar projiziert. Parsons, Nowitzki und Harris stehen kombiniert mit einem Gehalt von 27,7 Millionen Dollar in den Büchern, macht in der Theorie circa 40 Millionen Dollar für Gedankenspiele. 


Die Cap Holds für Chandler (20,6 Mio $), Rondo (16,4 Mio $). Ellis (10 Mio $) sowie Felton (7,2 Mio $) treiben die Mavericks bis zum Abschluss neuer Verträge der genannten Spieler vorerst in die Nähe der Luxussteuer-Grenze, grundsätzlich aber ist das Front Office aufgrund der Vielzahl auslaufender Deals flexibel. 

Gleichzeitig gilt: Verträge, die mit Blick auf das aktuelle Cap teuer wirken, nehmen ab der neuen Saison prozentual weitaus weniger Platz unter der Höchstgrenze ein. Hier könnte sich also die Möglichkeit bieten, einen für die kommende Saison teuren Vertrag abzuschließen, der dann aber unter dem neuen Cap wesentlich verträglicher wirkt.

Für die Saison 2016/17, der ersten unter dem neuen riesigen TV-Vertrag, wird eine Steigerung der Gehaltsobergrenze auf bis zu 90 Millionen Dollar bzw. auf bis zu etwa 135 Prozent des aktuellen Wertes vorhergesagt. Ein „artificial smoothing“, also eine künstlich verlangsamte Anpassung hatte die Spieler-Union abgelehnt. Wenn man erneut auf Ein-Jahres-Verträge setzen sollte, haben Donnie & Co. im nächsten Sommer die ganz weiten Spendierhosen an.

Zukunft
Fragezeichen. Ganz viele Fragezeichen. Klar ist, dass Chandler Parsons, Dirk Nowitzki und Devin Harris auch 2015/16 in der Rotation stehen. Wer aber die anderen Kaderplätze besetzen soll und wird, ist Stand heute nichts als Spekulation. 

Wahrscheinlich ist in meinen Augen, dass die Mavericks wie in den Vorjahren auch wohl in diesem Sommer nach erfahrenen und weitgehend fertig ausgebildeten Spielern Ausschau halten werden. Die letztjährigen Akquisitionen von Richard Jefferson, aber auch Chandler Parsons stehen beispielhaft für dieses Vorgehen. 

Will man einem 37 Jahre alten Dirk Nowitzki nochmal einen Run auf die Larry O’Brien Trophy ermöglichen, müssen große Sprünge her, muss man wohl wie beim Rondo-Trade erneut das Risiko suchen. Gut möglich also, dass wie in dieser Spielzeit der Kader im Jahresverlauf die eine oder andere signifikante Veränderung erfährt. Dallas plant, solange Nummer 41 noch aktiv ist, weiter kurzfristig und von Saison zu Saison.