31 Oktober 2015

30. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(24-11, Sweet Sixteen der March Madness)
Die entscheidende Nachricht, die über den Ausgang der Saison entschied, erreichte die Sooners wenige Stunden vor dem ersten Saisonspiel. Die NCAA erteilte Neuzugang TaShawn Thomas die Freigabe für die Spielzeit. Bereits im ersten Spiel stand Thomas schon auf dem Parkett und verpasste kein Spiel. Mit Thomas gewannen die Sooners einen Defensivanker, Rebounder und überaus potenten Scorer, der zusammen mit Ryan Spangler ein kongeniales Duo formte. Aus dem Offensivfeuerwerk der Vorsaison entwickelte sich ein sehr kontrolliert spielendes Team, das besonders defensiv wesentlich standfester wirkte. Im März war die Mannschaft eingespielt und galt als Geheimtipp für eine Final Four Teilnahme. Am Ende scheiterten die Sooners in einem engen Match am späteren Final Four Team der Michigan State Spartans.

Kader
Isaiah Cousins (Guard, 6’4’’, Senior)
Buddy Hield (Guard, 6’4’’, Senior)
Ryan Spangler (Big, 6’8’’, Senior)
Dinjiyl Walker (Guard, 6’1’’, Senior)
Akolda Manyang (Big, 7’0’’, Junior)
Jordan Woodard (Guard, 6’0’’, Junior)
Khadeem Lattin (Big, 6’9’’, Sophomore)
Dante Buford (Wing/Big, 6’7’’, Freshman)
Christian James (Guard, 6’4’’, Freshman)
Jamuni McNease (Big, 6’10’’, Freshman)
Rashard Odomes (Wing, 6’6’’, Freshman)

Der seit Jahren eingespielte Kern ist erhalten geblieben. Die vier Starter Cousins, Woodard, Spangler und Hield verbrachten zusammen fast 2.000 Minuten auf dem Parkett und kennen sich mittlerweile in- und auswendig. Einzig der Power Forward Spot wechselte während dieser Zeit und nach dem Abgang von TaShawn Thomas, der mittlerweile für den MBC spielt, ist Lon Kruger auf der Suche nach dem fünften Teil der Startformation. Neben Thomas entschied sich Rollenspieler Frank Booker zu einem Wechsel und D.J. Bennett ging ebenfalls als Senior von der Uni ab. Neu dazu kommen Junior College Transfer Akolda Manyang und die beiden Redshirt Freshmen Dante Buford und Jamuni McNease. Die beiden waschechten Freshmen Christian James und Rashard Odomes sind potentielle Sleeper.

Starting Backcourt
Jordan Woodard, Isaiah Cousins, Buddy Hield

Jordan Woodard geht in sein drittes Jahr als Aufbauspieler bei den Sooners und wird seine Aufgaben auch in diesem Jahr ganz unspektakulär und trotzdem gnadenlos effizient hinunterspulen. Woodard ist ein wahrer Meister darin, seinen Gegenspieler im Eins-gegen-Eins zu schlagen und anschließend genug Kontakt zu schinden, um einen Foulpfiff erschallen zu lassen. Dabei bringt Woodard nicht die besten Anlagen mit, um eine Gefahr für die Zone darzustellen.

Er ist mit seinen 6’0’’ ziemlich klein und gehört auch nicht zu den besten Athleten unter den Point Guards der Spitzenteams. Doch seine fehlenden Zentimeter gleicht Woodard mit einem kräftigen Oberkörper und sehr viel Geschick aus. Er weiß, wie er kleine Nischen in der Verteidigung sofort bestraft. Zudem bestimmt er seine Angriffswinkel mit hoher Intelligenz, weswegen seine Gegenspieler kaum die Chance haben, an den Ball zu gelangen ohne dabei einen foulwürdigen Kontakt zu begehen. Auch sonst löst Woodard viele Situationen mit seiner Cleverness. Er ist der ideale Spielgestalter, der das Tempo variiert und nie in Versuchung gerät, überhastete Entscheidungen zu treffen.

Für einen Aufbauspieler, der in jeder Partie seine 30 Minuten bekommt, sind die 1,7 Ballverluste pro Spiel ein traumhafter Wert, der die gute Entscheidungsfindung des Juniors unterstreicht. Dennoch gibt es noch zwei Problemzonen, die der Point Guard Stück für Stück verkleinern muss. Zum einen ist er ein schlechter Distanzschütze. Größere Gegenspieler halten oft geschickte Abstand und forcieren ihn zum Wurf. Zieht er dennoch zum Korb, wird dies meist ein sehr schwieriger Abschluss. Zum anderen ist Woodard in der Defense sehr anfällig und lässt sich viel zu oft schlagen. Hier muss er sich noch erheblich steigern.

Isaiah Cousins ist hingegen mit Abstand der beste Individualverteidiger des Teams und wird daher auch in jedem Spiel auf den Topscorer des Gegners angesetzt, sofern dieser auf den Positionen Eins bis Drei beheimatet ist. Cousins’ Vielseitigkeit ist ein enormer Vorteil. Cousins ist schnell genug, um Aufbauspieler oder kleine Guard zu verteidigen und hat eine gute Länge für Flügelspieler. Zudem ist er ein sehr energischer Verteidiger, der keinen Ball verloren gibt und sich in seinem Kontrahenten regelrecht festbeißt. Dieser Ehrgeiz spiegelt sich auch in einem hohen Engagement beim Rebounding wider.

Für einen Guard reboundet Cousins ausgezeichnet und greift seinen Big Man damit tatkräftig unter die Arme. Offensiv ist Cousins zwar immer noch kein Virtuose, allerdings konnte er sich über die vergangenen Jahre steigern. Sein Dreier ist mittlerweile annehmbar, weshalb Cousins seinem Team zumindest punktuell Impulse liefern kann. In der vergangenen Saison wurde Cousins auch vermehrt als Ballhandler im Pick & Roll eingesetzt, allerdings blieb die Erfolgsquote überschaubar. Sein Entscheidungsverhalten ist in dieser Hinsicht definitiv noch verbesserungswürdig. Das betrifft besonders die Wurfauswahl. Cousins erzwingt viele Würfe, die er eigentlich nicht nehmen muss und schadet dadurch teilweise dem offensiven Rhythmus des gesamten Teams.

Buddy Hield ist einer der besten Scorer der NCAA. Auf College Ebene gibt es nur ganz wenige Verteidiger, die den Guard ernsthaft am Punkten hindern können. Hield ist in seiner Wurfauswahl sehr variabel und dadurch für die Defense praktisch kaum zu stoppen. Denn die Verteidiger können sich nie darauf einstellen, welche Bewegung der Senior von den Bahamas als nächstes auspackt. Hield ist sowohl im Catch-and-Shoot als auch aus dem Dribbling heraus ein extrem sicherer Werfer.

Auch wenn der Verteidiger ihm die Hand ins Gesicht hält, zeigt sich Hield davon herzlich unbeeindruckt. Zudem haben auch vorherige Wurfresultate selten einen negativen Effekt auf ihn. Selbst nach einem Airball oder drei schlechten Würfen hintereinander nimmt Hield den nächsten Wurf mit unverändert großem Selbstbewusstsein. Hields Release ist blitzschnell, weswegen er auch gegen größere Verteidiger schnell seinen Wurf auf die Reise schickt.

Doch Hield ist nicht auf seinen Wurf fixiert, auch wenn dieser sicher zu seinen Lieblingswaffen gehört. Bei den Sooners wird Hield oft als Ballhandler in das Pick & Roll eingebunden, wo er sehr bodenständige Entscheidungen trifft und auch seine Mitspieler nicht aus den Augen verliert. Besonders seinen explosiven ersten Schritt nutzt der Guard ausgezeichnet, wenn er seinen Gegenspieler am Block des Mitspielers abstreift. Dadurch gelangt Hield ohne große Mühe in die Zone des Gegners. Bei seinen Abschlüssen ist er dann äußerst kreativ.

Er nutzt Eurosteps, Wurffinten, Hesitations oder Spinmoves, um den langen Armen der Helpside zu entgehen oder genug Kontakt für einen Foulpfiff zu gewährleisten. Neben seinen offensiven Fähigkeiten, die Hield automatisch in die Diskussion zum Spieler des Jahres hieven, ist er jedoch auch ein sehr passabler und engagierter Verteidiger.

In diesem Bereich konnte Hield sich im vergangenen Jahr steigern, sodass er nun als ein überdurchschnittlich guter Verteidiger mit extrem viel Einsatzbereitschaft bezeichnet werden kann. Zudem sammelt Hield fleißig Rebounds ein und zählt zu den besten Rebounding Guards der NCAA. Diese vielen Superlative wird Hield bestätigen müssen, wenn er sich seinen Traum vom Final Four erfüllen möchte.


Starting Frontcourt
Ryan Spangler, Akolda Manyang

Big Man Ryan Spangler liebt die harte ehrliche Arbeit unter den Brettern und ist ein Spielertyp, den jeder Trainer mit Sicherheit gerne im Kader hätte. Seine große Spezialität ist dabei das Rebounding. Obwohl Spangler nicht zu den größten Big Men gezählt werden kann und auch über keine atemberaubende Sprungkraft verfügt, weiß Spangler ganz genau, was er erledigen muss, um seine Mannschaft den Ballbesitz zu sichern. Das fängt mit seiner guten Antizipationsfähigkeit an. Er weiß oft genau, wo er sich positionieren muss, um eine günstige Ausgangslage beim Reboundduell zu haben. Anschließend boxt er sehr konsequent aus.

Dank seines kräftigen Oberkörpers kann Spangler eigentlich jeden Kontrahenten aus der Zone schieben. Gelingt das Einsammeln mal nicht beim ersten Anlauf, ist sich Spangler auch nicht zu schade, nach dem Ball zu hechten und ihn vor dem Aus zu retten. An beiden Enden des Feldes ist er daher ein exzellenter Rebounder. Doch besonders offensiv passt er damit sehr gut ins Schema, da die schusswütigen Guards viele Fehlwürfe produzieren, die genug Loseballs produzieren, an denen sich Spangler austoben kann.

Ansonsten wird seine offensive Rolle sehr interessant zu beobachten sein. Sicher wird er wieder viele Blöcke stellen, weil er das exzellent kann und zu den Guards eine gute Verbindung in dieser Hinsicht entwickelt hat. Doch sollte wirklich Manyang sein neuer Frontcourt Partner werden, wird Spangler wesentlich mehr Touches im Post bekommen und generell der talentiertere Offensivspieler sein. Auch als Passgeber im High-Low ist er eine gute Option.

Akolda Manyang kommt frisch vom Junior College und könnte direkt in die Startformation rutschen. Denn bereits im letzten Jahr konnte man erkennen, wie wichtig ein defensiver Anker für das Spiel der Sooners ist. Gerade wegen der Guards, die viele Minuten sehen und entsprechend müde werden, ist es sicher nicht schädlich einen legitimen Rimprotector in die Zone zu stellen. Manyang ist für diese Aufgabe wie geschaffen und darf sich auf eine Menge Arbeit freuen.

Der Hüne ist jedoch lang genug, um die Zone in Eigenregie zu verbarrikadieren. Entscheidend wird jedoch sein, wie gut sich Manyang offensiv einfügt. Schadet er der Offense nicht oder zeigt er sogar unvorhergesehene Qualitäten als Finisher und Blocksteller, ist ihm die Starterrolle sicher. Läuft es jedoch unrund und wird er von Verteidigungen nicht als vollwertiger Offensivspieler wahrgenommen, könnte Manyang seinen Posten und seine Minutenzahl schnell verlieren.

Bank
Dante Buford, Christian James, Khadeem Lattin, Jamuni McNease, Rashard Odomes, Dinjiyl Walker

Kanadier Dinjiyl Walker ist dieses Jahr der einzige erfahrene Backup für die drei startenden Guards. Da diese jede Menge Minuten sehen werden, wird Walker selber jedoch kaum mehr als 15 Minuten pro Begegnung sehen. In diesen kann er ab und an mal einen Dreier versenken oder in der Defense ein paar Steals sichern.

Die beiden Freshmen Christian James und Rashard Odomes gelten als sehr talentiert. Hier ist eine Prognose schwierig über ihren Wert für das Team. James ist ein explosiver Scorer, der jede Menge Potential mitbringt. Nach überstandenem Schienbeinbruch ist Spielpraxis für den Youngster sehr wichtig. Rashard Odomes ist ein Linkshänder mit solider Defense. Er bringt eine gute Länge mit und hat ebenfalls Potential. Beide Freshmen könnten sich als die nächsten Steals von Lon Kruger erweisen, allerdings ist die Frage ob, und wenn ja, wann dies der Fall sein wird.

Dante Buford sollte eigentlich in der letzten Saison schon Teil der Rotation sein, doch akademische Probleme machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Nun ist Buford spielberechtigt und sollte direkt Einfluss auf das Spiel der Sooners nehmen. Besonders als Power Forward bei einer kleinen Formation aufgestellt könnte Buford als Scorer in Erscheinung treten und Missmatches gezielt attackieren.

Khadeem Lattin zeigte als Freshman vielversprechende Ansätze und schien sich Monat für Monat zu steigern, ohne jedoch groß in den Vordergrund zu treten. Lattin brachte eher die kleinen, oft übersehenen Fehlerquellen zum Versiegen und leistete sich bedeutend weniger Aussetzer zum Ende der Saison. Als Energizer und Shotblocker ist Lattin ohnehin ein Zugewinn für die Mannschaft. Nun muss er sich offensiv langsam zu einem potenten Abnehmer von Lobs und Durchsteckern entwickeln. Sollte ihm das gelingen, könnte er Manyang sogar den Starterposten streitig machen.

Jamuni McNease nutzte sein Redshirt, um sich körperlich in Schuss zu bringen und gleichzeitig an seinem rohen Spiel zu arbeiten. Nun sollte er in der Lage sein, wertvolle Backup Minuten geben zu können. Für mehr fehlt ihm immer noch der Feinschliff in der Offensive.

Stil
Die Sooners leben von ihren offensivstarken Guards und der hohen individuellen Qualität von Buddy Hield. Lon Kruger ist ein Meister darin, die Talente seiner Spieler auf den Punkt in Szene zu setzen. Er lässt seinen kreativen Köpfen gewisse Freiräume, wirkt aber positiv auf sie ein und verbessert ihre Entscheidungen kontinuierlich. Alle drei Guards haben grünes Licht zum Werfen und in diesem Jahr gibt es auch ausreichend willige Rebounder, die Fehlwürfen nachgehen. Da klappt das Handgelenk gleich viel lockerer ab. Defensiv haben die Sooners in Manyang endlich einen Shotblocker, der diesen Namen verdient, was ihrer Defense extrem helfen sollte.


NBA Kandidaten
Buddy Hield ist wegen seiner Qualitäten als Scorer ein begehrter Mann unter NBA GMs. Doch es ist nicht nur seine spielerische Klasse, die ihn auf die Notizbücher der Scouts gebracht. Hield versprüht einfach eine ansteckende Lust, Basketball zu spielen und ist eine überaus positive Natur, was jeden Lockerroom in ein ganz anderes Licht taucht.

BBL Kandidaten
Spangler ist ein Arbeitstier und würde mit seinem aufopferungsvollen Kampf sicher auch die Herzen vieler BBL Anhänger erwärmen. Fraglich ist eigentlich nur, ob sein offensiver Output eine Vergabe der knapp bemessenen Ausländerspots rechtfertigt und ob sein Stil auf BBL Ebene nicht zu foulintensiv ist. Viele Dinge, die in der Big 12 durch gewinkt werden, sind nach FIBA regeln nicht erlaubt.

Prediction
Offensiv werden die Sooners ähnlich stark sein wie in der Vorsaison, auch wenn der Abgang von Thomas sich doch bemerkbar machen wird. In diesem Jahr fehlt ein verlässlicher Lowpost Scorer ein wenig. Doch dafür konnte Kruger die Defense mit einem Shotblocker in Person von Manyang versehen, weshalb die Sooners sogar noch unangenehmer zu spielen sein könnten. Bereits in der letzten Saison fehlte nicht viel zum Final Four, weshalb auch dieses Jahr das Finalwochenende in Reichweite sein sollte.

Wichtige Spiele
Montag, 7.12. vs. Villanova
Samstag, 02.01. vs. Iowa State
Samstag, 16.01. vs. West Virginia
Montag, 08.02. vs. Texas
Samstag, 13.02. vs. Kansas
Dienstag, 01.03. vs. Baylor