03 Oktober 2015

3. Oktober, 2015


Der neueste Bamberger hat eine Sache mit Trevor Mbakwe gemeinsam: Beide gingen für Colleges in der Big Ten auf Korbjagd. Viel mehr Parallelen lassen sich jedoch nicht ausmachen, weshalb man keinesfalls den Fehler machen sollte, Olaseni an Mbakwes Leistungen zu messen.

von AXEL BABST @CoachBabst

Gabriel Olaseni spielte für vier Saisons für die Iowa Hawkeyes, eine widererstarkende Kraft der härtesten Conference der NCAA. Bei den Hawkeyes war Olaseni nominell der Backup Center, was jedoch nicht die Kräfteverhältnisse zwischen ihm und Starter Woodbury widerspiegelte. Das Duo ergänzte sich hervorragend und Coach Fran McCaffery teilte die Minuten unter den beiden gerecht auf.

Meist entschied die Tagesform, wer den marginal größeren Teil auf dem Parkett stehen durfte. Daher ist die Auszeichnung zum Best Sixth Man der Big Ten 2014/15 für Gabriel Olaseni auch nicht verwunderlich, da er fast die Rolle eines Starters innehatte, nur eben zu Beginn einer Partie auf der Bank saß. Allerdings wurde er nicht zugleich zum Defensive Player of the Year gewählt, wie oft zu lesen ist. Diese Auszeichnung konnte sich Rapheal Davis (Purdue) sichern.

Die Hawkeyes finden offensiv eine exzellente Mischung aus Inside-Outside-Game. Diese Spielanlage wirkt für College Verhältnisse ungewöhnlich reif und erleichtert den meisten Spielern daher den Übergang in den Profibereich. Die Spieler übernehmen viele Aufgaben und müssen in der Lage sein, Blöcke abseits des Balls zu stellen. Die Center werden im Lowpost relativ oft gesucht und für eine gute Positionierung belohnt. Gleichzeitig ist aber auch das Pick & Roll ein wesentliches Element der Hawkeyes Offense. Defensiv lässt McCaffery gerne zwischen normaler Mannverteidigung und einer 2-3-Zone mit vorangehender 1-2-2-Presse variieren.

Olaseni fing erst spät an Basketball zu spielen und sah auch bei Iowa erst als Sophomore nennenswerte Minuten. Seitdem stieg jedoch seine Spielzeit kontinuierlich und auch die Qualität seiner Einsatzzeiten nahm deutlich zu. Die Entwicklung speziell in seinen letzten 15 Monaten am College lässt darauf hoffen, dass noch Raum für weitere Optimierungen im Spiel des Briten zu finden ist.

Olaseni sticht in erster Linie durch seine Athletik und seinen unbändigen Willen hervor. An beiden Enden des Feldes kommen ihm seine Sprungkraft und seine Schnelligkeit zu Gute. Zunächst beschränkte sich Olaseni daher auch darauf, in der Verteidigung möglichst viele Würfe zu blocken. Hier agierte Olaseni als Sophomore noch relativ ungestüm, was jedoch bei der Härte der Big Ten kaum ins Gewicht fiel. Besonders als Anker der Zonenverteidigung war er eine Bereicherung für die Hawkeyes und konnte viele Angriffe auf den eigenen Korb im Alleingang parieren.

Allerdings darf man sich nicht von den vielen spektakulären Blocks in die Irre führen lassen. Denn auch wenn Olaseni alle Anlagen zu einem verlässlichen Rimprotector mit sich bringt, ist er zumindest vom Attribut "verlässlich" noch ein ganzes Stück entfernt. Gerade wenn die Presse geknackt wurde, reagierte Olaseni oft zu spät und wusste sich nur noch mit Fouls zu helfen. Generell verlässt er sich ein wenig zu sehr auf seine physischen Eigenschaften, wodurch seine fehlende Grundausbildung oft noch bemerkbar macht. In vielen Situationen erfolgen seine Rotationen sehr spät, speziell in der Mannverteidigung.

Oft erreicht er den richtigen Platz nur haarscharf im letzten Moment und kann Schlimmeres verhindern. Im europäischen Spiel wird er allerdings nicht so viel Zeit haben, auf Drives zu reagieren, da Angreifer wesentlich schnellere Entscheidungen treffen und der Verteidigung kaum Reaktionszeit geben. Olaseni wird in den ersten Saisonwochen sicher noch das Nachsehen haben. Je nachdem, wie steil die Lernkurve beim Innenspieler ist, könnten die Bamberger jedoch schon pünktlich zur heißen Phase der Saison einen ordentlichen Abräumer in der Zone haben, der seine Fouls im Griff hat.


Ein weiterer Risikofaktor hinsichtlich aufkommender Foulprobleme ist die Verteidigung des Blocken & Abrollens. Zwar ist Olaseni flink genug, um verschiedene Verteidigungsvarianten zu praktizieren, allerdings hat er die unpraktische Angewohnheit, sich nicht auf seine Fußarbeit zu verlassen, sondern gleichzeitig auch noch mit den Händen nachzuhelfen. Gerade in der letzten Saison, als auch in der Big Ten mit etwas Verzögerung die neue Regelauslegung des Handcheckings angekommen war, handelte sich Olaseni gerne mal unnötige Fouls ein. Aber auch dies sollte eine Frage der Gewohnheit sein und noch schneller zu beheben sein, als seine Probleme bei der Rimprotection.

Es ist hier einfach wichtig, sich im Hinterkopf zu behalten, dass gerade in der Big Ten traditionell sehr ruppig gespielt wird und die Schiedsrichter eine sehr tolerante Linie an den Tag legen. Dieser plötzliche Sinneswandel durch andere Regelauslegungen erforderte für alle Beteiligten (auch die Schiedsrichter) eine starke Umgewöhnung. Die Umstellung auf die europäischen Regelauslegungen, die nochmal wesentlich strenger sind, wird Olaseni daher auch einige Zeit kosten.

In Sachen Defensivrebounding ist Olaseni wiederum noch sehr stark auf seinen Einsatz, seine langen Arme und seinen Instinkt (der hervorragend ist) angewiesen. Oft vergisst er noch die Boxouts und wenn er doch daran denkt, sind diese meist wenig effektiv, weil er bei der technischen Ausführung hektisch wird. Zudem ist er für einen Center im Rumpfbereich nicht sonderlich kräftig, was sich bei Boxouts meist als nachteilig erweist und dazu führt, dass er seinen Gegenspieler somit keinen Zentimeter von der Stelle schiebt, sofern dieser nicht körperlich unterlegen ist.

Der einzige Bereich der Verteidigung, in dem Olaseni bereits jetzt schon relativ sattelfest ist, ist seine individuelle Eins-gegen-Eins-Verteidigung im Lowpost. Mit seiner Kombination aus Länge, Toughness und guter Fußarbeit bewirkt er oft, dass seine Gegenspieler nur Verzweiflungswürfe auf die Reise schicken. Auch Schrittfehler sieht man bei Olasenis Matchups mit hoher Regelmäßigkeit. Erstaunlich ist zudem, dass Olaseni sehr abgezockt wirkt und selten auf Fakes reinfällt. Das würde man bei einem unerfahrenen Sprungwunder eigentlich nicht erwarten und zeugt von guter Disziplin.

Generell ist Olaseni defensiv noch nicht auf dem Niveau, das ihm viele Beobachter aufgrund eines flüchtigen Eindrucks nachsagen. Das Potential zu einem guten Verteidiger ist vorhanden, allerdings fehlen ihm noch die Grundlagen, die Erfahrung und das Spielverständnis, um schon jetzt der Fels in der Brandung zu sein.


Auch offensiv lebt Olaseni in erster Linie von seiner Athletik, gleichwohl er sich technisch rapide verbessern konnte. Für einen Centerspieler sind Olasenis Sprintleistungen außergewöhnlich gut. Als Rimrunner baut er gehörigen Druck auf die gegnerischen Verteidiger aus und zwingt sie dazu, zurückzueilen. Meistens hängt Olaseni sein gegnerisches Center Pendant jedoch schon vor der Mittellinie ab und begibt sich mit einem sehr koordinierten Laufstil mitten in die Zone, wo er ein gutes Ziel für Alley-Oop-Pässe darstellt. Diese Szenen waren die ersten zweieinhalb Jahre ursächlich für die meisten gelungenen Offensivaktionen des Big Mans.

Eine zweite Punktequelle, die Olaseni vom ersten Tag an erschloss, waren Putbacks. Selbst umringt von mehreren Kontrahenten gelingt es dem Center dennoch irgendwie, beim Offensivrebound Kontrolle über das Leder zu gewinnen und mit einem blitzschnellen zweiten Absprung wieder zum Dunk oder Korbleger hochzugehen.

Olaseni besitzt einen sechsten Sinn dafür, wo der Ball herunterkommen wird und lässt sich von seiner selbst auferlegten Mission in der Regel nicht mehr abbringen. Selbst wenn er nicht direkt abschließen kann, hilft Olaseni seinen Farben, da er die Ruhe bewahrt und das Spielgerät zu einem Mitspieler passt, wodurch ein Neuaufbau möglich ist. Aufgrund seiner Aggressivität und seiner guten Antizipationsfähigkeit zählte Olaseni nicht nur von den reinen Zahlen her zu den besten Offensivreboundern der gesamten NCAA.

Als Blocksteller verrichtet Olaseni seine Aufgaben sehr gewissenhaft und bereitet seinen Teamkameraden mit seinen präzisen Wegsperren für die Verteidiger große Freude. Hier macht sich auch die Schule von Fran McCaffery bemerkbar, da Olaseni bei den offensiven Sets der Hawkeyes in der Lage sein musste, mehrere Blöcke innerhalb kürzester Zeit zu stellen.

Stellt Olaseni einen Block am Ball, wählt er fast immer den richtigen Winkel und stoppt im richtigen Moment ab, um einen effektiven Block zu stellen, ohne zugleich ein Offensivfoul wegen eines bewegten Blocks zu riskieren. Anschließend löst Olaseni die Blöcke im richtigen Moment auf und beginnt mit einer entschlossenden Roll-Bewegung.

Durch seine Konsequenz beim Abrollen und seinen Fokus auf den Ballhandler, ist er stets ein gutes Ziel für die Pässe des Aufbauspielers. Zwar lassen ihn seine Hände hin und wieder im Stich und er fängt den Ball nicht so, dass er direkt abschließen kann, doch sie sind gut genug, um Turnover zu verhindern und bei genug Raumfreiheit auch schnelle Korberfolge zu ermöglichen. Erst wenn die Defense sich geschickt zusammenzieht und Olaseni von Gegnern umringt ist, wird es kompliziert und die Wahrscheinlichkeit eines Fehlpasses oder eines misslungenen Fangversuchs steigt.

Auch abseits des Balls stellt Olaseni sehr markante Blöcke, die seinen Mitspielern helfen, offene Würfe zu bekommen. Da er viele Shooter als Mannschaftskameraden hatte, weiß er genau, wie er einen Block so stellen muss, um die Vorlieben eines guten Schützen zu erfüllen.

Besonders in seinem Senior Jahr konnte Olaseni aber auch mit technischen Fortschritten glänzen. Zwar ist er immer noch weit davon entfernt, als passabler Lowpost Spieler gelten zu können, allerdings zeigte er in seiner finalen College Saison zumindest erste Ansätze, dass er zum einen das Potential für mehr beherbergt und zum anderen auch den Willen hat, an dieser Facette zu arbeiten. Ein paar Basisbewegungen klappen mittlerweile ganz ordentlich und sehen schon einigermaßen flüssig aus.


Die positiven Resultate sind zwar noch nicht in der Mehrzahl, aber immerhin machen sie schon einen gewissen Anteil aus. Besonders sein Jumphook mit der rechten Hand über die linke Schulter fällt dank seines akzeptablen Touches recht verlässlich. Sobald Olaseni jedoch zu weit vom Korb entfernt ist oder sehr weit zur Baseline abgedrängt wird, sinkt die Erfolgswahrscheinlichkeit. Der nächste Schritt für ihn sollte also darin bestehen, immer den direkten Weg zum Korb zu finden und mit besserer Rumpfstabilität hochprozentiger zu finishen. Olaseni ist zusätzlich anzurechnen, dass er auch seine linke Hand immer wieder nutzen will und dabei zumindest schon in der Lage ist, konstant Fouls zu ziehen.

Gerade Letzteres ist ein weiteres angeborenes Talent des Centers. Er versteht es sehr gut, genug Kontakt mit dem Verteidiger zu kreieren, um dem Schiedsrichter einen Pfiff zu entlocken. Mit seiner energischen Art brachte er daher trotz limitierter Einsatzzeit und Prioritäten in der Defense den einen oder anderen Gegenspieler in Foulprobleme und erwies damit der Mannschaft einen großen Dienst.

Daher machte sich auch eine zweite technische Weiterentwicklung als Senior bemerkbar: Sein Freiwurf ist mittlerweile mehr als solide. Technisch sieht der Wurf zwar noch nicht optimal aus, aber die Grundlagen stimmen nun, weshalb Olaseni Fouls der Gegner nun sachgerecht bestrafen kann. Da er auch ein häufiger Gast an der Linie ist, bringt ihn diese Entwicklungs um mehrere Schritte voran.

Denn Gegner können seine krachenden Dunks nun nicht mehr ohne Weiteres durch ein Foul verhindern und auf eine magere Ausbeute an der Freiwurflinie hoffen. Zwar lesen sich die Quoten auch aus seiner Sophomore und Junior Saison sehr passabel, allerdings schien ihn er in dieser Zeit häufig erst, einen oder zwei Fehlversuche zu brauchen, ehe er das richtige Gefühl für seinen Wurf hatte. Das ist nun nicht mehr nötig.

Alles in allem ist Gabriel Olaseni sicher ein interessanter Spieler für die BBL. Allerdings verwundert mich ein wenig, dass er direkt in seiner ersten Profisaison Euroleague bei Bamberg spielen wird. Dafür ist er meiner Ansicht nach noch nicht reif genug. Hier wird entscheidend sein, wie schnell sein Lernprozess verläuft. Für die ersten Saisonmonate wäre es schon ausreichend, wenn Olaseni die unnötigen Fouls in der Verteidigung auslässt und stattdessen lernt, frühzeitig zu rotieren. Gelingt ihm dies, wird er defensiv zumindest auf solidem Niveau agieren.

Wie eingangs erwähnt ist es zudem wichtig, Olaseni nicht mit Mbakwe zu vergleichen. Der Golden Gopher (Mbakwe) war als Senior wesentlich weiter als Olaseni und konnte zwischen seiner letzten Saison bei den Gophers und seiner Ankunft in Bamberg erste Auslandserfahrungen in Rom sammeln. Auch als Spielertypen unterscheiden sich die beiden voneinander.

Mit seiner Energie und seinem Einsatzwillen ist Gabe Olaseni der perfekte Rollenspieler, der seinen Mitspielern zuarbeitet und damit kein Problem hat. Offensiv kann er daher mit den Kleinigkeiten glänzen, die einfach dazu gehören und leider viel zu oft übersehen werden: Gute Screens setzen, um Offensivrebounds kämpfen und Putbacks sowie Durchstecker verwerten.

Ob das für die Euroleague und die Ansprüche der Bamberger reicht, wird sich zeigen müssen, aber einen Versuch ist es zumindest Wert. Man kann nie genug harte Arbeiter in den eigenen Reihen haben. Sollten die Bamberger Geduld bewahren, könnte sich diese Ruhe gegen Ende der Saison auszahlen. Garantien dafür gibt es aber nicht und eine gewisse Skepsis ist daher vertretbar.