30 Oktober 2015

30. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(34-4, Elite Eight der March Madness)
Es war eine der besten Saisons der jüngeren Unigeschichte. Die 34 Siege sind der zweitbeste Wert der Historie und auch am Final Four schrammten die Wildcats nur knapp vorbei. Das Team präsentierte sich als vielköpfige Hydra, bei der in jedem Spiel ein anderer Kopf den Gegner beißen konnte. Auch in brenzligen Situationen, wie im zweiten Turnierspiel gegen Xavier, behielt das Team die Nerven und wusste einen Ausweg zu finden. Erst gegen die nicht zu stoppende Maschinerie der Wisconsin Badgers war in einem hochklassigen Spiel Schluss.

Kader
Ryan Anderson (Big, 6’9’’, Senior)
Kaleb Tarczewski (Big, 7’0’’, Senior)
Mark Tollefsen (Big, 6’9’’, Senior)
Gabe York (Guard, 6’3’’, Senior)
Kadeem Allen (Guard, 6’3’’, Junior)
Elliott Pitts (Wing, 6’5’’, Junior)
Parker Jackson-Cartwright (Guard, 5’11’’, Sophomore)
Dusan Ristic (Big, 7’0’’, Sophomore)
Chance Comanche (Big, 6’11’, Freshman)
Justin Simon (Guard, 6’5’’, Freshman)
Allonzo Trier (Guard, 6’6’’, Freshman)

Vier Starter (T.J. McConnell, Stanley Johnson, Rondae Hollis-Jefferson, Brandon Ashley) zu verlieren bedeutet für die meisten Teams den Abfall in die Bedeutungslosigkeit. Doch nicht mit Sean Miller. Der Coach der Wildcats setzt bei seiner Teamzusammenstellung ohnehin auf eine gewisse Tiefe im Kader und gibt mehreren Spielern wichtige Minuten, weshalb einige wichtige Akteure aus dem letzten Jahr verblieben sind. 

Zudem ist Miller ein Genie in Sachen Recruiting und hat sich wieder eine interessante Freshman Class, sowie zwei spielstarke Transfers gesichert. Zwar sind die Freshmen nicht so hoch dekoriert, wie es Aaron Gordon oder Stanley Johnson in den Vorjahren waren, doch auch die drei Neulinge werden gute College Spieler sein. Die Frage ist nur, wann das sein wird. Ärgerlich ist der kurzfristige Ausfall von Ray Smith, dem eine große Rolle angedacht war und sich während der Vorbereitung den zweiten Kreuzbandriss in 15 Monaten zuzog. 

Ryan Anderson trainierte bereits ein Jahr mit den Wildcats nach seinem Wechsel vom Boston College, wo er drei Jahre lang der beste Spieler war. Mark Tollefsen spielte letzte Saison noch für San Francisco in der WCC. Dort war er Starter und ebenfalls der beste Spieler des Teams. Hinzu kommt, dass der ehemalige Junior College Scorer Kadeem Allen nach seinem Redshirt Jahr debütieren wird.

Starting Backcourt
Jackson Parker-Cartwright, Gabe York, Allonzo Trier

T.J. McConnell zu ersetzen wird nicht leicht für den neuen Anführer Parker Jackson-Cartwright. McConnell war der Kopf und das Herz des Teams und entwickelte sich als Senior zum unangefochtenen Leader, der sein Team zum Sieg führte. PJC ist ein ganz anderer Spielertyp. Das beginnt schon damit, dass er sehr klein ist. Das Spielgerät wirkt in seinen Händen immer überdimensional groß. Doch auch wenn seine Größe sicherlich Hindernisse hervorruft und ihn teilweise einschränkt, sollte man sich dennoch nicht davon blenden lassen. Denn in dem Wirbelwind schlummert eine Menge Potential, das er nun abrufen muss. 

Jackson-Cartwright kann das Tempo einer Partie sehr gut kontrollieren. Er hat ein Gespür dafür, welchen Rhythmus sein Team gerade braucht und variiert je nach dem seine Aktionen. Er läuft das Pick & Roll sehr gut und findet daraus meist den freien Mann. Mit seinem schnellen ersten Schritt, seinem tiefen Körperschwerpunkt und seinen Hesitation Dribblings ist er für die meisten Gegenspieler im Eins-gegen-Eins nicht zu halten. Stabilisiert sich sein Schuss, sollte er offensiv eine solide Rolle ausfüllen. Ob er genauso cool in der Crunchtime agiert, muss sich zeigen, allerdings sollte man hier nicht zu viel erwarten. Defensiv ist er ebenfalls solide, jedoch machen sich die fehlenden Zentimeter hier öfter bemerkbar.

Gabe York war der sechste Mann im vergangenen Jahr und spielte ständig im Schatten der großen Namen. Dabei war er in vielen Spielen der Matchwinner oder zumindest der Wegbereiter zum Sieg. Dank seiner Distanzwürfe entwickelte er sich regelmäßig zum Dosenöffner gegen weit einsinkende Verteidigungen. Doch York ist mittlerweile mehr als nur ein reiner Shooter, der ab und zu mal die verrückten Dreier trifft. York kann den Ball auf den Boden setzen und seinen Verteidiger attackieren. Er ist athletischer, als es ihm viele Gegner zutrauen und weiß diesen Vorteil zu nutzen. 

Ohne Angst zieht er bis ins Herz der Zone und schließt auch gegen Kontakt mit einer Portion Hangtime ab. Dreipunktespiele sind keine Seltenheit mehr. In der kommenden Saison wird er noch wichtiger für die Offense sein und auch in der Crunchtime seine Würfe bekommen. Defensiv ist York ohnehin eine Bank. Er ist ein sehr disziplinierter Verteidiger, der sich selten dazu hinreißen lässt, nach dem Ball zu schlagen und stattdessen seinen Gegner vor sich hält.

Allonzo Trier ist ein reiner Scorer, der von den bekannten Scouting Portalen als der beste Freshman Arizonas eingestuft wird. Allerdings waren seine letzten öffentlichen Auftritte alles andere als überzeugend. Er verbrachte den Sommer zusammen mit Coach Miller auf Kreta und gewann die Goldmedaille. Doch glänzen konnte Trier keinesfalls. Er trifft noch viele falsche Entscheidungen und wurde von Miller darauf auch öfters mal hingewiesen. 

Während man über die Offense noch diskutieren kann, wird es vor allem seine defensive Leistung sein, die über das Ausmaß an Spielzeit entscheidet. Hier zeigte Trier erschreckend schwache Grundlagen. Trier muss sich als Rookie jede einzelne Minute hart verdienen und sollte sich möglichst viel von Gabe York abschauen. Seinen Starterposten hat Trier noch nicht sicher. Gerade nach der Verletzung von Ray Smith sollte Trier als dritter Starter jedoch die bevorzugte Variante von Miller sein. Weitere Kandidaten, die jedoch zur Stelle sind, hören auf die Namen Pitts und Tollefsen.


Starting Frontcourt
Ryan Anderson, Kaleb Tarczewski

Ryan Anderson konnte einem im Dress der Boston College Eagles fast schon leid tun. Der Power Forward rackerte an den Brettern für zwei beim Rebound und erkämpfte seinem Team viele Bälle. Doch in ihrer ideenlosen Offense verpufften diese zweiten Chancen einfach und auch auf Anderson übertrug sich irgendwann die Lethargie des gesamten Teams und er fing ebenso an, sinnlos Dreier zu schmeißen. 

Doch diese Zeiten sind vorbei und Anderson scheint sich auf sein letztes Jahr am College extrem zu freuen. Nach den hinterlassenden Trainingseindrücken konnte sich Anderson körperlich nochmal ein Stück verbessern. Zudem gibt er den Wildcats etwas, was sie seit Derrick Williams nicht mehr hatten: Einen Stretch Vierer, der seine Dreier trifft. Doch Anderson kann man als nur offene Würfe treffen und rebounden. Als Highschool Spieler war er lange Zeit als Guard unterwegs und kann seither relativ gut mit dem Ball umgehen. Gerade über seine rechte Hand ist Anderson kaum zu stoppen. Meistens baut er vorher noch einen Wurffake ein, um seinen Gegenspieler aus dem Gleichgewicht zu bringen. 

Am besten ist Anderson als Blocksteller im Pick & Pop einzusetzen. Hier kann er beim Ballerhalt entweder direkt abdrücken oder seinen Kontrahenten passieren und in die Zone ziehen. Anderson ist ein exzellenter Finisher und kann mit Kontakt auch aus vollem Tempo gut umgehen. Als Lowpost Scorer kann Anderson den Jumphook über die linke Schultern sicher verwandeln, auch wenn ihm ein ausgereiftes Arsenal an Postmoves fehlt. Defensiv muss er hin und wieder aufpassen, dass er nicht in Foulprobleme gerät.

Die Konstante bei den Wildcats heißt Kaleb Tarczewski. Seine Entwicklung unter Miller ist beispielhaft für die neue Begeisterung um das Team in der gesamten Region. Während Tarczewski als Freshman sichtlich Probleme hatte, ein Spielende live auf dem Spielfeld mitzuerleben, ging es letzte Saison sogar soweit, dass „Zeus“, wie er in Tucson genannt wird, Spiele plötzlich in der Offensive dominierte. Tarczewski ist der beste Center der NCAA hinsichtlich der Pick & Roll Verteidigung. 

Für einen 7-Footer ist er wieselflink auf den Beinen und gerade in seitlichen Bewegungen genauso schnell, wie die Guards, die er stellen muss. Dadurch kann er jedes Pick & Roll hart hedgen, ohne befürchten zu müssen, vom Guard geschlagen zu werden. Mittlerweile unterlässt er es auch, nach dem Ball zu schlagen, womit er Foulprobleme unterbindet. Selbst wenn das Pick & Roll geswitcht wird, hat Tarczewski nicht direkt ein Missmatch gegen sich. Oft ist seine Verteidigungsleistung so stark, dass er die ganze Offense des Gegners zum Erlahmen bringt. Auch in der klassischen Lowpost Verteidigung lässt sich Tarczewski selten überlisten und nutzt geschickt seine Länge und seine gute Reaktionszeit aus, um Würfe zu erschweren, ohne sie blocken zu wollen. 

Offensiv fand ebenfalls eine große Entwicklung statt. “Zeus“ ist mittlerweile ein sehr passabler Lowpost Center, der seine Jumphooks trifft und Größenvorteile konsequent ausnutzt. Da er ein guter Freiwurfschütze ist, sind Fouls auch kein probates Mittel, um ihn zu stoppen. Tarczewski hat zudem weiche Hände und fängt viele Durchstecker und Pässe so, dass er sie direkt verwerten kann. Seine Screens sind ebenfalls sehr solide und helfen den Mitspielern beim Drive.

Bank
Kadeem Allen, Chance Comanche, Elliott Pitts, Dusan Ristic, Justin Simon, Mark Tollefsen

Justin Simon bringt für einen Guard eine hervorragende Größe mit. Dazu gilt er als überaus athletischer Spieler, der gerne über Ringniveau finisht. Es kann durchaus sein, dass Simon je nach Gegner oder mit kontinuierlich guten Leistungen in der Starting Five landet. Dazu muss er jedoch erst noch unter Beweis stellen, dass er offensiv reif genug für eine solche Rolle ist. Besonders sein Distanzwurf ist nicht sattelfest und sein Entscheidungsverhalten kann sich auch noch verbessern.

Kadeem Allen ist das Enigma im Wildcats Roster. Als Junior College Spieler des Jahres kam er im vergangenen Sommer nach Tucson, redshirtete jedoch und geriet damit in Vergessenheit. Doch Allen gilt als großes Talent in Sachen Scoring und ihm wird auch eine gewisse Affinität zu galliger Defense nachgesagt. Wie gut Allen wirklich ist, wird sich erst nach ein paar Saisonwochen sagen lassen, doch als weiterer potenter Scorer von der Bank sollte Allen sicher einzusetzen sein.

Elliott Pitts entwickelte sich über die vergangenen Monate zu einem sehr soliden Spieler und ist bereit, in der kommenden Saison eine größere Rolle einzunehmen. Es ist vorstellbar, dass er statt Allonzo Trier starten wird. Pitts ist vielleicht der variabelste Verteidiger des Teams, denn er legte in der letzten Saison sowohl Guards als auch Wings an die Kette und spielte solide Defense. Dazu ist er in der Offense ein verlässlicher Schütze, der die Anlagen zu mehr besitzt.

Mark Tollefsen ist gleich der zweite potente Stretch Vierer, den Miller per Transfer an Land ziehen konnte. Der Linkshänder ist für einen Big Man sehr beweglich und athletisch. Bei den Dons wurden sogar Alley-Oop-Spielzüge für ihn gelaufen. Mit seiner linken Klebe sorgt Tollefsen für Gefahr von der Dreierlinie, hat aber auch einen Floater in seinem Repertoire. Sein Rebounding ist solide und auch in der Verteidigung unterlaufen dem Graduate Senior wenige Unachtsamkeiten. Dank seiner Beweglichkeit kann Tollefsen sogar als Außenspieler agieren und hier phasenweise Akzente setzen.

Dusan Ristic ist wieder der Backup von Tarczewski. Der Serbe deutete als Freshman sein Talent an und kann gerade in der Offense mit Punkten für unverhoffte Unterstützung sorgen. Gerade defensiv und beim Rebound muss Ristic jedoch tougher und cleverer agieren, wenn er mehr Minuten sehen will.

Chance Comanche ist ein talentierter Big Man, der jedoch in diesem Jahr nicht viel Spielzeit sehen wird. Dafür ist der Frontcourt der Wildcats zu tief und Comanche körperlich noch zu fragil. Ein Redshirt Jahr wäre nicht die schlechteste Idee.

Stil
Wie in den Vorjahren werden die Wildcats versuchen, durch harte Verteidigung den Ton anzugeben und Gegner die Freude am Basketball zu nehmen. Viele gute Verteidiger des letzten Jahres sind übriggeblieben und einige der Neuankömmlinge sollten sich sofort zurecht finden. 

Offensiv wird es wieder viele Pick & Rolls und Postups geben. Wichtig ist jedoch, dass die Wildcats dieses Jahr wesentlich mehr Gefahr von außen ausstrahlen können und mehrere potente Scorer in ihren Reihen haben. Auch die Anwesenheit zweier leibhaftiger Power Forwards mit Dreier sollte sich bezahlt machen.


NBA Kandidaten
Einen No-Brainer haben die Wildcats dieses Jahr nicht im Kader, dennoch sollte einige Spieler gute Aussichten auf einen Platz in der NBA haben. Kaleb Tarczewski ist der perfekte Backup Center auf NBA Niveau. Auch Justin Simon und Allonzo Trier haben das Potential für die NBA. Ryan Anderson könnte als Rollenspieler eine Nische finden.

BBL Kandidaten
Sollte Anderson nicht in der NBA landen, wäre er für viele BBL Teams ein verlockender Spieler. Die Kombination aus Dreier und Rebounding passen perfekt zu vielen Teams, die auf der Power Forward Position gerne einen Schützen aufstellen. Körperlich sollte er in der BBL sogar Vorteile haben können.

Prediction
Die Anzahl der unterschiedlichen Szenarien ist groß. Doch die wahrscheinlichen Varianten enden alle darin, dass sich Arizona am Ende einen Dreikampf mit UCLA und Cal um den Spitzenplatz in der PAC12 liefert und ihn im Idealfall gewinnt. Was im Tournament möglich ist, wird sich zeigen. Das Team ist unberechenbar, was sowohl Vorteil als auch Nachteil sein kann. Solange die Defense steht, werden die Wildcats eine gute Rolle spielen.

Wichtige Spiele
Samstag, 5.12. vs. Gonzaga
Donnerstag, 07.01. vs. UCLA
Samstag, 23.01. vs. California
Freitag, 12.02. vs. UCLA
Samstag, 27.02. vs. Utah
Donnerstag, 03.03. vs. California