09 Oktober 2015

9. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von PASCAL GIETLER @PascalCTB

Flashback
38-44, Playoffs Runde eins (2-4 vs. Atlanta)

Plus
Shane Larkin
Rondae Hollis-Jefferson
Wayne Ellington
Thomas Robinson
Andrea Bargnani
Willie Reed
Ryan Boatright
Donald Sloan
Quincy Miller
Chris McCullough

Minus
Deron Williams
Mason Plumlee
Alan Anderson
Mirza Teletovic
Earl Clark
Cory Jefferson 

Cap-Situation
87 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxury Tax... aber unter 100 Mio. $

Stimmung so?


Was ist Neu?
Nach ihm die Sintflut: Das Kapitel Deron Williams ist für die Brooklyn Nets offiziell beendet. Der einstige Star-Point Guard und die Franchise, die sportlich alles um den Hoffnungsträger mit der befremdlichen Oberarm-Tätowierung aufgebaut hatte, gehen ab der kommenden Saison getrennte Wege. Das dürfte die Startformation der Nets nachhaltig verändern, denn nun muss Coach Lionel Hollins seinen Backcourt komplett auf links krempeln. Neben dem künftigen Starting-Point Guard Jarrett Jack sollte im Optimalfall ein Spieler stehen, der sowohl über einen Distanzwurf, als auch über die nötigen Verteidigunsqualitäten verfügt. 

Spieler mit diesem Anforderungsprofil sucht man im Kader der Nets jedoch vergeblich. Am ehesten kommen wohl Wayne Ellington und Markel Brown in Frage, doch mit einem solchen Backcourt dürfte man anno 2015 nicht mal den begehrten Blumentopf in der NBA gewinnen. Hollins' größte Aufgabe wird darin liegen, die richtige Balance im Kader zu finden, denn selbst ein schlechter Deron Williams war noch immer einer der vielseitigsten Spieler bei den Nets. Dies fehlt dem Team ab sofort.

Beste Addition
Rondae Hollis-Jefferson ... Inmitten von Spielern, die sich gehaltstechnisch zwischen dem Minimalgehalt und einem Teil der Mid-Level-Exception befinden, dürfte Rookie Rondae Hollis-Jefferson die wichtigste Verpflichtung der Offseason gewesen sein. Die Nets wurden in der vergangenen Saison auf dem Flügel defensiv regelrecht vorgeführt. Der Schatten von Joe Johnson und das furchteinflößende Trio aus Bojan Bogdanovic, Markel Brown und Sergey Karasev konnten zwischen der Shooting Guard- und der Power Forward-Position ihren Gegenspielern kaum Probleme bereiten.

'RHJ' dürfte als NCAA-Sophomore und vermeintlicher Defensivspezialist direkt eine große Rolle unter Coach Hollins spielen. Und wer weiß schon, wie die Nets im Januar aussehen werden?! Hollis-Jefferson könnte bei einer prognostizierten erfolglosen Saison sogar in die Starting Five aufrücken, denn zumindest auf dem Papier wäre der athletische Verteidiger zwischen Joe Johnson und Thaddeus Young recht gut aufgehoben.

The Planet
Brook Lopez ... Brook Lopez ist spätestens ab der kommenden Saison ohne jeglichen Zweifel der Franchise Player der Brooklyn Nets. Während er lange Jahre im medialen Schatten von Deron Williams und Joe Johnson seine Zeit meistens in Reha-Zentren und/oder auf dem Trade-Block verbrachte, haben ihm Coach Hollins und General Manager Billy King mit einer üppigen Vertragsverlängerung das Vertrauen geschenkt und ihm mit Thad Young den wohl besten Frontcourt-Partner an die Seite gestellt, den der Center in seiner professionellen NBA-Karriere je hatte.

Lopez hat in den letzten Saisonmonaten der Spielzeit 2014/15 den wohl besten Basketball seiner Karriere gespielt und konnte in den vergangenen Wochen zum ersten Mal seit vielen Jahren eine Saisonvorbereitung ohne gesundheitliche Rückschläge durchführen. Selbst wenn die Nets mies sein werden: Brook Lopez wird wohl eine Saison auf All-Star-Niveau abliefern.


Rising Star
Bojan Bogdanovic ... In seinem Sophomore-Jahr dürfte Bojan Bogdanovic vor einem Sprung nach vorne stehen. Nach einem wackeligen Start in seine NBA-Karriere konnte der Kroate im April starke 14.4 PPG bei 48% von der Dreierlinie auflegen. Der „Rookie of the Month“-Award war nach diesem Schlusssprint natürlich nur noch Formsache. Hollins ließ bereits am diesjährigen Media Day durchsickern, dass Bogdanovic wohl zu Beginn der Saison einer der beiden Starter auf dem Nets-Flügel sein wird.

Die Aktien von Bogdanovic scheinen zu steigen. Neben seinem guten Wurf wird er den Nets vermutlich auch mit seinem Playmaking helfen, zumindest etwas kompetitiv zu bleiben. Selbst wenn Bogdanovic keinen Platz in der ersten Fünf ergattern sollte, dürfte er zweifelsohne als sechster Mann von der Bank den nötigen Scoring-Punch für die Nets liefern.

Falling Fast
Joe Johnson ... Vor zwei Jahren war Joe Johnson noch All-Star und Teilnehmer bei der „Three Point Challenge“, heute ist JJ nur noch ein Schatten seiner selbst. Für Johnson beginnt in wenigen Wochen seine fünfzehnte Profisaison und nach rund 38.500 gespielten Minuten dürfte der Tank so langsam leer sein. Viel darf man von Joe Johnson nicht mehr erwarten - weder offensiv noch defensiv. Die Rolle als Spot-Up-Shooter, der gelegentlich auch mal ein Play laufen kann wirkt aktuell wie das Best Case-Szenario für den einstigen Star.

Der Abgang von Williams soll jedoch besonders im Hause Johnson für eine Menge Freude gesorgt haben. Laut Insidern sollen D-Will und JJ nie so wirklich auf einem grünen Zweig gekommen sein - ob diese psychische Komponente gleichzeitig auch eine positive Auswirkung auf dem Court bedeutet, muss abgewartet werden.

Don’t Sleep! 
Shane Larkin ... Drei Teams in drei Jahren klingt nicht wirklich nach dem günstigsten Lebenslauf eines jungen NBA-Spielers. Shane Larkin konnte sich bisher weder bei den Dallas Mavericks noch bei den New York Knicks gänzlich durchsetzen, was zur Folge hatte, dass die 'Bockers darauf verzichteten, ihre Teamoption auf ein weiteres Jahr zu ziehen. In Brooklyn hingegen erfüllt Larkin in der Theorie das, was das Team in diesem Sommer primär gesucht hat: Jugend, Athletik und (einen zumindest im Ansatz vorhandenen) Wurf.

Larkin wird von den Nets gebraucht und hat als solider Ballhandler in Pick & Roll-Situationen mit Brook Lopez einen exzellenten Komplementärspieler im Team. Die Vorzeichen auf einen vermeintlichen „Durchbruch“ könnten durchaus schlechter stehen. Als Back-Up-Point Guard dürfte Larkin zudem einige Minuten auf dem Parkett stehen und wird somit genug Zeit haben, um sich die Gunst von Hollins zu erspielen.


Good News
+ Ein Umdenken hat im Front Office stattgefunden. Auch wenn dies nicht komplett freiwillig geschah, sind die Weichen in Richtung Zukunft gestellt
+ Brook Lopez ist in seiner Prime angekommen und wird endlich als das gesehen, was er bereits seit drei Jahren (wenn fit) ist: Der Franchise-Player in Brooklyn
+ Die Nets spielen noch immer in der Eastern Conference...Der Traum von den Playoffs darf zumindest noch alle zwei Nächte mal geträumt werden

Bad News
- Selbst wenn sie jünger und eventuell sogar tiefer geworden sind, dürfte klar sein, dass die Nets durch den Abgang von Williams sportlich schwächer aufgestellt sind als in 2014-15
- Hollins ist phasenweise ein Sturkopf und pfeift auf jegliche Zahlenspielereien. Es ist keinesfalls garantiert, dass er eine anständige Balance aus Offense, Defense, Athletik, Shooting und Effizienz in seinen Line-Ups findet
- Plus/Minus-Werte sind nicht immer zuverlässig, aber: die Nets haben einen Spieler zum Starting-Point Guard gemacht, der in der letzten Saison einen Wert von -315 (MINUS DREIHUNDERTFÜNFZEHN!) angesammelt hat. Keine Pointe!

Was fehlt?
Defense! Zumindest in der angekündigten Startformation, die aus Jack, Bogdanovic, Johnson, Young und Lopez besteht. Der Backcourt dürfte defensiv zu den fünf miesesten der Liga gehören; Joe Johnson wird sich dank zu schnellen Flügelspielern für eine Rolle als Taz in einer potenziellen Verfilmung der Looney Tunes bemühen; und mehr als den Ring beschützen kann Brook Lopez auch nicht wirklich. Wenn dein bester Verteidiger in der Starting Five Thad Young heißt, hast du aller Voraussicht nach ein Problem. 

Blast from the Past


KGDCG
Joe Johnson ... Cha-Ching! Es gibt genau einen NBA-Spieler, der in der kommenden Saison mehr verdienen wird als Joe Johnson. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: In einer Liga, in der irgendwo Spieler wie LeBron James, Kevin Durant, Steph Curry, James Harden, Marc Gasol oder Chris Paul jeden Abend alles geben und ihre jeweiligen Teams zu Siegen am Fließband führen, ist Joe Johnson der zweitbestbezahlte Spieler.

LP-Rating


Die Nets haben nicht nur die schlechtesten lokalen TV-Ratings der gesamten Liga, sie werden in der kommenden Saison wohl (erneut?!) das langweiligste Team der NBA sein. Weder die Spielweise mit vielen Zonenabschlüssen von Brook Lopez, noch die Fähigkeiten der Einzelakteure dürften den neutralen Fan dazu bewegen, sich ein Spiel der Brooklyn Nets anzuschauen. Einen Gnadenpunkt gibt es für die jungen Athleten Rondae Hollis-Jefferson, Shane Larkin und Thomas Robinson. Besonders Larkin und Robinson dürften einiges zu beweisen haben und waren Wunschspieler von Billy King. Falls deren Spielanteile hoch sein werden wie erwartet, können sich Fans zumindest auf ein oder zwei Fastbreak-Dunks pro Abend freuen.

Eine Frage noch...
Was ist der Plan in Brooklyn? Bis 2019 haben sie nicht die Kontrolle über den eigenen Draftpick, zu allem Übel profitiert ausgerechnet der Division-Rivale Boston vom Absturz der Nets. Wird Brooklyn aufgrund dieser Dynamik bis zum Schluss versuchen, kompetitiv zu bleiben, um den Konkurrenten nicht zu stärken? Entschließt sich das Team vielleicht doch, bei anhaltendem Misserfolg die Reißleine zu ziehen und alle Veteranen mit einem Fünkchen Qualität zu verscherbeln? Der Saisonverlauf in Brooklyn dürfte im Kontext der Zukunft spannend werden.

Check 1,2
Die Nets spielen zwar im Osten, aber die Mittelklasse im Osten ist tendenziell stärker respektive fitter geworden. Nach einer Saison mit 38 Siegen und dem Abgang von Williams gibt es wenig Grund zur Hoffnung, dass die Nets sich in der kommenden Saison in Richtung ausgeglichener Bilanz bewegen werden. Die Playoffs sind ohne Verletzungsmiseren bei der Konkurrenz (hier wird Wert auf den Plural gelegt) quasi außerhalb der Möglichkeiten und im Hinblick auf die Zukunft wäre wohl der einzige Grund zur Freude, wenn einer der jungen Neuverpflichtungen einschlägt. 

Chef-Orakel
26-56

Playoffs?