29 Oktober 2015

29. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(18-15)
Es war die erste Saison für Cuonzo Martin nach der Mike Montgomery Ära. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten lieferten die Golden Bears aus Berkeley eine solide Saison ab, ohne jedoch ernsthafte Postseason Ambitionen zu verfolgen. Die Saison stand ganz im Zeichen des Wandels und die positive Endbilanz spricht für den Charakter der Rotationsspieler. Fast alle Pflichtaufgaben wurden erledigt und mit Siegen über Washington und UCLA konnte man sogar Teams mit deutlich höherem Talentlevel in die Schranken weisen.

Kader
Tyrone Wallace (Guard, 6’5’’, Senior)
Jabari Bird (Wing, 6’6’’, Junior)
Stephen Domingo (Wing, 6’7’’, Junior)
Jordan Mathews (Guard, 6’3’’, Junior)
Roger Moute a Bidias (Big, 6’6’’, Junior)
Sam Singer (Guard/Wing, 6’4’’, Junior)
Brandon Chauca (Guard, 5’9’’, Sophomore)
Kingsley Okoroh (Big, 7’1’’, Sophomore)
Kameron Rooks (Big, 7’0’’, Sophomore)
Jaylen Brown (Wing, 6’7’’, Freshman)
Ivan Rabb (Big, 6’11’’, Freshman)

David Kravish und Christian Behrens waren langjährige Stützen im Team der Bears und entwickelten sich über die Jahre zu soliden PAC12 Spielern. Doch beiden fehlten in letzter Instanz das Talent und die Härte, um Cal zu einem Contender werden zu lassen. Dwight Tarwater verrichtete seine Aufgaben als Rollenspieler sehr pflichtbewusst. Ansonsten bleibt der junge Kern jedoch erhalten und formiert eine starke Basis. Besonders die Rückkehr von Senior Tyrone Wallace ist ein Ausrufezeichen in Richtung der PAC12 Spitzengruppe. Denn Wallace hätte sich beim Draft gute Chancen auf einen Platz spät in der ersten Runde ausrechnen können.

Doch Coach Martin überzeugte den Senior zu einer vierten Collegesaison zu bleiben. Bereits vorher hatte er beim Recruiting schon ganz Arbeit geleistet und damit für neuen Schwung gesorgt. Die beiden Freshmen Jaylen Brown und Ivan Rabb sind eines der stärksten Forward Tandems der NCAA und gehören zu den besten Talenten ihres Jahrgangs. Zusätzliche Tiefe erhält der Kader durch Stephen Domingo und Kameron Rooks. Domingo wechselte im vergangenen Jahr von der Georgetown University nach Berkeley und Rooks setzte das letzte Jahr nach einer ansprechenden Freshman Saison wegen eines gerissenen Kreuzbands aus.

Starting Backcourt
Tyrone Wallace, Jabari Bird

Linkshänder Wallace ist ein ganz heißer Anwärter auf den Titel des besten PAC12 Spielers der kommenden Saison. In jeder seiner Saisons bei den Bears steigerte sich der Guard im Vergleich zum Vorjahr. Dies wird nun nach seiner starken Junior Saison schwer zu erreichen sein, aber Wallace ist ehrgeizig genug, die verbliebenden Schwächen radikal anzugehen. Wallace ist für einen Aufbauspieler eine physische Ausnahmeerscheinung. Neben seiner Körpergröße ist Wallace sehr athletisch und stabil gebaut. Das macht ihn zu einem guten und furchtlosen Finisher am Ring. 

Es gibt kaum einen Außenspieler, der ein derartiges Geschick für erfolgreiche Dreipunktspiele besitzt wie Wallace. Wallace erster Schritt ist kaum zu verteidigen und dank seiner Schrittlänge besteht kaum eine Chance, dass der Verteidiger ihn nochmal überholen könnte. Besonders als Spielmacher hat Wallace große Fortschritte gemacht. Er liest das Pick & Roll mittlerweile viel besser und setzt seine Nebenleute öfter und gezielter in Szene. Die einzig verbliebende Baustelle in der Offense ist sein Wurf. 

Auch hier zeigten sich zuletzt Verbesserungen, allerdings fehlt immer noch die Konstanz. Besonders mit seiner Freiwurfschwäche kostet er Coach Martin regelmäßig Nerven in der Crunchtime. Hier muss er sich dringend steigern, wenn er kein Risikofaktor sein will. Defensiv ist Wallace jedoch kaum zu kritisieren. Er nutzt seine Länge und Toughness, ist ein bissiger Gegenspieler und hilft dank seiner Größe auch am Brett sehr gut mit.

Jabari Bird kam vor zwei Jahren als hochgelobter Rekrut auf den Campus und sollte eine Trendwende einläuten und mit seinem Scoring direkt vom ersten Tag Wunderdinge bewirken. Doch wie vielen jungen Spielern fehlte Bird die Konstanz. Dazu gesellten sich immer wieder kleinere Blessuren und auch Verletzungen, die ihn zusätzlich aus der Bahn warfen. Letzte Saison verpasste er mehrere Spiele aufgrund einer Stressfraktur, die aber endgültig ausgeheilt ist. 

In der kommenden Saison kann sich Bird voll und ganz auf das konzentrieren, was er am besten kann: Dreier werfen. Dank der vielen dominanten Scorer um ihn herum, wird er viele offene Würfe bekommen und kann seine Stärken im Catch-and-Shoot auskosten. Neben seinem blitzsauberen Wurf besticht Bird vor allem als Fastbreakspieler. Bird ist athletisch und sehr schnell, weshalb er ein guter Finisher bei Schnellangriffen ist. Auch defensiv ist Bird ein solider Akteur, der wegen seiner schnellen Hände und seiner langen Arme viele Bälle stiehlt und gleichzeitig auch Rebounds abgreifen kann.


Starting Frontcourt
Jaylen Brown, Ivan Rabb, Kingsley Okoroh

Jaylen Brown gehört zu den komplettesten Spielern der Freshman Class und wird nicht ohne Grund als sicherer Top5-Pick gehandelt. Er ist der prototypische Flügelspieler für die NBA, da er wegen seiner Kombination aus Athletik und Skills ein schwieriges Matchup für viele Gegner darstellt. Gerade seine Physis ist außergewöhnlich gut für einen Freshman und hier drängen sich schnell Vergleiche mit Arizonas Stanley Johnson aus der vergangenen Saison auf. Brown ist jedoch eine Spur explosiver und sprunggewaltiger. Wegen seiner körperlichen Überlegenheit wird Brown viele Postups bekommen und seine Vorteile sehr gezielt ausspielen. Außerdem wird es vielen Phasen geben, in denen Brown als nomineller Power Forward auflaufen wird, wenn Cal klein spielen möchte. 

Brown lebt offensiv noch ein wenig zu sehr von seiner Kraft, allerdings zeigt er gute Ansätze in Bezug auf sein Ballhandling, sodass es nur eine Sache der Gewöhnung zu sein scheint, bis Brown seine Gegenspieler durch Finesse schlägt. Er nutzt instinktiv beide Hände, wenn er Closeouts attackiert und deutet gute Fußarbeit an. Sein Wurf ist ebenfalls schon eine Waffe, auch wenn noch etwas die Beständigkeit fehlt. Browns größte Stärke ist bislang aber seine Verteidigung. Auf College Ebene kann er die Positionen Eins bis Vier problemlos verteidigen. Für Guards reicht seine Schnelligkeit aus und Bigs kann er körperlich Paroli bieten. Brown hat eine sehr tiefe Grundhaltung und generell eine gute Grundlagenausbildung genossen, wodurch er das Potential zum Lockdown Defender besitzt.

Ivan Rabb galt lange Zeit als das größte Talent seines Jahrgangs, ehe er physisch in Rückstand geriet und seine Konkurrenten auf der Bildfläche erschienen. Doch im letzten Jahr konnte Rabb zumindest an seiner Physis deutlich erkennbar Einiges ändern. Das macht sich in seinem Spiel auch direkt bemerkbar. Während er sich vor wenigen Monaten teilweise noch arg rumschubsen ließ und mit seiner schlaksigen Statur sichtlich Mühe hatte, die Balance zu wahren, ist er mittlerweile gut gerüstet für den Körpereinsatz in der Zone. Dadurch wird dem Gelegenheitszuschauer endlich bewusst, wie talentiert der Power Forward in Sachen Scoring ist. 

Rabbs Fußarbeit im Postup ist sehr fortgeschritten und reicht vollkommen aus, um seinen Gegner einen Knoten in die Beine zu spielen. Am liebsten dreht er sich kurz ins Faceup und lässt seinen Gegenspieler durch eine blitzschnelle Täuschung und einen mindestens genauso schnellen ersten Schritt aussteigen. Reicht das noch nicht, folgen Anschlussbewegungen wie Spinmoves oder Sidesteps. Spätestens dann hat Rabb genügend Platz zum Abschluss. Er nutzt beide Hände und sein Jumphook sieht bereits sehr solide aus. Mittlerweile ist Rabb auch ein verlässlicher Mitteldistanzschütze mit Reichweite bis zur Dreierlinie. 

Allerdings tendiert er hier noch zu oft, für den Wurf abzustoppen und damit seine Athletik zu verschenken. Insgesamt muss Rabb noch lernen ruhiger zu spielen. Er ist insgesamt noch viel zu hektisch mit dem Leder in der Hand. Neben seinen offensiven Qualitäten ist Rabb ein starker Rebounder und Shotblocker, was er nicht zuletzt seinen langen Armen zu verdanken hat. Einzig im Eins-gegen-Eins ist Rabb noch verletzlich und weiß sich oft nur mit Fouls zu helfen.

Kingsley Okoroh ist der Liebling von Cuonzo Martin. Im britischen Hünen sieht Martin noch eine Menge Potential, das unberührt darauf wartet, entdeckt und gefördert zu werden. Stand jetzt verdient sich Okoroh seine Spielzeit hauptsächlich mit seinen spektakulären Defensivaktionen. Er ist der Inbegriff eines Rimprotectors und hält den Laden sauber. Steht er auf dem Spielfeld, ist die Zone sein Terrain und das macht er jedem Kontrahenten durch kompromisslose Blocks und Fouls deutlich. Dazu reboundet er alle Fehlwürfe innerhalb seiner Reichweite zu gefühlten 100 Prozent. 

Offensiv ist Okoroh jedoch noch sehr ungeschliffen und er lebt von Putbacks. Selbst beim Verwerten von Durchsteckern hat er noch Probleme, weil er sich immer einen Moment lang sammeln muss, bevor er zum Abschluss hochgeht. Auch sein Gefühl für das Pick & Roll muss sich erst noch entwickeln. Seine Blöcke sind jetzt schon hilfreich, allerdings fehlt ihm noch das richtige Timing beim Abrollen. Hier erhofft sich Martin in der kommenden Saison Fortschritte. Auf lange Sicht ist Okoroh jedoch wirklich ein interessanter Spieler. Er wird wegen seiner Präsenz in der Regel starten, allerdings dürfte er generell noch nicht so viele Minuten sehe und in der Crunchtime auf dem Feld nichts zu suchen haben.

Bank
Brandon Chauca, Stephen Domingo, Jordan Mathews, Roger Moute a Bidias, Kameron Rooks, Sam Singer

Jordan Mathews gehört spielerisch in die erste Fünf und es wird, wenn überhaupt, nur taktische Gründe geben, ihn nicht starten zu lassen. Martin bevorzugt eine große Startformation, allerdings kann sich das je nach Gegner auch ändern. Mathews ist der beste Schütze des Teams und war in der vergangenen Saison der zweitbeste Scorer. Wird es am Ende einer Partie eng, ist es kein schlechter Einfall, Mathews den Ball anzuvertrauen. Im Normalfall bringt er einen guten Wurf zu Stande. Des Weiteren ist Mathews ein solider Verteidiger.

Brandon Chauca sah in der vergangenen Saison überraschend viele Minuten. Der kleine Guard mit der auffälligen Frisur und dem frechen Spielstil ist kein klassischer Aufbauspieler. Seine Aktionen sind zum Teil vogelwild, können aber eine Initialzündung sein, wenn es schlecht läuft. Geheimwaffe als Rollenbeschreibung trifft es ganz gut.

Sam Singer ist ein weiterer Ballhandler. Der kräftige Combo Guard bringt immer wieder geschickt Ruhe ins Spiel und verteilt das Spielgerät gut. Seine eigenen Abschlüsse wählt er normalerweise mit Bedacht, auch wenn er beim Dreier gerne zu früh abdrückt.

Stephen Domingo ist ein großgewachsener Flügelspieler mit ansehnlicher Athletik und einer guten Länge. Besonders defensiv sollte er einen guten Eindruck hinterlassen. Wichtig wäre, dass sein Dreier fällt.

Roger Moute a Bidias ist der jüngere Bruder von Luc Mbah a Moute. Ähnlich wie sein Bruder ist Moute a Bidias in erster Linie eine Kämpfernatur, die die unliebsame Arbeit erledigt und für jeden einzelnen Punkt malochen muss. Solche Spieler liebt Coach Martin.

Kameron Rooks ist eine weitere Option auf den großen Positionen. Seine Spielzeit dürfte jedoch begrenzt sein, denn hinter Okoroh und Rabb werden nur wenige Minuten übrig bleiben.

Stil
Die Bears wollen schnell spielen und die Athletik ihrer Starter ausnutzen. Mit Tyrone Wallace haben sie dafür den idealen Point Guard, da er selbst viele Rebounds einsammeln und anschließend mit raumgreifenden Dribblings das Tempo anziehen kann. Dazu können auch Brown und Rabb sehr gut mit dem Ball umgehen und Schnellangriffe einleiten. Im Setplay werden die Bears eine ausgewogene Mischung aus Pick & Roll aus Postups für die Freshmen oder Wallace geben. Insgesamt werden die Bears mit mehr Härte in den Aktionen als zuletzt spielen.


NBA Kandidaten
Jaylen Brown und Ivan Rabb sind beide Kandidaten für die Top-10 des kommenden Drafts. Brown ist sogar unter den ersten fünf Picks fest verankert, während Rabbs Bewertung noch schwieriger ist. Rabb muss Scouts in erster Linie davon überzeugen, dass er körperlich endlich Fortschritte gemacht hat und seine Skills dementsprechend ans Licht kommen können. Tyrone Wallace kann sich Hoffnungen auf einen Platz Ende der ersten Runde machen, denn er bringt viele Qualitäten mit, die sich NBA Coaches von ihrem Backup Point Guard wünschen. Sollte er seinen Wurf weiter verbessern können, steht dieser Rolle wenig im Weg. Jabari Bird und Jordan Mathews sind wegen ihrer Distanzwurfqualitäten ebenfalls auf dem erweiterten Radar der NBA Clubs.

BBL Kandidaten
Sollte Mathews nicht in der NBA landen, was angesichts der großen Konkurrenz unter den Distanzwurfspezialisten nicht verwunderlich wäre, könnte er für dreierlastige BBL Teams interessant sein. Matthews ist jedoch auf BBL Niveau mehr als ein reiner Shooter, da er sich seinen eigenen Wurf kreieren kann. Das würde ihn überaus wertvoll machen, weil er somit sowohl abseits des Balls als auch mit dem Ball in der Hand effizient sein könnte.

Prediction
Die ersten fünf, sechs Akteure der Golden Bears sind sehr fähige Basketballer oder haben das Talent/den Körper, um solche zu werden. Das ist eine gute Basis für eine Qualifikation zum NCAA Tournament. Auch für die PAC12 Saison sollten die Bears damit gut gerüstet sein. Allerdings tue ich mich schwer damit, sie jetzt schon zum Favoriten der PAC12 zu betiteln und auch einen tiefen Run im Tournament als Pflicht anzusehen. Denn dafür ist das Team ingesamt immer noch sehr jung und auch nicht sonderlich tief aufgestellt. Gerade auf den großen Positionen kann es schnell eng werden, da Rabb und Okoroh beide foulintensiv spielen. Auch Brown muss sich erst an physisch ebenbürtige Gegner gewöhnen, während Wallace erst noch beweisen muss, dass er ein guter Anführer in knappen Partien sein kann. 

Wichtige Spiele
Donnerstag, 26.11. vs. San Diego State
Dienstag, 22.12 vs. Virginia
Sonntag, 03.01. vs. Utah
Samstag, 23.01. vs. Arizona
Donnerstag, 25.02. vs. UCLA