22 Juni 2015

22. Juni, 2015  |  Torben Adelhardt  @Torben41


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Stillstand bedeutet bekanntermaßen Rückschritt. Dies gilt auch für junge, aufstrebende NBA-Teams wie die Orlando Magic. Auf dem haselnussbraunen Basketballparkett sollte ein spielerischer Fortschritt erkennbar sein, welcher sich wiederum auch in einer gestiegenen Anzahl an W's statistisch niederschlägt. 

Nach 20 respektive 23 Siegen in den vergangenen zwei Spielzeiten und einer strukturellen Grundsanierung des Mannschaftskaders, erhofften sich die Magic-Anhänger eine deutlich sichtbare Progression. Es sollte vorwärts gehen – heraus aus dem miefenden Rebuilding-Morast, in dem die Orlando Magic sich nun mehr seit zwei Jahren befanden. 

Doch vermehrte Verletzungsprobleme und eine Midseason-Trainerentlassung hinderten die Magischen daran, mehr als lediglich 25 Partien für sich zu entscheiden. Ihr Offensiv-Rating von 101,6 (Platz 27) sowie das Defensiv-Rating von 107,7 (Platz 24) waren nicht nur Beweis für die offenkundigen Schwachstellen der jungen Magic-Truppe, sondern auch Indiz dafür, dass bislang eine klare Spielidentität fehlte. 

Nichtsdestotrotz gab es auch genügend Lichtblicke (das Zusammenspiel von Payton und Vucevic im Pick & Roll/Pop, die Leadership-Mentalität von Oladipo, das Scoring von Harris), die die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nähren.

Offseason Agenda
Eine immens wichtige Planstelle konnte General Manager Rob Hennigan bereits vor einigen Wochen schließen. Seit der Verpflichtung von Scott Skiles als neuem starken Mann am Taktikbrett ist das Rätselraten um den künftigen Orlando Magic Head Coach offiziell beendet. 

Die Akquisition von Skiles, der zuletzt die Milwaukee Bucks fünf Jahre lang betreute (2008-2013), ist als klarer Fingerzeig zu deuten, wo die (basketballerische) Reise für die Magic in naher Zukunft hingehen soll: ein unbändiger Einsatzwille sowie eine Defense-First-Mentalität sollen das Markenzeichen der Südstaatler werden. Skiles „erarbeitete“ sich im Laufe der Jahre den Ruf, dank eines raubeinigen und autoritären Coaching-Stils nicht unbedingt ein „Players Coach“ zu sein. 


Doch sein Verteidigungs-Mantra deckt sich mit dem Potential, welches in Spielern wie Payton, Oladipo und Gordon schlummert. Fragezeichen bestehen in erster Linie bezüglich des Offensivspiels, welches sich in der letzten Saison oftmals sehr statisch präsentierte und ausgewogenen Inside-Out-Basketball vermissen ließ. Natürlich war dieser Umstand auch dem Fehlen von fähigen Spot-up-Schützen geschuldet, doch die Frage bleibt, inwiefern Skiles auch in diesem Bereich den so dringend benötigten neuen taktischen Input liefern kann.

Shooting und Defense im Frontcourt – zwei Bereiche, die von den Entscheidern in Florida dringend angegangen werden müssen und ein Upgrade benötigen. Sei es über die Free Agency oder den Draft. In der vergangenen Spielzeit gestatteten nur zwei Mannschaften dem Gegner eine höhere effektive Trefferquote als Orlando (51,4%). Der Mannschaft fehlt ein verlässlicher Ringbeschützer, der die defensiven Unzulänglichkeiten von Vucevic übertünchen kann und auch in der Pick & Roll-Defense seinen Mann steht. 

Nur drei wichtige Rotationsspieler der Magic (+15 MpG) trafen in der letzten Saison ihren Distanzwurf mit einer überdurchschnittlichen Quote: Tobias Harris (36,4%), Evan Fournier (37,8%) und Channing Frye (39,3%). Ein Plus an verlässlichen Distanzschützen, die von den Kick-outs der Guards Payton und Oladipo profitieren, ist für eine Ankurbelung der Magic-Offense unerlässlich. „Pace and Space“ im Amway Center - die Orlando-Tage eines Rashard Lewis oder Hedo Türkoglu sind doch weiter weg als man denkt. 

Personal
Bleibt er oder geht er? Die Rede ist von Tobias Harris, der mit seiner letztjährigen Statline von 17.1 PPG (55.1% True Shooting), 6.3 RPG, 1.8 APG und 1.0 SPG in der Association Begehrlichkeiten geweckt hat und nun als (restricted) Free Agent vor seinem großen Zahltag steht. Hennigan gab bereits zu Protokoll, dass sie jedes Angebot matchen und den 22-Jährigen langfristig an die eigene Franchise binden wollen. Inwiefern dahinter nur strategisches Kalkül des Magic-Managers steckt, um mögliche Interessenten abzuschrecken, bleibt abzuwarten. 

Im Front Office der Orlando Magic muss überlegt werden, ob Ben Gordon (Team Option) und Luke Ridnour (Team Option) auch noch in der nächsten Saison für das Team aus Florida auf Korbjagd gehen sollten. Ridnour ist zumindest als preisgünstiger Veteran eine interessante Optionen, um das junge Backcourt-Duo Payton/Oladipo mit Erfahrung und Shooting-Qualitäten zu unterstützen. 

Stretch-Big Man Channing Frye ist als Pick & Pop-Spieler und Dreierschütze für die Magic-Offensive unverzichtbar. Bei den beiden jungen Frontcourt-Spielern Kyle O'Quinn (RFA) und Dewayne Dedmon (Team Option) wechselten sich in der letzten Saison Licht und Schatten konstant ab. 

Doch am Ende des Tages ist ihr Talentlevel so begrenzt, dass ihre Rollen in einer ambitionierten NBA-Mannschaft nur marginal sein sollten. Handlungsbedarf besteht demnach vor allem auf den großen Positionen, wo Vucevic und Frye dringend Unterstützung benötigen. Zwei Namen, die in den letzten Tagen immer öfter zu hören waren: David Lee und Tyson Chandler. 



Draft
Die Orlando Magic dürfen sich am kommenden Donnerstag als fünfte Mannschaft am Talentbuffet der NBA-Draft bedienen. Realistische Prospects für diesen Spot hören auf die Namen Kristaps Porzingis, Emmanuel Mudiay, Mario Hezonja, Willie Cauley-Stein und Justise Winslow. 

Der athletische Sevenfooter und Defensivspezialist Cauley-Stein wäre an Position #5 ein „Reach“, da er vom Talentlevel her auch am Ende der Top-10 noch zu haben wäre. Als Shotblocker und grandioser Pick & Roll-Defender wäre „WCS“ aber die perfekte Ergänzung zu Vucevic. GM Hennigan sollte demnach in Erwägung ziehen, runter zu traden, um neben Cauley-Stein auch noch einen Bonus wie einen späteren Draft-Pick oder einen nützlichen Rollenspieler einzustreichen. 

Winslow würde als athletischer Wing-Defender mit offensiver Upside ebenfalls gut ins Teamkonzept der Magic hineinpassen. Wenn der amtierende NCAA-Champion dazu noch Konstanz in seinen Sprungwurf bekommt, dann wäre er der optimale Komplementärspieler zu den Ballhandlern Payton und Oladipo. 

Eine dritte Option wäre der junge Lette Porzingis, der einen sicheren Distanzwurf mit einer guten Athletik paart, was ihm zu einen äußerst brauchbaren Partner in Pick & Roll und Pick & Pop Situationen macht. 

Kohle
Al Harrington (Ja, den gibt es tatsächlich noch)? Wird aus den Büchern gestrichen. Big Baby Davis? Ebenfalls. Allein durch die beiden auslaufenden Verträge von Davis und Harrington werden  werden rund 14,2 Millionen US-Dollar unter dem Salary-Cap frei. 

Nikola Vucevic steigt dank seines neuen 53 Mio.$/4 Jahres-Vertrags in die Riege der Topverdiener auf. Oladipo, Payton, Aaron Gordon, Mo Harkless, Evan Fournier und Andrew Nicholson befinden sich noch in ihren jeweiligen Rookie-Contracts und stehen demnach den Magic kostengünstig zu Buche. 

Je nachdem wie teuer Orlando eine mögliche Vertragsverlängerung mit Tobias Harris (RFA) zu stehen kommt, beträgt der Platz unter dem Salary-Cap um die 15 Millionen US-Dollar. Genügend Moneten, um ein, zwei brauchbare Rollenspieler ins Team zu holen, die eine der genannten Schwachstellen (Shooting, Zonen-Defense) adressieren.

Zukunft
Mit Elfrid Payton (21 Jahre), Victor Oladipo (23), Aaron Gordon (19), Nikola Vucevic (24) und dem diesjährigen #5-Pick haben die Magischen aus dem Disneystaat ein talentiertes und vielversprechendes Grundgerüst beisammen. Auch wenn keiner der genannten Spieler über NBA-Superstar-Potential verfügt, lässt sich um diese Jungs herum eine kompetitive Mannschaft  aufbauen, die im NBA-Osten bereits in der nächsten Saison einen Angriff auf die hinteren Playoff-Plätze wird starten können. 


In der kommenden Spielzeit müssen jene Entwicklungsschritte genommen werden, die in der abgelaufenen Saison versäumt wurden. „Learning by doing“ war für Spieler wie Elfrid Payton und Aaron Gordon die Devise. Neu-Übungsleiter Skiles muss nun mehr Struktur in Angriff wie Verteidigung bekommen und die Schwächen seiner prädestinierten Starter durch die richtigen taktischen Kniffe kaschieren. 

Die Orlando Magic haben eigentlich alle Grundbausteine für eine erfolgreiche Zukunft beisammen: junges, talentiertes Spielermaterial, Draft-Picks und Platz unter dem Salary-Cap. Das Rebuilding in der Post-Dwight Howard-Ära muss nun in die nächste Phase übergehen. 

Die Institutionalisierung einer Spielidentität sowie die natürliche Entwicklung der hauseigenen Talente stehen für die NBA-Saison 2015/16 auf dem Plan. Im Gegensatz zu den letzten drei Spielzeiten werden fortan aber auch positive Resultate von Nöten sein, damit in Orlando eine Siegermentalität organisch heranreifen kann.