23 Juni 2015

23. Juni, 2015  |  Onur Alagöz  @LakersParadigm


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
"Was für eine Saison! Die Lakers galoppierten durch die Saison wie der Juggernaut, der sie im Westen eben sind. Nichts und niemand hielt stand, keine Mannschaft konnte sie stoppen und so war es letzten Endes nur gut und richtig, dass die Larry-O’Brien-Trophy nach Los Angeles ging..."

Das hätte ich 2010 geschrieben, jetzt aber, fünf Jahre später, ist es keine Überraschung mehr, dass die viertschlechteste Bilanz (21-61) hinter dem Kürzel „LAL“ steht. Bekanntlich musste Team-Gott Kobe nach nur 35 Spielen die Segel streichen, irgendwas mit Rotatorenmanschette in der Schulter oder so. Eine weitere Verletzung halt.

Nick Young durfte ebenfalls über den Sunset Boulevard humpeln, eine Fraktur in der Kniescheibe ließ ihn nur 42 Mal aufs Parkett. Schon vor der Saison musste L.A. den siebten Pick im 2014er Draft, Julius Randle, auf die Invaliden-Liste setzen, die Omen standen also von Anfang an auf Chaos pur.

Einziger Lichtblick: Rookie des Monats im März, Jordan Clarkson, bekam gezwungenermaßen mehr Spielzeit und überzeugte mit starken Zahlen und Einsatz. All-Rookie First Team inklusive. Highlight der Saison für die Lakers. Trauriger Smilie. 

Offseason Agenda
Erst einmal müssen wir den Elefanten im Raum ansprechen. Dieses Team gewinnt auch in der kommenden Saison nichts. Nada. Zumindest keine Titel. Und nur darum geht es eigentlich bei Purp & Yellow. 

Bryants letztes Vertragsjahr wird unterhaltsam, das einzige Thema, das Schlagzeilen machen wird, ist seine bevorstehende Pensionierung. Wie lange bleibt er noch? Wechselt er das Team? (Nein!) Spielt er über 2016 hinaus? Erst wenn diese Fragen geklärt sind,  kann L.A. neu anfangen, mit drei talentierten, jungen Spielern in petto – Randle, Clarkson und den #2-Pick in diesem Draft – plus massiv Platz unterm Salary Cap.

Gepriesen sei der Herr, die Lakers dürfen hoch draften! Hinter den Minnesota Timberwolves wird Adam Silver nämlich in ein paar Tagen jenen Spieler ausrufen, für den sich Mitch Kupchak entscheiden wird. Gerechnet wird entweder mit Jahlil Okafor, D'Angelo Russell oder Kristaps Porzingis. Letzterer hat die Verantwortlichen im front office anscheinend ordentlich beeindruckt, weshalb sein Name ebenfalls zur Debatte steht.

Jordan Hills Vertrag wird anscheinend nicht verlängert bzw. die Team-Option nicht gezogen. Carlos Boozer, Jeremy Lin und Steve Nash hat man nicht mehr an der Backe – no offense, Steve! – und kann den ein oder anderen Vertrag raushauen. Hier wurden bereits Lou Williams und Rajon Rondo genannt. 

Und um ehrlich zu sein: Hier gibt es Bedarf an allem. Mitch muss sich entscheiden, ob er nicht vielleicht doch einen Großangriff auf die Durants und Westbrook starten möchte und somit noch mindestens ein Jahr ausharrt, um die dicke Kohle auf den Tisch packen zu können. 


Personal
Wie bereits angesprochen: Steve Nash hat seine Karriere beendet, zwei Jahre nachdem sein Rücken bereits in Rente gegangen war. Wundert euch nicht, wenn die Lakers ihm einen Job als Assistenztrainer oder dergleichen anbieten - und er ablehnt. 

Lin, Hill und Boozer sind allesamt weniger als Mittelmaß geworden und somit für die Langzeitplanungen absolut uninteressant. Irgendjemand muss trotzdem auflaufen, weshalb wohl wenigstens Lin und Boozer kleine Verträge angeboten bekommen werden, um die Zeit zu überbrücken, bis die Rookies starten können.

Interessant wird es, was Clarkson und Randle reißen können. Auf dem Papier eine durchaus hoffnungsvolle Kombo, wenn beide fit bleiben können. Gerade Clarkson hat sich gegen Ende der Saison und mit wachsender Spielzeit in großen Sprüngen verbessert. 

Bringt Randle etwas von dem Potenzial und der brachialen Power, die ihm vor letzter Saison attestiert wurde und die ihn in der NCAA auszeichnete, sind dies die Spieler, mit denen man in L.A. langfristig planen wird.

Von ihnen abgesehen sind Bryant, Young, Ryan Kelly und Tarik Black die einzigen Spieler unter Vertrag. Die Lakers könnten also bis zu neun Stellen im Kader neu besetzen müssen.



Draft
Jetzt wird es spannend. Die Ping-Pong-Göttin war unseren Lila-Goldenen hold und hat den #2-Pick springen lassen. Im Prinzip gibt es erst einmal zwei Szenarien:

1. Die Timberwolves ziehen an #1 Karl-Anthony Towns. Dann bleibt Jahlil Okafor für die Lakers.
2. Die Timberwolves ziehen an #1 Jahlil Okafor. Es bleibt Karl-Anthony Towns für die Lakers.

Das erste Szenario scheint denkbar einfach und ist ein klassischer no-brainer. Beim zweiten wird es schon tricky, denn: Towns hat kein Workout bei den Lakers absolviert und Berichten zufolge wird er es auch nicht mehr tun. Er gilt als Spieler mit der größten Upside im Draft, ein interessantes Langzeitprojekt, das sich rasant und enorm entwickeln kann.

Ist es den Lakers aber zu gefährlich, Towns zu ziehen, weil er z.B. gar nicht in Los Angeles spielen möchte oder man hier die Katze im Sack kauft, kommt Kristaps Porzingis ins Spiel. Der Lette ist der klassische „high risk, high reward“-Fall, der ein All-Star, aber auch eine weitere herbe Enttäuschung sein kann.

Was also tun? Werden die Stimmen laut, dass die Timberwolves Okafor an der Eins ziehen, kann man ohne Weiteres versuchen, den Pick zu traden. Mit Emmanuel Mudiay, Justise Winslow und D'Angelo Russell stehen direkt hinter den progonostizierten Top-3 ein paar exzellente Perimeter-Optionen bereit. 

Bereits Tage vor dem Draft verdichten sich die Gerüchte, dass L.A. seinen Draft-Pick aggressiv anpreist, um einen Elitespieler zu ertraden. DeMarcus Cousins, der in Sacramento unter Head Coach George Karl nicht gesetzt scheint (obwohl ihn Neu-Präsident und ex-Laker Vlade Divac als untradebar beschrieb), steht ganz oben auf der Wunschliste von Mitch Kupchak, der in der Vergangenheit bereits oft bewiesen hat, dass er unkonventionell denkt und große Moves in petto hat. 


Kohle
Grüne Scheine gibt’s in der Buss Corporation bekanntlich genug, Luxussteuer war noch nie ein Thema. L.A. steckt nun im letzten Jahr von Kobe Bryants Monstervertrag. Glatte 25 Millionen gehen in der kommenden Saison auf den trust fund von Mr. Mamba und bevor sich jemand Hoffnungen macht – dieser Vertrag ist trotz seines auslaufenden Charakters untradebar. 

Kobe wird das Jahr durchpowern, Rekorde jagen, sofern es sein Körper zulässt - danach ist auf der Gehaltsliste der Lakers - Stand heute - gähnende Leere angesagt. Nur Young hat einen garantierten Vertrag über 2016 hinaus. 

Schon jetzt werden die einst glorreichen Lakers aber genug Geld auf der hohen Kante haben - vorausgesetzt sie verzichten auf die Bird-Rechte an all ihren Free Agents, die wie bereits angesprochen ohnehin keine Rolle mehr in den Planungen spielen - um mindestens einen Maximalvertrag rauszuballern. 

Mit den etwas mehr als 26 Mio. $ an Cap Space lassen sich alternativ auch mehrere kleine Deals anbieten, um den völlig durchlöcherten Kader wieder angemessen aufzufüllen. Die Kunst wird sein, die richtige Balance zwischen Vertragslaufdauer, Geld und Talent der Neuankömmlinge zu finden. Idealerweise sind das Deals für junge, grundlegende Spieler, die nicht die Bank sprengen und künftige Flexibilität erhalten, um 2016 zwei dicke Free Agent Fische zu angeln.  

Zukunft
Alles in Allem wird 2015/16 ein Transit-Jahr, wie es im Buche steht. Im schlimmsten Fall hält die Saison ein paar schöne Momente von den Rookies/Youngstern, erneut lächerlich schlechte Defense und einen Kobe Byrant parat, der in seinem vielleicht letzten Jahr nochmal auf MJ-Jagd geht.

Das Best Case Szenario wäre, via Trade zwei absolute Top-Stars zu verpflichten, die mit einem wieder 100% fitten Bryant perfekt harmonieren und die Lakers im Kampf um die unteren Playoff-Plätze halten können.

Rechnet aber eher nicht mit der Postseason. Im wilden Westen stehen bekanntlich schon mindestens zehn andere Teams vor den Lakers in der Schlange. Darum die realistischere Agenda für die nächsten zwölf Monate: Rookies entwickeln, Langzeitplanungen absichern, Kobe verabschieden.

Das scheint der Fahrplan im Staples Center, bis L.A. wieder flüssig ist und befreit von Kobe. Und das sage ich mit aller Ehrfurcht. Wappnet euch also für ein weiteres Jahr unten, diesmal aber mit Perspektive nach oben. Und immer daran denken: Wenigstens haben die Clippers in den Playoffs ordentlich versagt.