16 Juni 2015

15. Juni, 2015  |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Während sich Cleveland und Oakland in den Finals duellieren, laufen bei den anderen 28 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Mit Hohn und Spott zum Verlierer des Sommers erklärt, ließen die Rockets ihre Kritiker und Zweifler zügig verstummen. Von zahlreichen Verletzungen unbeeindruckt waren die Texaner von Beginn bis Ende der regulären Saison in den oberen Gefilden der Western Conference zuhause, angeführt von einem stark verbesserten James Harden, der im Lauf des Jahres den Schritt von einem 'einfachen' All-Star zu einem der besten Spieler der Liga vollzog und nur knapp an der MVP-Auszeichnung vorbeischrammte.

Auch dank cleverer Akquisitionen während der Saison (Brewer, Smith, Prigioni) wurde aus einer übersichtlichen Bank eine der ligaweit besten. Selbst der monatelange Ausfall des zweitbesten Spielers im Kader, Dwight Howard, hielt die Mannschaft nicht davon ab, sich mit dem zweiten Platz im Westen und dem Gewinn der mit Abstand besten Division zu belohnen.

In den Playoffs verlief zunächst alles nach Plan: Der texanische Rivale aus Dallas war erwartungsgemäß deutlich unterlegen und wurde in fünf Spielen problemlos abgefertigt. Gegen die Clippers öffneten sich besonders in den Spielen drei und vier qualitative Lücken, die aber insbesondere dank des denkwürdigen Comebacks in Spiel sechs kaschiert wurden.

In den Conference Finals wurde endgültig offenbar, dass Houston für den ganz großen Schritt das letzte Stück Reife und Festigkeit fehlt. Spiel eins und vor allem zwei hätten durchaus gewonnen werden können, letztlich bezahlte man Lehrgeld – wie die siegreichen Warriors in den Jahren zuvor gegen die Spurs und Clippers.

Dennoch endet diese Saison nicht im Ansatz mit so einem bitteren Geschmack wie im Vorjahr (Buzzer Beater von Damian Lillard). Wenngleich manch einer (der die Rockets für nicht sehr gut und berechenbar hielt) der Meinung ist, es gäbe jedes Jahr nur einen Sieger und 29 Verlierer, dürfen sich die Rockets als klarer Gewinner dieser Spielzeit sehen.

Offseason Agenda
Auf diesen Lorbeeren kann man sich bekanntlich nicht ausruhen, die Konkurrenz schläft nicht. Wie jedes Jahr wird GM Morey auch diesen Sommer jeden Stein umdrehen, um sein Team weiter zu verbessern. Wenngleich er betont, auf Stabilität aus zu sein, wird er nicht vor Gedankenspiele um namhafte Akquisitionen, etwa Portlands LaMarcus Aldridge oder Atlantas Paul Millsap, zurückschrecken.


Oberste Priorität hat jedoch die Position des Spielmachers. Schon vergangenes Jahr versuchte Morey nachdrücklich, seinem besten Spieler einen hochqualitativen Nebenmann zur Seite zu stellen, Namen wie Lowry, Dragic, Rubio und Rondo geisterten durch die Medien.

Womöglich wird dieses Problem aber intern gelöst: Seit Jahren halten die Rockets die Draft-Rechte an Sergio Llull. Dieser hat kürzlich mit Real Madrid die Euroleague gewonnen und infolge dieses Meilensteins einen guten Grund, Übersee nach neuen Herausforderungen zu suchen. Vom Spielertyp her würde der Spanier exzellent zu Harden passen, jedoch ginge mit dieser Personalie ein gewisses Risikio einher, schließlich passt nicht jeder prominente Europäer in die NBA – Vasilios Spanoulis lässt grüßen.

Personal
Auch im eigenen Haus hat Morey einiges zu tun. Die Free Agents sind dieses Jahr nicht wenige.

Patrick Beverley: Der bisherige Starter auf der Point Guard Position wird Restricted Free Agent und soll unbedingt gehalten werden. Zu wertvoll ist seine giftige Defense und sein mitreißender Einsatz. Vorbehalte gibt es vor allem wegen der offensiven Mängel sowie der Verletzungsanfälligkeit des 26-jährigen. Diese und die allgemeine Dichte an Point Guards in der Liga wird die Anzahl der Interessenten klein halten. Sofern Mark Cuban nicht den nächsten Rollenspieler völlig unverhältnismäßig überbezahlt, wird Beverley in Houston bleiben und womöglich als sechster Mann noch wertvoller für sein Team werden.

Corey Brewer: Im Dezember aus Minnesota geholt avancierte der Flügel mit seinem energiegeladenen Spiel als Glücksgriff, der exzellent ins System der Rockets passt und als zuverlässige Stütze von der Bank wesentlich am Einzug in die Conference Finals mitbeteiligt war. Im Zuge des Trades verzichtete Brewer auf seine Player Option und wird daher Unrestricted Free Agent. Houston wird Brewer zwar durchaus halten wollen, jedoch nicht zu seinem bisherigen Salär von rund fünf Millionen Dollar. Der All-Rounder wird ein Angebot etwa in Höhe der Bi-Annual Exception (ca. 2 Mio. Dollar) erhalten. Aufgrund des bekannten guten Verhältnisses zu Coach McHale ist ein Akzeptieren dieses und der Verzicht auf ein wenig Geld nicht unwahrscheinlich.


Josh Smith: Nach seiner desaströsen Zeit in Motor City hat J-Smoove in Houston zu alten Qualitäten wiedergefunden und war aufgrund seiner Variabilität ebenfalls mitverantwortlich für die Erfolge der ablaufenden Saison. In Smiths Fall wird wie so oft das Geld entscheiden: Gibt er sich mit den reichlichen Zuwendungen aus Detroit (5,4 Mio. Dollar p. a. Bis 2019) zufrieden und unterschreibt für kleines Salär, ist er in Houston weiterhin willkommen. Jedoch sind seine zum Teil sehr starken Leistungen in den Playoffs auch anderen Teams nicht verborgen geblieben. Diejenigen mit Cap Space könnten mit Kurzzeitverträgen und höherem Gehalt locken.

Jason Terry: Von vielen vor der Saison abgeschrieben erlebte der 2011er Champion ausgerechnet beim ehemaligen Erzfeind einen zweiten Frühling. Nach einer Seuchensaison in Brooklyn (und Sacramento) bewies der mittlerweile 37-jährige, dass zumindest im kleinen Rahmen noch mit ihm zu rechnen ist. Als Shooter und Playmaker von der Bank kann der Jet weiterhin wertvoll sein. Vielleicht erinnert er sich, dass ihm vergangenen Herbst kaum noch jemand eine Chance geben wollte und bedankt sich für diese, indem er nun fürs Veteranen-Minimum verlängert. Für 10-15 Minuten auf dem Parkett ist Terry auch ein weiteres Jahr noch gut.

Pablo Prigioni: Der zur Deadline aus New York akquirierte Argentinier hat einen nicht-garantierten Vertrag für die kommende Spielzeit (1,7 Mio. Dollar). Zwar erfüllte er seinen Job solide, jedoch könnte der im Mai 37 Jahr gewordene Aufbauspieler ein Opfer des Umbruchs auf dieser Position werden. Sollte ein neuer Point Guard kommen und Beverley bleiben, ist nicht mehr viel Platz für Prigioni übrig, zumal in Nick Johnson ein junger Nachrücker bereits mit den Hufen scharrt.

K. J. McDaniels: Ebenfalls zur Deadline geholt, blieb McDaniels – nicht ganz zufällig – in Houston weitestgehend außen vor. Der Flügelspieler mit der wortgewaltigen Mutter wird Restricted Free Agent, aufgrund seiner geringen Einsatzzeit bleibt der Marktwert niedrig. Die Rockets wollen den 22-jährigen behutsam aufbauen, dazu ist ein (niedrig dotierter) Langzeitvertrag nötig, wie ihn McDaniels als Rookie ablehnte. Hohe Angebote wird er diesen Sommer aber nicht erhalten, sodass Moreys Plan vermutlich aufgeht. Gemessen am Potential kann der 32. Pick des letzten Drafts später eine wichtige Rolle einnehmen.

Kostas Papanikolaou: Der Alptraum eines jeden amerikanischen Kommentators begann seine NBA-Karriere stark, wurde aber im Dezember von einer Verletzung aus dem Tritt gebracht und schaffte es anschließend nicht mehr, Fuß zu fassen. Sein Vertrag ist mit einer Team Option ausgestattet, das Volumen von beinahe fünf Millionen Dollar erklärt sich aus der Ablösesumme an Papanikolaous ehemaligem Team aus Barcelona. Diese war höher als die NBA-Regularien erlauben, daher musste der Grieche den Großteil selbst stemmen und wurde mit diesem deutlich zu hohen Gehalt entschädigt. Dass die Option bereits gezogen wurde, spricht eher für einen Trade, denn ein weiteres Jahr wird ihm Morey diese Summe nicht überweisen wollen. Papanikoalous Gehalt für 2015/16 ist nicht garantiert.

Joey Dorsey: Ebenfalls aus Barcelona gekommen aus Mangel an Alternativen, schaffte es Dorsey nur selten, den Erwartungen gerecht zu werden – zu groß sind die qualitativen Defizite. Die erfreuliche Entwicklung Clint Capelas macht Dorsey bei den Rockets obsolet. Houston wird seinen Kaderplatz brauchen, sodass eine Entlassung trotz garantiertem Vertrags nur wenige überraschen dürfte.


Draft
Die Rockets halten den 18. und den 32. Pick beim Draft am 25. Juni, haben aber in Capela, Johnson und McDaniels bereits drei junge Talente im Team, sodass ein neues Projekt nicht zwingend erforderlich ist. Insbesondere der Erstrundenpick wird zur Verfügung stehen, dieser ist Moreys wertvollstes Argument, um oben erwähnte Lücke auf der Eins doch via Trade zu füllen, beispielsweise falls die Nuggets den bekanntermaßen sehr unzufriedenen Ty Lawson abzugeben bereits sind. Bei den internationalen hält Houston die Rechte an Alessandro Gentile und Marko Todorovic (beide Jahrgang 1992). Obwohl Morey sie persönlich in dieser Spielzeit scoutete, ist eine Verpflichtung eher unwahrscheinlich, da sie in beiden Fällen wohl zu früh käme, außerdem hat Houston vermutlich nicht allzu viele freie Rosterplätze.

Kohle
Die Rockets kommen ohne oben aufgeführte Free Agents auf garantierte Gehälter von gut 54 Millionen Dollar. Bei einem kolpotierten Cap von 65 Millionen Dollar bleibt also nicht all zu viel Platz für große Sprünge in der Free Agency, zumindest fernab von Sign & Trades. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Jagd auf Spieler wie Lowry, Anthony oder Bosh eröffnet war, wird Houston in diesem Sommer aus den ganz großen Free-Agent-Konversationen fern bleiben, erst recht da unter den Point Guards nicht allzuviel Passendes zu finden ist. Morey wird tendenziell, auch im Hinblick auf den irrsinnigen Sommer 2016, dieses Jahr eher kleinere Brötchen backen und versuchen, den bestehenden Kader so gut es geht zusammen zu halten.

Zukunft
Das Erreichen der Conference Finals hat die Liga aufhorchen lassen. Die besten drei Spieler, zwei davon legitime All-Stars, stehen auch dieses Jahr unter Vertrag, außerdem haben die vielen Youngster, allen voran Motiejunas, Jones und Beverley (so er denn bleibt), immer noch eine Menge upside. Mit einem besser zusammengewachseneren, homogeneren Team ist Houston für 2016 bestens aufgestellt.

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