11 Oktober 2015

11. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von WOLFGANG STÖCKL @WStckl

Flashback
40-42, Playoffs Runde eins (0-4 vs. Cleveland)

Plus
David Lee
Amir Johson
RJ Hunter
Jordan Mickey
Terry Rozier
Marcus Thornton
Perry Jones III.

Minus
Brandon Bass
Gigi Datome
Phil Pressey
Gerald Wallace

Cap-Situation
79 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Nicht viel. Mit Amir Johnson konnten die Celtics endlich mal einen defensivstarken Big Man verpflichten, mit David Lee haben sie im Tausch für Bankmultimillionär Wallace einen Veteranen ertradet, der auch Spielzeit bekommen wird und von dem die jungen Spielern der Kelten aufgrund seiner Erfahrung, Spielintelligenz und Übersicht profitieren werden. Perry Jones III. wurde geholt, in der Hoffnung, dass er seine vielversprechende Physis endlich mal positiv auf dem Basketballcourt einsetzt. Die erste große Hürde für Jones wird sein, nach dem Trainingscamp überhaupt einen Platz im Kader der Celtics zu ergattern.  

Beste Addition
Amir Johnson ... Nichts gegen David Lee, aber Johnson ist jünger und bringt dem Team, was ihm bisher fehlte: Überdurchschnittlich gute Defense und Härte unter dem Korb. Der Fan-Liebling aus Toronto wurde von Danny Ainge sofort mit Beginn der Free-Agency angerufen. Das hat ihn so beeindruckt, dass er umgehend bei den Celtics zusagte. Sicherlich gab es für Johnson noch 12 Millionen andere Gründe, aber der Vertrag ist auch für die Celtics ein Gewinn, denn das zweite Jahr ist nicht garantiert.

Darf man den Stimmen aus Toronto glauben, bringt Johnson eine vorbildliche Arbeitseinstellung mit, ist sehr wichtig für die Moral der Mannschaft und generell ein Spieler, der immer das Team über die eigenen Interessen stellt. Davon abgesehen ist er auch auf dem Platz immer wichtig. Er ist ein guter Verteidiger und kann trotz Größennachteilen unter dem Korb gegen jeden Spieler gut dagegenhalten. In der Offensive gehörte er zuletzt zu den Top-Ten beim Abrollen aus dem Pick & Roll. Generell nimmt er fast nur gute Würfe, er hat in seiner Karriere nie unter 54% aus dem Feld getroffen. Bleibt er gesund, werden die Kelten viel Freude an ihm haben.

The Planet
Isaiah Thomas ... Letztes Jahr zur Trade-Deadline verpflichtet, schlug Thomas in Boston umgehend ein. Nach seiner Verpflichtung rollten die Celtics das Feld der Eastern Conference von hinten auf und schafften es noch, sich für die Playoffs zu qualifizieren. Seine Leistungen dort waren zwar nicht so überragend, das lag aber daran, dass Gegner Cleveland es sich leisten konnte, sich in der Defensive fast ausschließlich auf Thomas zu konzentrieren und ihn zu neutralisieren.

Thomas ist der mit Abstand wertvollste Offensivspieler der Celtics. Im Pick & Roll gehört er zu den zehn besten Spielern der Liga, nur wenige können solche Lücken reißen wie er. Zudem kommt er sehr oft an die Freiwurflinie, was vor dem Trade eine große Schwäche Bostons war. Seine Statistiken sehen zwar gut aus, springen aufgrund der vergleichsweise geringen Spielzeit jedoch nicht sofort ins Auge. Auf 36 Minuten hochgerechnet legt 'I.T.' aber echte Allstar-Werte auf: 26,4 Punkte und 7,5 Assists bei einem True Shooting von 57,9%. Mit ihm ist die Offensive der Celtics auf einem ganz anderen Level. Das ORtg mit Thomas auf dem Platz war das dritthöchste der Liga, ohne ihn das vierschlechteste. Das allein zeigt schon, welchen Wert er für Boston hat. 


Rising Star (via @nbachefkoch)
Isaiah Thomas ... Auch das ist Thomas, der erst 26 Jahre alt ist und sich damit auf dem Weg zu seiner sportlichen Höchstform befindet. Weder in Sacramento noch in Phoenix wussten sie es wirklich zu schätzen, was der Zwerg auf dem Parkett alles zu leisten vermag. Bei den Celtics hingegen scheint er endlich eine Heimat gefunden zu haben, dazu obendrein eine Gruppe von Menschen, die ihn und seine Fähigkeiten zu schätzen wissen.

Thomas ist nicht nur der beste Bankspieler der Liga - der Sixth Man Award 2015 hätte ohne Wenn und Aber an ihn gehen müssen - sondern einer ihrer elitärsten Angreifer überhaupt. Endlich mit einem Coach vereint, der seine Fähigkeiten als Scorer und Vorbereiter maximieren kann, mental an seiner ersten Playoff-Teilnahme und Niederlage gereift, wird Thomas in den nächsten Jahren in Richtung All-Star Team drängen. Dass ihm das viele nicht zutrauen ist klar. Aber mal ehrlich: Hat der 60. Pick 2011 Zeit seiner Karriere irgend etwas anderes gemacht, als allen Neinsagern und Dummschwätzern der Reihe nach das Maul zu stopfen? Eben...

Falling Fast
Jared Sullinger ... Sullingers Stern könnte bei den Celtics am Sinken sein, wenn er nicht aufpasst. Dafür gibt es auch schon deutliche Anzeichen. Nach seiner Fußverletzung im letzten Jahr griff Danny Ainge zu einem Mittel, das in Boston sehr selten angewendet wird. Er ging an die Öffentlichkeit und erläuterte, dass Sullingers Verletzung auch mit seinem Übergewicht zu tun haben könnte und die Franchise sich wünscht, dass er professioneller agiert. Seit Sully bei den Celtics ist, hat er nie die Fitnessstandards des Teams komplett erfüllt. Das Statement konnte man als letzten Warnschuss an den talentierten Big Man aus Ohio State verstehen. Die Liste seiner Verfehlungen ist nach drei Saisons schon recht beachtlich. Permanentes Übergewicht, Anzeige wegen häuslicher Gewalt, schon mehrmals hat er das Training verschlafen.

Wie jedes Mal gelobte Sully Besserung. Auch diesen Sommer postete er fleißig Fotos, die ihn beim Workout zeigen und ihn dünner erscheinen lassen. Sicherlich geht er fitter in die Saison als letztes Jahr, aber deutlich schlanker sah er beim Media Day nicht aus. Coach Stevens stellte zwar klar, dass körperliche Fitness für ihn wichtig sei und das reine Gewicht zweitrangig, aber in der Preseason war Sullinger bisher die Nummer fünf bei den Big Men, was nicht viele Minuten bedeuten würde. Eine vorzeitige Verlängerung des Vertrag vor dem Stichtag am 31. Oktober scheint ausgeschlossen, so dass er zum Saisonende wohl Restricted Free Agent wird. Die Zeichen könnten damit auf Abschied stehen. 

Don’t Sleep! 
Avery Bradley ... Nachdem der junge Guard in der Saison 2011/12 seinen Durchbruch schaffte und sogar Ray Allen aus der Startelf verdrängte, stagnierte im Anschluss seine Leistung, die Effizienz seines Spiels ließ deutlich nach. Er war noch nie ein guter Ballhandler oder exzellenter Passer, so dass mit zunehmender Nutzungsrate seine Wurfquoten und seine Defensive litten. 2015 war er „nur“ noch ein guter Verteidiger, aber kein Elite-Stopper mehr. Aber das soll sich jetzt alles ändern. Coach Stevens und Bradley haben sich für die neue Saison darauf geeinigt, dass er wieder in seine alte Rolle zurückkehren soll. Also Defense, mehr Defense sowie gelegentliche Dreier (vor allem aus den Ecken) und Cuts zum Korb. Es wäre also keine Überraschung, wenn Bradley in der neuen Saison wieder die Wurfquoten von 2012 erreicht (50/40/80 Prozent), und mit mehr Luft in der Defense sollte er auch da wieder bei den Guards ganz vorne mit dabei sein.


Good News
+ Der Kader ist so tief und ausgeglichen, dass Verletzungen gut kompensiert werden können
+ Defensivtier Jae Crowder ist wieder da - sein Vertrag wurde zu günstigen Konditionen verlängert
+ Die Brooklyn Nets werden keine gute Saison spielen, der vermeintliche Lotterie-Pick aus dem Kevin Garnett/Paul Pierce Trade wandert nach Boston

Bad News
- Der heilige Gral in Boston ist ein Ringbeschützer. Ewig gesucht, nie gefunden. Auch 2015/16  
bleibt er wohl nur eine Legende. Amir Johnson verbessert die Situation zwar, aber er hat nicht mehr die Athletik früher Tage, und es fehlt ihm auch an der nötigen Länge
- Obwohl Boston alle Zutaten für einen großen Deal beisammen hat, wollte niemand mit den Celtics und Danny Ainge größere Geschäfte abschließen
- Letztes Jahr belegten die Celtics Platz 27 bei den Dreiern. Außer RJ Hunter, einem Rookie, wurde niemand als Verstärkung verpflichtet

Was fehlt?
Der Star ist der Trainer, heißt es in Boston - und genau das ist das Problem. In den Playoffs, wenn in wichtigen Phasen das Tempo gedrosselt wird und die Ballbewegung stockt, braucht es Spieler, die mit einfachen Spielzügen einen guten Wurf kreieren können. Die gibt es in Boston, mit Ausnahme von Thomas, aber überhaupt nicht. Alles hängt davon ab, wie gut und vor allem auch selbstbewusst die vorhandenen Spieler die Systeme von Coach Stevens ausführen. 

In den Playoffs fahren Teams mit Stars immer besser. Ausnahmen gab es in den letzten 30 Jahren in der NBA kaum bis gar nicht. Die Celtics haben eigentlich alle Zutaten beisammen, um einen großen Deal abschließen zu können, aber es ist aktuell einfach kein Star auf dem Markt, der zu haben wäre. Also muss Boston weiter Geduld haben und hoffen, dass einer seiner jungen Spielern den entscheidenden Sprung zum Superstar macht.

Blast from the Past


KGDCG
Evan Turner ... Evan Turner, im letzten Jahr noch mit fast 30 Minuten Einsatzzeit pro Abend noch einer der meist genutzten Spieler, ist sich seiner Rolle in diesem Jahr nicht mehr ganz so klar. Die Offensive der Startformation soll künftig über Marcus Smart laufen. Und genau das war letztes Jahr noch Turners Job. Er wird also wesentlich seltener den Ball halten als noch im letzten Jahr. Und Evan Turner ist kein Spieler, der in der Offensive besonders nützlich ist, wenn er nicht den Ball hält.

Zu wacklig ist sein Wurf von draußen, zu durchschnittlich sein Abschluss am Korb. Auch defensiv ist er kein Spieler, der den Unterschied ausmacht. Er wird viel Zeit auf der Bank verbringen und vielleicht hoffen, dass er zu einem Team wechseln kann, bei dem er wieder mehr den Ball hat, denn diese Rolle hat er in Boston ganz solide ausgefüllt – nur solide ist nun leider nicht mehr genug bei den Grünen.

LP-Rating


Das Team spielt modernen, schnellen, Basketball und ist gespickt mit jungen Spielern. Die Truppe von Coach Stevens ist immer hochmotiviert, lässt sich fast nie aus der Halle schießen und kämpft sich bei Rückständen sehr oft nochmal ins Spiel zurück. Gleichzeitig gibt es kaum ein Team, dass eine 20-Punkte-Führung schneller vergeigen kann als die Celtics. Für Spannung ist also so gut wie immer gesorgt.

Eine Frage noch...
Wer spielt eigentlich auf den großen Positionen? Zeller, Lee, Johnson, Sullinger, Olynyk, Jerebko, Jones, Mickey oder Crowder? All diese Spieler kamen in der Vergangenheit schon auf den Positionen Vier oder Fünf zum Einsatz. Falls Ainge keinen Trade aus dem Hut zaubert, kämpfen neun Spieler, die leistungsmäßig relativ dicht beieinander liegen, um 96 Minuten Spielzeit im Frontcourt. Viel Spaß damit, Coach!

Check 1,2
Im Vergleich zur Vorsaison hat sich nicht viel bei diesem Team geändert. Die Mannschaft ist nun noch ein wenig tiefer als vorher. Qualitativ hat es sich mit den Verpflichtungen von Johnson und Lee leicht verbessert. Allerdings sind auch andere Teams im Osten besser geworden, so dass ein großer Sprung nach vorne nicht zu erwarten ist.  Allerdings schafften es die Celtics selbst mit den vielen Wechseln im Vorjahr, 40 Siege einzufahren. Nun ist das Team deutlich besser eingespielt und ein Jahr erfahrener... das allein sollte trotz stärkerem Osten für ein paar Siege mehr gut sein.

Chef-Orakel
41-41

Playoffs?