29 Oktober 2015

28. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(22-14, Sweet Sixteen)
Die Aufregung am Selection Sunday war in einigen Fanlagern mal wieder groß und auch landesweit gab es einige Entscheidungen, die allerorts kommentiert wurden. Auch die Bruins waren eines dieser heiß diskutierten Teams. Viele Fans und Experten waren, nicht ganz zu unrecht, der Meinung, dass die Bruins mit ihrer verkorksten Saison nicht die erforderlichen Anstrengungen gezeigt hätten, um beim Tournament dabei zu sein. Doch die Entscheidung stand und knapp eine Woche später war die Kritik zu großen Teilen verstummt. UCLA hatte beide Spiele am ersten Wochenende gewonnen (gegen SMU und UAB) und befand sich im Sweet Sixteen. Dort war dann gegen die Zags Schluss. Dennoch ein überraschend gutes Ergebnis einer maximal mittelprächtigen Saison.

Kader
Tony Parker (Big, 6’9’’, Senior)
Bryce Alford (Guard, 6’3’’, Junior)
Noah Allen (Wing, 6’7’’, Junior)
Isaac Hamilton (Guard, 6’5’’, Junior)
Jonah Bolden (Wing, 6’10’’, Sophomore)
Gyorgy Goloman (Big, 6’11’’, Sophomore)
Ikenna Okwarabizie (Big, 6’9’’, Sophomore)
Thomas Welsh (Big, 7’0’’, Sophomore)
Prince Ali (Guard, 6’3’’, Freshman)
Aaron Holiday (Guard, 6’1’’, Freshman)
Alex Olesinski (Big, 6’10’’, Freshman)

Kevon Looney verließ die Bruins Richtung NBA und hinterlässt damit ein Loch im Frontcourt. Er war der Toprebounder des Teams und wegen seiner Länge Schlüsselspieler in der Zonenverteidigung. Neben Looney verließ Norman Powell den Campus altersbedingt. Der mit Abstand beste Verteidiger der Bruins mutierte auch zu einem hochwertigen Offensivspieler und sorgte für einige Highlights. Seine Toughness wird fehlen. 

Als neue Freshmen streifen sich dieses Jahr die Guards Prince Ali und Aaron Holiday, sowie Power Forward Alex Olesinski das Trikot der Bruins über. Erstere bringen Tiefe in den Backcourt und sollen damit Alford unterstützen. Ali trifft auf seinen Highschool Kollegen Goloman und Holiday tritt in die Fußstapfen seines älteren Bruders Jrue. Olesinski ist eine weitere Frontcourt Option.

Ikenna Okwarabizie kommt vom Junior College und hat noch drei Jahre Spielberechtigung aufzuweisen. Gleiches gilt für Jonah Bolden, der endlich für die Bruins auflaufen darf, nachdem er seine komplette Freshman Saison aussetzen musste, da die NCAA seine akademischen Leistungen aus der Highschool nicht akzeptierte. Zudem unterzog er sich einer Meniskusoperation. Nun sollte er fit und motiviert angreifen können.

Starting Backcourt
Bryce Alford, Prince Ali, Isaac Hamilton

An Bryce Alford scheiden sich regelmäßig die Geister. Einerseits ist er der wichtigste Spieler der Bruins. Er ist regelmäßig Topscorer, trifft entscheidende Würfe und scheint für die wenigsten Teams zu kontrollieren zu sein. Gleichzeitig steht er fast die gesamten 40 Minuten auf dem Parkett und organisiert über den gesamten Zeitraum hinweg die Offensive der Bruins. Andererseits neigt Alford dazu, schlechte Würfe zu nehmen und sich selbst das Leben schwerer als nötig zu machen. Er überdreht häufig und verzettelt sich in Einzelaktionen. Gelingen ihm diese, kann es den Sieg für die Bruins bedeuten. Gelingen sie nicht, verliert das Team meist komplett den Rhythmus und hat keine realistische Chance mehr. 

Die Hoffnung vieler Anhänger der Bruins besteht darin, dass Alfords positive Seite in der kommenden Saison weitaus häufiger zeigen wird und die wilde Seite sich langsam verabschiedet. Durch die neugewonnene Tiefe im Backcourt ist Alford nicht mehr gezwungen, ganz so viel Verantwortung zu übernehmen. Außerdem kann er nun auch mehr abseits des Balls agieren, was seinen Stärken in die Karte spielt. Bereits letzte Saison gab es viele Angriffe, in denen Alford solange die Baseline um Screens der Big Men entlang gelaufen ist, bis er frei war und seinen Wurf nehmen konnte. Das hat teilweise die ganze Angriffszeit beansprucht, gehörte aber zu den besten Optionen, die die Bruins hatten.

Prince Ali wird als Freshman schon eine wichtige Rolle unter Steve Alford übernehmen. Die Starterposition von Norman Powell scheint für Ali reserviert zu sein. Ähnlich wie Powell ist Ali ein starker Athlet, der physisch bereit für die NCAA ist. Er gilt als Energiebündel, das niemals stillsteht und sowohl offensiv als auch defensiv keinen Aufwand scheut, um dem Team zu helfen. Während Ali defensiv mit seiner Spielweise viele Steals einsammeln kann und Pässe klaut, wird besonders seine offensive Einbindung interessant zu beobachten sein. Es ist durchaus vorstellbar, dass er relativ oft den Ball in den Händen halten wird, während Alford sich abseits des Balls um eine gute Wurfposition bemüht. Ali kann selber seinen Gegenspieler dank des schnellen ersten Schrittes schlagen und in der Zone finishen.

Isaac Hamilton war in seiner ersten Saison bei den Bruins direkt ein wichtiger Spieler, da er gleichzeitig Starter neben und Backup von Alford war. In der Abstinenz des eigentlichen Ballhandlers, zeigte Hamilton, dass er durchaus verantwortungsbewusst mit dem Leder umgehen kann und eine Offense für mehrere Angriffe hintereinander steuern kann. Auch in diesem Jahr wird Hamilton sicher Gelegenheiten bekommen, selber die Offense einzuleiten, da Alford sicher eine gewisse Zeit abseits des Balls verbringen wird und die Freshmen möglicherweise Anlaufschwierigkeiten offenbaren könnten. 

Speziell beim Fastbreak ist Hamilton ein großer Bonus als Ballhandler. Mit seiner Schnelligkeit treibt er den Ball nach vorne und behält dank seiner Größe die Übersicht. Allerdings kann er auch abseits des Balls gefährlich sein. Spotup Dreier fällt relativ sicher, womit er dem Team zu gutem Spacing verhilft. In der Defense ist er besonders bei Zonenverteidigungen wertvoll, da er Pässe gut antizipiert und viele schlechte Anspiele abfängt. Eine Verbesserung sollte allerdings bei Hamiltons Drives im Halbfeld eintreten. Hier agiert er noch kopflos. Er verliert viele Bälle leichtsinnig und für ein Finish mit Kontakt fehlen ihm die Kilos.


Starting Frontcourt
Jonah Bolden, Tony Parker

Jonah Bolden darf endlich für UCLA auflaufen und sollte dabei direkt eine wichtige Rolle einnehmen. Bolden, der als Highschooler aus Australien in die USA wechselte, sollte nach seiner Freigabe seitens der NCAA und einem überstandenen Meniskusriss auf seine erste Saison bei den Bruins brennen. Dabei darf er direkt mal den in die NBA abgewanderten Kevon Looney vergessen machen. Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe, zumal Bolden ein anderer Spielertyp ist, aber Bolden besitzt großes Talent und sollte sich relativ schnell einen Namen machen. 

Trotz seiner stattlichen Größe von offiziell 6’10’’, ist Bolden kein klassischer Big Man. Viel eher passt sein Skillset zu dem eines Guards. Seine Vielseitigkeit ist beeindruckend, denn in der Theorie kann er auf College Ebene alle fünf Positionen abdecken. Ob dies wirklich auch praxisbezogen möglich ist, wird sich zeigen müssen. Boldens Ballhandling ist außergewöhnlich gut für seine Größe. Gerade im Fastbreak kann Bolden das Spiel schnell machen. Er zieht im Halbfeld gut zum Korb und ist mit seinen raumgreifenden Schritten schnell am Brett. Bolden ist daher offensiv definitiv mehr Guard als Big Man, weshalb die Frage sein wird, inwiefern er genug Touches am Perimeter bekommen wird. Außerdem muss er noch zeigen, wie tough er am Brett beim Rebound sein kann. 

Tony Parker ist mittlerweile der erfahrenste Spieler des Kaders und der letzte von Ben Howland an Land gezogene Spieler. Parker ist körperlich endlich einigermaßen in Schuss und damit in der Lage, viele Minuten auf dem Feld zu stehen. Für jeden Kontrahenten ist er nur sehr schwer unter dem Korb zu stoppen. Die meisten Gegenspieler schiebt er mit seiner Masse soweit unter den Korb, dass alle Abwehrversuche nachfolgend kläglich scheitern. Oft ist er nur mit Fouls zu stoppen. Seine Quote an der Linie muss Parker noch deutlich verbessern, denn hier lässt er noch viele Punkte liegen. 

Geht sein erster Wurfversuch nicht rein, ist Parker sehr energisch darum bemüht, eine zweite Gelegenheit zu bekommen und seine Sache dann besser zu machen. Problematisch wird es für Parker nur, wenn sein Gegenspieler wesentlich größer ist. Parker verlässt bei seinen Abschlüssen kaum den Boden und wirft daher relativ oft in die ausgestreckten Arme des Gegners. Hier macht sich bemerkbar, dass Parker immer noch nicht sein physisches Optimum erreicht hat. Zudem muss Parker selber mit seinen Fouls besser haushalten. Er kann in kurzer Zeit viele Fouls einsammeln, die meist vermeidbar sind.

Bank
Noah Allen, Gyorgy Goloman, Aaron Holiday, Ikenna Okwarabizie, Alex Olesinski, Thomas Welsh

Als Backup auf den Guard Positionen ist Noah Allen in diesem Jahr nicht mehr die einzige Alternative, was bei allem Respekt für Allen eine erfreuliche Nachricht ist. Allen ist ein guter Verteidiger und harter Arbeiter, allerdings fehlt ihm offensiv einfach die Ausstrahlung, weshalb ihn viele Gegner nicht wirklich verteidigen müssen. Er bewegt sich ausschließlich abseits des Balls und lebt von Cuts und Fastbreak Möglichkeiten. 

Aaron Holiday wird daher eine wichtige Rolle bei den Bruins einnehmen. Der Guard ist physisch bereit für die anstehenden Aufgaben und ist der erste klassische Spielmacher, der Steve Alford zur Verfügung steht. Auch wenn die bisherigen Ballhandler ihre Sache sicher ordentlich machten, wird Holiday eine ganz andere Qualität und Herangehensweise an den Tag legen. Einzig sein limitierter Erfahrungsschatz wird vermutlich auf seine Leistungen negativ einwirken, doch dieser Einfluss sollte sich im Laufe der Saison stetig verringern.

Sehr tief besetzt sind die Bruins auf den großen Positionen, zumindest in Sachen Quantität. Das ist auch wichtig, da viele der bisherigen Big Men Schwächen beim Foulmanagement offenbarten. Als Stretch Vierer wird Gyorgy Goloman wieder viele Minuten sehen. Der Ungar hält sich lieber an der Dreierlinie als am Brett auf. Offensiv ist das noch akzeptabel, defensiv kann es jedoch problematisch werden. Ihm fehlt die Masse im Lowpost und auch beim Rebound ist er noch sehr zögerlich.

Alex Olesinski ist körperlich eine Kopie Golomans. Allerdings ist sein Distanzwurf stabiler, womit er sogar regelmäßig Minuten sehen könnte. Defensiv treten die gleichen Probleme wie bei Goloman auf.

Thomas Welsh gewann im Sommer mit der U19-Auswahl der USA die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft auf Kreta. Er war der Backup Center und konnte durchaus wichtige Minuten spielen. Davon wird er in der kommenden Saison profitieren. Welsh ist ein interessanter Spieler, da er trotz seiner Größe extrem flink auf den Beinen ist und sogar den Fastbreak wie ein Guard laufen kann. Im Halbfeld zeigt er gute Ansätze als Blocksteller. Er trifft den Jumphook und sein Wurf aus der Halbdistanz ist sehr sauber. Auch in der Defense kommt ihm seine Leichtfüßigkeit zu Gute, wenn er als Helpsideverteidiger Würfe blockt oder den Ballhandler beim Pick & Roll sauber aufhält. 

Junior College Transfer Okwarabizie bringt Physis mit, muss sich allerdings erst noch an das Niveau gewöhnen. Daher sollte anfangs noch nicht zu viel vom Nigerianer verlangt werden.

Stil
Angesichts der Größe des Kaders werden sich die Kontrahenten der Bruins auf viel Zonenverteidigung und Zonenpresse einstellen können. Damit kann Alford aber nicht nur die Länge des Kaders ausspielen. Viel mehr verhindert er dadurch auch Foulprobleme bei seinen Schlüsselspielern und lässt kräfteschonend verteidigen. In der Offense wird es wieder jede Menge Screens abseits des Balls für Alford geben. Daraus ergeben sich oft gute Wurfmöglichkeiten für den Shooter. Aber auch die Blocksteller profitieren regelmäßig von Kommunikationsproblemen der Defense und sind plötzlich vollkommen unbewacht am Korb.


NBA Kandidaten
Jonah Bolden ist aufgrund seines Profils ein interessanter Spieler für NBA GMs. Es gibt nicht oft derart große Spieler mit den Skills eines Guards. Abhängig von seiner Leistung könnte er durchaus in den Mock Drafts hochrutschen. Neben Bolden ist Tony Parker aufgrund seines massigen Körpers und seines offensiven Talents sicher auch ein möglicher Rollenspieler für NBA Teams, denen dieser einen Pick in der zweiten Runde wert sein könnte. 

BBL Kandidaten
Sollte Parker nicht in der NBA landen, wäre er sicher für einige BBL Clubs interessant. Einen solchen Brecher unter dem Korb zu haben kann nie schaden. In der BBL könnte Parker sich eine gute Rolle in der Offense einnehmen. Allerdings wäre er defensiv wohl jedes Spiel schnell foulbelastet.

Prediction
Gefühlt sollten die Bruins besser abschneiden als letzte Saison wenn man die beiden Rosters miteinander vergleicht. Da die März Performance im letzten Jahr jedoch nicht den Saisonverlauf oder die Teamstärke widerspiegelte, wäre ein wiederholtes Erreichen des Tournament und des Sweet Sixteens wohl schon nah am Maximum dran. Das Team ist dieses Jahr etwas tiefer, allerdings immer noch relativ unerfahren und mit einigen Fragezeichen versehen. Viel wird von Jonah Boldens Leistung, dem Foulmanagement einiger Spieler und dem Rebounding abhängen.

Wichtige Spiele
Donnerstag, 3.12. vs. Kentucky
Samstag, 12.12. vs. Gonzaga
Samstag, 19.12. vs. North Carolina
Donnerstag, 07.01. vs. Arizona
Donnerstag, 18.02. vs. Utah
Donnerstag, 25.02. vs. California