29 Oktober 2015

29. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(24-10, Round of 64 der March Madness)
Die Geschichte der letzten Saison ist schnell erzählt. Mal wieder führten die einzigartige Zonenverteidigung und mehrere Dreierfestivals dazu, dass das Team mit einem guten Gefühl in die Big 12 startete. Dort kam der Motor ein wenig ins Stocken, allerdings fing sich das Team und konnte die Saison in der umkämpften Conference mit einer positiven Bilanz abschließen. Der guten Siegquote aus der Big 12 war dann auch zu verdanken, dass Baylor als 3 Seed eingestuft wurde und als heißer Kandidat für einen überraschend tiefen Run galt. Doch die Überraschung schlug in die andere Richtung aus. Trotz einer 56:44-Führung knapp drei Minuten vor dem Ende im Auftaktmatch gegen Georgia State schieden die Bears durch einen Kunstwurf von R.J. Hunter bereits nach wenigen Stunden March Madness aus. Bitterer kann eine Saison kaum enden.

Kader
Rico Gathers (Big, 6’8’’, Senior)
Lester Medford (Guard, 5’10’’, Senior)
Taurean Prince (Wing, 6’7’’, Senior)
Jo Acuil (Big, 7’0’’, Junior)
Ish Wainright (Wing, 6’5’’, Junior)
Al Freeman (Guard, 6’3’’, Sophomore)
Johnathan Motley (Big, 6’9’’, Sophomore)
King McClure (Guard, 6’3’’, Freshman)
Wendell Mitchell (Guard, 6’3’’, Freshman)

Zwei Starting Five Spieler muss Scott Drew aus dem vergangenen Jahr ersetzen. Der Kanadier Kenny Chery war der primäre Ballhandler und der Spieler für die wichtigen Würfe. Allerdings trug er einen maßgeblichen Anteil am Kollaps gegen Georgia State. Ihm unterliefen einige Patzer, die am Ende das Spiel kosteten. Royce O’Neale hat seine neue sportliche Heimat in der BBL gefunden. Für Baylor war er mit seinen Dreiern eine wichtige Stütze in der Offensive. 

Als Freshmen werden die beiden Guards King McClure und Wendell Mitchell direkt Chancen bekommen, ihr Talent zu präsentieren. Jo Acuil kommt vom Junior College und ist mit seiner Größe ein interessanter Spieler für Scott Drew. Angesichts der dünnen Personaldecke bemühen sich die Bears aktuell auch noch um die Zusage von Freshman Kobie Eubanks, der in der zweiten Saisonhälfte spielberechtigt ist.

Starting Backcourt
Lester Medford, Al Freeman

Lester Medford fügte sich im vergangenen Jahr hervorragend in das System der Bears ein. Besonders defensiv verrichtete er grundsolide seine Arbeit, auch wenn das gerne mal außer Acht gelassen wurde. Wegen seiner geringen Größe füllt er meist die zentrale Position in der 1-3-1-Zone aus, was gleichbedeutend mit anstrengender und nicht enden wollender Lauferei ist. Trotz dieser aufreibenden Schweißarbeit wurde er nur sehr selten in Closeout Situationen geschlagen und war damit an vielen Shotclock Verstößen oder Notwürfen des Gegners beteiligt. 

In der kommenden Spielzeit muss sich Medford nun auch offensiv beweisen. Er ist der einzige gelernte Aufbauspieler des Kaders und trägt damit viel Verantwortung. Besonders wichtig wäre daher, dass es dem Senior gelingt, seine Turnover Anzahl auf einem niedrigen Niveau zu halten. Gleichzeitig wünscht sich Scott Drew sicherlich noch mehr Playmaking von seinem Aufbauspieler. Immerhin fand sich dieser in seiner Premierensaison bei den Bears schon sehr gut in der Pick & Roll Motion zurecht, sodass er in der kommenden Spielzeit Wegbereiter vieler leichter Punkte sein sollte. Dass Medford zusätzlich noch ein verlässlicher Distanzschütze ist, erweist sich oft als netter Bonus.

Auf Al Freeman ruhen in dieser Saison große Hoffnungen der Redshirt Sophomore soll in dieser Saison seinen Durchbruch feiern. Bisher gibt es wenig Nennenswertes zu Freeman zu verkünden, was für einen ehemaligen Toprekruten keine gute Zwischenbilanz ist. Freeman verletzte sich als Freshman am Handgelenk und legte ein Redshirt Jahr ein, um sich auskurieren zu können. In der vergangenen Saison bekam Freeman erstmals konstant Minuten. Allerdings merkte man ihm die fehlende Spielpraxis an. Er spielte ohne Rhythmus und war bei seinen Auftritten scheinbar darum bemüht, Produktives zu leisten, was allerdings oft schief ging. 

Freeman bringt gute Anlagen als Scorer mit, muss sich aber immer noch mit dem College Stil arrangieren. In der vergangenen Saison war zu leicht vorhersehbar, was der Freshman machen wollte und die Verteidigung konnte gezielt intervenieren. Sollte Freeman in dieser Saison sein Potential abrufen können, steht Drew ein potenter Scorer zu Verfügung. Die Athletik, der Touch und die Bewegungsabläufe deuten dies jedenfalls an. Nun liegt es an Freeman, sein Potential in Punkte um zu münzen.


Starting Frontcourt
Taurean Prince, Johnathan Motley, Rico Gathers

Für Taurean Prince wird es ein wichtiges Jahr. Von ihm hängt ab, wie erfolgreich die Saison der Bears werden kann. Aber auch für seine persönlichen Ziele werden die kommenden Monate wegweisend sein. Denn über den Sommer erfuhr der vielseitige Forward einen rasanten Aufstieg im Ansehen bei vielen Scouts. Diese Vorschusslorbeeren bauen zusätzlichen Druck auf den Allrounder auf. Bei den Bears war Prince letzte Saison der sechste Mann, da er auf allen Positionen den Backup geben konnte. Sein Ballhandling ist mittlerweile ausgereift genug, um auch mal den Ballvortrag zu übernehmen oder im Pick & Roll einen guten Wurf zu erspielen. 

Ähnliche Entwicklungssprünge legte Prince auch bei seinem Distanzwurf hin. Hier konnte Prince zuletzt noch einen Zahn zulegen in Sachen Konstanz und Reichweite. Insofern wird Prince im Angriff die zentrale Position einnehmen, da er in der Lage ist, die entscheidenden Würfe im Korb unterzubringen. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich Prince als Go-to-Option schlagen wird. Führt man sich seine Auftritte als Freshman vor Augen, sind seine spielerischen Fortschritte bis hierhin schon äußerst beachtenswert.

Die Zahlen von Johnathan Motley lesen sich auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär, doch das täuscht. Motley hatte teilweise sehr dominante Spiele, in denen er seinem Team kräftig unter die Arme griff. Letztlich fehlte einfach die Konstanz, was bei einem Freshman nicht unüblich ist. Als Sophomore muss Motleys Ziel nun darin bestehen, Beständigkeit in seine Leistungen zu bekommen. Motley ist am Brett jetzt schon nur sehr schwer zu stoppen. Seine Physis ist bestechend und sorgt dafür, dass seine Fähigkeiten voll zur Geltung kommen. Mit kräftigen Schultern, stabiler Rumpfmuskulatur und extrem langen Armen ist er für den Kampf an den Brettern bestens gerüstet. Dazu beweist er großes Geschick im Lowpost. 

Seine Fußarbeit ist zwar noch nicht gänzlich ausgereift und weist gewisse Unsauberkeiten auf, doch seine Dropsteps sind schon relativ oft von Erfolg gekrönt. Motley besitzt einen guten Touch bei Jump und Running Hooks, wobei er seine rechte Hand klar bevorzugt. Auch aus der Mitteldistanz kann er mal einen Jumper einstreuen. Defensiv bringt Motley viele Eigenschaften mit, die ihn zu einem wertvollen Bestandteil der Zonenverteidigung machen. Dank seiner Spannweite ist Motley sowohl in den Passwegen als auch beim Schutz des Rings sehr aktiv. Er ist der beste Shotblocker und verändert zusätzlich sehr viele Würfe.

Rico Gathers kann man getrost als den besten Rebounder der NCAA bezeichnen. In der vergangenen Saison erzielte Gathers im Durchschnitt ein Double-Double und sammelte exakt genauso viele Rebounds ein, wie er Punkte erzielte. Dabei sind es nicht mal unbedingt die reinen Werte, die so eine Aussage veranlassen. Es ist eher die Art und Weise, wie Gathers sich die Rebounds sichert und die Zahl letztlich zustande kommt. Mit dem Körper eines Football Spielers und einer vergleichbaren Mentalität ausgestattet, sind vor allem Gathers Arbeitseifer und seine lehrbuchhafte Ausboxtechnik ausschlaggebend für seine Dominanz an den Brettern. Kein Rebound scheint für Gathers unerreichbar zu sein. 

Gathers kann seinen massigen Körper blitzschnell auf kurze Distanzen beschleunigen und somit direkt auf die Richtung des Balls reagieren. Versucht ihn ein Gegenspieler auszuboxen, lässt Gathers ihm mit seiner Kraft keine Chance und lässt seinen Kontrahenten grotesk aussehen. Wenn Gathers andersherum sein Opfer aus der Zone schiebt beim Ausboxen, gibt es für dieses kein Entrinnen. Auch mehrere Gegenspieler stellen für Gathers nie wirklich eine Hürde dar, weil er einfach zu massig ist und zu genau weiß, wie er sich diesen Vorteil zu Nutze macht. Dazu kommt, dass er schlichtweg jedem Loseball nachgeht. Die große Entwicklung der vergangenen Saison war sein verbessertes Postgame. Mittlerweile kann er im Eins-gegen-Eins punkten, auch wenn das eher nach harter Arbeiter als nach filigraner Leichtfüßigkeit aussieht. Kein Wunder bei 125 Kilo Muskelmasse.

Bank
Jo Acuil, King McClure, Wendell Mitchell, Ish Wainright

Die Tiefe des Kaders ist neben der Point Guard Frage der zweite Knackpunkt dieser Saison. Einen zweiten gelernten Point Guard gibt es unter den Bankspielern nicht. Stattdessen sind die Neulinge gefragt, direkt gute Leistungen abzurufen.

Ish Wainright ist der erfahrenste Akteur. Der kantige Flügelspieler kann an guten Tagen einige Jumper versenken, allerdings ist die Konstanz sein großes Problem. Auch sein Entscheidungsverhalten ist nicht gerade überragend. Immerhin kann er sich defensiv einbringen, da er das System bereits verinnerlicht hat und immer mit ganzem Herzen bei der Sache ist. Für einen Wing ist er zudem reboundstark.

King McClure gilt als höchst talentierter Scorer. Allerdings wurde er gegen Ende seiner Highschoolzeit von Ärzten aus dem Verkehr gezogen, denn sie diagnostizierten einen Herzfehler, der bereits so manchen ehemaligen Basketballer das Profigeschäft gekostet hatte. Die medizinische Abteilung der Bears gab nun vorerst grünes Licht mit der Bedingung, dass ein Defibrillator für den Notfall am Spielfeldrand bereit steht. Auf dem Feld könnte McClure als Instant Scorer auftreten. Sein Wurf ist streaky, aber genau auf solche Hilfen sind die Bears traditionell angewiesen.

Auch Wendell Mitchell gilt als talentiert genug, um gleich vom Fleck weg einen Einfluss auf das Spiel der Bears zu nehmen. Hier gilt es jedoch die ersten Saisonwochen abzuwarten. Mitchell wäre nicht der erste dekorierte Shooting Guard, der unter Drew Anpassungsschwierigkeiten hat. Denn dieses Positionsmuster fällt bei Drew sowohl offensiv als auch defensiv weg, weshalb sich die Highschool Abgänger ein Stück weit neu definieren müssen.

Jo Acuil bringt die nötige Größe und Spannweite mit, um in der Defense und beim Rebound einen wichtigen Part zu übernehmen. Findet er sich auf seinem Spot in der Zonenverteidigung zurecht, wäre das schon ein großer Zugewinn, da im letzten Jahr immer wieder Probleme aufkamen, wenn dominante Innenspieler des Gegners geschickt in Szene gesetzt wurden. Acuil könnte hier die passende Antwort liefern. 

Auch bei Jo Acuil wurde jedoch Mitte Oktober ein möglicher Herzfehler festgestellt und darf für acht Wochen nicht am Training teilnehmen, um in dieser Zeit Tests zu absolvieren und Gewissheit zu bekommen. Sollte sich der Verdacht als falsch erweisen, könnte Acuil zum Saisonstart der Big12 Anfang Januar wieder zur Verfügung stehen.

Stil
Wie auch in den vergangenen Jahren werden die Bears ihre Gegner mit ihrer ungewöhnlichen 1-3-1-Zone vor Probleme stellen. Die Länge des Teams passt hervorragend ins Schema. Aus der Verteidigung heraus werden sich viele Fastbreak Möglichkeiten eröffnen. 

In der Offense präsentieren die Spieler von Drew normalerweise ihre Pick & Roll Motion. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich Drew dieses Jahr vermehrt die Größe seines Teams durch Postups zu Nutze machen möchte. Seine drei Starter im Frontcourt können allesamt im Lowpost erfolgreich sein.


NBA Kandidaten
Taurean Prince bringt exzellente Voraussetzungen mit, um in der NBA eine vielseitige Ausgabe eines Three-and-D-Spielers zu werden. Sein Dreier hat sich gut entwickelt und mit seinen körperlichen Gegebenheiten, sowie seiner Einsatzbereitschaft beim Rebound verfügt er defensiv über großes Potential. Allerdings muss man abwarten, wie sehr er von der speziellen Baylor Verteidigung profitiert hat und noch profitieren wird. Diese Verteidigungsform kaschiert geschickt Schwächen. Bisher konnte sich noch keiner der von Drew trainierten Spieler in der NBA durchsetzen. Rico Gathers sollte als Reboundmaschine ebenfalls in der NBA unterkommen. Diese Qualität sollte ihn als Rollenspieler sogar ausgesprochen wertvoll machen und typisiert ihn zu einem Reggie Evans 2.0.

BBL Kandidaten
Die Bears stellen in diesem Jahr eine junge Mannschaft und werden entsprechend keinen geeigneten BBL Spieler hervorbringen. Medford ist zu schwach für die BBL und die anderen beiden Seniors werden höchstwahrscheinlich in der NBA landen.

Prediction
Auf dem Papier scheinen das NCAA Tournament und ein positiver Record in der Big 12 machbar, was schon mal für eine schlagkräftige Truppe spricht. Der Frontcourt bringt viel Größe, Rebounding und Scoring Gefahr mit. Das alleine wird aber spätestens im März nicht mehr reichen. Selbst in der Big 12 muss auch aus dem Backcourt Produktives kommen. Hier ist Medford gefragt, das Team clever zu lenken. Zudem sind einige Distanzwürfe pro Spiel Pflicht, damit die Bears eine reelle Siegchance haben wollen. Denn sonst werden die Gegner Lowpost Situationen konsequent doppeln und damit das Scoring der Big Men unterbinden. Für das Tournament scheint also die Erfahrung und Tiefe im Backcourt zu fehlen. Schlechter als letztes Jahr kann es aber gar nicht laufen.

Wichtige Spiele
Sonntag, 6.12. vs. Vanderbilt
Samstag, 19.12. vs. Texas A&M
Samstag, 23.01. vs. Oklahoma
Montag, 01.02. vs. Texas
Dienstag, 16.02. vs. Iowa State
Dienstag, 23.02. vs. Kansas
Samstag, 05.03. vs. West Virginia