27 Juni 2015

26. Juni, 2015  |  Onur Alagöz  @LakersParadigm


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Natürlich wäre es leicht, die relativ erfolgreiche Saison nur Anthony Davis zuzuschreiben. Deswegen mach ich das auch: Bereits im Eröffnungsspiel knallte der unfassbar gute "AD" 26 Punkte, 17 Rebounds und 2 Assists rein, mit 9 Blocks und 3 Steals als kleine Dreingabe. 

Anfang des Jahres schrieb ich ausführlich über den 22-Jährigen und seine lächerlichen Videospielzahlen. In den 68 Spielen, in denen er auflief, war er an allen Ecken und Enden des Courts dominant. Hilfe bekam er dabei beinahe ausschließlich von Tyreke Evans, der sich still und heimlich im Rahmen von Jrue Holidays Verletzungen zum zweitbesten Spieler des jungen Teams mauserte. 

Die erste Playoffteilnahme seit 2011 hatten die Pelicans vor allem AD zu verdanken. Den Tiebreaker gegenüber den Thunder hielten sie unter anderem wegen eines Game-Winners vom Teamkapitän.

Zwar wurde New Orleans in der ersten Runde ziemlich unzeremoniell von den Golden State Warriors gesweept - bekanntlich wurden die aber später NBA-Champion. Trotz der ansehnlichen Saison musste Trainer Monty Williams dann dennoch seinen Hut nehmen. Man sah in ihm kein Potenzial mehr nach oben – und die Kurve der Pelicans zeigt in genau diese Richtung. 


Offseason Agenda
Der erste Punkt ist bereits von der To-Do-Liste gestrichen: neuer Headcoach wird Angriffs-Architekt Alvin Gentry vom NBA-Champion Golden State Warriors. Das Offensivgenie soll an den richtigen Stellschrauben drehen, um Davis’ Potenzial zu entfalten und damit die Pelicans zu einem Contender zu machen. 

New Orleans hat keinen Erstrundenpick in dieser Saison, rechnet aber trotzdem damit, dass Gentry versuchen wird, ein paar Moves zu machen. Mehrere personelle Veränderungen – dazu später mehr – im Kader sollen dafür sorgen, auf der diesjährigen Teilnahme in den Playoffs aufzubauen.

Personal
GM Dell Demps wird sich zunächst überlegen müssen, wie er mit Ömer Asik weitermacht. Das Experiment mit zwei superdefensiven Bigs ging allein deshalb flöten, weil der lange Türke offensiv absolut unbrauchbar ist. Zwar ist er ein sehr solider Offensivrebounder, aber vor allem gegen Ende des Spiels im Angriff mehr Last als Nutzen. 

Sein auslaufender Vertrag kann sicherlich zu wesentlich günstigeren Konditionen als bisher verlängert werden. Ob das aber Sinn macht in einer Liga, die sich augenscheinlich immer weiter von traditionellen Centern verabschiedet, ist fraglich. Zumal Gentry andere Vorstellung haben könnte.

Eric Gordon hatte eine Player Option, die er vor wenigen Tagen erwartungsgemäß auch zog. Vor ein paar Jahren teilweise zur Reinkarnation von Michael Jordan gehyped, bekam der verletzungsanfällige Shooting Guard lange kaum noch einen Fuß auf den Boden, ehe er in Saisonhälfte zwei solide Leistungen brachte.

Seine 15,5 Mio. $ in der kommenden Spielzeit dürften ein interessantes Trade-Asset sein für ein Team, das jetzt Hilfe braucht und im nächsten Jahr sparen will. Genauso gut möglich ist, dass ihn der neue Cheftrainer als integralen Bestandteil der neuen Offensivlineup sieht und er die Chance bekommt, sich für einen neuen Vertrag ab 2016 zu empfehlen.

Die Reservisten Alexis Ajinca, Luke Babbitt, Dante Cunningham, Norris Cole, Jimmer Fredette und Jeff Withey sind allesamt Free Agents. New Orleans' Ersatz-Lineup könnte also zur kommenden Saison einen völlig neuen Anstrich erhalten.


Draft
Hier ging gar nichts. Die Pelicans besaßen lediglich einen einzigen Draftpick, den 56. um genau zu sein, der von Memphis kam. Ihren #18 Pick hatten sie im Asik-Deal an Houston abgetreten.

Da sie ihren Second Rounder auch noch an die L.A. Clippers verkauften, beendeten die Pellies die Draft-Nacht als einzige Mannschaft ohne einen einzigen personellen Zugang.

Kohle
Die Franchise versucht nach wie vor, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Die charmante Stadt in Louisana hat in der letzten Dekade viel Leid gesehen, schwierige Zeiten erlebt und ist beim besten Willen kein big market. 

Teambesitzer Tom Benson möchte die Gehaltsliste wieder wirtschaftlicher gestalten: letzte Saison waren seine Pelicans ligaweit an Nummer 7, was die Personalausgaben anging - viel zu weit oben angesichts der Marktlage. 

Lediglich das Vertragsende von Asik gibt ein wenig Luft zum Atmen. Obwohl viele kleine Verträge auslaufen, wird kein Geld vorhanden sein, um große Sprünge zu machen oder gar teureren Free Agents nachzujagen.

Gute Nachricht jedoch nochmal: Davis, Holiday und Evans sind allesamt für moderate Preise -  bzw. in Davis‘ Fall für ein Appel und ein Ei – noch zwei Jahre gebunden. Die langfristige Planung kann also nach der nächsten Saison losgehen, wenn Gordon und Anderson ihren letzten Scheck erhalten haben.

Zukunft
Wenn man hier kein Experte im Umgang mit Tarotkarten ist, wird man auch keine feste Prognose abgeben können. Vom absoluten Scheitern und dem damit verbundenen Abgang von Davis, bis hin zu einer langen Karriere des neuen Ligalieblings im Pelicans-Trikot ist alles möglich.
 
Anthony Davis streitet sich gerade mit Kevin Durant und Stephen Curry um den Titel "zweitbester Spieler der Liga." In ein paar Jahren werden sich dann möglicherweise LeBron und Durant um diesen Titel streiten – hinter Davis. 

Solange die Monobraue im Team ist, wird es hier eine Perspektive geben, die steil nach oben zeigt, Punkt. Mit Alvin Gentry ist jetzt auch ein Coach da, der sein Handwerk versteht und sich nach eigener Aussage freut, Davis’ Potenzial anzuzapfen. 

Ich werde hier mit Sicherheit weiterhin einschalten. Ihr solltet das ebenfalls. Wenn nämlich Evans, Holiday und Davis „Klick“ machen, dann machen die Pels richtig, richtig Spaß.