21 Juni 2015

21. Juni, 2015  |  Daniel Schlechtriem  @W14Pick


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die Saison der Pacers war bereits gelaufen, bevor das Trainingscamp startete. Dem nicht zu verhindernden Abgang von Lance Stephenson folgte die schaurige Verletzung von Franchise Player Paul George während der Vorbereitung zur Weltmeisterschaft in Spanien. Dieser Unfall versetzte die ganzen Basketballwelt in Schockstarre und kostete den Conference-Finalisten der beiden Vorjahre die Wettbewerbsfähigkeit. 

Ohne den All-Star an ihrer Seite gelang es den Haudegen Hibbert und West das Team zwar defensiv auf einem anständigen Level zu halten (Def Rtg 100,9 – achtbester Wert der Liga), ohne George kam die Offensive jedoch ziemlich zum Erliegen (Off Rtg 100,8 – siebtschlechtester Wert der Liga). Die Folge war meist unattraktiver, starrer, einfallsloser und nur schwer erträglicher Basketball, den die Fans im Bankers Life Fieldhouse über sich ergehen lassen mussten. 

Die ab und zu aufkeimenden Lichtblicke aus der eigentlichen zweiten Reihe von Donald Sloan, Rodney Stuckey und C.J. Miles hielten die Hoffnung bis zur Rückkehr des gefallenen Helden aufrecht, jedoch scheiterten die Pacers im Schneckenrennen um die letzten Plätze im Osten knapp. 

38 Siege genügten nicht, da die Nets bei gleicher Anzahl den direkten Vergleich für sich entschieden hatten und somit den achten Platz für sich beanspruchten. Besonders ärgerlich für die Pacers – denn mit der sehr körperbetonten Teamdefensive, dem zurückgekehrten George sowie Hibbert in der Zone hätten sie die erstplatzierten Hawks gewiss mehr fordern können, als es Brooklyn tat.

Offseason Agenda
Für die Pacers scheint nun ein kleiner Umbruch angesagt. Die Off-Season ist nicht vorhersehbar, denn mehrere Variablen sind kaum bis gar nicht prognostizierbar. Der rekonvaleszente Franchise Player George muss erst beweisen, dass er seine All-NBA-Form wieder erlangen kann. 

Roy Hibbert und David West, zwei der wichtigsten Akteure in der Vergangenheit, halten beide eine Player Option. Zusammengerechnet sind das 27,5 Mio. $ und damit nahezu ein Drittel des kolportierten Caps. Mit Namen zu spekulieren verbietet sich daher an dieser Stelle. Indiana muss mehrgleisig fahren und gegebenenfalls die Zone komplett neu besetzen. Der einstige Titelkandidat könnte in sich zusammenfallen.

Angesichts des fortschreitenden Alters von West sowie Hibberts offensiven Beschränkungen wäre ein softer Rebuild vielleicht sogar der angemessene Schritt für die Zukunft im Hoosier-Staat. In diesem Fall könnte die nächste Spielzeit als weiteres Übergangsjahr zur Entwicklung genutzt werden, um sich dann im Sommer 2016, wenn sämtliche Karten neu gemischt werden, neu aufzustellen.

Sowohl Head Coach Frank Vogel als auch Team-Präsident Larry Bird gaben nach Saisonende bekannt, dass sie das Team in Zukunft gerne schneller und athletischer agieren sehen möchten. Gerade Hibbert, der den Sprung zum Führungsspieler nie gemacht hat, steht mehr denn je auf dem Prüfstand. Eins ist klar: sollte Hibbert gehen (müssen), verliert Indiana auch seine defensive Intensität und damit den wichtigsten Sieggarant der letzten Jahre.



Personal
Hibbert und West haben noch nicht verlauten lassen, ob sie ihre Player Option ziehen. Im Falle Wests wäre es eher denkbar, dass er auf seine alten Tage auf Geld verzichtet und dafür zu einem Titelkandidaten wechselt. Hibbert hingegen wird vermutlich 2016 seinen Maximalvertrag abgreifen wollen und daher seine Option ziehen.

Der Vertrag von Luis Scola läuft ebenfalls aus. Der inzwischen 35-Jährige hat als solider Bankspieler seinen Job erfüllt, wird jedoch in den Zukunftsplanungen von Bird keine große Rolle spielen und vermutlich ebenfalls für kleines Geld bei einem Contender anheuern. Eine Rückkehr zu den Houston Rockets, bei denen der Argentinier seine NBA-Karriere begann, steht im Raum. 

C.J. Watson und Rodney Stuckey halfen in der abgelaufenen Saison mit, die Pacers am Leben zu halten. Besonders Stuckey spielte sein vielleicht effizientestes NBA-Jahr. Ob die beiden eine Zukunft in Indianapolis haben, wird davon abhängen, wie konkurrenzfähig die Pacers im kommenden Jahr sind bzw. sein wollen. 

Donald Sloan und Lavoy Allen, ebenfalls zum 1. Juli Free Agents, waren vorher Füllmaterial und werden über diese Rolle wohl nie hinaus kommen. Gut möglich, dass beide gehen müssen.

Chris Copeland und Shayne Wittington werden Restricted Free Agents. Bei einem Qualifiying Offer von 3,9 Mio. $ bzw. 1,0 Mio. $ ist eher nicht zu erwarten, dass die Pacers Interesse haben, diese Verträge am Laufen zu halten.

Wenn der große Umbruch stattfinden soll, steht auch ein Trade von Aufbauspieler George Hill im Raum. Der 29-jährige lieferte in Saisonhälfte zwei starke Zahlen und war in Georges Abwesenheit der teaminterne MVP. Dass er in der letzten Saison 28 Spiele wegen einer Knieverletzung verpasste und Leistungsschwankungen unterliegt, macht seinen 8 Mio. $ schweren Vertrag nicht leicht vermittelbar. Am wahrscheinlichsten ist, dass der defensivstarke Point Guard auch in Zukunft weiterhin ein Pacers-Jersey tragen wird.

Draft
Die Pacers halten den 11. sowie den 43. Pick beim bevorstehenden Draft. Damit dürfen sie sich zumindest kurzfristig keine große Hilfe erwarten. Dennoch werden sehr talentierte Spiele wie Devin Booker, Frank Kaminsky, Willie Cauley-Stein oder Cameron Payne an elfter Stelle verfügbar sein. Ein Superstar wie Paul George wurde vor fünf Jahren erst an Nummer zehn gezogen - Bird & co. wissen also, wie man scoutet. 

In der aktuellen Situation Indianas wäre es völlig sinnfrei, nach Position zu gehen, denn abgesehen von George streift kein Spieler wirklich definitiv in der kommenden Saison das Pacers-Trikot über. Abhängig von den jeweiligen Entscheidungen Hibberts und Wests wird Bird den Pick gegebenenfalls sogar für Trades in beide Richtungen verfügbar machen.

Kohle
George, Hill (George und Solomon), Miles, Mahinmi, Rudez... Sechs garantierte Verträge und circa 36 Mio. $ stehen in den Büchern. Ob die Pacers Spielraum für Free Agents haben werden, hängt von den bereits erwähnten Entscheidungen von Hibbert und West ab.

Beide haben bis zum 29. Juli Zeit, um über ihre Optionen nachzudenken. Ein Magnet für Qualitätsspieler sind die Pacers traditionell nicht, daher werden sie auch dieses Jahr tendenziell eher Kurzzeitverträge abschließen.

Zukunft
Ob das Team der kommenden Spielzeit annähernd etwas mit dem der abgelaufenen zu tun haben wird, steht völlig in den Sternen – ebenso wie die Zukunft der Franchise. Noch ist offen, ob Paul George jemals wieder derselbe sein kann. 

Schafft es der MVP-Kandidat von 2014, an seine glorreichen Zeiten anzuknüpfen, haben Larry Bird & Co. ein solides Fundament, um eine wettbewerbsfähige Mannschaft um 'PG-13' herum zu bauen. 

Das Championship-Fenster, das Indiana mit zwei Conference Finals Teilnahmen in den beiden Vorjahren weit aufgestoßen hatte, ist seit letzten Sommer aber vorerst geschlossen.