22 Juni 2015

22. Juni, 2015  |  Tobi Mannhart  @tobeyten


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Mit 67,1% gewonnenen Spielen und 55 Siegen landeten die Bären auf einem undankbaren fünften Platz in der Western Conference. Aufgrund der ach so sinnvollen Divisionen traten sie dort gegen die schlechter abschneidenden, aber auf Platz vier stehenden Portland Trailblazers an und zeigten einen ansprechenden - aber durch Portlands Verletzungsmisere erleichterten - Auftritt und zogen in Runde zwei ein.

Dort wartete der spätere NBA-Champion aus der Bay Area, die Warriors. Die Spieler von Golden State betitelten die Serie als die schwierigste am Weg zum Titel. Nichtsdestotrotz konnte Memphis Curry und Co. nur zwei Siege abtrotzen und verabschiedete sich vorzeitig in die Sommerpause.


Zur Art und Weise, wie Memphis spielte, kann man nicht viel Neues erzählen: Unschön, aber effektiv. Die beiden Großen unter dem Korb zeigten in der NBA der Neuzeit wieder, wie Old School Basketball funktioniert.

Mike Conley orchestrierte das Post-lastige Spiel auf unnachahmliche Weise und auch wenn seine Stats nicht wirklich großartig sind, etablierte sich Mike als ein echter Top5 Point Guard in der NBA. Mit seinem unnachahmlichen Instinkt, mit dem er seine Mitspieler in Szene setzt, bewirbt er sich nächstes Jahr um einen richtig dicken Vertrag.

Apropos Vertrag: Über der Saison von Memphis schwebte konstant ein Thema: Marc Gasols Free Agency. Jeder GM dieser Welt hätte den hochgewachsenen und defensiv so versierten Center gerne in seinem Team. Marc Gasol selbst sah das aber eher gelassen und verschob alle Diskussionen auf die Offseason. Er machte sich wenig Gedanken und zeigte konstant gute Leistungen. Zusammen mit Conley bildet er das Herzstück der Mannschaft aus Tennessee.

Der Rest der Mannschaft spielte eine annehmbare Saison, allerdings wurde den Machern im Front Office früh klar, dass sie etwas riskieren mussten. Jeff Green wurde im Tausch für Tayshaun Prince verpflichtet und sollte die nötige Firepower liefern. Dies gelang nur in Teilen.

Klar: es ist schwierig für einen Spieler, sich „mid-season“ in einem Contenderteam zu etablieren, allerdings zeigte Green nach anfänglich guten Leistungen nicht die Performance, die man sich erhofft hatte. Es wird also interessant und man darf gespannt sein, ob Jeff in der nächsten Saison halten kann, was seine Anlagen eigentlich versprechen.

Offseason Agenda
Wie vorhin schon erwähnt, ist Marc Gasols Vertragsfreiheit der größte Punkt auf der Offseason Agenda der Grizzlies. Der Center muss gehalten werden. Koste es, was es wolle. Vor allem im Hinblick auf den baldigen Geldsegen im Zuge des neuen TV-Vertrages dürfen Hollinger und Co. keine Sekunde zögern, dem in Memphis aufgewachsenen Spanier einen Maximalvertrag anzubieten.

Gasol betonte in letzter Zeit auch immer wieder, wie wichtig ihm seine Heimat ist und dass er eigentlich nur in einem Gewinnerteam spielen will (insert random Phil Jackson Anspielung hier). Mit seinem Verbleib in Memphis würde man sich auch die zukünftige Playoffzugehörigkeit sichern. Also, Marc, um es im 'Die Ärzte' Jargon zu sagen: BITTE komm zurück!


Punkt zwei auf der Liste bleibt wie immer gleich: Shooting. Die Grizzlies brauchen mehr Spieler, die den Ball von draußen in den Korb befördern können. Derartige Spieler werden zwar immer teurer, allerdings wirkt es nahezu unmöglich, dass die Bären ohne ein paar Shooter jemals den großen Wurf landen können.

Als drittes Fragezeichen muss man Kosta Koufos sehen. Der Backupcenter ist mit seiner Rolle unzufrieden, man darf ihm das auch nicht nachtragen. Er ist wohl einer der stärksten Fünfer, die nur von der Bank kommen dürfen und es scheint mehr als nur wahrscheinlich, dass ihm ein Team ein achtstelliges Gehalt und einen Platz in der Starting Five anbieten wird. Daher wird es unerlässlich sein, einen adäquaten Ersatz für „Double K“ zu suchen.

Außerdem muss man sich wohl um einen Ersatz für Nick Calathes kümmern. Der Grieche hat Heimweh und mehr Lust auf Eurobasketball. Sein Verbleib in der NBA scheint unwahrscheinlich. Allerdings sollte man, vor allem weil Beno Udrih sehr überzeugend gespielt hat, keine großen Probleme haben, denn der Neue wird so oder so nur die dritte Geige im Aufbau spielen. Mein Vorschlag hier: Ein Shooter…  Ernsthaft: Holt jemanden, der werfen kann. Bitte!

Personal
Memphis Stärke liegt in ihrer Starting Five bis Sechs. Dirigent Conley, „First Team All Defense“ Allen, Bully Randolph und der beste Center der NBA (Gasol) bilden das Herzstück des Grit and Grind Bastketballs. Dazu kommen noch Courtney Lee als – in Anführungszeichen - „Scharfschütze“ und Slasher Green, die beide je nach Situation ihren Teil zum Erfolg beitragen.

Bei den Rollenspielern wird es dann schon dünn. Mit den wahrscheinlichen Abgängen von Calathes und Koufos bleibt eigentlich nur noch Beno Udrih, der mit seiner Ruhe und Erfahrung von der Bank den Grizzlies hilft.

Der Rest des Kaders ist leider zu vernachlässigen. Jon Leuer und Co. sind zwar keine schlechten Spieler, allerdings bedarf es wohl einiger Moves in der Offseason, um ein gleich starkes Team wie letztes Jahr auf die Beine zu stellen

Draft
Ich weigere mich heuer, mich auch nur irgendwie mit dem Draft der Grizzlies zu befassen. Es scheint, als ob das Front Office und Trainerteam in Memphis einfach keine Lust auf Rookies hat. Jedes Jahr werden vielversprechende Jungs geholt und durchgehend auf der Bank geparkt. Sie werden dann irgendwann für „n Appl und n Ei“ getradet und der Erstrundenpick somit jedes Jahr vergeudet.

Wären die Grizzlies hier etwas risikofreudiger, dann sollte man einen Backupcenter oder Shooter draften. So wie es aber scheint, braucht man hier nicht groß spekulieren, wenn man nicht gerade Fan eines D-League Teams ist, denn dort wird unser diesjähriger Draftpick sicher am prominentesten vertreten sein...


Kohle
Die liebe Kohle... Theoretisch hätte Memphis ein bisschen Platz unter dem Salary Cap. Allerdings steht ja Marc Gasols Verlängerung an und man sollte sich für nächstes Jahr auch noch etwas Spielraum für Mike Conley bewahren. Der Floor General kommt in das letzte Vertragsjahr und besitzt wohl einen der größten Schnäppchenverträge in der NBA. Zum Zeitpunkt der letzten Verlängerung musste man noch Hohn und Spott ertragen, heute hat man einen Top-5 Point Guard unter 10 Millionen Jahresgehalt im Team.

Es ist also nur in der Theorie Geld vorhanden. Vielleicht schafft man es ja, durch Bi-Annual oder Mid-Level-Exception bzw. einen Sign and Trade von KK ein paar veritable Shooter bzw. einen Backupcenter zu verpflichten. Den großen Sprung kann man vom monetären Standpunkt aus aber nicht machen und sich nur punktuell verstärken.

Genauere Zahlen zur Capsituation lassen sich nicht beschreiben. Zum jetzigen Zeitpunkt stehen 50 Mio. Dollar zu Buche, man wird aber zumindest einen kleinen Schritt in Richtung Luxussteuer in Kauf nehmen müssen, um weiterhin kompetitiv bleiben zu können.

Zukunft
Die Zukunft der Grizzlies hängt, wie schon vorher berichtet, von Marc Gasols Entscheidung ab. Wird er gehalten, so kann man sich weiterhin als „very dark horse contender“ sehen. Mit den Abgängen und der Tatsache, dass das Team nicht mehr das allerjüngste ist, muss man allerdings sagen, dass die Grizzlies etwas riskieren müssen.

Der Standort an sich wird weiterhin als unattraktiv gelten und man muss weitere Risiken eingehen - wie beim Jeff Green Trade. So kann man zwar mit dem aktuellen Personal immer mit der zweiten Playoffrunde rechnen, aber um noch mehr zu erreichen, muss man kreativ werden. Es würde sich also anbieten, die sowieso für Memphis recht wertfreien Draftpicks in etablierte Spieler (Shooter) umzuwandeln.

Geht man allerdings davon aus, dass Marc Gasol bleibt, so kann man als kleine Franchise doch relativ stolz darauf sein, als einer der stärksten Gegner in der Western Conference gesehen zu werden.

Und um ein kleines „Was wäre, wenn“ im Raum stehen zu lassen, soll gesagt sein: Die Golden State Warriors sind verdiente Champions, doch Mike Conley war in der Zweitrundenserie nicht fit. Was wäre wohl gewesen, wenn man ihn voll leistungsfähig zur Verfügung gehabt hätte? Was wäre gewesen, wenn man ein Mittel gegen das Allen-Bogut Matchup gefunden hätte? Was wäre, wenn? Wird werden sehen... Nächstes Jahr!