20 Juni 2015

19. Juni, 2015  |  Sebastian Seidel  @Sebastianctcb


Während sich Cleveland und Oakland in den Finals duellieren, laufen bei den anderen 28 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die New York Knicks blicken auf eine katastrophale Saison zurück. Die komplette Aufbruchseuphorie, welche mit der Verpflichtung von Phil Jackson im letzten Frühjahr nach New York kam, ist verflogen.


Die Knicks starteten mit Playoffambitionen in die Saison, konnten diese allerdings nach einem katastrophalen Saisonstart schon sehr früh begraben. Das Front Office um Phil Jackson und Steve Mills reagierte richtig und schaltete in den Tankingmodus. 

J.R. Smith und Iman Shumpert wurden für quasi nichts verscherbelt. In dem Drei-Team-Deal mit den Cavaliers und Thunder erhielten die Knicks Lou Amundson, Lance Thomas und einen Zweitrundenpick.


Amundson und Thomas sind Spieler, die in einer NBA-Rotation eigentlich nur sehr wenige Minuten bis gar keine Minuten sehen sollten. Bei den Knicks bekamen sie jedoch massig Spielzeit und halfen dabei, in New York einen Kulturwandel zu vollführen. Wann immer sie auf dem Feld standen spielten sie extrem hart und brachten Leben ins Spiel der Knicks.

Dies trifft auch Langston Galloway zu.
 Der Combo-Guard wurde im Januar vom D-League-Team Westchester Knicks in die NBA berufen und konnte sich ebenfalls durch seinen Hustle einen Platz in der Rotation erkämpfen.


Natürlich fehlte es einem Team bei dem Shane Larkin, Tim Hardaway Jr., Jason Smith und Langston Galloway die meisten Minuten in der Saison sahen, an Qualität, um Spiele zu gewinnen. Doch es gab einige Achtungserfolge, wie zum Beispiel der Sieg gegen die San Antonio Spurs. Auch die Einstellung auf dem Feld hatte sich im Verlauf deutlich geändert.


Offseason Agenda
Verbesserungspotential besteht bei den Knicks auf nahezu jeder Position. Langfristig größere Rollen im Kader werden vermutlich nur Carmelo Anthony und eventuell Tim Hardaway Jr. haben. Die großen Namen werden aller Voraussicht nach nicht nach New York kommen, deshalb gilt es sich sowohl in der zweiten Reihe der Free Agents umzusehen, als auch kleine smarte Deals zu machen und sich billige brauchbare Spieler zu holen.


Da der Erstrundenpick im nächsten Jahr nach Toronto geht, würde ein weiteres Jahr im Tanking-Modus wenig Sinn machen. Das Ziel muss es sein, den Kader deutlich zu verbessern ohne, sich der langfristigen Flexibilität zu berauben.


Einer dieser kleinen smarten Deals für die New York Knicks könnte zum Beispiel Ian Mahinmi sein. Der Franzose ist offensiv zwar sichtlich limitiert, bringt defensiv aber genau die Ringbeschützerqualitäten mit, welche den Knicks seit dem Abgang von Tyson Chandler fehlen. Ähnliches gilt für Bismack Biyombo, der defensiv ebenfalls seine Qualitäten hat und mit 22 Jahren auch noch etwas mehr Potential nach oben hat.


Ebenfalls sehr wichtig für die Knicks ist ein 3-and-D-Spieler auf dem Flügel. Hier gibt es diesen Sommer einige sehr brauchbare Spieler, die alle Free Agent werden:

 Kawhi Leonard (restricted), Jimmy Butler (restricted)
, Wesley Matthews (unrestricted)
, Khris Middleton (restricted)
, Danny Green (unrestricted)
, DeMarre Carroll (unrestricted)
, Jae Crowder (restricted), Alan Anderson (Spieleroption/unrestricted)
 und Wesley Johnson (unrestricted)

.

Zugegebenermaßen ist es absolut unmöglich, Leonard oder Butler zu bekommen und sehr sehr unwahrscheinlich, dass Matthews, Middleton oder Green in New York unterschreiben. Aber vielleicht kann Jackson einen der anderen vier Spieler aus der Liste zu den Knicks locken. Gerade DeMarre Carroll scheint laut Medienberichten Interesse an den Knicks geäußert zu haben.

Personal
Die Verträge von Quincy Acy, 
Alexey Shved, 
Travis Wear, Cole Aldrich, 
Lou Amundson, 
Andrea Bargnani
, Shane Larkin, 
Jason Smith und Lance Thomas laufen alle aus. Kein Spieler der Knicks, der in diesem Sommer Free Agent wird, muss unbedingt gehalten werden. Es gibt aber durchaus den ein oder anderen, der sich für eine kleine Bankrolle in der nächsten Saison empfohlen hat.





Als erstes wäre da Jason Smith zu nennen. Der Big Man passt mit seinem starken Mitteldistanzwurf und seinen guten Passqualitäten sehr gut in die Triangle Offense und sollte für billiges Geld weiterverpflichtet werden.



Ebenfalls noch nicht komplett aufgeben sollten die Knicks Shane Larkin. Der kleine Guard ist extrem schnell,  konnte seine Geschwindigkeit allerdings nicht immer gewinnbringend einsetzen. Sein Abschluss beim Drive und seine Entscheidungsfindung aus dem Pick & Roll muss noch besser werden.

Auch ihn können die Knicks durchaus einen Einjahrsvertrag zum Minimum mit Teamoption auf das zweite Jahr anbieten. Nicht zwingend für Minuten auf dem Feld, sondern als Veteranenpräsenz und Vorzeigeprofi sollten die Knicks auch Lou Amundson behalten.

Draft
Die New York Knicks picken im NBA Draft an vierter Stelle und damit so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Damals wurde ein gewisser Patrick Ewing an erster Stelle gezogen. Nachdem man in New York jahrelang Draftpicks weggeworfen hat, ist nun endlich eine gute Chance vorhanden, ein Top-Talent aus dem Draft-Pool zu ziehen.


Mit den beiden ersten Picks werden vermutlich die beiden Big Man Talente Karl-Anthony Towns und Jahlil Okafor gezogen werden, danach öffnet sich ein weites Feld aus möglichen Alternativen.
Das Beste für die Knicks wäre, wenn sie an vierter Stelle noch D'Angelo Russell bekommen könnten. Der Point Guard der Ohio State University sagte zuletzt sein Workout bei den Philadelphia 76ers ab und könnte mit etwas Glück den Knicks noch in die Hände fallen.

Andere Kandidaten sind die "Black Box" Emmanuel Mudiay, der Lette Kristaps Porzingis und Justise Winslow. Die Leistungen von Mudiay in China sind nur sehr schwer einzuschätzen und etwas differenziert zu betrachten. Rein von der Theorie her könnte ein drivestarker Point Guard den Knicks aber sehr gut tun.

Mit Winslow bekämen die Knicks einen athletischen Spieler auf dem Flügel mit einer Defense-First-Mentalität und einem passablen Dreier. Porzingis ist ein athletischer Sevenfooter mit einem tollen Wurf für einen Big Man.

Kohle
Die New York Knicks haben bisher 35 Millionen Dollar an Gehaltsausgaben in den Büchern. Hinzu kommt noch das Erstjahresgehalt des Rookie-Deals des vierten Picks (etwas mehr als drei Millionen Dollar).

Lässt Jackson nicht die Birdrechte von allen Free Agents fallen, werden vermutlich noch ein paar Millionen durch die Cap Holds bzw. dann folgenden neuen Verträge hinzu addiert werden müssen.
Bei einem prognostizierten Salary Cap von 67 Millionen bleiben den Knicks also vermutlich zwischen 25 und 30 Millionen Dollar für neue Verpflichtungen.



Dieses Team verfügt also theoretisch über genügend Platz unter dem Salary Cap, um hochklassige Free Agents zu verpflichten. Ob die sportliche Perspektive allerdings gut genug ist, damit diese wirklich in den Big Apple kommen, ist weiterhin sehr fraglich.

Zukunft
Zum ersten Mal seit langer Zeit haben die Knicks in diesem Sommer Capspace. Diese Flexibilität sollten sie nicht so bereitwillig her schenken wie es in der jüngeren Vergangenheit geschehen ist.
 Der Weg nach oben ist ein langer beschwerlicher und wird keineswegs in einem Sommer gelingen.

Die Knicks haben jetzt die Chance einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu machen, sollten sich aber davor hüten Free Agents überzubezahlen und sich die Flexibilität in den nächsten Jahren zu nehmen.


Auch die Pick-Situation in New York sieht deutlich besser aus als in vergangenen Jahren. Bis auf den oben erwähnten Pick im Jahr 2016 haben die Knicks noch keine zukünftigen Erstrundenpicks abgegeben.
Verläuft der Sommer erfolgreich, kann New York im schwachen Osten vielleicht schon im nächsten Jahr wieder den Einzug in die Playoffs anpeilen.