29 Oktober 2015

29. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(20-15, Erste Runde NIT)
Nach der Meisterschaft 2014 war schon im Vorfeld der Saison klar, dass die Abgänge mehrerer Leistungsträger eine Wiederholung nahezu unmöglich werden würde. Dennoch spielten sich sicher in den Hinterköpfen vieler Anhänger Szenen ab, in denen Ryan Boatright seine Huskies auch im März 2015 auf der Woge eines Cinderella Runs durch die Runden des NCAA Tournaments tänzeln lässt. Doch bereits früh in der Saison wurde solchen Träumereien ein Riegel vorgeschoben und das neu zusammengewürfelte Team leistete sich haarsträubende Niederlagen, unter anderem gegen Yale aus der Ivy League. Daher war im März eine Tournament Teilnahme schon in weite Ferne gerückt und auch der letzte Anlauf im Conference Turnier wurde durch ein verlorenes Finale unterdrückt. Im NIT, dem Ersatzturnier für alle Teams, die es knapp nicht zum Big Dance geschafft haben, zeigten sich die Huskies entsprechend desillusioniert und verloren direkt den Auftakt gegen Arizona State. 

Kader
Omar Calhoun (Wing, 6’5’’, Senior)
Sterling Gibbs (Guard, 6’1’’, Senior)
Shonn Miller (Wing/Big, 6’7’’, Senior)
Philip Nolan (Big, 6’10’’, Senior)
Amida Brimah (Big, 7’0’’, Junior)
Sam Cassell Jr. (Guard, 6’4’’, Junior
Kentan Facey (Big, 6’9’’, Junior)
Rodney Purvis (Guard/Wing, 6’4’’, Junior)
Daniel Hamilton (Wing, 6’7’’, Sophomore)
Jalen Adams (Guard, 6’2’’, Freshman)
Steven Enoch (Big, 6’10’’, Freshman)

Mit Ryan Boatright muss Kevin Ollie auf einen sehr erfahrenen Leader verzichten, der mit seinen spektakulären Aktionen das Publikum regelmäßig aus den Sitzen hervorschießen ließ. Allerdings brachte er Trainer und Fans mit seinen kopflosen Würfen und Ballverlusten fast genauso häufig zur Weißglut. Neben Boatright entschieden sich Terrence Samuel und Rakim Lubin zum Wechsel der Universität. Beide waren Energizer im Team von Kevin Ollie. Neu dazu kommen zwei erfahrene Graduate Seniors und zwei talentierte Freshmen. Sterling Gibbs kommt als Topscorer der Seton Hall Pirates aus der Big East und ist damit legitimer Boatright Nachfolger. Shonn Miller machte im letzten Jahr seinen Abschluss an der Cornell University und hätte dort aufgrund der speziellen Ivy League Regelung in dieser, seiner vierten aktiven, Saison nicht mehr spielen dürfen. Jalen Adams und Steven Enoch flogen beide lange Zeit unter dem Radar der großen Universitäten und könnten bereits in ihrer ersten Saison für Überraschungen sorgen.

Starting Backcourt
Sterling Gibbs, Rodney Purvis

Sterling Gibbs passt hervorragend zu Kevin Ollie und ist ein ausgezeichneter Ersatz für Ryan Boatright. Gibbs ist in erster Linie ein talentierter Scorer, der sich mühelos seinen eigenen Wurf kreieren kann und einer Verteidigung sehr viel abverlangt. Ihm fehlt ein wenig die Athletik, um sich konstant am Brett durchzusetzen, kann dafür jedoch einen sehr stabilen Sprungwurf aufweisen. Gerade von der Dreierlinie ist er brandgefährlich. Am liebsten bestraft er nachlässige Verteidigung des Pick & Rolls, indem er aus dem Dribbling ansatzlos zum Dreier ansetzt und seinen säumigen Bewacher für einen Moment der Unaufmerksamkeit straft. 

Hat er erst einen oder zwei Würfe versenkt, reicht ihm meist ein geschicktes Hesitation Dribbling, um anschließend blitzschnell zum Korb zu penetrieren und Fouls zu ziehen. Er versteht es geschickt, foulwürdigen Kontakt mit der Verteidigung aufzunehmen und sich einfache Punkte an der Freiwurflinie zu sichern. Gibbs behält gleichzeitig stets den Kopf oben und bedient seine Mitspieler mit präzisen Vorlagen. Einzig in der Defense wird er sich etwas an die Vorgaben Kevin Ollies gewöhnen müssen. Hier tendiert Gibbs manchmal dazu, sich Pausen zu gönnen und mit riskanten Stealversuchen den Anschein eines engagierten Verteidigers erwecken zu wollen. Durch sein gutes Spielverständnis sind seine Risikospielchen öfter von Erfolg gekrönt, als es angemessen wäre.

Purvis war in der vergangenen Saison der zweitbeste Scorer der Huskies. Was sich rückblickend sicherlich nicht sonderlich spektakulär sondern eher erwartungsgemäß anhört, ist dann doch ein wenig verwunderlich. Denn Purvis hatte in seiner ersten Saison in Storrs mehrere Spiele, in denen Anpassungsprobleme offenkundig waren. Auch das Kooperieren mit Backcourt Partner Boatright funktionierte nur in wenigen Partien wie erhofft. Umso erfreulicher ist also, dass Purvis dennoch seine Mittel und Wege fand, um seine Zähler zu verbuchen. 

In der kommenden Saison muss er besonders mit seiner defensiven Intensität als Anführer in den Vordergrund treten. Zudem sollte er sich offensiv in seiner Konstanz stabilisieren. Gelingt es ihm, diese zwei Punkte auf der Liste abzuharken, kann das den Ausschlag für eine überaus erfolgreiche Saison der Huskies geben. Purvis bringt auf jeden Fall die notwendigen körperlichen Voraussetzungen und die richtige Einstellung mit, um seine Aufgaben pflichtgemäß zu erfüllen.


Starting Frontcourt
Daniel Hamilton, Shonn Miller, Amida Brimah

Daniel Hamilton war einer der wenigen Lichtblicke der verkorksten letzten Saison. Hamilton bestach mit einer erfrischenden Mischung aus großem Talent im Umgang mit dem Leder und einer jugendlichen Abenteuerlust. Zwar unterliefen dem Youngster dementsprechend viele Fehler, doch mit den hinzugewonnen Erfahrungen sollte Hamilton als Sophomore seine Ballverluste reduzieren können. Hamilton könnte bereits in dieser Saison ein wichtiger Spieler für Kevin Ollie werden, obwohl er einer der jüngsten Spieler im relativ erfahrenen Kader ist. Denn Hamilton kann offensiv sehr vielseitig eingesetzt werden. Vorzugsweise erhält er auf Höhe der Freiwurflinie den Ball und bekommt von da an die Chance, im Eins-gegen-Eins zu kreieren. 

Von dieser Ausgangsposition hat Hamilton eine gute Entfernung zum Korb. Er kann entweder mit ein, zwei harten Dribblings zum Korb ziehen oder direkt aus der Halbdistanz abdrücken. Sein Playmaking in diesen Situationen ist sehr beachtlich. Allerdings muss Hamilton dringend lernen, von der Dreierlinie aus zu operieren. Sein Wurf und auch sein Drive sind darauf noch nicht ausgelegt, was seine Aussichten auf ein Profileben einschränkt und auch dem Teamerfolg ein wenig im Weg steht. Außerdem ist seine Defense noch sehr ausbaufähig. Lediglich seine Größenvorteile in den meisten Matchups verhindern ein dauerhaftes Leck in der Defense zu sein.

Shonn Miller war der Dreh- und Angelpunkt bei Cornell. Für die Huskies könnte Miller ein guter Stretch Vierer werden. Er kann den offenen Dreier treffen. Allerdings ist Miller in erster Linie ein starker Finisher in Zonennähe. Dank guter Hände und softem Touch, verwertet er Anspiele seiner Teamkameraden sehr hochprozentig. Damit gibt er den Huskies völlig neue Optionen im Angriff, da sie in der Kevin Ollie Ära bislang einen Spieler solcher Qualitäten noch nicht im Kader stehen hatten. Gerade die guten Schützen am Perimeter werden von Millers Scoring profitieren. Zudem ist Miller ein guter Rebounder. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Miller je nach Gegner und Form sogar regelmäßig zum Topscorer avancieren würde.

Der Hype um den ghanaischen Center Amida Brimah war relativ groß, als dieser in der letzten Saison 40 Punkte gegen Coppin State erzielte und somit Hoffnungen bei NBA Scouts weckte. Denn bis dahin war Brimah als reiner Defensivcenter verschrien. Auch wenn er Brimah als Sophomore zumindest mehr Gefahr in der Offensive ausstrahlte und seine Effizienz erhöhen konnte, so wird aus dem Big Man dennoch nie ein Offensivvirtuose werden. Das verlangt Kevin Ollie aber auch nicht von seinem Center. 

Solange Brimah seine Durchstecker und Lobs verwertet, solide Screens stellt und hart am offensiven Brett arbeitet, ist alles im grünen Bereich. Erfreulich ist zudem, dass Brimah in der Defense mehr und mehr ohne Fouls auskommt. Dadurch war Brimah zuletzt sogar in der Lage für 30 oder mehr Minuten den eigenen Korb zu beschützen. Denn hierin liegt immer noch Brimahs große Stärke. Mit seinen langen Armen und seinem großen Willen schickt er jede Menge Wurfversuche zurück zu ihren Absendern. Dank ihm war UConn als Team unter den Top15 in der Kategorie Blocks zu finden. 

Bank
Jalen Adams, Omar Calhoun, Sam Cassell Jr., Steven Enoch, Kentan Facey, Philip Nolan

Freshman Point Guard Jalen Adams ist ein großes Talent, auf dessen Schultern dank des Zugangs von Sterling Gibbs weniger Druck lastet als ursprünglich einkalkuliert. Das gibt Adams die Möglichkeit, befreit aufzuspielen und ohne Rücksicht auf Fehler Dinge ausprobieren zu können. Dass er für Experimente offen ist, lassen seine Highlight Plays erahnen. Adams ist in erster Linie ein exzellenter Scorer, der aufgrund seiner Explosivität kaum zu stoppen ist. Wenn er seine Wurfauswahl im Griff hat, wird er dieses Jahr schon viel Verantwortung übernehmen dürfen und könnte einer der größten Aufsteiger unter den Freshmen werden.

Die anderen Backcourt Optionen stehen da schon eher unter Zugzwang. Sam Cassell Jr. spielte eine enttäuschende erste Saison bei den Huskies und sollte nun zeigen, dass er mehr drauf hat. Gleiches gilt für das langjährige Sorgenkind Omar Calhoun, der an seine solide Freshman Saison nie recht anknüpfen konnte und mittlerweile schon Senior ist. Versenkt er seine Würfe, wäre dies schon ein großer Zugewinn für die Huskies. Noch wichtiger wäre jedoch, dass Calhoun auch mal selber den Weg zum Korb sucht und es schafft, seinen Gegenspieler zu schlagen.

Kentan Facey profitierte im letzten Jahr von der Draftanmeldung DeAndre Daniels und erhielt dessen Starterposten. In dieser Rolle fühlte er sich ausgesprochen wohl. Seine größte Stärke konnte er auch gleich demonstrieren. Guten Gewissens darf sich Facey als bester Rebounder des Teams wähnen. Sein Timing beim Rebounding ist hervorragend. Daher kommt seine Sprunggewalt auch gut zur Geltung. Zudem ist sich Facey für kein Hustleplay zu schade und stellt sich mehrmals pro Spiel in den Dienst der Mannschaft. Nach der Ankunft Shonn Millers und aufgrund seiner labilen Offensivqualitäten, wird Facey in dieser Saison jedoch wieder von der Bank aus als Energizer fungieren.

Steven Enoch ist ein Rohdiamant, der auf lange Sicht ein dominanter College Spieler werden könnte. Wie viel der introvertierte Freshman von seinem Potential jetzt schon abrufen kann, bleibt abzuwarten. Sein Körper ist jetzt schon bereit für die NCAA und er sollte mit seinem Touch, seinem Rebounding und seinen Screens eine Bereicherung darstellen. Zur Not steht mit Philip Nolan ein erfahrener Senior bereit, der ähnliche Aufgaben übernehmen kann. Allerdings ist der Linkshänder wesentlich erfahrener und nicht sonderlich verlegen, wenn es ums Scoring geht. In wenigen Minuten kann er Punkte anhäufen.

Stil
Kevin Ollie wird auch in diesem Jahr offensiv auf talentierte Ballhandler setzen, die eine Menge Druck auf den Gegner ausüben und den Big Men viele leichte Punkte erspielen. Mit Sterling Gibbs und Jalen Adams hat er kreative Aufbauspieler zur Verfügung, die die vielen Pick & Rolls gut nutzen werden. Defensiv kann man wieder eine Menge Druck erwarten. Die Guards werden aggressiv auf Steals gehen, da sie mit Amida Brimah stets einen Rettungsanker hinter sich wissen.


NBA Kandidaten
Amida Brimah ist wohl der Spieler, der am nächsten an der NBA dran ist. Als Rimprotector wird er sicher seinen Spot im Kader eines NBA Teams finden. Allerdings ist noch nicht klar, ob Brimah sich vorzeitig zum Draft anmeldet oder seine College Karriere erst traditionell nach vier Jahren beendet. Sein offensiver Output und seine Entwicklung in diesem Bereich werden über seine Draftposition entscheiden. Auf lange Sicht haben auch Daniel Hamilton, Jalen Adams und Steven Enoch NBA Potential. Hier gilt es jedoch die Entwicklung im Verlauf der kommenden Saison und eventuell den Monaten danach abzuwarten.

BBL Kandidaten
Gibbs wird aufgrund der Talentdichte unter den Guards der NBA wohl keinen Rosterspot bei einem der 30 Clubs erhalten. Doch in der BBL sind potente Scorer auf der Spielmacherposition immer gern gesehen. Sein verlässlicher Wurf und seine Fähigkeiten im Pick & Roll lassen sich auf das europäische Spiel adaptieren. Unter Ollie sollte er noch viel lernen können. 

Prediction
Die Huskies sind eine Wundertüte, wie schon in den vergangenen Jahren. Kaum ein Collegeteam schwankt derart zwischen Erfolg und Verbitterung, wie es UConn in der jüngeren Vergangenheit tat. Das Team hat eine Menge Potential und ist auf allen Positionen relativ tief besetzt. Dazu ist Ollie ein Motivationskünstler. Ollie wird zudem angespornt, von denen vielen Stimmen, die behaupten, der Triumpf aus 2014 sei vor allem Jim Calhoun zu verdanken, da er dieses Team im Kern zusammengestellt hatte. Ollie hat in diesem Jahr die Chance zu beweisen, dass er ebenfalls eine gute Nase für die richtige Konstellation eines Teams hat und es zum Erfolg führen kann. Noch fliegen die Huskies deutlich unter dem Radar, da viele der neuen Spieler außerhalb des großen Medieninteresses agierten. Die Huskies sollte man im März definitiv auf dem Zettel haben.

Wichtige Spiele
Mittwoch, 25.11. vs. Michigan
Dienstag, 08.12. vs. Maryland
Samstag, 12.12. vs. Ohio State
Dienstag, 29.12. vs. Texas
Samstag, 23.01. vs. Georgetown
Donnerstag, 28.01. vs. Cincinnati
Donnerstag, 18.02. vs. SMU