27 Juni 2015

27. Juni, 2015  |  Philipp Landsgesell @Phillyland


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die Oklahoma City Thunder galten zusammen mit den San Antonio Spurs als das Team, dass es im Westen zu schlagen gilt. Doch Verletzungen verhinderten es. Die schlechten Neuigkeiten begannen bereits in der Offseason, nachdem Kevin Durant sich den rechten Fuß brach und damit die ersten 17 Spiele der Saison verpassen musste. 

Co-Star Russell Westbrook verpasste ebenfalls 14 der ersten 17 Partien mit einer gebrochenen Hand, der Saisonstart wurde mit vier Siegen aus 16 Spielen in den Sand gesetzt. Mit Durant und Westbrook auf dem Parkett starteten die Thunder eine Siegesserie über sieben Spiele und katapultieren sich ins Playoff-Rennen zurück. Die ersten vermuteten schon eine Erstrundenserie zwischen den Splash Brothers und Durant plus Westbrook. 

Doch wer auch immer über Verletzungen entscheidet, hatte etwas dagegen: Nachdem Durant erneut am Fuß operiert werden musste und die Thunder erklärten, er sei für nur eine Woche raus, verpasste Durant letztendlich die komplette Saison. Einen Monat später wurde Power Forward Serge Ibaka am Knie operiert und verpasste seinerseits sechs Wochen. 

Nur Westbrook blieb nach seinem Handbruch gesund und legte einen statistisch historischen Lauf hin, packte sein Team auf seine breiten Schultern und versuchte alles, um die minimale Playoff-Chance zu nutzen. Doch selbst er konnte den Ausfall von Durant und Ibaka nicht kompensieren. Der Westen war dafür zu gut. 

Zur Trade-Deadline wurde Reggie Jackson abgegeben, der wohl nicht in Oklahoma City verlängert hätte und mehr Spielzeit forderte. Dafür holte OKC Enes Kanter von den Utah Jazz, sowie Kyle Singler und DJ Augustin von den Detroit Pistons. Auch die neuen Verpflichtungen reichten nicht aus. OKC musste New Orleans den Vortritt in die Playoffs lassen, obwohl beide Mannschaften mit gleicher Bilanz (45-37) schlossen.

Dass die Thunder das saisoninterne Duell gegen die Pelicans dank eines unbeschreiblichen Anthony Davis Buzzer-Beaters verloren und dadurch die Playoffs verpassten ist eine ironische Pointe in einer Saison zum Vergessen aus Sicht jedes Oklahoma City Fans...

Offseason Agenda
Sind alle Spieler gesund, haben die Thunder einen der stärksten Kader in der gesamten Basketball Assosciation. Große Veränderungen sind also nicht zu erwarten.

In der Starting-Five ist eigentlich nur die Position des Shooting Guards suboptimal besetzt. Mit Andre Roberson und Dion Waiters hat OKC zwei Spieler, die jeweils nur eine Seite des Spielfeldes effektiv spielen können: Roberson defensiv, Waiters offensiv.

Idealerweise finden die Thunder per Free Agency einen Akteur, der hinten effektiv verteidigen kann und vorne den offenen Dreier trifft. Der Handlungsbedarf auf der Trainerbank wurde dagegen schon adressiert.


Personal
Nach über acht Jahren - sieben davon als Head Coach - feuerte das Front Office am 22. April Scott Brooks. Seine Ära nahm ein Ende, nachdem eine Woche zuvor die Playoffs knapp verpasst wurden. Obwohl Brooks die Thunder - wenn gesund - zu einem absoluten Titelfavoriten formte, hielt sich die Kritik an ihm beständig. 

Offensiv seien die Thunder zu berechenbar, das hält sie vom letzten Schritt zum NBA Champion ab, so lautete meist der Vorwurf an Brooks. Der wurde sicherlich nicht nur wegen des Verpassens der Playoffs entlassen. 

General Manager Sam Presti wollte einen neuen Reiz setzen, der die Thunder besser macht. Knapp eine Woche später stellte er den neuen Head Coach Billy Donovan vor. Donovan kommt als hochdekorierter Head Coach auf College-Ebene von der University of Florida, wo er 19 Jahre lang als Head Coach fungierte. 

Der 50-jährige hat zwar keinerlei Erfahrungen als NBA Headcoach, doch dafür haben seine neuen Assistenten diese en masse. Monty Williams – letzte Saison noch Trainer bei den New Orleans Pelicans – dürfte Donovan einen glatten Übergang in die NBA-Welt bereiten. Donovan als neuen Head Coach zu installieren war eine von drei wichtigen Entscheidungen für die Zukunft der Thunder. 2015 (Durant) und 2016 (Westbrook & Ibaka) kommen die nächsten wichtigen Entscheidungen rasend auf die Thunder zu. 

Diesen Sommer sehen die Personalplanungen dagegen noch super entspannt aus: Mit Enes Kanter und Kyle Singler werden nur zwei Spieler zu restricted Free Agents. Bei beiden kann also mit einem Angebot eines anderen Teams mitgezogen werden, was wahrscheinlich auch der Fall sein wird. 



Draft
Der Kader der Thunder ist gesund ein absoluter Contender und sollte eigentlich in der Lottery nichts zu suchen haben. Doch dank der Verletzungen und dem Verpassen der Playoffs kann ein ohnehin schon starker Kader noch preisgünstig mit dem 14. Pick verbessert werden. 

Die Thunder stehen vor zwei Optionen: Entweder sie draften einen Backup auf den Guard Positionen, der sofort bereit ist zu spielen, oder ein Talent mit Entwicklungspotenzial. Berichten zufolge haben die Thunder Point Guard Cameron Payne versprochen, ihn an 14 zu ziehen, falls er dann noch verfügbar sein sollte. Alternativ entscheiden sie sich für Kelly Oubre - einen Spieler, der noch sehr viel lernen muss, vor allem wie man wirft.

Update: Oklahoma City selektierte mit dem 14. Pick wie erwartet Guard Cameron Payne. In der zweiten Runde zog Presti außerdem noch Kentucky Big Man Dakari Johnson. 

Kohle
Die Thunder liegen über der Salary Cap Grenze, die eventuellen Vertragsverlängerungen von Kanter und Singler kommen noch hinzu. Presti bleibt also nur, durch die Midlevel Exception oder per Draft für Nachverbesserungen zu sorgen. Der Besitzer ist dafür bekannt, die Luxus-Steuer unbedingt vermeiden zu wollen.


Zukunft
Die komplette Franchise steht unter immensem Druck. Die kommende Free Agency von Durant wird die Thunder ein komplettes Jahr lang begleiten. Jedes Nebengeräusch wird diskutiert und analysiert werden, jede Bewegung von Durant steht unter Beobachtung. 

Die letzte Saison hat gezeigt, dass die Thunder ohne Durant zwar ein kompetitives Team sind, Durant sie aber zu einem absoluten Contender macht. Nun muss und wird die komplette Organisation ihm einen Verbleib in Oklahoma so schmackhaft wie möglich machen.

Der hohe Erwartungsdruck und Durants Free Agency sind sicherlich keine idealen Umstände für einen Rookie-Coach, doch mit den erfahrenen Assistenten an der Seite von Billy Donovan sollte die Umstellung kein Problem sein. 

Alles wird davon abhängen, ob sich Russell Westbrook und allen voran Kevin Durant dem neuen Head Coach kurz- und langfristig anvertrauen. Wird Donovan der neue Steve Kerr oder David Blatt? Die Vorausetzungen für eine großartige Saison sind vorhanden, der Kader ist absolut titelreif. Jetzt müssen nur noch die Verletzungen ausbleiben.