26 Oktober 2015

26. Oktober, 2015


Während bekannte Top-Talente wie Victor Oladipo, Giannis Antetokounmpo, Nerlens Noel und Jabari Parker die angesagten Breakout-Kandidaten sind, fliegen andere Youngster ein bisschen tiefer unter dem Fan-Radar. Noch. NBACHEF stellt euch in unserer 'Don't Sleep' Reihe eine Handvoll Spieler vor, die in dieser Saison einen großen Leistungssprung machen werden. 

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Im Draft 2014 entschieden sich die Orlando Magic an vierter Stelle für Aaron Gordon, das Kraftpaket von der University of Arizona. Die Magischen gaben dem Combo-Forward somit den Vorzug vor hoch gehandelten Spielern wie Dante Exum oder Marcus Smart.

Die Entscheidung pro Gordon war keine große Überraschung, denn in jedem Mock Draft wurde der Forward in der Lottery gehandelt. Zudem wurde der gebürtige Kalifornier bereits zu High School Zeiten in San Jose gefeiert und konnte bei seiner Teilnahme am McDonald’s All-American Game die MVP Trophäe in die Höhe recken. 

Seine Rookie-Saison in der NBA war auf den ersten Blick jedoch kein Highlight. Mit 5,2 Punkten und 3,6 Rebounds in 17 Minuten pro Spiel waren seine Statistiken alles andere als berauschend. Aufgrund einer Fußverletzung musste Gordon bereits nach elf Spielen pausieren und kam in der kompletten Saison auf gerade einmal 47 Einsätze. Diese hinderten ihn nicht nur daran, einen echten Rhythmus zu finden, sondern waren gleichzeitig der Hauptgrund, warum Gordons Rookie-Saison in den Medien und von der Öffentlichkeit als schlecht bewertet wird.


Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass Gordon nicht aufgrund seiner Offense und seiner begnadeten Wurfquoten verpflichtet wurde, sondern wegen seiner Qualitäten in der Defensive. Dort konnte der 2,06 m große Forward schon als Rookie mehrere Akzente setzen und phasenweise zeigen, dass er zurecht an vierter Stelle gedraftet wurde.

Gordon ist aufgrund seiner Athletik, der enormen Spannweite und des muskulösen Körpers in der Lage, vom Point Guard bis zum Center jede Position zu verteidigen. Dies tat er zeitweise und in kurzen Schüben auch eindrucksvoll - und das obwohl er mit 19 Jahren der zweitjüngste Spieler der gesamten Liga war!

Das Training mit dem neuen Headcoach Scott Skiles, seines Zeichens als Schleifer bekannt, wird Gordons defensiver Entwicklung sehr gut tun. Skiles ist ein Coach, der großen Wert auf Defense legt. Im aktuellen Kader der Magic ist Gordon der Spieler, der am besten in das defensive System des neues Coaches passt. 

Um in der NBA als Forward erfolgreich zu sein, muss der inzwischen 20-Jährige jedoch an seinem Shooting arbeiten. In der Summer League hat das Sprungwunder aus Kalifornien bereits bewiesen, dass es fleißig am Sprungwurf gearbeitet hat. 21,5 Punkte und 14 Rebounds im Schnitt sammelte Gordon in der Summer League, und das bei ordentlichen Quoten aus dem Feld. Assistant-Coach Monte Mathis vergleicht seinen Einsatz im Training sogar mit dem von Dirk Nowitzki. Gordon sei gewillt sich zu verbessern, nimmt jede Einheit ernst und gibt immer alles. 

Diese Adelungen sollten Gordon noch mehr motivieren und ihm eine ordentliche Portion Selbstvertrauen für die anstehende Saison einimpfen. Natürlich darf die Leistung aus der Summer League nicht als Maßstab genommen werden, denn diese Statistiken wird Gordon in der kommenden Saison nicht auf die Bretter bringen. Bei einer deutlich gesteigerten Spielzeit dürfte Gordon seine Stats hinsichtlich Punkten und Rebounds im Gegensatz zur Vorsaison aber mindestens verdoppeln.


Zahlreiche Experten sehen im Forward mit der Rückennummer 00 bereits einen neuen Shawn Marion. Noch liegen natürlich Welten zwischen den beiden Forwards und es wäre trügerisch, voreilige Schlüsse zu ziehen, aber unter objektiver Betrachtung von Körperbau, Talent und Spielstil liegt ein Vergleich nahe.

Marion und Gordon verfügen über eine ähnliche Statur, sind beide sehr athletisch, können beide Forward-Positionen spielen und alle fünf auf dem Parkett verteidigen. Beide Spieler sind offensiv limitiert, dafür defensiv begnadet. Während der erst kürzlich zurückgetretene „The Matrix“ aber 16 Jahre in der NBA spielte, an vier All-Star-Games teilnahm und an der Seite von Dirk Nowitzki im Jahr 2011 Meister wurde, muss Aaron Gordon seine Rolle in der Liga erst noch finden. 

Es gibt noch eine weitere Parallele zwischen den beiden, denn Orlandos neuer Coach Skiles war auch an der Entwicklung von Shawn Marion nicht ganz unbeteiligt. Als „The Matrix“ in die Liga kam, war Skiles Assistant Coach bei den Suns, dem Team, welches Shawn Marion an neunter Stelle im Draft 1999 in die Liga holte. Skiles konnte Marions Entwicklung für drei Jahre begleiten und ihm einiges mit auf den Weg geben. 

Dieser Hintergrund und Gordons großes Potential dürften Skiles sehr glücklich darüber machen, sich künftig um Aaron Gordon zu kümmern. Der wird im Magic-Frontcourt viel mehr Spielanteile sehen als 2014/15 und zu einem ganz wichtigen Aspekt in der neuen Defensivkultur heran reifen. Sollte der Coach aus seinem jungen Forward eine neue Version von „The Matrix“ machen, wäre in Orlando vermutlich jeder zufrieden.