30 Juni 2015

29. Juni, 2015  |  Philipp Kleisli @PhilippKleisli


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Nach dem Abgang von LeBron James vor der abgelaufenen Saison, waren die Meinungen über die Zukunft der Heat gespalten. Trotz wichtigen Vertragsverlängerungen mit Chris Bosh und Dwyane Wade, sowie akzeptablen Neuverpflichtungen wie Luol Deng und Josh McRoberts, prognostizierten die meisten eine miese Saison voraus. 

Am Ende der regulären Spielzeit landet man auf Platz 10. Hört sich schlechter an als es wirklich war, denn Miami hielt sich bis kurz vor dem Saisonfinale meistens auf einem Playoff Platz und verlor diesen durch unglückliche Niederlagen und die starken Endspurte der Konkurrenz. Aber auch Verletzungspech war mit der Grund für das eher schwache Jahr der Jungs aus South Beach. 

Josh McRoberts fiel fast die komplette Saison aus und ab Mitte Februar konnte Eric Spoelstra auch nicht mehr auf seinen zweiten Starspieler zugreifen, denn Chris Bosh hatte mit der Diagnose Blutgerinnsel  in der Lunge erstmal wichtigere Dinge um die er sich kümmern musste. Dazu kam noch das alljährliche Pokern mit Wade und seinem Knie. Immer wieder musste der Superstar pausieren. 

So kam es dazu, dass die eigentlichen Rollenspieler der Heat viel Spielzeit sahen und dem Front Office ihre Fähigkeiten präsentieren durften. Ein Name fällt bei diesem Thema sofort: HASSAN WHITESIDE. Der Center zählt zu den Überraschungen der Saison und wurde für seine Leistung von allen Seiten in den höchsten Tönen gelobt. 

Zwar wurden die Playoffs nicht erreicht und somit das Saisonziel verfehlt, trotzdem kann man zumindest mit einem halben Lächeln auf die Spielzeit 2014/15 zurückblicken. Der Ruf des meistgehassten Teams der Liga wurde an Cleveland abgegeben und somit fiel auch immens viel Druck von den Schultern der Spieler und des Trainerstabes. Außerdem schaffte es Whiteside wohl nur aufgrund der vielen Verletzungen, sich in der vergangenen Saison so zu entwickeln.

Offseason Agenda
Durch die eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der Cap-Space Situation kann Pat Riley in dieser Free Agency kaum so aggressiv zu Werke gehen wie in den letzten Jahren. Allerdings hat er genug Geld zur Verfügung, um den Kader und die Playoffambitionen zu stärken.

Auch wenn Dwyane Wade nicht mehr der jüngste und fitteste ist, so gehört er noch zu den besten Shooting Guards der Liga und ist das Aushängeschild der Heat. In den letzten Wochen brodelte die Gerüchteküche und man hörte immer wieder, dass sich die Gehaltsvorstellungen von Wade und den Verantwortlichen der Miami Heat stark unterscheiden. 


Auch wenn man durch einen höher dotierten Vertrag im weiteren Handeln eingeschränkt ist, so muss es oberste Priorität haben, Wade in South Beach zu halten. Als Teamleader, Identifikationsfigur mit dem Klub und aktive/lebende Legende ist er für die Moral des Teams und der Fans unersetzlich.

Goran Dragic ist mehr als nur ein guter Point Guard. Er ist ein Starspieler, der als Vorbildfunktion, Aushängeschild und Teamleader fungieren kann. Die Heat haben zwei First Round Picks für ihn hergegeben und der im Februar als so intelligent angepriesene Trade kann nur als schlecht betitelt werden, wenn Miami Dragic jetzt in die Free Agency entlässt. 

Die enorme Stärke von Dragic zu seiner Zeit in Phoenix war das Pick & Pop Play. Mit den zwei guten Mittel- und Distanzschützen Bosh und McRoberts könnte dieses Play zur gefährlichen Waffe in der kommenden Saison werden.

Das Team aus Miami hat, falls nicht von Verletzungen betroffen, eine richtig starke Starting Five. Dragic-Wade-Deng-Bosh-Whiteside liest sich schon sehr gut. Vom vielseitigen Scorer über einen spielintelligenten Aufbau bis hin zum starken Rebounder und Rim Protector ist alles vertreten. 

Aber was, wenn diese Spieler mal eine Pause brauchen? Wer sorgt dann für Punkte? Auf diese Frage gab es letzte Saison keine wirkliche Antwort, das muss geändert werden. Man sollte sich um einen 6th Man bemühen, der vor allem offensiv den Druck hochhalten kann, wenn die Starter mal eine Pause brauchen. Starke Verteidiger hat man genug auf der Bank, aber in Sachen Offensive ist die zweite Garde aus Miami schwach besetzt.

Wie in Punkt eins erwähnt, muss es oberste Priorität haben, mit Wade zu verlängern. Um die anderen Offseason Ziele aber durch einen eventuell hoch dotierten Vertrag nicht zu vernachlässigen, muss Cap Space her. Deng hatte eine starke Saison 2014/15, das lag aber auch an den Verletzungen von Bosh und Wade. Dadurch wurde er teilweise erste Scoringoption und legte starke Stats auf (14 PPG und 5.2 RPG). 

Allerdings ist es fraglich ob er in der kommenden Saison wieder so gute Leistung abrufen kann. Und bei einem Gehalt von über 10 Mio. $ sollte Miami sich zweimal überlegen, ob Deng nicht getradet werden sollte, falls er seine Spieleroption zieht. 

Ein anderer Kandidat ist Chris „Birdman“ Andersen. Der X-Faktor in den Playoffs 2013 ist mittlerweile 36 Jahre alt und längst nicht mehr der Energizer, der er einmal war. Natürlich ist er ein absoluter Liebling der Fans, aber Miami könnte die 5 Mio. $ besser investieren. Auch wenn es im ersten Moment wehtut und sinnlos erscheint, einen Fanliebling und einen Leistungsträger vergangener Jahre abzugeben, so muss das Ganze als Opfer für die Vertragsverlängerung mit Wade verstanden werden.



Personal
Wade und Deng verfügen über eine Spieler Option für die kommende Spielzeit, wobei Wade aus seinem Vertrag schon ausgestiegen ist, was bedeutet, dass er Unrestricted Free Agent ist. Ob er in Miami bleibt, ist nicht sicher, aber dennoch sehr wahrscheinlich. 

Für Michael Beasley und James Ennis hat Miami eine Teamoption. Auf die für Beasley hat Riley schon verzichtet - und damit das Kapitel um den ehemaligen Lotteriepick endgültig geschlossen. Mit Ennis wird aber wohl auch für nächste Saison geplant. 

Der Vertrag von Whiteside ist mit Ablauf der Saison ausgelaufen, aber hier ist eine Verlängerung schon so gut wie sicher. Sonst bleibt in South Beach alles beim Alten. Die restlichen Spieler im Kader sowie der Trainerstab haben Verträge, die noch mindestens für die kommende Saison 2015/16 gültig sind.

Draft
Beim diesjährigen Draft pickten die Miami Heat Justise Winslow an zehnter Stelle. Winslow war mit verantwortlich für Dukes Sieg beim NCAA Tournament. Mit seinen 14.3 Punkten und 9.3 Rebounds pro Spiel war er wichtiger Bestandteil der Blue Devils.

Die Heat freuen sich diebisch, denn dass Justise Winslow bis zu ihnen zurückfällt, war so nicht abzusehen. Gemessen an seinem Talentlevel ist der 10. Pick für Justise Winslow ein Schnäppchenpreis. Die Heat bekommen einen extrem toughen Spieler. In der Defense kann er alle Außenpositionen verteidigen. Auch als Rebounder tritt er gerne in Erscheinung. 

Offensiv konnte sich Winslow über das Jahr am deutlichsten steigern. Sein Wurf ist kaum wiederzuerkennen. Als Spotup oder Catch-and-Shoot Schütze ist er bereits jetzt brauchbar. Aus dem Dribbling benötigt die Wurfform jedoch noch eine Menge Übungsstunden. Seine Winnermentalität (College, Highschool und internationale Titel) passt exzellente in jede Franchise.

Kohle
Miami hat nichts auf der hohen Kante - das ist aber so gewollt, denn Verlängerungen mit Wade und Dragic lassen keine anderen Personalmanöver zu. Außer den Exceptions und Mini-Deals stehen keine Mittel zur Verfügung. Das machts nichts. Kehren alle Free Agents zum Team zurück, bieten die Heat künftig eine der besten Starting Lineups der gesamten NBA auf. 


Zukunft
Das Ziel für 2016 ist auf jeden Fall die Playoff-Teilnahme. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Aber als Heat Fan darf man, falls die Pläne des Front Office aufgehen und mit Wade, Whiteside und Dragic verlängert wird, positiv gestimmt sein. 

Vor allem im nicht so starken Osten und mit der Rückkehr der Langzeitverletzten darf man sich wieder zum erweiterten Kreis der Topteams zählen. Und sind die Playoffs erstmal erreicht, das weiß jeder, ist alles möglich.