28 Juni 2015

27. Juni, 2015  |  Chris Schmidt @ChrisSchmidt27


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Seit einigen Jahren laufen die Spielzeiten in Portland relativ ähnlich ab. Wenn die Blazers eine ordentliche Saison spielen und in die Playoffs kommen, ist dann immer spätestens nach der zweiten Runde Schluss, da entweder eine Bank oder ein echter Superstar fehlt, der jedes Spiel konstant abliefert.

Ein ähnliches Bild dieses Jahr: Mit 51 Siegen und 31 Niederlagen bildeten die TrailBlazers sogar die Spitze der Northwest Division, da verletzungsgeschwächte Thunder zu viel liegen ließen und die anderen drei Team "tankten." 

LaMarcus Aldridge legte im Schnitt ein Double-Double auf, Damian Lillard erzielte ebenfalls mehr als 20 Zähler pro Partie und Wesley Matthews blühte in seinem Contract-Year richtig auf mit im Schnitt drei Dreiern pro Partie.

Dann ging's bergab: Nach der Trade-Deadline setzte es 14 Niederlagen aus den folgenden 29 Spielen. Zusätzlich fiel Matthews mit einem Achillessehnenriss für die restliche Saison aus. 

Somit kassierten die Blazers gegen die Memphis Grizzlies eine deutliche Niederlage in der ersten Runde der Post-Season. Wieder kein Fortschritt in Portland - was auch Auswirkungen auf die kommenden Free Agency haben könnte.


Offseason Agenda
LaMarcus Aldridge, Wesley Matthews, Robin Lopez... Die TrailBlazers haben ein ziemliches volles Programm in der Offseason. Nur Damian Lillard, CJ McCollum, Meyers Leonard stehen aus dem Team der letzten Spielzeit auch in der nächsten Saison noch unter Vertrag. Hier ist auffällig, dass es sich fast ausschließlich um junge Spieler handelt. 

Somit gibt es in Portland in diesem Sommer genau zwei Ansätze: Entweder sie entscheiden sich dafür, Damian Lillard zu einem Co-Star zu degradieren und versuchen einen großen Namen in der Free Agency zu verpflichten. 

Dies sollte dann auf jeden Fall ein Frontcourt-Spieler sein, da die besten Spieler der Blazers (sollte Matthews bleiben) im Backcourt auflaufen. Mit einer Vertragsverlängerung von Matthews würde GM Neil Olshey ebenfalls ein deutliches Zeichen setzen, dass der Erfolg auch in der nächsten Saison definitiv das Ziel ist.

Das Problem ist allerdings, dass sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat, dass Portland mit dieser Truppe keinen Blumentopf gewinnen kann. Selbst ein Upgrade zu Aldridge und ein weiterer guter Flügelspieler machen aus diesem Team keinen Contender.

Somit bliebe die Alternative: das Tanking bzw. Übergangsjahr. Dies klingt deutlich verlockender, da Lillard noch ein extrem junger Spieler ist und man mit ihm nicht schon nächstes Jahr den Titel holen muss. So könnte der Fokus weiterhin auf seiner Entwicklung liegen und um ihn herum ein Team aufbauen. 



Personal
Den ersten Move hat Portland bereits in den vergangenen Tagen getätigt, als sie Nicolas Batum nach Charlotte tradeten. Im Gegenzug erhielten sie Gerald Henderson und Noah Vonleh von den Hornets. Vor allem Vonleh gilt als sehr talentierter, wurfstarker junger Big Man, der in Charlottes Frontcourt als Rookie nie die Chance erhielt, zu glänzen.

Dies könnte schon ein erster Hinweis auf den Sommer sein. Denn mit LaMarcus Aldridge wird der Key-Player der letzten Jahre Unrestricted Free Agent. Es ist kein Geheimnis, dass Teams wie die San Antonio Spurs, Dallas Mavericks und Los Angeles Lakers schon länger hinter dem Power Forward her sind. Wenn man den Kollegen von „ESPN“ Glauben schenken darf, ist Portland selbst mittlerweile ziemlich sicher, dass Aldridge die Franchise in diesem Sommer verlassen wird. 

Für die Blazers könnte das bedeuten, dass in dieser Free Agency ein größerer Umbruch ansteht und sie sich darüber Gedanken machen müssen, gleich mehrere Rotationsspieler gehen zu lassen. Wesley Matthews möchte Informationen zufolge mindestens 15 Millionen Dollar pro Jahr. Center Robin Lopez ist wegen seiner Qualitäten ebenfalls heiß begehrt. 

Flügelspieler Arron Afflalo, der während der Saison via Trade nach Oregon kam, wird ebenfalls den Markt testen und höchstwahrscheinlich einen neuen Klub finden. Sollten all diese Veteranen die Stadt verlassen, hätte Portland auf einen Schlag einen stark verjüngten Kader, der mit Damian Lillard einen sehr jungen Leader hätte. 

Es ist, wie bereits angesprochen, ein Plan, der eine deutliche Ausrichtung hätte: Rebuild in Portland. Da aber nicht klar ist, wie sich besagte Spieler entscheiden, muss Olshey für beide Szenarien eine Strategie haben. Genauso realistisch wie ein Abgang von sechs der wichtigsten Rotationsspieler (Aldridge, Matthews, Batum, Lopez, Afflalo, Blake) ist ein Verbleib von mindestens drei von ihnen.

Draft
Portland zog an 23. Stelle Rondae Hollis-Jefferson, einen athletischen Small Forward - den Manager Olshey noch in der Draft-Nacht zusammen mit Point Guard Steve Blake nach Brooklyn schickte. Im Gegenzug erhielten die Trail Blazers Big Man Mason Plumlee von den Nets und den 41. Pick, Flügelspieler Pat Connaughton.

Auffällig ist, dass Olshey sich strategisch gegen den Abgang seiner beiden Big Men Aldridge und Lopez rüstet. Beide Frontcourt-Starter sind Free Agents und könnten in wenigen Tagen ein neues Jersey tragen. Plumlee hat ganz klare Limitationen, kann aber im Falle einer Neuausrichtung direkt in die erste Fünf rücken und zusammen mit Meyers Leonard produktiven Basketball abliefern. 


Kohle
Mit seinem 6 Mio. $ Vertrag ist der gerade erst erworbene Gerald Henderson zurzeit der bestbezahlte Spieler im Team von Terry Stotts. Zusätzlich hat Olshey bei Chris Kaman eine Team-Option über 5 Mio. $. Alle anderen Spieler sind noch in ihren Rookie-Verträgen und verdienen in der kommenden Spielzeit nicht mehr als 4.5 Mio. $.

Portland hätte theoretisch also genügend Cap-Space, um Free Agents unter Vertrag zu nehmen - müsste dafür aber auf all seine Rechte verzichten. Das wird es nur, wenn absehbar ist, dass keiner der eigenen Unrestricted Free Agents verlängert und lieber anderswo anheuert.

Egal ob das LaMarcus Aldridge Kapitel beendet ist oder nicht, wollen die Blazers den Fokus darauf legen, Damian Lillard im nächsten Sommer mit einem Max-Contract auszustatten. Den hat sich der elektrische All-Star Point Guard auch redlich verdient.

Zukunft
Die Blazers bleiben so etwas wie die graue Maus des Westens. Sie spielen zwar einen guten und erfolgreichen Basketball, allerdings reicht das nie aus, um sich mit den Größten des Westens messen zu können. 

In der Eastern Conference hätte das letztjährige Blazers-Team zu den besten drei gezählt. Wenn jetzt auch noch der Franchise-Player das Boot verlässt, droht es zu sinken. Vielleicht wäre das gar nicht so schlecht, weil jährliche 50-Siege-Saisons ohne Playoff-Erfolge auch keinen Fan glücklich machen. 

Mit Damian Lillard hat Portland schon einen gereiften Point Guard, der die Zukunft des Klubs darstellt und dies im nächsten Sommer auch unterschreiben soll. Bis dahin bleibt wohl nichts anderes, als so viel Cap-Space wie möglich zu schaufeln und im Draft 2016 möglichst hoch zu picken. 

Halten die Blazers dagegen einen Großteil ihrer Lineup, brauchen sie nur punktuelle Verstärkungen und etwas mehr Verletzungsglück. Vielleicht kann dieses Team zu einem echten Contender reifen…