27 Juni 2015

26. Juni, 2015  |  Güven Taş  @GuvenTas


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
So eine Spielzeit hätten wohl nur die größten Optimisten erwartet. In nur einem Jahr steigerten sich die Milwaukee Bucks von der Lachnummer der Liga (15 Siege in 2013/14) zu einem ernstzunehmenden Playoff-Kandidaten. 

Mit 41 Siegen konnten die jungen Hirsche ihre Ausbeute fast verdreifachen. Und sogar in den Playoffs bewiesen Sie ihren Teamgeist, als sie den erfahrenen Chicago Bulls in der ersten Runde zwei Siege abrangen.

Schon der 6. Platz in der Conference kam einer Sensation gleich, auch wenn es im deutlich schwächeren Osten war. Die junge Mannschaft von Coach Jason Kidd sprühte phasenweise vor Spiellust. 

Besonders die Defense konnte auf Anhieb überzeugen und gehörte ligaweit zu den besten.

Giannis Antetokounmpo machte einen großen Sprung nach vorn, Khris Middleton erwies sich als echter Schläfer und auch Coach Kidd leistete hervorragende Arbeit. 

Ein junges, hungriges Team mit einem ebenso ambitionierten Trainer - Die Zukunft der Bucks sieht glänzend aus. Auf so eine vielversprechende Saison lässt sich aufbauen. Aber auch auf Milwaukee warten im Sommer ein Paar Hausaufgaben. Dies gilt besonders für die Offense.



Offseason Agenda
Es muss ein echter Scorer nach Wisconsin. Während die Defense (Rating 99,4 – Platz 2 in der NBA) sich nur Meister Golden State beugen musste, belegte der Angriff einen abgeschlagenen Platz in der Niederungen der Effizienz-Rankings. (Rating 100,5 – Platz 25).

Im Angriff setzen die Bucks auf absoluten Teambasketball. In dieser eigentlich vorbildlichen Spielweise liegt jedoch gleichzeitig auch die Krux. Besonders in engen Spielen wurde dies deutlich, als Milwaukee in der Crunch Time der nötige go-to Spieler fehlte. 

Hinzu kamen zu viele Turnovers und relativ schwaches Rebounding. Nach dem Allstar-Break war zumindest in dieser Hinsicht eine ordentliche Steigerung zu verzeichnen. Vor dem Break belegten die Hirsche Platz 19 bei der Offensiv-Rebound-Rate sowie Platz 28 bei der Defensiv-Rebound-Rate; nach dem Break immerhin Platz 6 respektive Platz 14.

Oberste Priorität sollte eine Verlängerung mit Khris Middleton haben. Der erst 23-jährige Flügelspieler spielte eine starke Saison und weckte vielerorts Begehrlichkeiten. Sein Spottvertrag (0.9 Mio. $) läuft aus, er wird Restricted Free Agent. 

Angeblich haben ihm die Hirsche bereits einen Kontrakt über vier Jahre und 40 Mio. $ vorgelegt. Laut eigener Aussage fühlt sich Khris Kross sehr wohl in der Bierstadt. Eine Verlängerung gilt somit als sehr wahrscheinlich.

Im Trade mit den Detroit Pistons, der Ersan Ilyasova aus den Büchern strich, hat Milwaukee schon mal ordentlich Platz frei geschaufelt (knapp 8 Mio. $). Im Gegenzug kamen Caron Butler und Shawne Williams nach Wisconsin. Beide Verträge sind aber nicht garantiert, beide könnten gewaived werden.

Personal
Im Frontcourt drückt der Schuh. In der abgelaufenen Saison bildeten Zaza Pachulia und Ersan Ilyasova das Starting Duo der Bucks. Der Georgier ist ein echter Hustler und harter Malocher, das weiß man nicht erst seit heute. Für seine teamdienliche Arbeitseinstellung wird er von seinen Kameraden und den Fans sehr geschätzt. Dies ändert leider nichts an seinen mangelhaften spielerischen Qualitäten. Der mittlerweile 31-Jährige ist in diesem Stadium seiner Karriere ein solider Reservespieler, mehr aber nicht.

Da der einstige Hoffnungsträger Larry Sanders lieber zum 45. Mal „Half Baked“ guckt, anstatt Basketball zu spielen, haben die Bucks somit vor allem auf der Fünf Handlungsbedarf. Der Markt an verfügbaren und fähigen Big Men ist überschaubar. Der kommende Draft, die Free Agency und der Tradebazar bieten sich an, um sich einen Pivoten mit Zukunft zu sichern.

Auf Power Forward steht zumindest schon mal John Henson bereit. In der abgelaufenen Saison konnte der 24-Jährige häufig überzeugen und genießt das Vertrauen seines Coaches. Mit seinen 2,12 Metern kann das fröhliche Milchgesicht auch auf der Center Position ran. 

Sein Shotblocking und Rebounding (besonders am offensiven Brett) sind bereits auf einem guten Niveau. Und dann gibt’s da ja noch einen gewissen Jabari Parker, der auf beiden Forward-Positionen spielen kann und seiner starken Rookie-Saison eine noch stärkere Sophomore-Leistungen liefern will.

Mit Middleton (vorausgesetzt er bleibt) und Antetokounmpo sind auch die beiden Flügel-Positionen hochwertig besetzt. Ein Fragezeichen steht nach wie vor hinter Michael-Carter Williams. Auch in der jüngsten Spielzeit konnte der lange Spielmacher nicht recht überzeugen. Noch immer fehlt seinem Spiel die nötige Effizienz. Die Bucks hoffen, dass Point Guard Legende Kidd auch bei MCW seine Magie entfaltet.


Draft
Milwaukee durfte an 17. Stelle ziehen und selektierte dort UNLVs Rashad Vaughn. Der Off-Guard hatte bei den Rebels Narrenfreiheit und durfte aus allen Lagen draufhalten. Er kann sich bereits Würfe kreieren, die er auch trifft - allerdings sollte er sein Ballhandling noch verbessern, um konsequenter zum Korb zu ziehen.

Vaughn ist kein überragender Athlet und verteidigt nicht besonders gut - das sind bereits deutliche Indizien, dass er bei Kidd und angesichts dessen Alternativen im Backcourt zunächst nur als Bankwärmer und in der D-League zum Einsatz kommen wird.

Mit Greivis Vasquez sicherten sich die Bucks in der Draft-Nacht einen ausgebufften Veteranen für die Guard Position. Besonders in den Playoffs wurde das Fehlen von Basketball-IQ und Führungsqualitäten deutlich - Carter-Williams und dessen Backup Jerryd Bayless können beides nicht bringen.

Vasquez ist kein Goliath auf der Eins und kostete die Bucks einen künftigen First Round Pick. Aber Vasquez weiß immerhin, wie man eine Mannschaft lenkt, verteidigt solide und hat mehr Balance zwischen Scoring und Playmaking als genannte zwei.


Kohle
Mit den Additionen von Vasquez und Vaughn ist der Bucks-Kader nahezu komplett. Verlängern auch noch Middleton und Dudley (Player Option) - wovon alle in Milwaukee ausgehen - sind alle 15 Spots zur kommenden Saison besetzt.

Auch wenn Middleton ein Jahressalär von mehr als 10 Mio. $ pro Jahr kommandieren sollte, wären die Finanzreserven bei den Bucks dick genug, um auf dem Free Agent Markt zuzuschlagen. Mit 13 bis 14 Mio. $ auf der hohen Kante ließe sich arbeiten - wenn Milwaukee daran nicht gänzlich uninteressiert wäre.

Dieser Klub hat nach wie vor die Entwicklung seiner vielen jungen Spieler im Auge - und fährt mit dieser Strategie gut. Sollte im Laufe der Saison ein opportunistischer Trade verfügbar werden (Pachulia, Butler und O.J. Mayo sind Kandidaten), hat GM John Hammond genug Asche auf der hohen Kante, um einen dickeren Vertrag zu absorbieren. 

Zukunft
Die Fans aus der Bierhauptstadt blicken nach vielen Jahren in der Bedeutungslosigkeit wieder frohen Mutes in die Zukunft. Die Milwaukee Bucks sind hip! (hätte ich das noch vor zwei Jahren gesagt, hätte ich mich wohl selbst ausgelacht).

Mit Kidd steht ein intelligenter und kommunikativer Trainer an der Seitenlinie, der genauso hungrig ist wie seine junge Mannschaft. Der neue Teambesitzer scheut keine Mühen und Kosten, um die Franchise weiter voranzubringen.

Das Spielermaterial der Hirsche ist erstklassig. 'Kounmpo, Khris Middleton, Jabari Parker und auch John Henson sind ein sehr talentierter Nukleus. Die Bucks müssen diesen hochtalentierten Kern mit erfahrenen Spielern garnieren. Jared Dudley sollte einen neuen Vertrag bekommen, da er enorm wichtig für die Teamchemie ist - besonders abseits des Courts.

Sollte sich einer der Jungstars zum echten Scorer entwickeln (Middleton oder Parker?), haben die Bucks erneut gute Chancen auf die Playoffs. Das letzte Jahr war eine enorm wichtige Erfahrung. Daran muss die Franchise anknüpfen. Dann sind die Milwaukee Bucks nicht nur hip, sondern auch hop. Fear The Deer!