29 Oktober 2015

28. Oktober, 2015


Die Trainingscamps laufen seit Oktober, die neue NCAA-Saison startet am 13. November, das Final Four steigt diesmal vom 2. bis 4. April in Houston/Texas. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

Letzte Saison 
(36-4, Finale der March Madness)
Nach der erfolgreichsten Saison der Schulgeschichte seit über 60 Jahren stand für die Badgers im Sommer ein großer Umbruch an. Von dem Team, das 36 Spiele gewann (die meisten der Schulhistorie), Kentuckys Durchmarsch verhinderte und erst im Finale knapp am ersten Titelgewinn seit 1941 scheiterte, sind nur drei Akteure zurückgekehrt, die im Laufe des Turniers nennenswerte Minuten aufweisen konnten. Gerade die Routine der abgeklärten Seniors Kaminsky, Dekker und Gasser wird in dieser Saison fehlen. Nichtsdestotrotz darf ein von Bo Ryan gecoachtes und geformtes Team nicht unterschätzt werden.

Kader
Vitto Brown (Big, 6’8’’, Junior)
Nigel Hayes (Wing/Big, 6’8’’, Junior)
Bronson Koenig (Guard, 6’3’’, Junior)
Zak Showalter (Guard, 6’2’’, Junior)
Riley Dearring (Wing, 6’5’’, Sophomore)
Jordan Hill (Guard, 6’2’’, Sophomore)
Ethan Happ (Big, 6’9’’, Freshman)
Alex Illikainen (Big, 6’9’’, Freshman)
Khalil Iverson (Wing, 6’5’’, Freshman)
Brevin Pretzl (Guard, 6’3’’, Freshman)
Charlie Thomas (Big, 6’8’’, Freshman)
Andy Van Vliet (Big, 6’11’’, Freshman)

Ungewöhnlich jung ist das diesjährige Team. Nach den altersbedingten Abgängen von fünf Seniors steht ein Neuanfang an. Bo Ryan, eigentlich jemand, der Freshman ungern viele Minuten gibt, da diese tendenziell anfälliger für Fehler sind und somit nicht zur perfektionistischen Erwartungshaltung Ryans passen, muss dieses Jahr viel Geduld beweisen. 

Umso schmerzlicher war daher die Absage, die Diamond Stone den Badgers erteilte. Der aus Wisconsin stammende Big Man entschied sich im letzten Moment gegen ein Engagement bei seiner Heimuniversität und wird stattdessen für Conference Rivale Maryland an den Start gehen. Immerhin konnte sich Wisconsin noch die Dienste vom Belgier Andy Van Vliet sichern, der als großes Talent gilt und zu der Historie Wisconsins und seiner vielseitigen Big Men passt. 

Zudem könnte Bo Ryan in seine letzte Saison als Trainer bei den Badgers gehen, wie er selbst verlautbaren ließ. Allerdings gab er bereits wenige Wochen später den Rücktritt vom Rücktritt bekannt.

Starting Backcourt
Bronson Koenig, Zak Showalter

Einigermaßen unerwartet reifte Bronson Koenig im Laufe der letzten Spielzeit zum Leader des vielleicht stärksten Teams der NCAA. Er vertrat den regulären Spielmacher Traevon Jackson während dessen wochenlanger Verletzungspause ausgezeichnet. Als Aufbauspieler trug er große Verantwortung in der Offense. 

Seine Aufgaben verrichtete Koenig derart fulminant, dass er auch nach der Rückkehr Jacksons seinen Starterposten und das Vertrauen Ryans behielt. Koenig dankte seinem Trainer, indem er während der March Madness mehrere wichtige Würfe traf. In der kommenden Saison wird Koenig nun in Kooperation mit Nigel Hayes die Hauptlast im Angriff tragen und dafür sorgen, dass die Badgers auch in brenzligen Situationen Erfolgserlebnisse verzeichnen können. Sein Wurf aus dem Dribbling fällt extrem hochprozentig, was ihn zu einem effizienten Pick & Roll Spieler macht. 

Er weiß genau, wie er die Blöcke seiner Mitspieler nutzen muss, um sich den nötigen Freiraum zu verschaffen. Auch als Passgeber überrascht Koenig hin und wieder mit ungeahnten Fähigkeiten. Zudem ist es für Ryan sicher ein Trost zu wissen, dass wenigstens sein Spielmacher einen gewissen Erfahrungsschatz aufweisen kann und damit das Risiko von unnötigen Fehlern deutlich sinkt.

Auf die eben angeschnittenen Passqualitäten Koenigs ist Backcourt Partner Zak Showalter beispielsweise angewiesen. Der Junior war eine weitere Entdeckung der vergangenen Saison, der indirekt ebenfalls von der Trae Jackson Verletzung profitierte und mehr Spielanteile sah. Showalter kam vor allem als Energizer in die Partien. Mit seiner Athletik und seinem Biss ist er ein unangenehmer Zeitgenosse in der Verteidigung. 

Dass er sogar Einfluss auf den Ausgang eines Spiels nehmen kann, bewies er mit einer starken Phase im Sweet Sixteen gegen North Carolina, als er durch einige guten Aktionen erstmals einen kleinen (und bereits vorentscheidenden) Vorsprung für seine Badgers erwirken konnte. Als Spezialist für die Defense soll Showalter nun das Erbe von Josh Gasser antreten. Allerdings darf man offensiv nicht zu viel vom sprunggewaltigen Showalter erwarten. Solange er seine offenen Würfe trifft, wenige Fehler begeht und weiterhin kluge Cuts abseits des Balls läuft und damit die Defense beschäftigt, erfüllt er sein Soll.


Starting Frontcourt
Nigel Hayes, Vitto Brown, Ethan Happ

Wie erfolgreich die Saison für die Badgers verläuft, wird in direkter Korrelation zu Nigel Hayes’ Entwicklung in der kommenden Saison stehen. Als Freshman war Hayes ein bulliger Brettspieler, der sich für sein Alter und seinen geringen Bekanntheitsgrad geradezu unverschämt dominant durchsetzen konnte. In der letzten Saison überraschte er die Collegewelt, indem er plötzlich als tödlicher Scharfschütze aus dem Nichts heraus 39,6 Prozent seiner Dreier verwandelte (bei beachtlichen zweieinhalb Versuchen pro Spiel). 

Es wäre also nicht verwunderlich, wenn Hayes im nächsten Schritt sein Ballhandling so sehr verbessert hätte, dass er in der kommenden Saison plötzlich selber den Ball auf den Boden setzt und zum Korb zieht. Zwar ist er darauf nicht wirklich angewiesen, da er im Setplay durch die vielen Blöcke abseits des Balls oft genug gute Position beziehen kann, doch ein zweiter kreativer Spieler neben Koenig wäre sicher nicht verkehrt. Auch seine Chancen auf eine NBA Zukunft würden erheblich steigen, wenn er ein annehmbares Ballhandling präsentieren würde. Auch auf seine Pressekonferenzen darf man sich wieder freuen.

Vitto Brown ist ein ähnlich gelagerter Fall wie Zak Showalter. In der letzten Saison sah Brown erstmals konstant Minuten und verschaffte den Startern gelegentlich Verschnaufpausen. Seine Hauptaufgabe war es dann, die defensive Intensität aufrecht zu erhalten und beim Rebound zu helfen. Mit seiner kräftigen Statur und seinen schnellen Beinen ist er für solche Tätigkeiten auf Big Ten Ebene gut ausgerüstet. 

Als Junior wird Brown nun sicher auch offensiv mehr eingebunden sein. Immerhin fällt sein Mitteldistanzwurf bereits sehr ordentlich. Sollte er seine Reichweite bis zur Dreierlinie ausbauen können, würde er seinem Team einen wichtigen Dienst erweisen und für besseres Spacing sorgen. Doch bis es soweit ist, sollte sich Brown auf das Rebounding und die offenen Mitteldistanzwürfe konzentrieren.

Ethan Happ entschied im vergangenen Herbst in Übereinkunft mit Bo Ryan, dass es das Beste wäre, seine Freshman Saison um ein Jahr nach hinten zu verschieben und ein Redshirt Jahr einzulegen. Angesichts der Tiefe des letztjährigen Frontcourts hätte Happ sein erstes Jahr ansonsten unnötig verschwendet. 

So nutzte der Big Man das Trainingsjahr, um an seinem Körper zu arbeiten und sich an das doch recht spezielle System der Badgers zu gewöhnen. Nun rechnen viele mit einer starken Premierensaison des talentierten Bigs. Seine starken Auftritte beim Albert-Schweitzer-Turnier im Frühling 2014 belegen sein Talent. Damals war er der Topscorer der US-Auswahl und einer der besten Spieler des Turniers. 

Happ verfügt über einen guten Touch und weiß genau, wie er in Zonennähe scoren kann. Damit wird er eine wichtige Stütze im Angriff der Dachse sein. Er agiert unspektakulär, aber gnadenlos effizient, womit er genau den Geschmack seines Trainers trifft. Auch als Pick & Roll Spieler und aus der Mitteldistanz kann Happ seine Qualitäten einbringen. 

Bank
Jordan Hill, Alex Illikainen, Khalil Iverson, Brevin Pretzl, Andy van Vliet + Riley Dearring, Charlie Thomas

Während die Startformation noch bekannte Gesichter beherbergt und zumindest ein Mindestmaß an Erfahrung aufweisen kann, scheint die Rollenverteilung unter den Bankspielern noch ungewöhnlich flexibel und wandelbar zu sein. 

Der erfahrenste Akteur ist Guard Jordan Hill. Der Redshirt Sophomore setzte das letzte Jahr aus und will nun ein wichtiger Bestandteil der Rotation werden. Er gilt als guter Verteidiger und solange er den Ballvortrag unfallfrei über die Bühne bringt und die Setoffense strukturiert, wird er auch wichtige Minuten sehen. 

Als Senkrechtstarter könnte sich Freshman Brevin Pretzl erweisen. Der Freshman ist ein begnadeter Schütze. Sollte er seine Würfe konstant treffen, würde er den Badgers Instant Offense von der Bank geben und damit die Starter massiv entlasten. Allerdings lässt sich schwer prognostizieren, wie souverän und fehlerfrei der Freshman auftreten wird, was in großem Maß darüber entscheiden wird, wie viele Minuten er bekommen wird.

Khalil Iverson und Riley Dearring sind die Kandidaten für die verbleibenden Minuten hinter Nigel Hayes auf dem Flügel. Allerdings werden das nicht viele sein und beide Spieler werden einen schweren Stand in der Big Ten haben. Iverson könnte leicht im Vorteil liegen, da er talentierter und etwas athletischer ist.

Auf den großen Positionen werden die Freshmen Alex Illikainen und Andy Van Vliet wichtige Parts einnehmen. Illikainen ist in der Offensive schon relativ variabel und wird mit seinen Qualitäten sowohl in Brettnähe als auch aus der Distanz gut in die Swing Offense hineinpassen. Der Belgier Van Vliet ist hingegen vor allem am Perimeter beheimatet. Seine Skills ähneln eher denen eines Guards. Damit schlummert einiges an Missmatch Potential in Van Vliet. Allerdings muss er an Gewicht zulegen, um in der Big Ten zur Entfaltung zu kommen. Charlie Thomas kann diese notwendige Masse aufweisen und je nach Gegner könnte er eine ähnliche Rolle wie Vitto Brown in der vergangenen Saison einnehmen.

Stil
Bo Ryan duldet keine Fehler und nicht die geringste Unkonzentriertheit. Bei der Masse an neuen Gesichtern und Unerfahrenheit wird es jedoch nicht leicht, diesen harten Kurs auch in der anstehenden Spielzeit durchzuziehen. Auch die Reduktion der Angriffszeit um fünf Sekunden kommt Ryan da ungelegen, weil das Spiel nun ein wenig schneller wird und sein Team weniger leicht das Tempo verschleppen kann. Dennoch werden die Badgers auch in diesem Jahr zu den besseren Teams in den Kategorien „Turnovers pro Spiel“ und „Fouls pro Spiel“ gehören.

Elementar ist zudem die Swing Offense für das diesjährige Team. Diese Offense wird dafür sorgen, dass Koenig und Hayes gute Würfe bekommen, ohne allzu hart für jeden einzelnen arbeiten zu müssen. Das spart Kraft und sorgt dafür, dass die beiden Anführer auch gegen Ende einer Partie frisch genug sind, um die wichtigen Jumper zu versenken. 


NBA Kandidaten
Nigel Hayes’ rasante Entwicklung der vergangenen zwei Spielzeiten könnte ihre zwischenzeitliche Krönung in diesem Jahr erfahren. Sollte sich der gut gebaute Forward ähnlich gut in seiner Rolle als Anführer und erste Angriffsoption zurecht finden, wie er es zuvor schon in seinen anderen Aufgabenbereichen demonstrierte, wäre es keinesfalls überraschend, wenn Hayes im Draft 2016 gegen Ende der ersten Runde gezogen werden würde. Als kräftiges Offensivtalent mit passablem Jumper, gutem Touch und starken Reboundinstinkten kann er einen guten Rollenspieler in der NBA abgeben.

BBL Kandidaten
Da keiner der Badgers dieses Jahr Senior ist, lohnt es sich für BBL Fans im Hinblick auf den Sommer 2016 nicht, die Spiele der Badgers näher zu verfolgen. Doch für künftige Jahre schadet es nicht, sich zu den Namen Bronson Koenig und Ethan Happ ein genaueres Bild zu erstellen.

Prediction
Das Team ist deutlich jünger als in den Vorjahren, verfügt nicht über derartige Ausnahmespieler wie letzte Saison und muss zusätzlich auch noch in einer deutlich erstarkten Big Ten antreten. Doch solange Bo Ryan Trainer in Wisconsin ist, scheint das Verfehlen der March Madness ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Die Badgers werden sicher keinen Schönheitspreis für ihren Basketball in der kommenden Saison bekommen und vermutlich hin und wieder in die alte Mauertaktik vergangener Jahre verfallen, dennoch schadet es nie, diese funktionierende Maschinerie bei der Arbeit zu beobachten. Wer Teamplay und Härte mag, wird bei den Badgers sicher gut aufgehoben sein.

Wichtige Spiele
Sonntag, 29.11. vs. Oklahoma
Samstag, 12.12. vs. Marquette
Samstag, 09.01. vs. Maryland
Sonntag, 17.01. vs. Michigan State
Samstag, 13.02. vs. Maryland