30 Juni 2015

30. Juni, 2015  | Tiago Pereira @24Sekunden


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. Das kann den Golden State Warriors aber egal sein - sie krönten eine der dominantesten Saisons aller Zeiten mit der Larry O'Brien Trophäe. #NBACHEF wirft zum Abschluss der Wat' Nu Serie einen Blick auf den Meister, analysiert die abgelaufene Spielzeit und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Was bleibt nach einer Saison wie diesen in Oakland noch zu sagen? Eigentlich nichts. Das Optimum, die Meisterschaft, wurde erreicht - mit Pauken und Trompeten! 83 Siege in 103 Partien. Nicht ein einziges einmal verloren die Warriors mehr als zwei Spiele hinter einander. So klingt absolute Dominanz.

Zwei All Stars brachten die Dubs dabei hervor, einen MVP... und dennoch blicken alle gemeinsam auf den Erfolg der Mannschaft. Geleistet von einem Team, das Erwartungen übertraf, die nie gestellt wurden. Niemand verlangte den Titel zu Saisonbeginn. Oben mitspielen war die Parole. Golden State wollte zeigen, dass auf dem positiven Trend der letzten Jahre aufgebaut werden konnte und dass das goldene Aussehen nicht nur eine Fassade war. 

Zwar hatte das Management den Architekten des jüngsten Erfolges ausgetauscht, aber nie lasteten Meisterschaftsambitionen auf den Schultern des Rookie-Trainers Steve Kerr. Umso erstaunlicher ist es, dass der Titel am Ende nicht unerwartet kam. Sicherlich dauerte es ein kleines Weilchen, bis die Euphorie und der Glaube an den Basketball in Oakland auch in den anderen Teilen der Welt ankam. 

Aber während andere Teams die Tabelle rauf und wieder herunter liefen, marschierten die Krieger zu ihrer eigenen Melodie nach ganz oben. Auf ihren Weg dorthin machten sie die Oracle Arena zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung (39-2) und zelebrierten einen Sieg nach dem anderem. 

Bereits im März übertrafen sie erst ihren Vorjahreswert (51 Siege) und kurz darauf ihre Franchise Bestmarke (55). Als dann der 60. Sieg gefeiert wurde und sogar am Thron der 1996er Bulls heftig gerüttelt wurde, ging ein Ruck durch die Liga. Dieses Warriors Team hatte sich sein Titelfenster geöffnet. Das hatte irgendwann auch der letzte Zweifler mitbekommen.

Der Schritt hin zur Meisterschaft kam jedoch nicht ohne Umwege. Zweimal standen die Warriors vor Problemen, als sie mit einem 1-2 Rückstand auswärts die Serie retten mussten. Sowohl in Memphis als auch in Cleveland hatten die Krieger aber die passende Antwort parat. 

Denn so sehr sich gegnerische Teams auch anstrengten, die Dubs aus ihrem Konzept zu bringen, keimten nie Zweifel an der Ideologie des Erfolges. Ergebnis: Titel. 40 Jahre nach dem Gewinn der letzten Meisterschaft steht der nun frisch gebackene Champion vor einem Sommer, der sogar die Weichen hin zu einer Dynastie stellen kann.



Offseason Agenda
"Never change a winning team!" Wenn uns die Dallas Mavericks von 2011 eins gelehrt haben, dann, dass man ein Meisterteam nicht zum Trödeltrupp macht. Deswegen wird der amtierende Schlipsträger des Jahres, Bob Myers, alles daran tun, seine goldene Truppe beisammen zu halten. 

Die Vorarbeit dafür ist geleistet, denn elf von 14 Warriors stehen für die kommende Saison fest unter Vertrag oder besitzen eine Team-Option (Marreese Speights). Dennoch führt dies nicht zu einem entspannten Sommer für Myers, denn einer der wichtigsten Spieler der Warriors wird restricted Free Agent: Draymond Green. 

Nachdem Green nicht nur in der regulären Saison im Eilschritt auf den Max-Kontrakt zusteuerte, krönte der Forward seine Saison mit einem Tripple Double im sechsten und letzten Spiel der NBA Finals. Der Meisterschaftsring wird somit nicht der einzige Juwel sein, den Green ab der kommenden Saison tragen wird, denn unter dem Maximum an Dollarnoten wird nicht verhandelt. 

Green gab zwar schon sein Bekenntnis, dass er unbedingt in Oakland weiter auf Titeljagd gehen will, doch dazu braucht es erst einmal Platz unter dem Salary Cap. Schließlich wäre Green, bei einer derartigen Vertragsverlängerung, der sechste Spieler im Kader der Warriors mit einem achtstelligen Jahresgehalt. 

Das Opferlamm wird daher David Lee. Der zweifache All Star verlor diese Saison seinen Position als Starter an Green und konnte nur wenig mit der Rolle von der Bank anfangen. Zwar verhielt sich Lee über alle Maße professionell und stand seine Degradierung bis zur Meisterschaft aus, doch ließ er kurz nach dem Gewinn das Management wissen, dass er Oakland verlassen will. Damit werden die Warriors einen Abnehmer für den 15,4 Millionen schweren Vertrag von David Lee finden müssen, um das eingesparte Geld direkt in Draymond Green zu re-investieren. 

Personal
Die Kosten einer Meisterschaft erstrecken sich dabei nicht nur über den Rahmen der Spieler, sondern auch für einen neuen Assistenztrainer muss gesorgt werden. Nachdem die Warriors mit ihrem atemberaubenden Spielstil über die Liga hinwegfegten, will nun jeder ein Teil des Erfolges abhaben. 

New Orleans sicherte sich die Rechte an Alvin Gentry als neuen Pelicans-Coach, um ein wenig Meisterschaftsglanz nach Louisiana zu bringen. Dies reißt eine mittleres bis großes Loch in den Trainerstab der Dubs, denn ohne Gentry findet sich kein Trainer mit langfristiger Headcoacherfahrung. Entweder wird Kerr Luke Walton zur neuen rechten Hand ernennen, oder die Geister eines ehemaligen Trainergespenstes erwecken - zum Beispiel die von Mike D'Antoni.

Draft
Mit dem letzten Pick in Runde eins zogen Myers und die Warriors Kevon Looney von der UCLA. Looney ist ein großer, wurfstarker Big Man, der in die David Lee Rolle schlüpfen kann. Seine Reboundarbeit ist solide, sein Dreipunktewurf hat NBA-Format.

Für eine Mannschaft wie Golden State, die bis zum 13. oder 14. Mann im Kader besetzt ist, ist Looney ein exzellenter Pick, der sich zu einem wichtigen Rotationsspieler mausern kann, wenn er seine gesundheitlichen Probleme in den Griff bekommt.

Kohle
Wie bereits oben erwähnt steht der Kader der Warriors so gut wie unter Dach und Fach. Abgesehen von einem potentiellen David Lee Trade und dem Draft-Pick bleiben den Kriegern nur wenige Möglichkeiten, ihr Roster zu verbessern.

Da aufgrund der fest eingeplanten 83 Millionen Dollar nur wenig Shopping-Laune aufkommt, wird man sich in Oakland auf die kleineren Sanierungen verlegen müssen. Zeit, noch einmal in der Oracle Arena durchzukehren, ehe es 2018 in das neue Heim in San Francisco geht. 

Zukunft
Die Golden State Warriors stehen nach dem Gewinn der Meisterschaft auf dem Gipfel der NBA. Mindestens für einen Sommer und die nächsten 82 Spiele. Um dort zu verweilen, müssen sich die Krieger auf eine lange Saison bereit machen, denn als Titelverteidiger werden sie viele Schläge einstecken müssen. 

Der Kader um Stephen Curry und Klay Thompson ist gut genug, um einen erneuten Meisterschaftslauf möglich zu machen. Doch müssen die Splash Brothers aufpassen, dass sie nicht in der Titelmelancholie versinken, denn der Traum vom Repeat hat gerade erst angefangen.