29 Juni 2015

28. Juni, 2015  |  Jan Wiesinger  @WiesiG


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die Serie würde auch in dieser Saison nicht reißen, das war auch für die allergrößten Optimisten absehbar: Mit ganzen zehn Jahren Playoff- Abstinenz hatten die Timberwolves die mit Abstand längsten Sommerferien aller Franchises in den letzten Jahren. Hatte man in der Saison 2013/2014 (40-42) zumindest zeitweise davon träumen dürfen diese Serie zu beenden, standen vor Tip-Off  ́14/15 alle Zeichen bereits auf Neuanfang.

Allstar-Forward und Franchise-Player Kevin Love war auf eigenen Wunsch zu den Cleveland Cavaliers verschifft worden, im Gegenzug hatte man talentierte junge Spieler wie Anthony Bennett und Andrew Wiggins erhalten. Vor der Saison wurde zusätzlich der Vertrag mit Point Guard Ricky Rubio für vier weitere Jahre und 55 Mio. $ verlängert. Die Wolves gingen mit einem unerfahrenen, aber talentierten Roster in die Saison, dem es aber vor allem an einem mangelte: Struktur.

Die erleuchteten Buchmacher von Las Vegas prognostizierten vor der Saison eine Marke von wahrscheinlichen 25,5 Siegen für die Wolves, welche das Team jedoch deutlich unterschritt. Mit einer Bilanz von nur 16 Siegen und 66 Niederlagen stellte man das schlechteste Team der Liga und unterbot damit sogar noch die vor der Saison als „schlechtestes Team aller Zeiten“ betitelten 76ers aus Philly.

Verletzungen und daraus resultierende DNPs waren hieran nicht ganz unschuldig: Rubio (22 Spiele) und die erfahrenen Kevin Martin (39 Spiele) und Nikola Pekovic (31 Spiele) arbeiteten für ihre Paychecks nur in Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung. Hieraus ergaben sich jedoch Spielzeiten für junge Spieler wie Rookie oft the Year Wiggins, Anthony Bennett, Dunk-Contest-Champion Zach LaVine, Shabazz Muhammad und den spät ertradeten Andreian Payne.

Nach einigen notwendigen Umbauten durch Trades während der Saison stieß kurz vor Ablauf der Deadline auch noch Veteran Kevin Garnett zum Team, seines Zeichens Zeuge und Protagonist des letzten Playoff-Runs in Minnesota aus der Saison 2003/2004, als man erst in den Conference Finals gegen die übermächtigen Lakers scheiterte. Lang ist ́s her.


Offseason Agenda
Die Weg der Timberwolves geht weiter in Richtung Rebuild. Einige Spieler passen schlichtweg nicht mehr in das Konzept, mit jungen Spielern einen strikten Neuaufbau anzugehen. Hatte man bereits in der letzten Saison vergeblich versucht, solche Spieler gewinnbringend gegen junge Spieler oder Draft Picks zu tauschen, muss man dieses Ziel in der Off-Season noch konsequenter verfolgen und dabei auch bereit sein, Kompromisse einzugehen.

Immer noch stehen Altlasten wie Pekovic, Martin oder Chase Budinger im Kader, welche den jungen Spielern Spielzeit nehmen und auch finanziell verhindern, dass man größere Sprünge hinsichtlich Free Agents vornehmen könnte.

Auch die medizinische Abteilung der Wolves steht in der Pflicht. Vor allem beim designierten Franchise-Player Rubio bedarf es einer genauen Analyse der Verletzungshistorie, um ihn für die Zukunft resistenter gegenüber Verletzungen zu machen.

Sonnenkönig Flip Saunders und GM Milt Newton sollten zudem weiter Geduld haben und diese auch ausstrahlen. Den jungen Spielern muss weiter ohne zu große Erwartungshaltung der Rücken gestärkt werden und jedem einzelnen die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.



Personal
Hier sieht es weitgehend unverändert aus. Ohne Trades bleibt der Kader in der nächsten Saison personell größtenteils zusammen. Lediglich Gary Neal, Jose Juan Barea und Kevin Garnett werden zur neuen Saison Free Agents.

Während man in Minnesota auf die Dienste von Neal und Barea wohl gerne verzichten wird, nimmt die Weiterverpflichtung Garnetts einen besonderen Stellenwert ein. Garnetts sportlicher Wert ist in den letzten zwei Saisons rapide gesunken, wohingegen seine Bedeutung als Energizer und für den Locker Room kaum überschätzt werden kann.

Im Raum steht ein günstiger 2-Jahresvertrag mit anschließender Weiterverwendung in der Franchise. Garnett könnte eine ähnliche Position auf der Bank einnehmen, wie sie Juwan Howard vor einigen Jahren in Miami bekleidete.

„The Big Ticket“ kann zusammen mit Coach Saunders dem jungen Kern der Truppe um Rubio, LaVine, Bennett, Muhammad, Payne, Wiggins und Big Man Gorgui Dieng aufzeigen, worum es im NBA-Basketball eigentlich geht.

Weitere Umbauten hinsichtlich des Personals sind, wie bereits angesprochen, obligatorisch, bedürfen aber auch Interessenten für Pekovic, Martin und Budinger.

Draft
Als schlechtestes Team der Liga hatten die Wolves eine 25-%ige Chance die Draftlottery mit dem 1st Pick zu gewinnen, gleichzeitg aber auch eine 75- %ige Chance, an Stelle 2 oder später zu picken. Against All Odds ging der 1st-Pick dennoch nach Minnesota, sodass man im Norden nach Bennett(2013) und Wiggins(2014- beide via Cleveland) den dritten #1-Pick in drei Jahren begrüßen darf. Vorher hatten die Wolves die Lottery noch nie gewonnen.

Hier erfüllten die Timberwolves die Erwartungen aller Experten und entschieden sich mit Karl-Anthony Towns von der University of Kentucky für den zweifelsfrei talentiertesten Spieler des Jahrgangs. Big Man Towns werden hervorragende Anlagen sowohl in der Offensive, als auch in der Defensive bescheinigt, wobei er sich in den Front Court neben Dieng, Garnett und Pekovic einfügen wird, was letzteren immer überflüssiger und ersetzbarer für die Wolves erscheinen lässt.

Towns wird in Minnesota Entwicklungsmöglichkeiten und Spielzeit bekommen und mit Kevin Garnett einen der bestmöglichen Mentoren für einen Spieler seiner Prägung.

Den 31. und den 36. Pick schickte man im Tausch mit den Cleveland Cavaliers für den an 24. Stelle gezogenen Tyus Jones. Der 1,85 Meter große Point Guard kommt von den Duke Blue Devils und ist somit genau wie Towns ein Final-4 Teilnehmer der letzten March Madness.


Kohle
Große Sprünge sind für die Wolves in der Saison 2015/2016 nicht möglich. Die beiden neuen Rookies dürften zusammen mit ca. 6 Mio $ zu Buche schlagen, die Verlängerung Garnetts könnte sich auf 2-5 Mio. $ in der nächsten Saison belaufen. Neben den ohnehin schon 56 Mio. $ in den Büchern bewegt sich Minny somit schon am Rande des Caps.

Gelänge es dem Front Office um Newton, Saunders und Co., Budinger (5. Mio $), Martin (7 Mio. $/ zwei Jahre verbleibend) oder gar den montenegrinischen Klotz am Bein, Nikola Pekovic, (12 Mio $ in der nächsten Saison/ noch drei Jahre Vertrag) zu traden, würden sich auch finanziell logische Freiräume für die Timberwolves ergeben.

Zukunft
Die Zukunft in Minneapolis sieht rosig aus, aber die Zukunft ist noch lange nicht da. Der Kader und die Zukunftsperspektive um Rubio, Wiggins, Towns und Co. ist auf lange Sicht brutal vielversprechend und wurde mit Kevin Garnett um die notwendige Erfahrung bereichert.

Dennoch ist der Prozess des Umbaus noch lange nicht abgeschlossen. Wie gut werden Dieng und Towns im Frontcourt harmonieren können, welche Gegenwerte lassen sich für die ungeliebten Veteranen ertauschen? Kann Rubio verletzungsfrei bleiben oder plant man stattdessen bereits mit Rookie Jones auf der PG-Position?

Auch wenn die grausame letzte Saison mit dem starken Talentlevel nicht wiederholt werden wird. Vom Ende der Serie ist man in Minnesota im starken Westen noch weit entfernt. Aber definitiv auf dem richtigen Weg.