07 Oktober 2015

7. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von CLEMENS BOISSERÉE @bvboisseree

Flashback
50-32, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Houston)

Plus
Wesley Matthews
Zaza Pachulia
Deron Williams
John Jenkins
JaVale McGee
Justin Anderson
Samuel Dalembert

Minus
Al-Faroug Aminu
Rajon Rondo
Tyson Chandler
Monta Ellis
Bernard James
Richard Jefferson
Greg Smith
Amar’e Stoudemire

Cap-Situation
73 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Wieder einmal so ziemlich alles. Klar, mit Dirk im 18. Jahr ist die größte Konstante in Texas geblieben. Klar, mit Chandler Parsons steht ein zweiter Starter erneut bereit. Daneben und dahinter wurde aber so ziemlich alles umgeworfen, was umzuwerfen war, nachdem DeAndre Jordan erst zu- und dann wieder absagte.

Mit drei Jahren Verspätung hat Deron Williams seinen Otto unter einen Mavs-Vertrag gesetzt. Wie viel noch von dem Williams übrig ist, dem die Mavs 2012 noch einen Maximal-Vertrag angeboten haben, ist fraglich. Mit Wesley Matthews kommt ein ausgewiesener Scharfschütze aus Portland, diese Verpflichtung verspricht eine echte Verstärkung - wenn Matthews gesund wird. Auf Center haben GM Donnie Nelson und Besitzer Mark Cuban nach der Absage alles an Namen aufgenommen, was noch zu haben war und irgendwann mal unter dem Korb ein wenig Potenzial zeigte.

Beste Addition
DeAndre Jordan Wesley Matthews: Statt einem der besten Center der Liga unter dem Korb, steht den Mavs nun einer der heißesten Schützen der Association zur Verfügung. 38,9 Prozent bei mehr als sieben Versuchen pro Partie vom Perimeter – damit war die vergangene Saison noch eine der schwächeren in Matthews sechs Ligajahren. Er bringt Firepower und ist obendrein ein ausgezeichneter Verteidiger, der es mit seinen 100 Kilogramm auf 1,96 Meter Körpergröße von Position Eins bis Drei mit jedem aufnehmen kann. Nur zehn Spieler in der NBA lieferten vergangene Saison ein True Shooting von über 58 Prozent (Matthews: 58.6 %) und ließen gleichzeitig im Defense Rating weniger als 100 Punkte (Matthews: 99.4) zu – in dieser Reihe neben Dwight Howard, Kevin Durant oder Stephen Curry: Wesley Matthews.

So sich der 28-Jährige von seinem Achillessehnenriss erholt, wird er der beste Verteidiger der Mavs und gleichzeitig eine zuverlässige Scoring-Option neben Dirk und Parsons. Neben der Verletzung, die er sich im März zuzog, bleibt ein zweites großes Aber: Matthews ist seit dem geplatzten Jordan-Deal der bestbezahlte Maverick und kassiert nächste Saison 16,4 Millionen Dollar. Mehr als Parsons, fast doppelt so viel wie Dirk. Das muss Matthews – sobald er wieder auf dem Court steht – erstmal zurückzahlen (können).

The Planet
Chandler Parsons: Der Junge aus dem Sunshine State verließ einst Houston, um einige Meilen weiter nördlich zum Star zu werden. Nun gut, Chandler Parsons, 2015/2016 ist deine Zeit, deine Chance. Kein Rondo, der keine Spielzüge für dich läuft. Kein Monta Ellis, der den Ballbesitz und die Scoring-Option #1 für sich gepachtet hat – nur du und hoffentlich keine weiteren Verletzungsprobleme bzw. ein schnelles Comeback nach der Knie-Op in der Sommerpause.

Mit seinen 26-Jahren ist der 2,06 Meter Mann jetzt gefragt, ein strauchelndes Mavs-Team anzuführen. Das Potenzial bringt er bekanntlich mit. Ordentlich Zug zum Korb (fast sechs Versuche pro Spiel direkt am Ring), ein sanftes Händchen von überall auf dem Feld (38 Prozent Dreier), solides Rebounding (4,9 pro Spiel), solide Turnover-Ratio – das alles und noch ein bisschen mehr brauchen die Wildpferde in der kommenden Saison von Chandler Parsons, soll ihre Saison nicht schon Mitte April vorbei sein.


Rising Star
Chandler Parsons ... Jep, auch das ist Parsons - der aufstrebende Anführer der Mavericks 2K16. Mit 26 Jahren ist Parsons der jüngste Leistungsträger im Mavs-Team. Dahinter kommen altersmäßig mit Rookie Jamil Wilson und 8,1-Minuten-Forward Dwight Powell (beide 24) zwei Spieler, die bislang nicht einmal bewiesen haben, dass sie NBA-Niveau haben.

Spieler wie Charlie Villanueva, Zaza Pachulia und Devin Harris bieten weder Star-Potenzial, noch sind die Ü30-Jährigen 'on the rise'. So ist es, wie oben bereits beschrieben, einzig Parsons, der die Mavericks jetzt und wohl auch in Zukunft anführen soll. Ob er dieser Rolle wirklich gerecht werden kann, steht auf einem anderen Zettel.

Falling Fast
Deron Williams ... Noch tiefer als eh schon? Aus dem ehemaligen Abo-All-Star ist ein durchschnittlicher, gealterter und von Verletzungen geplagter Aufbauspieler geworden, der es zuletzt in den Playoffs nur noch auf 11,8 Punkte bei 39 Prozent aus dem Feld und 5,5 Assists in 32 Minuten brachte. Durchschnitt. Mittelmaß – und nicht das, was sich die Mavericks von Williams erhoffen. Doch seien wir ehrlich: glaubt irgendjemand wirklich, dass seine Schnelligkeit mit 31 Jahren und nach all den Verletzungen noch einmal zurückkommt? Dass er defensiv und offensiv das Spiel bestimmen kann? Dass er eine Mannschaft anführt?

Die Fakten sprechen dagegen. Seine Produktivität geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Gleiches gilt für die Spielanteile. In den vergangenen zwei Saisons konnte er nicht einmal 60 Spiele auf dem Feld stehen. Nie traf er seinen Sprungwurf schlechter als vergangene Saison (38 Prozent aus dem Feld). Mit JJ Barea, Raymond Felton und Devin Harris stehen den Mavs erfahrene, solide Alternativen zur Verfügung, sollte das Experiment Williams scheitern.

Don’t Sleep! 
John Jenkins ... Er ist, neben Rookie Justin Anderson, der einzige Youngster im Mavs-Kader, der wirkliches Überraschungspotenzial bietet. Mit 24 Jahren schaffte es der Guard vergangene Saison zum Backup für Kyle Korver bei den Hawks und erzielte in 12,4 Minuten knappe sechs Punkte bei 40 Prozent von der Dreierlinie. In seinem vierten NBA-Jahr soll er nun Harris und Matthews Feuer machen. Gerade zu Saisonbeginn, wenn Matthews und Parsons ausfallen, wird Jenkins deutliche Spielanteile bekommen. Nutzt er die, winkt ihm in Dallas zum ersten Mal in seiner NBA-Karriere konstante Spielzeit.


Good News
+ Nicht allzu viele. Vielleicht, dass Dirk Nowitzkis Ausflug mit der Nationalmannschaft schneller beendet war als geplant und der 37-Jährige so doch noch einige Wochen Pause hatte, bevor er ins 18. NBA-Jahr startet

+ Vielleicht auch, dass sich gerade die kleinen Positionen vom Namen her recht hochkarätig lesen und der von Coach Carlisle anvisierte Small Ball damit durchaus Potenzial hat.
+ Kann Williams wider Erwarten sein altes Können anzapfen, haben die Mavs mit dem 5,4 Mio. $ Deal für D-Will einen echten Steal gelandet.



Bad News
- Verletzungsprobleme. Parsons ist nach seiner Knie-OP in der Sommerpause noch nicht wieder dabei, Matthews steckt nach seinem Achillessehnenriss vom März noch mitten in der Reha und wird den Saisonauftakt verpassen. "Sie sind auf einem guten Weg, aber es gibt keinen Grund, zu hetzen. Wir wussten, dass unsere Veteranen in der Preseason nicht so zum Einsatz kommen werden", erklärte Cuban den Dallas Morning News und will damit sagen: Think Positiv, buy Season Tickets!
- Den Mavs fehlt Qualität auf den großen Positionen. Pachulia, Dalembert, McGee... Die Center-Rotation liest sich wie ein Rückblick auf die 00er NBA-Jahre
- "Gut dass die Mavs kein hartes Auftaktprogramm haben"... Ironie aus. Mitte November wartet ein fünftages-Programm mit Spielen gegen die beiden LA-Team, in New Orleans und Houston. Ende November geht es dann nach OKC, Memphis und San Antonio, gegen die beiden letztgenannten gibt es obendrein ein Back-to-Back. Viele Niederlagen zum Auftakt sind da vorprogrammiert.

Was fehlt?
Eingespieltheit, Tiefe, Fitness, Qualität, Perspektive... eine Menge also. Der jüngste Leistungsträger der Rotation ist 24 Jahre alt, der jüngste mit Star-Potenzial 26. Der Großteil des Kaders hat die 30 längst überschritten und wird dennoch im unbarmherzigen 82-Spiele-Plan der NBA auch 2015/2016 wieder viele Minuten abreißen müssen.

Das trifft vor allem auf Nowitzki zu, dessen Backups Villanueva und Powell heißen. Auf Center ist zu hoffen, dass Pachulia auch in seiner 13. Saison die grundsoliden Leistungen liefert, die er für die Bucks und Hawks zeigte. Hinter ihm warten nämlich in Dalembert und Shaqtin a fool-Dauergast McGee nur bedingt abwehrbereite Ergänzungen. Auch auf Point Guard zählen die Mavs zu den qualitativ schwächsten Teams der NBA.

Blast from the Past


KGDCG (via @nbachefkoch)
Deron Williams ... Das Gamble der Mavs ist nicht allzu groß: ein 11 Mio. $ Deal über zwei Jahre (mit Spieleroption im zweiten) ist ein de facto Midlevel-Signing. Wenn Dallas glaubt, dass Williams vom eigenen Doktoren- und Physio-Stab, immerhin einer der besten der Liga, wieder auf Vordermann gebracht werden kann, ist das ein gutes Investment. Zumal D-Will auch in Brooklyn Leistung gebracht hat, wenn er fit war.

Hat jemand Brooklyn gesagt? Von dort kommt ein Großteil der Kohle, die Williams in den nächsten Jahren noch verdienen wird. Knapp 30 Millionen müssen die Nets ihrem ex-Heilsbringer noch überweisen, die Differenz zwischen Dallas' knapp elf und dem Restbetrag des 2012 abgeschlossenen 99 Mio. $ Max-Deals mit dem ehemaligen All-NBA-Guard. Brooklyn einigte sich mit Williams auf den Buyout und dehnt das verbliebene Salär mittels 'Stretch Provision' bis 2020 aus. Williams ist das egal - der Mann will schließlich nur seine Kohle.

LP-Rating


Monta Ellis verhieß Schnelligkeit, Action, Spaß und Spannung. Tyson Chandler verhieß Dunkings, Blocks, Emotionen. Beide sind weg. Stattdessen dürfte es künftig deutlich unspektakulärer und langsamer zugehen, wenn die Mavericks im Ballbesitz sind. Weder Parsons noch Matthews versprechen die große Action, Dirk und Pachulia sowieso nicht. Mavs-Spiele im nationalen TV werden eine Seltenheit sein, das Aufstehen für deutsche Fans lohnt sich eigentlich nur ob des Gedankens, dass es eventuell die letzte Saison mit Dirk Nowitzki auf einem NBA-Parkett sein könnte.

Eine Frage noch...
Könnte Cuban nicht während der Saison noch Verstärkung an Bord ziehen, die Mavs damit doch noch zum Contender machen? Prognose: Nein, dieses Mal nicht. Mit Rondo konnte er 2014/15 einen vermeintlichen Coup landen, der sich anschließend als Reinfall offenbarte. Rondo zu bekommen war aber auch vergleichbar einfach. Bei allzu vielen Teams stand der Spielmacher mit der Wackelhand nicht mehr auf der Liste, Boston wollte ihn endlich loswerden – und Cuban endlich mal genügend anbieten. Das sieht 2k16 anders aus. Kein Spieler im überalterten Mavs-Kader weckt Begehrlichkeiten, außerdem ist der Markt leer. Auslaufende bzw. erhältliche Star-Verträge sind aktuell Mangelware.

Check 1,2
Cuban hat wieder einmal versucht, aus einer Pleite auf dem Free Agent Markt das Beste herauszuholen. Schaut man sich den Kader und den verbliebenen Markt nach Jordans Absage an, ist ihm das sogar gelungen. Williams, Matthews, Parsons, Nowitzki, Pachulia, dazu einige Veteranen und die Hoffnung auf einen der Youngster als echte Verstärkung – das könnte dank Trainerass Rick Carlisle im Idealfall wieder für die unteren Playoff-Ränge reichen... und danach ein schnelles Erstrunden-Aus gegen die Spurs, Clippers, Warriors, Thunder, Rockets oder Grizzlies.

Wow, allein diese Aufzählung macht deutlich wie aussichtslos Dallas gegen diese Konkurrenz im Kampf um die Meisterschaft ist. Alles außer dem Titel ist aber eigentlich nicht Cubans Anspruch. Das ist nicht texanisch. Das ist zu wenig für Big D. Deshalb wird es eine enttäuschende Saison – und damit eventuell ein mieser Abgang für den langen Blonden, der nach der Saison aus seinem Vertrag aussteigen und seine glorreiche Karriere beenden könnte.

Chef-Orakel
39-43

Playoffs?