29 Oktober 2015

29. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(17-16)
Es war eine sehr ernüchternde Saison. Zum ersten Mal seit 2008 stand am Ende der Saison eine negative ACC Bilanz zu Buche (8:10) und auch die Postseason wurde erstmals seit 2005 verpasst. Mit Aaron Thomas verließ der geplante Hauptdarsteller frühzeitig nach sechs Begegnungen die Szenerie und zwang Coach Leonard Hamilton zum Umdisponieren. Immerhin zeigte sich, dass die Seminoles in Xavier Rathan-Mayes einen hochtalentierten Combo Guard für die Zukunft in ihren Reihen wissen können. Nun liegt es an Hamilton, der ein wenig unter Druck steht, aus dem tiefen Kader wieder Resultate herauszuholen.

Kader
Boris Bojanovsky (Big, 7’3’’, Senior)
Devon Bookert (Guard/Wing, 6’3’’, Senior)
Montay Brandon (Wing, 6’8’’, Senior)
Michael Ojo (Big, 7’1’’, Senior)
Benji Bell (Guard, 6’4’’, Junior)
Jarquez Smith (Big, 6’9’’, Junior)
Robbie Berwick (Wing, 6’4’’, Sophomore)
Phil Cofer (Big, 6’8’’, Sophomore)
Xavier Rathan-Mayes (Guard, 6’4’’, Sophomore)
Dwayne Bacon (Wing, 6’7’’, Freshman)
Malik Beasley (Guard, 6’5’’, Freshman)
Jean Marc Christ Koumadje (Big, 7’4’’, Freshman)
Terance Mann (Wing, 6’6’’, Freshman)

Kiel Turpin ist der einzige Abgang, den Hamilton verkraften muss. Turpin startete einige Male, war aber wie die gesamte Big Man Riege nicht wirklich in das Spiel eingebunden und konnte nur als Shotblocker und Rebounder helfen. Von dieser Sorte gibt es aber noch genug im Kader der Seminoles. Sehr interessant sind hingegen die vielen Neuzugänge, die dem Kader eine wahnwitzige Tiefe geben. Allen voran Dwayne Bacon ist eine echte Verstärkung. Der Freshman wird eine wichtige Waffe auf dem Flügel sein und ist bereit für das College Spiel. 

Malik Beasley ist ebenfalls ein talentierter Offensivspieler. Dazu gesellen sich Jean Marc Christ Koumadje und Terance Mann, die auf lange Sicht viel Potential mitbringen. Vom Junior College wechselt Benji Bell nach Tallahassee. Bell war in der vergangenen Saison einer der besten Akteure in der NJCAA und will sich nun in der ACC einen Namen machen.

Starting Backcourt
Xavier Rathan-Mayes, Devon Bookert, Dwayne Bacon

Wie eingangs erwähnt war Rathan-Mayes in der letzten Spielzeit einer der wenigen Lichtblicke bei Florida State. Der Combo Guard zeigte seine Scoring Qualitäten in beeindruckender Manier und schulterte die Hauptlast in der Offensive. Nebenbei stellte er Rekorde auf und sorgte mit seinen Scoring Ausbrüchen für Schlagzeilen. Als erstem Freshman in der Historie der ACC gelang es dem Kanadier, drei Mal 30 Punkte in einer einzelnen Partie zu erzielen. In zwei dieser Partien bewies er seine gute Ausdauer und explodierte förmlich in der Schlussphase. Gegen North Carolina erzielte Rathan-Mayes elf Punkte in den letzten 40 Sekunden, konnte jedoch nicht die Niederlage mit vier Punkten Abstand verhindern. 

Eine Nummer größer war da seine Show gegen Miami: In den finalen 4:38 der Partie scorte Rathan-Mayes 30(Dreißig!) Zähler und kippte damit fast eine verloren geglaubte Partie. Auch als Rebounder und Assistgeber konnte Rathan-Mayes im Saisonverlauf immer wieder in Erscheinung treten. Das einzige, was dem Kanadier fehlt, ist die Konstanz. Zu oft war der Spielmacher abgemeldet oder ließ sich von seinen Launen treiben. Auch seine Wurfauswahl muss Rathan-Mayes einer sorgfältigeren Prüfung unterziehen. Gelegentlich wäre eine teamdienlichere Spielweise angebracht. Denn am Ende geht es darum Spiele zu gewinnen und dafür reichen gute Phasen alleine nicht aus. Sollte das Guard Talent diese Lektion verinnerlicht haben, kann sich die ACC warm anziehen.

Devon Bookert ist der beste Schütze des Teams. Er lauert bevorzugt auf Lücken in der Defense, die Rathan-Mayes für ihn reißt. Bekommt er den Kickout Pass, bedankt sich Booker meist mit dem verwandelten Dreier. Bookert ist jedoch kein reiner Catch-and-Shoot-Spieler, auch wenn er diese Rolle sehr gut ausfüllt. Er kann auch mal den Ballvortrag übernehmen, um Rathan-Mayes zu entlasten. Auch als Pick & Roll Spieler wird Bookert hin und wieder eingesetzt. Seine Erfolgsaussichten in solchen Situationen sind zwar nicht sonderlich hoch, aber er hat ein passables Auge für den Mitspieler und für gleichgesinnte Schützen entlang der Dreierlinie. 

Für einen Guard ist Bookert zudem ein guter Rebounder. Bei den Seminoles gehört er zu den besseren Verteidigern des Teams und kümmert sich meist um die gegnerischen Aufbauspieler. Insgesamt bringt er viel Erfahrung mit, was er leider offensiv nicht immer durchblicken lässt, da seine Wurfversuche in Zonennähe oft unbeholfen aussehen.

Freshman Bacon ist einer der besten Athleten seiner Class und körperlich absolut bereit für die ACC. Im Fastbreak ist Bacon eigentlich nicht zu stoppen. Seine Mischung aus Schnelligkeit, Sprungkraft und eleganter Körperbeherrschung hilft ihm dabei, schwierige Eins-gegen-Eins-Bewegung im vollem Tempo kinderleicht aussehen zu lassen. Hat er gar keinen Gegenspieler mehr vor sich, lässt er es beherzt krachen und sorgt für Schnappatmung bei den Zuschauern. 

Bacon alleine auf seine Athletik zu reduzieren, wäre jedoch zu kurz gegriffen. Denn er ist ein sehr smarter Offensivspieler, der auch im Setplay eine Bereicherung sein kann. An seiner Highschool wurde Bacon oft in Pick & Rolls als Ballhandler involviert. Daraus traf er in der Regel gute Entscheidungen. Er kann den Roller bedienen und besticht mit einem guten Gespür bei Lobpässen. Auch Bodenpässe oder Kickouts sind Teil seines Repertoires. 

Hinzu kommt, dass Bacon auch einen sehr ordentlichen Sprungwurf besitzt. Spielerisch und athletisch ist Bacon damit einer der stärksten Freshman der NCAA und möglicher One-and-Done-Kandidat. Gebremst wird er hin und wieder von seinem Temperament. Er liebt Trash Talk, kennt allerdings seine Grenzen noch nicht, weshalb bei ihm häufiger die Sicherungen durchbrennen. Das kann ihn komplett aus einem Spiel herausnehmen.


Starting Frontcourt
Phil Cofer, Boris Bojanovsky

Phil Cofer konnte in der letzten Saison den Starterposten erarbeiten und wird sich diesen in der kommenden Saison nun absichern müssen. Cofer ist kein begnadeter Basketballer, wie es viele seiner Mitspieler sind. Dafür ist Cofer ein harter Arbeiter und der beste Rebounder des Teams. Er hat gerade als Offensivrebounder ein gutes Gespür dafür, wo der Ball landen wird und kann sich mit langen Schritten gezielt in diese Richtung bewegen. Seine langen Arme und sein explosiver Absprung helfen ihm dann, den Rebound wirklich zu sichern. Offensiv lebt er von Putbacks und Zuspielen seiner Mitspieler. Viele seiner Punkte erzielt Cofer dabei über Ringniveau. Ab und an streut Cofer auch mal einen Jumper ein. Diesen sollte er in der kommenden Saison stabilisieren und öfter anbringen.

Boris Bojanovsky hat zwar den teaminternen Status als größter Spieler an Freshman Koumadje verloren, das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, wie wichtig eine gute Saison Bojanovskys für den Teamerfolg ist. Gelingt es dem Slowaken endlich, sich einigermaßen aus Foulproblemen herauszuhalten und beim Rebound konsequenter zu Werke zu gehen, könnte Coach Hamilton ihn sorgenfrei auf das Parkett stellen. Zwar macht er seine Sache als Rimprotector oft sehr gut, allerdings ist er gegen bullige Gegenspieler, die ihn mit Tempo attackieren aufgrund seiner mangelnden Rumpfmuskulatur machtlos. 

Auch hier konnte er wieder Fortschritte im Vergleich zum Vorjahr machen und an Muskelmasse zulegen. Trotzdem wird es der Center, bei dem Kommentatoren nicht müde werden zu erwähnen, dass er zur Beibehaltung seines Gewichts täglich 5.000 Kalorien zu sich nehmen müsse, im Zonennahkampf schwer haben. Bojanovsky ist offensiv mit Abstand der talentierteste Big Man in Sachen Touch und Pick & Roll, daher wäre es für ihn wichtig, die Marke von 20 Minuten pro Partie zu knacken.

Bank
Malik Beasley ,Benji Bell, Robbie Berwick, Montay Brandon, Terance Mann, Michael Ojo, Jarquez Smith, Jean Marc, Christ Koumadje

Besonders auf den Flügelpositionen wird der Kampf um die Minuten knallhart. Hier stehen Coach Hamilton sehr unterschiedliche Spielertypen zur Verfügung, die je nach Gegner eine Hilfe sein können. 

Benji Bell wird von seinem ehemaligen Trainer am Junior College als Alleskönner beschrieben, auch wenn man solche Aussagen mit Vorsicht genießen muss, ist jedoch sein starker Umgang mit dem Ball unverkennbar. Das könnte ihn zum Backup von Rathan-Mayes befördern. Bell zieht gerne zum Korb. Wird er gestoppt, kann er aus der Mitteldistanz abdrücken. Zudem gilt er als bissiger Verteidiger.

Malik Beasley als bissigen Verteidiger zu umschreiben, wäre eine Untertreibung. Beasley ist ein ehrgeiziger Arbeiter, der ein Spiel durch seine Defense entscheiden kann und jedes Matchup als persönliche Herausforderung wahrnimmt. Er kann drei verschiedene Positionen verteidigen und hat sich auch offensiv gut entwickelt. Es ist durchaus vorstellbar, dass er im Laufe der Saison zum Starter aufsteigen wird.

Terance Mann und Robbie Berwick sind weitere Guard Optionen. Mann ist ein weiterer starker Athlet, der sich als Freshman wohl der Tiefe des Kaders beugen muss, aber auf lange Sicht großes Potential besitzt. Berwick sah letzte Saison überraschend viele Minuten. Seine größte Waffe ist der Dreier, der allerdings nicht sonderlich oft fiel. 

Montay Brandon ist wegen seiner Vielseitigkeit der perfekte sechste Mann. Trotz seiner Größe kann Brandon auch mal den Ball nach vorne bringen und das Setplay organisieren. Er ist ein guter Rebounder, der bevorzugt zum Korb zieht oder als Cutter von guten Pässen profitiert. Kleinere Gegner überpowert er im Postup. Einzig sein Dreier ist wacklig. Zur Not kann Brandon vier Positionen abdecken.

Im Frontcourt sieht es dieses Jahr etwas dünner aus. Jarquez Smith zeigte eine ordentliche Sophomore Saison und ist wird nun versuchen, Cofer den Platz in der Startformation abspenstig zu machen. Smith ist der talentiertere Scorer, kann jedoch in Sachen Rebounding nicht mit Cofer mithalten.

Michael Ojo ist ein behäbiger Riese, der vor allem Masse mitbringt. Seine Stärke ist die Lowpost Defense, wo er sich einfach nicht wegschieben und seine Größe für sich arbeiten lässt. Schwächen offenbart er jedoch, sobald er die Zone verlassen muss. Ojo ist extrem langsam und daher ein schlechter Pick & Roll Verteidiger. Insgesamt ist er sehr anfällig für unnötige Fouls. Freshman Jean Marc Christ Koumadje ist ein Langzeitprojekt. Er ist der größte Spieler der Schulgeschichte und bewegt sich sehr koordiniert für seine Länge. Als Rimprotector soll er schon in seiner ersten Saison aufräumen. Ansonsten muss er sich physisch erst mal an die ACC gewöhnen. Sein offensives Potential ist aber deutlich größer als das der bisherigen Big Men.

Stil
Leonard Hamilton lässt sehr defensivorientierten Basketball spielen. Sein Credo liegt in einer guten Defense, bei der die eigene Zone zum Sperrgebiet ernannt wird. Das ist nicht immer schön anzusehen, aber die spektakulären Monsterblöcke und die zur Schau gestellte Athletik bei einigen Rebounds oder Rettungsaktionen entschädigen ein wenig.

Offensiv wird es wieder eine Mischung aus vielen Pick & Rolls für Rathan-Mayes, Postups für die Bigs und Downscreens für die Schützen sein. Angesichts der vielen Athleten im Backcourt sollte diese Saison auch wieder mehr der Schnellangriff forciert werden.


NBA Kandidaten
Xavier Rathan-Mayes ist ein begnadeter Scorer. Wenn er Konstanz in seine Leistungen bekommt und beweisen kann, dass er der Anführer eines erfolgreichen Teams sein kann, dann sollten NBA GMs den Namen in ihrem persönlichen Ranking nach oben schieben. Ebenfalls gute Karten hat Dwayne Bacon. Lässt er sein Können oft genug aufblitzen und erhält er genügend Chancen, sich auszuzeichnen, könnte er sogar bis in die Lottery rutschen. Was die Kombination aus Skills und Athletik angeht, gibt es kaum Wings im kommenden Jahr, die Bacon das Wasser reichen können.

BBL Kandidaten
Montay Brandon könnte als vielseitiger Spieler eine Option für Smallball Teams sein. Für einen Außenspieler in Europa fehlt ihm wohl der Distanzwurf, aber als Power Forward in einem schnell spielenden Team aufgestellt, wäre Brandon vermutlich keine schlechte Option. Sein Rebounding und sein Offensivrepertoire würden zu dieser Rolle jedenfalls passen.

Prediction
Die ACC wird auch in diesem Jahr wieder eine sehr umkämpfte Conference werden. Ob sie so stark ist, wie im letzten Jahr, wird sich zeigen, doch einfacher wird es für die Seminoles nicht. Eine positive Bilanz wäre dennoch unerlässlich für eine mögliche Teilnahme am NCAA Tournament. Das muss das Ziel sein. Die Qualität und die Tiefe des Kaders sind auf jeden Fall reif für das Tournament. Jetzt müssen Rathan-Mayes, Hamilton und die Freshmen beweisen, was in ihnen steckt. Das Team ist tougher als letztes Jahr und sollte daher am Ende erstmals seit 2012 wieder am Big Dance teilnehmen.

Wichtige Spiele
Mittwoch, 02.12. vs. Iowa
Dienstag, 29.12. vs. Florida
Montag, 04.01. vs. North Carolina
Sonntag, 17.01. vs. Virginia
Montag, 01.02. vs. NC State
Donnerstag, 25.02. vs. Duke