30 Oktober 2015

30. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41

Letzte Saison 
27-12, Halbfinale der March Madness)
Die letzte Spielzeit der Spartys aus East Lansing lässt sich in erster Linie mit der inoffiziellen Redewendung „Kommt März, kommt Izzo“ beschreiben. Die Abgänge der letztjährigen Starter Keith Appling, Adreian Payne und Garry Harris machten den Spartans zu Beginn der NCAA-Saison 2014/15 sichtbar zu schaffen. Mangelnde Intensität in der Defense (für ein Team, das von Head Coach Tom Izzo gecoacht wird eigentlich undenkbar), inkonstantes Shooting, schlechtes Inside-Outside-Spiel, eine chronische Freiwurfschwäche – Michigan State präsentierte sich in den ersten Saisonmonaten als ein Bubble-Team, dessen Teilnahme am großen NCAA-Tournament eher unwahrscheinlich wirkte.

Mit fortwährender Saisondauer adaptieren Senior-Ballhandler Travis Trice und vor allem Point-Forward Denzel Valentine immer mehr ihre neuen Rollen als Führungsspieler. Es hatte den Anschein, als hätten die Spartans pünktlich zu den großen Turnieren ihren Motor in den höchsten Gang geschaltet. Trice, Valentine und Branden Dawson führten ihre Farben schließlich bis in das Final Four, wo sie zwar den Dukies deutlich unterlegen waren, doch der College-Basketball-Welt einmal mehr bewießen, dass mit Izzo-Teams immer gerechnet werden muss.

Kader
Matt Costello (Big, 6’9“, Senior)
Bryan Forbes (Guard, 6’3“, Senior)
Denzel Valentine (Wing/Ballhandler, 6’5“, Senior)
Eron Harris (Guard, 6’3“, Junior)
Gavin Schilling (Big, 6’9“, Junior)
Javon Bess (Wing, 6’5“, Sophomore)
Marvin Clark Jr. (Big, 6’6“, Sophomore)
Lourawls „Tum Tum“ Nairn Jr. (5'10“, Sophomore)
Kyle Ahrens (Guard, 6’5“, Freshman)
Deyonta Davis (Big, 6’10“, Freshman)
Matt McQuaid (Wing, 6’5“, Freshman)

Die Anhänger der Spartans werden bei ihrem Blick auf den aktuellen Kader in erster Linie drei Namen vermissen. Während Ballhandler Trice (2014/15: 15.3 PPG, 5.1 APG, 3.2 RPG) und Big Man Dawson (2014/15: 11,9 PPG, 9,1 RPG) graduierten, zog der hoch eingeschätzte College-Neuankömmling Caleb Swanigan sein Michigan State-Committement zurück und schrieb sich stattdessen bei den Big Ten-Konkurrenten aus Purdue ein. Der Fünf-Sterne-Rekrut hätte den Spartans als physischer Lowpost-Big sehr gut zu Gesicht gestanden, aber auch ohne Swanigan kann Coach Izzo auf eine gute Recruiting-Klasse zurückgreifen. 

„Ich denke, dass wir dieses Jahr eines der besten Spartans-Shooting-Teams der letzten 20 Jahre haben“, kommentierte Izzo unlängst eine der ganz großen Stärkes des neuen Kaders. Freshman-Wing Matt McQuaid ist ein exzellenter Scharfschütze, der in seiner Rolle als brandgefährlicher Spot-up-Shooter konstant Spielzeit sehen wird. West Virginia-Transfer Eron Harris ist ebenfalls ein äußerst verlässlicher Distanzwerfer (2013/14: 42% 3FG bei 6,2 Versuchen pro Spiel) und dürfte von Izzo primär als off-Guard neben den Ballhandlern „Tum Tum“ Nairn Jr. und Valentine eingesetzt werden und für Shooting sowie Slashing sorgen. Top-Rekrut Deyonta Davis personifiziert die notwenidige Talent-Infusion im Frontcourt.

Starting Backcourt
Bryan Forbes, Denzel Valentine, Eron Harris

Der Spartans-Backcourt strotzt nur so vor Scoring-Potenz und glänzt sowohl durch individuelle Qualität, als auch durch die vorhandenen Synergien zwischen den einzelnen Akteuren. Forbes und Valentine gehen in ihre vierte College-Saison und gerade Valentine hat nach dreijähriger Lehre unter Izzo das Offensiv-Konzept der Spartans vollständig verinnerlicht. Harris musste nach seinem Wechsel aus West Virginia gemäß den NCAA-Regularien eine Saison aussetzen und verleiht dem Backcourt dank seiner Offensivskills nochmals mehr Variabilität. 

Forbes bekleidete in seiner ersten Saison in Michigan, die ersten beiden Jahre seiner NCAA-Spielberechtigung verbrachte er bei Cleveland State, vorrangig die Rolle des Perimeter-Shooters und nahm zweidrittel seiner Würfe von jenseits der Dreipunktelinie, welche er mit einer knapp 43% -Erfolgsquote durch die Reuse jagte. Nun hat der Guard in der Offseason vermehrt Zeit im Kraftraum verbracht und Berichten zufolge ganze sieben Kilogramm an Körpergewicht hinzugewonnen, um sich der physischen Spielweise in der Big Ten besser anzupassen und im Reboundkampf etwas mehr Masse in den Ring zu werfen. 

Neu-Spartaner Harris erwischte keinen guten Start in Michigan, als er vor drei Monaten nach einer leicht alkoholisierten Autofahrt von Coach Izzo hart abgestraft und auf unbestimmte Zeit suspendiert wurde. Nach dem Ende seiner Suspendierung wird der 21-Jährige hoffentlich nur noch mit seinen Leistungen auf dem Basketballcourt für Schlagzeilen sorgen. Mit seinen Qualitäten als Schütze und Athlet stellt Harris eine weitere Backcourt-Scoring-Gefahr dar und wird seinen direkten Gegenspieler an sich binden, wodurch genügend Freiräume für die Drives und Post-ups seiner Mitspieler entstehen. Wichtig wird sein, dass Harris die Schemata der Spartans-Offensive schnell adaptiert und seine Abschlussoptionen besser selektiert, als es noch bei den Mountaineers in West Virginia der Fall war.

Denzel Valentine. Der Star, der Leader, „The Planet“. Als ein ganz heißer Anwärter auf eine Nominierung in das „All-Big Ten First Team“ und potentieller Kandidat für die anstehende NBA-Talentziehung geht der Flügelspieler mit den Spielmacherqualitäten in seine letzte Spielzeit für die Spartans. Valentine feierte im vergangenen Jahr seine „Breakthrough“-Saison und zauberte eine formidable Statline von 14.5 PPG, 6.3 RPG, 4.3 APG im Saisondurchschnitt in die Boxscores. 

Dabei brillierte er als partieller Spielgestalter, der nach Side- und High-Pick & Rolls in der Rolle des Distributor und Punktesammlers zu gefallen wusste. Der Dreier fällt bei Valentine mittlerweile sehr sicher (2014/15: 41,6% 3FG), was dazu führt, dass seine Kontrahenten immer wieder harte Close-Outs gegen ihn bringen, die er per Dribble-Drive bestrafen kann. Das Spotlight scheint in diesem Jahr mit voller Stärke auf Valentine, der als erfahrener Spieler das Team offensiv anführen und in der Defense die notwendige Spartans-Mentalität vorleben muss.


Starting Frontcourt
Gavin Schilling, Matt Costello

Aufgrund der Fußverletzung von Marvin Clark Jr., die den Sophomore-Big Man für wichtige Phasen der Saisonvorbereitung außer Gefecht setzt, sollten Schilling und Costello zu Beginn der Saison das Starting-Frontcourt-Duo der Spartans bilden.

In seiner Sophomore-Saison etablierte sich Schilling als ein integraler Bestandteil der Frontcourt-Rotation und profitierte sicherlich davon, dass die Spartans auf den großen Positionen im letzten Jahr unterbesetzt waren – weshalb auch der Walk-On Colby Wollenman in 29 Spielen für  durchschnittlich 7.6 Minuten zum Einsatz kam. 

Schilling präsentiert sich in gewisser Hinsicht als ein typischer Izzo-Prospect, der vor allem durch defensive Intensität und Entschlossenheit zu überzeugen weiß. Während der junge Deutsch-Amerikaner im Angriff vornehmlich nach Offensiv-Rebounds und als abrollender Big Man in Pick&Roll-Spielzügen zu einfachen Punkten kommt und keine besonders große Rolle in der Offensive der Spartans spielt (wobei sich Coach Izzo von den Screener-Qualitäten Schillings begeistert zeigt), ist sein Steckenpferd die Verteidungsarbeit. 

Hier kann der athletische Big Man seine Stärken ausspielen, auch wenn die letztjährigen individuellen Advanced-Stats in keinster Weise überragend waren (Def-Rat: 99.8/ DRB%: 14.6/ BLK%: 4.4). Schilling neigt dazu in der Verteidigung von Postups zu physisch zu agieren und es kam nicht selten vor, dass der deutsche Nachwuchsnationalspieler sich von seinen Gegenspielern unnötige Fouls anhängen ließ – ein Aspekt, an dem der junge Big weiterhin arbeiten muss.

Matt Costello soll gemeinsam mit Valentine und Schilling daür Sorge tragen, dass die Spartans den Kampf um die Rebounds regelmäßig für sich entscheiden. Der Senior ist ein solider Lowpost-Defender und Rebounder. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein großer Pluspunkt bei Costello, und ein signifikanter Vorteil gegenüber seinem Frontcourt-Kompagnon Schilling, sind seine Shooting-Skills, wodurch der Big Man effektiv in Pick&Pops involviert werden und aus der Mitteldistanz den Sprungwurf anbringen kann.

Bank
Matt McQuaid, Kyle Ahrens, Lourawls „Tum Tum“ Nairn Jr., Javon Bess, Deyonta Davis, Marvin Clark Jr.

Die Tiefe des Kaders gehört bei den Spartans, die traditionell keinen übertalentierten go-to-Guy in ihren Reihen wissen, fast alljährlich zu ihren Vorzügen. Und auch in diesem Jahr dürfte die interne Ausgeglichenheit und die spezifischen Qualitäten der einzelnen Rotationsspieler wieder zu den größten Stärken der Michigan State Spartans zählen. Im Gegensetz zu der designierten Starting-Five, die mit vier Seniors und einem Junior durch Erfahrenheit glänzt, besteht die Bank fast durchgehend aus vielversprechenden Youngstern. 

Die Backcourt-Rotation wird durch McQuaid und Ahrens mit zwei Freshman ergänzt, die beide von Beginn an eine effektive Verstärkung für das Team von Coach Izzo darstellen werden. Allen voran Vier-Sterne-Rekrut McQuaid sollte einen Einfluss auf die Spartans-Offensive nehmen. Der College-Neuling gilt nicht nur als einer der besten Schützen der diesjährigen Freshman-Klasse, sondern als DAS Shooting-Talent. 

Egal ob aus dem Dribbling oder aus dem Catch-and-Shoot heraus – wenn McQuaid zum Jumpshot ansetzt, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass das Scoreboard innerhalb der nächsten Sekunden eine andere Punktzahl anzeigt. Die Wurftechnik, besonders seine Balance und das Follow-Through, sieht formidabel aus und sollte ihn schnell den Ruf als einen der effektivsten College-Shooter einbringen. 

Neben dem „Mini-Klay Thompson“ (sagt das Internet, nicht meine Worte!) sollte auch Mit-Freshman Ahrens als Ballhandler Einsatzzeit auf dem Parkett sehen. Jedoch muss sich dieser hinter Nairn Jr. anstellen, der sich bereits letztes Jahr beweisen konnte und von dem Izzo besonders seine elektrisierende on-Ball-Defense sowie den furchtlosen Drive zum Korb schätzt.

Mit Deyonta Davis, Partizipant des McDonald's All-American Game, konnte Izzo einen Recruiting-Coup landen und den Spartans-Frontcourt substanziell aufwerten. Der athletische Big Man bringt alle Anlagen mit, um eine sehr gute College-Karriere hinzulegen und wird dank seiner Athletik und Sprungkraft an beiden Enden des Feldes seinem Team helfen können. 

Egal ob Help-Defense, Blocking, Rebounding oder dem Finishing in der Transition-Offense – Davis bedeutet in verschiedenen Bereichen eine relevante Bereicherung für die Spartans. Komplettiert wird der Frontcourt von den beiden Sophomores Clark Jr. und Bess, die ihre Kernkompetenzen an den Brettern besitzen. Da Rebounding für Head Coach Izzo an erster Stelle steht und er Kampfbereitschaft stets honoriert, werden beide Spieler konstant Einsatzminuten sehen.

Stil
Die Michigan State Spartans gehören nicht zu den spektakulärsten Teams in der NCAA und ihr Spielstil lässt auch nicht unbedingt das Herz eines jeden Basketball-Fans höher schlagen. Die Teams von Head Coach Tom Izzo, der in seine nunmehr 21. Saison als hauptverantwortlicher Übungsleiter der Spartans geht, zeichnen sich seit jeher durch eine physische Verteidigungs- und Reboundarbeit aus. In den letzten zehn Spielzeiten stellten die Spartans nur zweimal kein Top-35-Team bei der Defensiveffizienz. Die Grundlage für den Mannschaftserfolg: Disziplin im Angriffs- und Defensivspiel sowie eine mannschaftliche Geschlossenheit, bei der stets das Kollektiv mehr glänzt als der einzelne Akteur.

Die Defensive mag bei Michigan State hervorstechen, doch die ganze Coaching-Klasse von Izzo zeigt erst im Offensivspiel seiner Teams. Im Halbfeld bemühen sich die Spartans um ein ein ausgedehntes Ballmovement und versuchen sich durch Extra-Pässe und gezielte Kick-Outs nach Drives, effiziente Würfe zu erspielen. Gemessen an den unzähligen Scharfschützen, die sich im diesjährigen Kader von Michigan State tummeln, sollte die Offensive ein äußerst gutes Level erreichen.


NBA Kandidaten
Ein „Sure-Shot“ - NBA-Talent werden die Spartans in diesem Jahr nicht aufbieten, jedoch sollte Senior Denzel Valentine als Point-Forward, der für Playmaking und Shooting vom Flügel sorgen kann, in der nächsten NBA-Draft gezogen werden – wenn auch erst in der zweiten Runde. Von den „Underclassmen“ bergen Deyonta Davis (Athletik) und Matt McQuaid (Shooting) noch das größte NBA-Talent, jedoch ist es nahezu ausgeschlossen, dass die beiden Jungspunde sich nach ihrer ersten Saison schon wieder aus East-Lansing verabschieden.

BBL Kandidaten
Wohl kaum. Senior Valentine wird mit Sicherheit die Gelegenheit bekommen sich in der Summer League oder Preseason für ein NBA-Team zu empfehlen und wird angesichts seines vielversprechenden Skillsets eher in der NBA als in Europa landen. Forbes könnte sich nach einem effektiven Senior-Jahr als gut werfender off-Guard noch in die Notizbücher von diversen BBL-Vereinsmanagern spielen.

Von den „Underclassmen“ ist der mit Abstand wahrscheinlichste Pick Gavin Schilling. Für die NBA wird es für ihn angesichts seines non-existenten Wurfes und der relativ geringen Big-Man-Körpergröße vermutlich nicht langen. Die BBL-Teams werden dann jedoch mit den Hufen scharren, um den Frontcourt-Spieler mit dem deutschen Pass unter Vertrag zu nehmen. Seine unbetreitbaren Qualitäten als abrollender Big-Man und athletischer Lowpost-Verteidiger sollten in der NBA definitiv zur Geltung kommen.

Prediction
Die Michigan State Spartans gehören erwartungsgemäß zu den Teams, die vor einer Spielzeit schwer einzuschätzen sind, weil sie im Verlauf einer Saison einen erheblichen spielerischen Wandel vollziehen (s. letzte Saison). Im Endeffekt bleibt die Erkenntnis, dass die Spartans auf dem Papier, trotz der Abgänge von Trice und Dawson, in diesem Jahr eine qualitativ stärkere und ausgewogenere Truppe beisammen haben. Und letztes Jahr ging es bis in das Final Four, wo der Tournament-Run der Spartans erst durch den späteren Champion aus Durham beendet wurde. Sind die Mannen aus Michigan demnach in diesem Jahr ein Contender? Eine valide Deduktion, doch so einfach lässt sich der Leistungsstand von Michigan State nicht herleiten. 

Der Verlust von Dawson wiegt schwer und muss von dem Quartett Costello-Schilling-Davis-Clark Jr. abgefedert werden und so das gewohnt starke Spartans-Rebounding sicherzustellen. Im Angriff steht Izzo eine Perimeter-Feuerkraft zur Verfügung, die zu den imposantesten der gesamten NCAA zu zählen ist. Mit Valentine befindet sich darüber hinaus ein Spieler im Kader, der als Wing-Ballhandler zu den versatilsten Akteuren in der Big-Ten gehört. Die vorhandenen Schwächen (Länge im Frontcourt, Top-Level-Talent) dürfen nicht unterbewertet werden, jedoch sollte ein Team, das von Tom Izzo gecoacht wird, spätestens im März von jedem College-Beobachter wertgeschätzt werden.

Wichtige Spiele
Dienstag, 17.11 vs. Kansas
Samstag, 12.12. vs. Florida
Mittwoch, 02.12. vs. Louisville
Samstag, 23.01. vs. Maryland
Sonntag, 14.02. vs. Indiana