29 Juni 2015

28. Juni, 2015  |  Mattis Nothacker


Während in Oakland noch die Reste der Championship-Parade weggefegt werden, laufen bei den anderen 29 Teams der Liga die Planungen für nächste Saison längst auf Hochtouren. #NBACHEF wirft einen Blick auf die Eliminierten, analysiert ihr Jahr und prognostiziert den bevorstehenden Sommer.


Saison 14/15
Die San Antonio Spurs starteten im Vergleich zu den vorherigen Jahren nicht gut in die Saison. Während sich die Texaner sonst immer gleich zu Beginn am vorderen Ende der Tabelle einnisteten und sich super eingespielt zeigten, machten sich dieses Mal Anlaufschwierigkeiten breit. 

Dem enorm gut aufgestellten Westen mit den überraschend stark aufspielenden Memphis Grizzlies und Golden State Warriors mussten die Spurs von Anfang an Tribut zollen. Gegen Ende der regulären Saison griff dann jedoch plötzlich jedes Rad ins andere. 

Kawhi Leonard fand zu seinem Rhythmus, Tim Duncan brachte seine Intensität auf Playoff-Niveau und die Spurs gewannen 21 ihrer letzten 25 Spiele, darunter eine äußerst beeindruckende Vorstellung gegen die Erstplatzierten Warriors. Enorm ärgerlich dann jedoch die Niederlage im letzten Saisonspiel gegen die New Orleans Pelicans, wodurch das Team von Gregg Popovich vom zweiten auf den sechsten Rang abrutschte.

In einer von der breiten Masse als stärkste Erstrundenserie der vergangenen Jahre titulierten Begegnung trafen die Spurs dann auf die Los Angeles Clippers. Wie von vielen erwartet ging die Serie bis ins siebte Spiel, wobei keines der letzten drei Duelle mit mehr als sechs Punkten entschieden wurde. Im siebten Spiel traf Chris Paul schließlich einen unglaublichen Game-Winner und warf den Titelverteidiger aus dem Wettbewerb.



Offseason Agenda
Bei den San Antonio Spurs könnte sich in diesem Sommer so viel tun wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Die allererste Priorität genießt die Vertragsverlängerung von Kawhi Leonard, der designierte Franchise-Player für die Post-Duncan-Ära. 

Ist die in trockenen Tüchern, haben die Spurs durchaus Chancen, einen großen Free-Agent an Land zu ziehen. Am meisten wird bei diesem Thema LaMarcus Aldridge genannt, der Portland wohl verlassen wird. 

Gelingt es den Spurs tatsächlich, Leonard zu halten und dazu noch Aldridge zu verpflichten, hätten sie das geschafft, was im NBA-Zyklus so enorm schwierig ist: eine Franchise konstant auf Top-Niveau zu halten, ohne zwischendurch per Draft neu aufbauen zu müssen. 

Vieles hängt jedoch auch von einer Frage ab: hängen Tim Duncan und Manu Ginobili noch ein Jahr dran? Vieles weist zurzeit daraufhin, dass die beiden Urgesteine weitermachen werden. In dem Fall werden sie jedoch auf viel Geld verzichten müssen - darauf werden sie sich wohl gerne einlassen, solange das ihre Siegchancen maximiert.

Personal
Ingesamt neun Verträge laufen in dieser Offseason aus. Es weist also vieles darauf hin, dass der Kader recht bald anders aussehen wird. Der Fokus auf die Vertragsverlängerung von Kawhi Leonard und die Verpflichtung eines zusätzlichen Top-Free-Agents könnte auf Kosten der Rollenspieler gehen - zum Beispiel Danny Green. 

“Hoffentlich werde ich zurückkommen”, erklärte der 3-and-D-Spezialist. „Ich liebe San Antonio. Die Fans haben uns von Tag eins an unterstützt. Es ist echt blöd, dass wir eine so spezielle Gruppe hatten und sich die Dinge möglicherweise verändern“. Das Zitat lässt nichts gutes erahnen. 

Green, der in den Playoff-Runs ein so essentieller Spieler war und 2013 den Rekord für die meisten Dreier in einer Finalserie brach, scheint selbst zu glauben, dass die Spurs ihm kein gutes Angebot unterbreiten werden. 

Auch der Vertrag von Marco Belinelli läuft aus, obwohl bei ihm ein Verbleib etwas wahrscheinlicher scheint. Die Zukunft von Spielern wie Tiago Splitter, Boris Diaw, Patty Mills, Jeff Ayres und Matt Bonner ist ebenfalls unsicher.


Draft
Die Spurs sind bekannt dafür, im Draft auf nicht-amerikanische Spieler zu setzen. Auch in diesem Jahr war es so. Mit dem 26. Pick wählten die Texaner den serbischen Center Nikola Milutinov, der vor allem mit seiner Beweglichkeit bei Pick & Rolls besticht. 

An 55. Stelle entschied sich Spurs-Manager R.C. Buford dann mit Cady Lalanne für einen Mann aus Haiti, der bei der University of Massachusetts Amherst in erster Linie für die Rebounds und einfache Punkte zuständig war. Die Spurs-Scouts werden bei beiden etwas gesehen haben, was dem Team auf alle Fälle irgendwann helfen könnte. Irgendwann. Der Fokus lag eindeutig darauf, Geld zu sparen...

Kohle
Das nämlich brauchen die Spurs, um die geplanten Offseason-Sprünge bei der Kaderzusammenstellung vollziehen zu können. Wie schon erwähnt steht den Spurs ein äußerst spannender Sommer bevor. Im Optimalfall spielen im kommenden Jahr Leonard, Aldridge, Green, Duncan und Ginobili allesamt in schwarz-weiß. 

Doch um das zu erreichen, ist viel Salary-Cap-Puzzeln angesagt. Duncan und Ginobili müssten erheblich weniger verdienen, Splitter und Mills müssten höchstwahrscheinlich abgegeben werden. Nur so könnten Leonard und Aldrige beide einen Max-Kontrakt bekommen. 


Zukunft
Die Spurs müssen sich entscheiden: bleiben sie bei ihrem bewährten Prinzip, auf dem Free-Agent-Markt nur in kleinem Rahmen aktiv zu werden und vor allem auf ihre Rollenspieler zu bauen, oder steht in San Antonio eine Sommerpause mit großen Veränderungen an? 

Mit Leonard und Aldridge wären die Spurs endgültig für die Zukunft gewappnet. Andererseits würde der Verlust von weniger talentierten, aber verlässlichen Spielern wie Splitter, Green, Mills und Diaw schmerzen. Die Spurs werden es sich gut überlegen. Ein spannender Sommer steht auf alle Fälle bevor.