03 Oktober 2015

3. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Flashback
30-52, Keine Playoffs

Plus
Mike Malone (HC)
Emmanuel Mudiay
Mike Miller
Nick Johnson
Nikola Jokic

Minus
Ty Lawson
Jamaal Franklin
Ian Clark

Cap-Situation
71 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Der Head Coach, allen voran. Und mit ihm natürlich Philosophie und Spielsystem. Wie sehr sich der neue Nuggets-Style von dem der goldenen Ära unterscheiden wird… niemand weiß es. Solange er aber radikal anders ist als der des ungeliebten/inkompetenten Vorgängers Brian Shaw, sind die Nuggets bereits an einem besseren Ort.

Ty Lawson, immerhin drittbester Passgeber der NBA und prädestiniert als Motor eines Uptempo-Teams, ist in Houston. Von dort kam im Gegenzug ein Bankdrücker-Quartett, von dem bis auf Nick Johnson nichts übrig blieb. Rookie Emmanuel Mudiay soll als neuer Hoffnungsträger die Franchise aus dem tiefen Morast ziehen, in den es Teambesitzer Stan Kroenke manövriert hat. Viel Glück, Frischling!

Beste Addition
Emmanuel Mudiay ... Der Teenager, der nie auf dem College spielte und dennoch an Nummer sieben gedraftet wurde, ersetzt den abgewanderten Ty Lawson auf der Eins und wird soviel Spielzeit sehen, wie er vertragen kann. Auch wenn es Point Guards in der NBA am schwersten haben, sich geschmeidig zu assimilieren - Malone weiss nur allzu gut, dass sein Spielmacher eines der wenigen echten Talente im Kader ist.

Er wird ihn also emsig Minuten füttern. Veteran Jameer Nelson ist zur Stelle, um dem Youngster unter die Arme zu greifen, wenn es sein muss. Mudiay wird den Ball häufig in seinen Händen halten, viel Spielanteile sehen und vom ersten Tag an einer der Top-Kandidaten auf den Rookie des Jahres Award sein.

The Planet
Danilo Gallinari ... Seit 2011 ist ‘Gallo’ mittlerweile in der Mile High City, und damit nicht nur der dienstälteste Nugget, sondern der Fixstern in dieser schwachen Mannschaft. Der Italiener bewies in der zweiten Saisonhälfte 2014/15, dass er trotz langer Verletzungspause nicht vergessen hat, wo der Korb hängt (18.6 PPG nach dem All-Star Break).

Seine beste Form seit Jahren nahm er mit in den Sommer zur EuroBasket, wo er Abend für Abend ablieferte und sich in meinen Turnierkader spielte. Der 27-Jährige bleibt der mit Abstand gefährlichste Angreifer und Playmaker hier. Einziges Warnblinklicht, wie immer bei ihm: Gallinari ist in seiner gesamten Karriere, also seit 2008, noch nie über eine volle Saisondistanz rund gelaufen.


Rising Star
Jusuf Nurkic ... Es kommt nicht oft vor, dass ein Ausländer in die NBA kommt und die Liga gleich in seiner ersten Saison aufmischt. Nicht falsch verstehen: Jusuf Nurkic dominierte weder, noch legte er den Grundstein für eine große Hall of Fame Karriere. Für jemanden, der die Spielzeit als dritter Center begann, hinterließ er aber bleibenden Eindruck.

Denvers Defensive, allgemein durchlässiger als ein kaputter Sieb, war mehr als fünf Punkte pro 100 Besitze besser, wenn der bosnische Bär die Zonen patrouillierte. Er zeigte keine Angst von großen Namen, ein gutes Händchen beim Abschluss und genug Festigkeit, um Mozgov und McGee entbehrlich zu machen. Wenn er jetzt noch lernt, nicht bei jeder zweiten Aktion ein Foul zu kassieren…

Falling Fast
Kenneth Faried ... Nach der Goldmedaille mit dem Team USA, frisch ausgestattet mit einem neuen Monstervertrag, erwartete die Basketballwelt große Dinge von ‘The Manimal’ - und wartete, und wartete… Faried lieferte sich eine monatelange Fehde mit ex-Coach Brian Shaw, verlor die Lust am Basketball, zeigte die schwächste Saison seiner Karriere. Das ist bedenklich bei einem, der erst Mitte 20 ist.

Seine „Stocks” gingen zurück, sein eigentlich so gefürchtetes Hustle-Game litt gewaltig. Ohne dieses Element ist sein Spiel blass: Faried hat keinen Sprungwurf, ist obendrein einer der schwächsten Post-Bigs der NBA. Defensiv ist der Energizer kaum tragbar. Sollte er unter Malone nicht mindestens zwei Level zulegen, sind seine Tage als Nugget gezählt.

Don’t Sleep! 
Joffrey Lauvergne ... Hier hätte genauso gut Nikola Jokic stehen können, der für einen Big Man extrem lang und wurfstark ist. Der Zuschlag geht aber an Lauvergne - auch weil wir nicht wissen, wie effektiv der langsame Jokic in der NBA sein wird. Für Lauvergne hingegen ist das athletische Spiel in den USA ein Klacks. Er ist einer der emsigsten und fittesten Spieler der Liga.

Seine starken Leistungen in der Summer League und bei der EuroBasket haben ihn in Malones Hackordnung schnell weit nach oben katapultiert. Zurecht. Mit seiner endlosen Energie, dem immer verlässlicheren Wurf bis hinaus zur Dreier-Linie und einem beispielhaften Team-first-Mentalität ist Lauvergne genau die Sorte Profi, die sich auf Dauer durchsetzen wird.


Good News
+ Mudiay bringt alles mit, um eines Tages der unangefochtene Franchise-Spieler zu werden: er ist athletisch, furchtlos und hat die richtige Einstellung
+ Gallinari ist in der besten Verfassung seiner Karriere. Es wird Spaß machen, ihn als Anführer dieser Mannschaft zu beobachten… wenn er endlich mal gesund bleibt (wird er nicht!)
+ Die reguläre Saison 2015/16 ist in weniger als sechs Monaten schon wieder vorbei. Denver braucht ein paar intravenöse Talentinfusionen. Die gibt’s bekanntlich im Draft.

Bad News
- Die Verteidigung ist katastrophal. Selbst ein Defense-first Coach wie Malone wird mit diesem Hühnerhaufen nichts ausrichten können
- Talentlevel: meh! Hier sind fast nur NBA-Reservisten am Start. Bis auf Mudiay, Nurkic und Lauvergne steht kein vielversprechender Spieler im Kader, der 25 oder jünger ist… schlechte Voraussetzungen für einen schnellen Rebuild
- Die Besitzer/Manager-Achse ist die schlechteste der Liga. Die Art, wie der unnötig frugale Kroenke heute die Franchise verwaltet, macht eine Rückkehr zu alter Glorie unmöglich

Was fehlt?
Viel. Hauptsächlich eine Führungsetage, die Ahnung hat. Die Nuggets galten mal als Vorbild für Teams in kleinen Märkten. Die Entwicklungen der letzten Jahre, die Überschreibung der Geschäfte von WalMart-Erbe Kroenke Senior zum Junior, das Karl/Ujiri Debakel, der Shaw-SuperGAU, der unerfahren-naive GM Connelly… all das unterstreicht, was eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse der Liga ist: Denver wird solange nicht respektabel sein, solange der Fisch weiterhin vom Kopf stinkt.

Blast from the Past


KGDCG
J.J. Hickson ... Erinnert sich noch jemand an die Zeit, als J.J. Hickson eine effiziente Double-Double Maschine war? Wir uns auch nicht. Verletzungen haben den Bulldozer seiner Effektivität beraubt. Heute schadet er seiner Mannschaft mit seiner Affinität für schlecht getimte Mitteldistanzwürfe und Matador-Defense. Zu allem Überfluss nimmt er den Youngstern Spiel- und Entwicklungszeit weg. Knapp sechs Millionen $ pro Jahr kann man smarter investieren.

LP-Rating


Diese Team ist nicht besonders talentiert, wird obendrein mies verteidigen und fundamental schlechten Basketball spielen. Aber es hat ein paar Gunner in der Lineup, einen aggressiven Rookie Point Guard an den Kontrollknöpfen und „Speed” in seine Franchise-DNA eintätowiert. Je mehr diese Nuggets an ihre wilden ABA-Vorgänger heran kommen, desto mehr werde ich geneigt sein, einzuschalten. Niemand kann sagen, dass 125-119 Spiele nicht kurzweilig sind.

Eine Frage noch...
In welche Richtung soll es gehen? Wenn der Fokus tatsächlich auf der Zukunft liegt, müssen die Youngster ohne Rücksicht auf Verluste gefeatured werden. Jeder Akteur, der in den Plänen der Franchise nicht vorkommt, muss aggressiv geshoppt werden. Selbst ein Faried – der ja durchaus seine Nische in der NBA hat – sollte rechtzeitig getradet werden, auch wenn das Gegenpaket nicht perfekt passt. Das Lawson-Fiasko muss diesem Klub eine Lehre gewesen sein.

Check 1,2
Die Nuggets haben zuletzt 36 und 30 Partien gewonnen. Der beste Spieler jener Teams ist weg, der neue Coach eher Halbfeld-affin, der go-to Spieler verletzungsanfällig, der Point Guard ein Rookie, die Ersatzbank die schwächste im Westen. Je nachdem, wie sich die Dinge in Punkto Rotation, Ausfälle und Trades entwickeln, droht diese Mannschaft sogar komplett abzustürzen und auf dem letzen Platz in der Conference zu landen. Auch wenn wir nicht vom schlimmsten aller Fälle ausgehen: manchmal muss es richtig mies werden, bevor es wirklich besser werden kann.

Chef-Orakel
28-54

Playoffs?