29 Juni 2015

29. Juni, 2015  |  Güven Taş @GuvenTas


Während sich Cleveland und Oakland in den Finals duellieren, laufen bei den anderen 28 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die reguläre Spielzeit verlief sehr erfolgreich. 46 Siege erreichte Washington letztmals im Jahre 1979 (damals noch als Bullets). Angetrieben von einem wild entschlossenen John Wall legten die Wizards einen echten Blitzstart hin, den bestes Saisonstart in der Franchise Geschichte. Nicht einmal das Meisterteam des Jahres 1978 schaffte so eine starke Saisoneröffnung.

Spielmacher John Wall wurde als erster Wizard seit 2007 zum Allstar-Game eingeladen. Der letzte war ein gewisser Gilbert Arenas. Die Teilnahme am Duell der Elite-Auswahlen war eine Bestätigung für die hervorragende Entwicklung des 24-Jährigen.

Dass die Playoff-Serie gegen Atlanta letztlich mit 2-4 verloren ging, lag aber eher an den Big Men der Wizards. Mit dem sehr agilen Frontcourt der Hawks kamen die wesentlich behäbigeren Marcin Gortat und Nenê überhaupt nicht zurecht. Dieses Manko und die Verletzung seines besten Spielers trug zum Saisonaus Washingtons maßgeblich bei.

Die Washington Wizards können mit der vergangenen Saison trotzdem recht zufrieden sein. Auch wenn die Zauberer erneut in der zweiten Runde ausschieden, können Sie auf den vielversprechenden Leistungen ihrer Akteure aufbauen. Jetzt gilt es für die Hauptstädter, in der Sommerpause die Hausaufgaben zu erledigen.

Offseason Agenda
Weit oben auf der to-do-Liste von GM Ernie Grunfeld sollte die Verpflichtung eines wurfstarken Big Man sein. Spätestens die Conference Halbfinalserie gegen Atlanta dürfte bewiesen haben, dass Nenê längst seinen Zenit überschritten hat.

Mit seinem eher zonenlastigen Spiel schafft es der Brasilianer zu selten, das nötige Spacing für Wall und Beal zu kreieren. Vor allem John Wall ist beim Zug zum Korb brandgefährlich. Ligaweit gehört der ehemalige Wildcat in dieser Hinsicht zur absoluten Elite.

Nenê ist somit einer der heißesten Trade Kandidaten. Nur: einen Abnehmer für dessen Vertrag (läuft noch ein Jahr) zu finden, dürfte schwierig werden. Immerhin verdient der Rasta-Mann satte 13 Millionen Dollar in 2014/15. Für einen Big Man ist das kein Monstergehalt, im Preis-Leistungs-Verhältnis scheint es jedoch überbezahlt. Zudem macht ihn seine ellenlange Krankenakte nicht gerade attraktiver für neue Arbeitgeber.

Vielleicht schafft es Grunfeld, zumindest einen jüngeren Ersatz-Big an Land zu ziehen, der dann ab dem Sommer 2016 die Rolle von Nenê in der ersten Fünf übernehmen kann. Weder Drew Gooden noch Kevin Seraphin (beide sind jetzt Free Agent) passen in die Langzeitplanungen dieses Klubs, bei dem auf der Vier eine klare Alters-/Talent-Lücke klafft.



Personal
Vier von fünf Positionen sind mit Wall, Beal, Porter und Gortat exzellent besetzt. Interessant für Washington ist sicherlich, dass Coach Randy Wittman in den Playoffs eher zufällig über eine Smallball-Lineup stolperte, die mit Pierce (oder Porter) auf der Vier für große Probleme beim Gegner sorgte.

Wenn diese Strategie über längere Zeiträume umsetzbar ist und nicht aufgrund der kollektiven Unfähigkeit der Raptors Dividenden abwarf, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Erst recht, wenn Paul Pierce für ein letztes Profijahr in die Hauptstadt zurück kehrt, anstatt nach Los Angeles abzuwandern.

Pierce hat auch im zarten Alter von 37 Jahren nichts von seiner Clutchness eingebüßt. Das mussten die Hawks in Spiel 3 unsanft am eigenen Leibe erfahren. Mit einem Buzzer Beater Bankshot sicherte "Paul der Graue" seiner Mannschaft die 2-1 Führung.

In den letzten zehn Jahren ist Pierce neben LeBron James der einzige Spieler, der in den Playoffs multiple Buzzer Beater versenkt hat. Sein Vertrag läuft im Sommer aus. "The Truth" besaß zwar eine Spieleroption in Höhe von knapp 5,5 Mio Dollar, hat die aber nicht gezogen und testet den Markt.

Um die Nachfolge von Pierce braucht sich Washington spätestens seit den letzten Playoffs keine großen Sorgen mehr zu machen. Otto Porter Jr. feierte in der Erstrunden-Serie gegen die Toronto Raptors seine Comingout Party. Während der Endrunde legte Otto im Schnitt gute 10 Punkte und 8 Rebounds auf, verteidigte den Raptors-Topscorer DeMar DeRozan obendrein exzellent.

Ob also auf der Drei oder Vier - Washington muss mit Blick auf die Zukunft nur eine Position neu besetzen und einen oder zwei solide Additionen für die Bank verpflichten, wo Typen wie Gooden, Seraphin und Rasual Butler ersetzt werden müssten. 


Draft
Eigentlich hätte Washington erst an 19. Stelle im Draft auswählen dürfen. Ein Deal mit den Atlanta Hawks bescherte den Wizards aber Pick Nummer 15 - und damit einen enigmatisch-talentierten Flügelspieler, der vielleicht eines Tages in besagtes Lineup-Raster fallen könnte: Kelly Oubre.

Der Linkshänder wurde in seinen ersten fünf College Spielen kaum eingesetzt aufgrund mangelnder Einstellung im Teamtraining. Erst nach und nach mauserte sich Oubre zu einem starken College Spieler. Offensiv deutete er mehrfach sein enormes Potential an. Er kann den Dreier treffen, Kontakt/Freiwürfe schinden und am Ring abschließen.

Allerdings fehlte die Konstanz. Zudem muss Oubre noch an seiner schwächeren rechten Hand arbeiten und seine Einstellung zur Defense grundlegend überdenken. Mit seiner Länge und Athletik könnte er nämlich einer der besten Allrounder des Draftsjahrgang sein. Seine Bewegungen sind veeery smooth. In Washington steht aber bekanntlich niemand auf dem Parkett, der nicht zumindest respektabel verteidigt. Will Oubre PT, muss er D.

Second Rounder Aaron White, ein athletischer Vierer mit Wurf, komplettiert Washingtos Draft-Day Einkauf.  


Kohle
Der einzig relevante auslaufende Vertrag ist der von Pierce. Unabhängig von seiner Situation steht den Wizards nicht viel Cap Space zur Verfügung. Der Cap Hold für Kevin Seraphin ist sogar höher als der von Pierce - will Washington mit dem Franzosen verlängern, dann sicherlich zu weitaus günstigeren Konditionen als bisher.

Eine richtungsweisende Entscheidung steht in der Personalie Bradley Beal an. Der Shooting Guard kommt für eine Vertragsverlängerung seines Rookie-Deals in Frage. Will Washington ihn langfristig binden, steigen die Ausgaben ab 2016/17 empfindlich - dann fällt aber wie bereits erläutert auch Nenês nicht mehr zeitgemäßes Salär aus den Büchern.

Zukunft
Die Washington Wizards haben sich in der Elite des Ostens fest gebissen. Nach dem Blitzstart mit 19 Siegen aus den ersten 25 Spielen grüßten Sie von der Spitze der Eastern Conference. Ihre Position konnten Sie zwar aufgrund eines katastrophalen Februars nicht halten, landeten am Ende aber trotzdem auf einem guten fünften Platz.

Dort wird sich dieses Team wohl auch halten, zumindest mittelfristig, irgendwo in der Nähe von oder zwischen Cleveland, Atlanta, Chicago und Miami.

Auch dieses Jahr hatte Washington mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Besonders im Spielemonat Februar machte sich die noch immer fehlende Tiefe im Kader bemerkbar. Die Wizards brauchen zusätzliche Erfahrung in Form von fähigen Rollenspielern. Der Nukleus sieht aber sehr stabil aus.

Neben Franchise Player John Wall und seinem Co-Captain Scottie Bradley ist Otto Porter die Zukunft auf der Drei. Die Zone wird in den kommenden vier Jahren von Marcin Gortat patrouilliert, zumindest hat The Polish Hammer solange Vertrag in der Hauptstadt.

Der Kern steht also. Für GM Ernie Grunfeld gilt es, die Kontakte spielen zu lassen, um diesen Kern mit weiteren fähigen Jungs zu garnieren. Sollte die Mitarbeitersuche stocken, kann sich Ernie im Notfall jederzeit an seinen wahren Boss wenden: Kevin Spacey alias Francis J. Underwood im „House of Guards“.