18 Oktober 2015

17. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von ROMAN SCHMIDT @sch_rom

Flashback
50-32, Playoffs Runde zwei (2-4 vs. Cleveland)

Plus
Fred Hoiberg (HC)
Bobby “Crazy-Eyes” Portis
Jordan Crawford

Minus
Nazr Mohammed

Cap-Situation
90 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxussteuer

Stimmung so?


Was ist Neu?
Fred Hoiberg ist in town. Tom Thibodeau ist out of town. Und da der Beruf ‘Head Coach’ so ziemlich das einzige ist, was diese Zwei verbindet, werden sich die Bulls in diesem Jahr stark verändern. Ganz nach dem Prinzip Peter Fox, der einmal sang: ‚HEY, ALLES NEU‘. Oh wow. Bloß Abstand gewinnen zu dieser Einleitung.

Ganz so neu ist alles dann nämlich doch nicht, denn nach der Infusion von Shootern in Person von Nikola Mirotic, Aaron Brooks und Doug McDermott im Jahr 2014 muss sich Hoiberg mit dem letztjährigen Personell begnügen. Was auch ein Segen ist, denn Jimmy Butler wurde gehalten! Nachdem er im vergangenen Sommer, nach einer eher durchwachsenen Saison, gepokert hatte und keine Vertragsverlängerung unterschrieb, startet er mit einem Franchise-Player-Gehalt in die Saison 2015/16. Der neue Coach hält viel von ihm und es ist absehbar, dass dieses Team bald in den Händen von Jimmy liegen wird. 'All hail King Jimmy I.'

Beste Addition
Fred Hoiberg ... Das Regime Thibodeau hatte den Zenit erreicht, das Team brauchte einen Tapetenwechsel. Es wäre falsch, Verletzungspech und einen LeBron James in der Conference zu ignorieren und Thibodeaus Leistung in Chicago zu schmälern. Unterm Strich muss allerdings auch konstatiert werden, dass dieses Team sich seit 2010 für einen Titelaspiranten hält und nur einmal über die zweite Runde der Playoffs hinaus kam. Thibs musste gehen. Joakim Noahs Knie vergießen Tränen vor Freude, Butler kann plötzlich mit einer Basketballkarriere jenseits der 30 rechnen. Einzig der Körper von Derrick Rose ist noch nicht gänzlich überzeugt. Doch das kommt noch, ganz sicher. Oder?

Hoibergs Handschrift ist bereits in der Preseason zu sehen. Während die Bulls in der abgelaufenen Spielzeit im Schnitt 22 Dreier pro Spiel warfen, geht die Tendenz unter Hoiberg in Richtung 40 (!). Auch in Sachen Pace deutet sich eine krasse Erhöhung an. Hier könnten die Bulls in diesem Jahr in den Top-10 landen, nachdem sie in der Vergangenheit stets zu den Spitzenreitern in Shot-Clock-Violations gehörten. Der neue Trainer bevorzugt statt einer hohen Anzahl von angesagten Spielzügen einen Free-Flow-Ansatz, in dem die Spieler mehr Freiräume haben und viele Pässe spielen. In der Offensive ist ein ähnlicher Sprung nach vorne zu erwarten wie 2014-15. Ob die Verbesserung der Offense zulasten der Defensive stattfindet, bleibt abzuwarten. Die Zeiten, in denen dieses Team Schwierigkeiten hatte, in den Playoffs 80 Punkte zu erzielen, scheinen jedenfalls Geschichte zu sein.

The Planet
Jimmy Butler ... Sieh einer an, seit Rose und Noah nicht mehr die Alten sind, ist Jimmy Butler der beste defensive und offensive Spieler dieses Teams in Personalunion. Gar nicht übel für einen, der einst mit dem 30. Pick gezogen wurde.

Butler wird auch die kommende Season damit verbringen, gegnerische Flügelspieler auf beiden Seiten zu terrorisieren. Er wird trotz Thibodeaus Abgang viele Minuten spielen. Er wird seinen Status als bester Shooting Guard im Osten zementieren. Und er wird Klay Thompson auf dem NBA-weiten Platz zwei angreifen. Und wenn an dem Butler-Rose-Beef irgendwann wider Erwarten tatsächlich irgendetwas dran sein sollte, sollte jedem klar sein, wer gehen muss.


Rising Star
Nikola Mirotic ... Niko ist genau der Spieler, den Hoiberg in seiner Offense braucht: einen echten Outside Power Forward. Nicht so genötigtes Zeug wie Paul George oder Kris Humphries (lol) auf der Vier. Nein, ein echter Stretch-4! In Iowa ließ Hoiberg für kurze Abschnitte sogar 5 Spieler hinter der Dreierlinie auflaufen. Seine Offensive wird ohne einen Dreier-Schützen als Power Forward gar nicht funktionieren.

Perfekte Ausgangslage also für den montenegrinischen Spanier und frischgebackenen Europameister! Nachdem einige Basketball-Hipster ihm Außenseiterchancen auf den letztjährigen Rookie of the Year Award attestierten und Thibs sich dennoch nur dazu durchringen konnte, ihn gegen zu schnelle Small Forwards aufs Parkett zu schicken, wird Niko in diesem Jahr die Minuten bekommen, die er verdient. Wer hat’s erfunden? Nikolaaaaaaaaaaaaaaaaa.

Falling Fast
Joakim Noah ... Hier könnte auch Derrick Rose stehen, doch der Verfall von Joakim war sehr viel deutlicher zu spüren. Als die Defense auf Platz 10 fiel, waren im vergangenen Jahr alle Argumente für Tom Thibodeau hinfällig. Vieles davon ist Noah zuzuschreiben. Nachdem er 2014 am Knie operiert werden musste, war der damalige Defensive Player of the Year nicht mehr derselbe. Seine Bewegungen waren steif, seine Sprünge tief, ihm fehlte häufig die tückische halbe Sekunde, die in der NBA zwischen guter Rotation und einem offenen Korbleger entscheidet.

Da er offensiv keine Gefahr darstellt, wurde er mit fehlender Defensivpräsenz zu einer Last. Wenn Noah nicht an alte Leistungen anknüpfen kann, ist es sehr gut möglich, dass die neu gefundene offensive Identität von einer schwachen Verteidigung negiert wird. Und was sich vor zwei Jahren noch niemand vorstellen konnt - dass Joakim und nicht Taj Gibson der Odd Man Out im stark besetzen Frontcourt der Bulls ist - würde Realität werden. Eine weitere schwache Saison können sich die Bulls und auch Jo (Vertrag läuft aus) nicht leisten.

Don’t Sleep! 
Doug McDermott ... Hand auf den Spalding, Dougies Rookie Season war zum Vergessen. Auch in dem Sinne, dass man tatsächlich hätte vergessen können, dass er im Bulls Roster steht. Rookies haben es generell nicht leicht unter Thibs, hinzukommende Verletzungen machten sein Unglück perfekt.

Doch jetzt ist, wie bereits erwähnt, ALLES NEU und mit Hoiberg hat 'McBuckets' einen starken Befürworter im Rücken. Die frühe Vermutung des Autors ist, dass Dougie die Saison als Sixth Man beginnt und als Mittelpunkt der Bull’schen zweiten Einheit Feuer auf die Bänke der NBA regnen lassen wird. Doug ist bereit für eine Bounce-Back Season.


Good News
+ Die Bulls spielen im Osten. Es gibt also genug Zeit, um den Systemwechsel zu schaffen, ohne, dass die Playoffs in Gefahr geraten
+ ALLES NEU und doch nicht: Der letztjährige Kader ist intakt, außer dem neuen Trainerstab kommen keine weiteren, integrationsbedürftigen Menschen ins Team
+ Der neue Coach wird Mirotic auf seiner natürlichen Position spielen lassen, wo er seine Fähigkeiten am besten ausspielen kann. Darüber hinaus wird er als Vierer defensiv nicht so wehtun wie zu Zeiten Thibodeaus, als er auf dem Flügel ran musste

Bad News
- Trainer vom College-Level direkt auf die wichtigste Position zu setzen, ist derzeit zwar im Trend (Brad Stevens, Billy Donovan). Betrachtet man dies allerdings historisch, scheitern solche Experimente in acht von zehn Fällen...
- Nachdem die Defense unter Feldmarschall Thibodeau bereits eher in Richtung Mittelmaß tendierte, wird - ohne deutliche Steigerungen von Noah und Gibson - ein weiterer Absturz nicht zu verhindern sein
- Mike Dunleavy Jr. hat eine heftige Rücken-OP hinter sich und wird zwei bis vier Monate ausfallen. Dunleavy ist eine wichtige Ingredienz der Bulls. Vor allem, da sein Ausfall die unfertigen Tony Snell und Doug McDermott in Rollen bugsiert, für die sie nicht bereit sind. Chicago fehlen plötzlich Stellungsspiel, Spacing, solide Defense, Erfahrung und Toughness auf dem Flügel, und plötzlich fällt auf, dass dieses Weißbrot doch nicht ganz unwichtig ist. Nach solch einer Operation muss abgewartet werden, ob er zukünftig überhaupt wieder Basketballform erreichen kann. Wut und Entrüstung ob dieses (erneuten) Schicksalsschlages!

Was fehlt?
Wie bereits angesprochen, fehlt ein Spieler vom Kaliber ‚Starter‘ auf dem Flügel. Snell und McDermott haben bislang nicht beweisen können, dass sie mit solchen Fähigkeiten aufwarten können. Außerdem fehlt ein Plan im Frontcourt. Noah und auch Gasol sind in der modernen NBA Vollzeit-Center. Auch Gibsons Zahlen sind deutlich besser auf der Fünf (21,7 PER als Center vs. 15,5 PER als Power Forward). Damit ist Nikola Mirotic der einzige Power Forward für Hoibergs System, während Noah und Gasol Ambitionen haben, zu starten.

Blast from the Past


KGDCG
Kirk Hinrich … Fast drei Millionen US-Dollar? Der Typ ist immer noch in der Liga? Jo Kirk! Kirk Hinrich… Kirko… Kirky Boy… Captain Kirk… Backup-Kirk... Kirky McKirk… GTFO! Please.

LP-Rating


Wir sind dieses Jahr sehr gnädig mit den LP-Ratings. Wenn Annos Hawks und Daniels Rockets 4 von 5 Fernsehapparate bekommen, dann will ich die auch für die Bulls. Dreier werfen und so ein bisschen herum passen, das können wir auch. Sie werden schon sehen. Außerdem hat Chicago (noch) Jordan Crawford. Der beste Jordan in Chicago seit Menschengedenken. Der Spitzname dieses Mannes ist „Steezus“. Also bitte...

Eine Frage noch...
Kann irgendjemand Derrick Rose in Watte einpacken und nur herausholen, wenn es nötig ist? Erstes Training und er bricht sich das Gesicht. Was ist los mit dir, Jung?! Kann Joakim Noah wieder der Alte werden? Kann Hoiberg eine potente Defense stellen? Ist Jordan Crawford wirklich der Messias, der uns versprochen wurde? Dieses gesamte Team ist ein einziges, großes Fragezeichen.

Check 1,2
Ein weiteres Jahr verging und die Chicago Bulls blieben hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Und erneut gehen sie mit der Mentalität heran, dass sie genug haben, um zu gewinnen. Ich schreibe seit Jahren, dass sich das Championship Fenster schließt und schließt und schließt und allmählich muss man sich eingestehen, dass es zu ist. Der Kader ist nicht der schlechteste, das war er in den vergangenen Jahren nie. Doch einen kometenhaften Aufstieg eines Neu-Coaches wie in Golden State darf man nicht erwarten, denn in einem normalen Duell wird dieses Team nicht an Cleveland vorbei kommen. Auch 2015/16 kämpfen die Bulls gegen die Windmühlen. NIX NEU!

Chef-Orakel
53-29

Playoffs?