18 Oktober 2015

18. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von ANDRÉ NÜCKEL @andrenueckel

Flashback
53-29, NBA Finals (2-4 vs. Golden State)

Plus
Mo Williams
Richard Jefferson
Sasha Kaun

Minus
(Tristan Thompson)
Mike Miller
Brendan Haywood
Kendrick Perkins
Shawn Marion

Cap-Situation
100 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxussteuer

Stimmung so?


Was ist Neu?
Die Bank. Während in der letzten Saison lediglich Tristan Thompson, J.R. Smith und in den Playoffs Matthew Dellavedova neben der Starting Five auf sich aufmerksam machen konnten, ist Cleveland jetzt deutlich tiefer und qualitativ hochwertiger aufgestellt. Mit Anderson Varejao kehrt der Stamm-Center der letzten Jahre nach einer Verletzungspause zurück. 

Mo Williams, Richard Jefferson und Sasha Kaun sind sinnvolle Neuverpflichtungen und ein Upgrade im Vergleich zum Vorjahr. Darüber hinaus ist von Sophomore Joe Harris ein Leistungssprung zu erwarten. In seiner Rookie-Season kam er in 51 Partien zwar nur auf durchschnittlich 9,7 Minuten, wusste aber oft zu überzeugen. 

Beste Addition
Mo Williams ... allabendlichen 17,2 Zählern erzielte der Point Guard nahezu genauso viele Punkte wie die zweite Garde (23,8) der Cavs in der letzten Saison zusammen. Wenn Irving verletzt ausfiel oder Matthew Dellavedova auf dem Parkett stand, fehlte es oft an Kreativität oder an Guards, die für andere kreieren können.

Mit 6,0 Assists pro Spiel weiß der 32-jährige Williams auch, wie man seinen Nebenmann bedient. Es ist bereits sein zweites Engagement in Cleveland. Schon von 2008 bis 2011 führte er die Cavaliers an, spielte damals an der Seite von LeBron James in der Startformation. Dass Williams sofort einschlagen wird, steht daher (eigentlich) außer Frage.

The Planet
LeBron James ... Ob Ohio seine erste Meisterschaft in den Major-Sportarten seit über 50 Jahren feiern darf, steht und fällt einzig mit LeBron James. Der beste Basketballer unserer Zeit schulterte bereits in den letzten Playoffs seine Mannschaft und führte sie, auch völlig dezimiert, beinahe zum langersehnten ersten Ring der Franchise-Geschichte.

Der viermalige MVP ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens angekommen und seine Dynastie wird in den kommenden Jahren enden. Mit 30 Jahren will James endlich sein Vermächtnis verewigen – und das gelingt ihm wohl nur mit einem Ring für die Cavs am Finger.


Rising Star
Kyrie Irving ... Für viele gehört Kyrie Irving schon längst zur absoluten Elite. Seit der Ankunft beziehungsweise Rückkehr von James werden Irving und Kevin Love lediglich die Rollen der Edelhelfer zugewiesen. Zurecht? Keineswegs. 'Uncle Drew' überragte mit 21,7 Zählern, 5,7 Assists und seinem unwiderstehlichen Ballhandling. Die San Antonio Spurs (57 Punkte) und Portland Trail Blazers (55) ballerte er alleine aus der Halle. Eine Grenze für sein Potenzial scheint bisher nicht ermittelt zu sein, aber ein Widersacher macht ihm das Leben schwer: sein eigener Körper.

Der Nummer eins Pick von 2011 bestritt in seinen bisherigen vier Spielzeiten kein einziges Mal alle 82 Spiele, dieses Jahr sieht es ähnlich mies aus. Die gebrochene Kniescheibe aus Match eins der NBA-Finals verhindert wohlmöglich einen Einsatz vor Januar 2016. Immerhin hat Irving dank der Williams-Verpflichtung keinen Druck für eine übereilte Rückkehr. Er wird die nötige Zeit diesmal erhalten, um sich vollkommen auf die Heilung samt Regeneration zu fokussieren. Wie wichtig ein hundertprozentig gesunder Irving ist, haben nicht zuletzt die NBA Finals gezeigt.

Falling Fast
Tristan Thompson ... Apropos Wille und Einsatz. Obwohl Tristan Thompson sich in den vergangenen Playoffs durch jene Attribute in die Herzen eines jeden Cavs-Anhängers gehustlet hat, dreht sich seine Welt anscheinend nur um einen Vertrag in der Größenordnung, wie ihn Kevin Love bekommen hat. Kaum ein Tag vergeht ohne Wasserstandsmeldung, Woche für Woche scheint 'TT' mehr Geld zu verlangen.

Ob getrieben durch seinen Berater oder sein eigenes Ego, die Situation um Double-T trübt die sonst äußerst gut verlaufene Offseason der Cavs. Wenige Tage vor Beginn der Saison steht nur fest: Thompson und die Cavs sprechen nicht mehr miteinander. Eine Frage stellt sich auch in dem Fall, dass Thompson irgendwann unterschreibt und auch in der kommenden Saison für den Klub aus Northeast Ohio spielen wird: Wie geht das Team damit um, einen Spieler in seinen Reihen zu wissen, der das große Geld über das gemeinsame Ziel stellt? 

Don’t Sleep! 
Kevin Love ... Mit dem Trade für Kevin Love komplettierte GM David Griffin einst seine eigene Vorstellung der Big Three. Der dreifache All-Star blieb in seiner Premierensaison vieles schuldig. Seine Punkteausbeute stürzte von 26,1 auf 16,4 Zählern ab. Er schleppte sich oft lustlos, weil zu wenig beteiligt, übers Parkett. Schlechtes Spacing, schlechte Defense und groteske Quoten überwogen lange. Mit der Zeit taute der Power Forward aber auf und zeigte zum Ende der Saison seine überragenden Fähigkeiten. Ob im Low Post oder aus der Distanz, Love strahlte Gefahr aus.

Es brauchte seine Zeit, bis sich die Nummer 0 an seine neuen Kollegen gewöhnt hatte.  Den Großteil der Playoffs verpasste er zwar aufgrund einer ausgekugelten Schulter und gerissenen Muskeln, aber jetzt ist er wieder fit. Seine zuletzt gute Performance bescherte ihm einen Max-Deal über fünf Jahre und 110 Millionen Dollar. Nun ist es an der Zeit, jeden Penny mit Wille, Einsatz und Konstanz zurückzahlen. Cleveland braucht Love, aber Love braucht Cleveland genauso.


Good News
+ Die Bank ist endlich eine. Wenn alle fit sind, können Minuten besser verteilt und Kräfte geschont werden
+ Defense entdeckt! Während der regulären Saison galten die Cavaliers lange als Contender mit der miesesten Verteidigung. Die Playoffs und Finals haben etwas gänzlich Anderes gezeigt
+ Erfahrungswert, wie beschrieben, deutlich gestiegen. Wird helfen, knappe Spiele zu entscheiden. In einer erstarkten Eastern Conference nicht ganz unwichtig

Bad News
- Irving und Iman Shumpert werden die ersten Monate der Saison verpassen - ein großer Rückschlag für das Team in jeglicher Hinsicht 
- Cap-Situation. Okay, nächstes Jahr steigt die Gehaltsobergrenze enorm, aber während der Saison sind die Cavaliers in ihren Moves deutlich eingeschränkt
- Fragezeichen hinter der Defense: Nach der regulären Saison überzeugte die Verteidigung relativ oft, aber kann sie an diese Leistungen anknüpfen? Wie wichtig Tristan Thompson für das Team ist, vor allem defensiv, wird sich zeigen, wenn er nicht mehr da ist

Was fehlt?
What about Defense? Die Verteidigung muss man kritisch betrachten, denn sie war vor allem in der ersten Saisonhälfte absolut nicht ausreichend. In den Playoffs, überwiegend in den Finals, zeigten die Cavs zwar eine enorm verbesserte Verteidigung, nun gilt es aber, dies über eine Saison aufrecht zu erhalten. Gerade James, der in der Regular Season des Öfteren völlig lustlos in der eigenen Hälfte des Courts wirkte, muss beweisen, dass er weiterhin ein exzellenter Verteidiger ist. 

Der Ausfall von Iman Shumpert vergrößert die ohnehin schon vorhandenen Sorgen. Schafft es David Blatt ein Konzept zu etablieren, dass nicht nur über eine Serie, sondern auch über ein ganzes Jahr funktionieren kann? In der Eastern Conference mag eine schwache Defense vielleicht noch kompensierbar sein, aber spätestens im angestrebten NBA Finale müssen die Cavs elitär verteidigen.

Blast from the Past


KGDCG
Anderson Varejao  Mit einer gerissenen Achillessehne fiel die brasilianische Frohnatur nahezu die komplette Saison aus, kein ungewohntes Bild für den 33-Jährigen in den letzten Jahren. Mit Timofey Mozgov besitzen die Cavs zudem einen Center, der die defensiv erwünschten Fähigkeiten mitbringt, die Varejao oft vermissen lässt. Aufgrund der haarsträubenden Cap-Situation ist der Pivot mit knapp 10 Millionen Dollar Jahressalär ein wichtiger Tradechip. Wer braucht Mitteldistanzshooting und ein bisschen Reboundarbeit? Cleveland nicht.

LP-Rating


Die Cleveland Cavaliers stellen auch in der Spielzeit 2015/16 das stärkste Team der Eastern Conference. Alleine durch LeBron ist die TV-Quote bereits gesichert. Nach der Final-Pleite befinden sich die Cavs auf einer Mission, die sie mit offensivem und attraktivem Basketball erfüllen wollen. Minimaler Punktabzug für die vielen Isolations-Orgien. Dennoch: Nicht viele Teams können eine größere Talentdichte vorweisen.

Eine Frage noch...
Schafft es Coach David Blatt endlich sein bevorzugtes Spielsystem zu implementieren und größere Teile seiner bevorzugten Princeton-Offense laufen zu lassen? Schwierig, aber wahrscheinlich. In Europa feierte er Erfolg um Erfolg, musste aber schnell lernen, dass mit dem orangenen Spalding in Amerika anders umgegangen wird. Viel wird davon abhängen, wann Irving zurückkommt. Schafft Blatt es aber, Loves Stärken richtig einzubringen, ist das schon ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung.

Check 1,2
Mit einem fitten Roster ist der erste Ring zum Greifen nah. LeBron James wird alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um seiner Legacy den G.O.A.T.-Stempel aufzudrücken. Sein Gefolge ist deutlich verbessert sowie erfahrener. Love bläst zum Angriff und Strippenzieher Irving plant seine bisher größte Rückkehr aufs Schlachtfeld. Schafft es Blatt zudem noch, J.R. Smith unter Kontrolle zu halten und eine solide Defense zu etablieren, dann ist Cleveland mehr als nur 'all in'.

Chef-Orakel
57-25

Playoffs?