12 Oktober 2015

11. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von CLEMENS BOISSERÉE @bvboisseree

Flashback
32-50, Keine Playoffs

Plus
Stanley Johnson
Reggie Bullock
Aron Baynes
Ersan Ilyasova
Marcus Morris
Steve Blake
Danny Granger
Darrun Hilliard
Adonis Thomas


Minus
Greg Monroe
Tayshaun Prince
Caron Butler
John Lucas III
Quincy Miller
Shawne Williams

Cap-Situation
78 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Nach Josh Smith wurde Detroit mit Greg Monroe auch das zweite störende Teilchen im Getriebe los, ansonsten konnten alle echten Leistungsträger gehalten und der Kader teils sinnvoll, teils sogar günstig und sinnvoll ergänzt werden. Ersan Ilyasova und Marcus Morris heißen die neuen Starter im Frontcourt, Danny Granger, Steve Blake und Aron Baynes bringen langjährige Veteranen-Erfahrung für die Bank.

Reggie Jackson wurde langfristig und für viel Geld gebunden, was ihn aber im Umkehrschluss zum uneingeschränkten Starter auf der Point Guard Position macht. Lottery-Rookie Stanley Johnson verblüffte mit einer beeindruckenden Summer League und drängt schon vor dem ersten Spieltag der regulären Saison in die Startformation. Insgesamt hat Manager/Coach van Gundy vor seinem zweiten Rundgang mit diesem Team seine Rotation stark verändert.

Beste Addition
Stanley Johnson ... Johnson zu draften wurde von vielen Experten harsch kritisiert. ESPN rankte ihn im jährlichen Vergleich aller NBA-Akteure nur auf Platz 206 – Platz neun unter allen Rookies und Pistons-intern Platz acht, noch hinter Meeks und Morris. In der Summer League, aber vor allem in den aussagekräftigeren Pre-Season-Games, zeigt sich dagegen ein aggressiver, talentierter, abgeklärter Johnson. Der junge Flügel scheint bereit, seinen großen Worten ("Bin der beste Spieler des Jahrgangs") Taten folgen zu lassen und sich im Eiltempo zu einem Fixpunkt in diesem Team zu entwickeln.

Den wenig beeindruckenden Marcus Morris dürfte das aggressive 115-Kilo-Paket spätestens um die All-Star Pause herum aus der ersten Fünf verdrängt haben. Nicht vergessen: 'GM van Gundy' persönlich setzte sich über die allgemeine Meinung im Draft-Vorfeld hinweg, draftete den Verteidigungsspezialisten und wird ihn als 'Coach van Gundy' in die Startformation hieven (müssen), sobald "The Stanimal" ihm keine andere Wahl mehr lässt. Dieser Zeitpunkt könnte viel früher kommen, als viele das für möglich hielten.

The Planet
Andre Drummond ... Diese Pistons sind Drummonds Teams. Er zählt zu den wenigen echten Centern der Liga. Das heißt: harte Defense, hartes Rebounding, harte Dunks. Knapp ein Drittel seiner Abschlüsse sucht Drummond per Druckkorbleger, nur DeAndre Jordan reboundete vergangene Saison besser. Mit Drummond auf der Bank ist Detroit in nahezu allen vergleichbaren Kategorien schlechter.

Der nächste Schritt für ihn: sich um die Weiterentwicklung seines Offensiv-Arsenals kümmern.
Genau fünf (!) Würfe feuerte Drummond letzte Saison aus mehr als drei Metern Ring-Entfernung ab, nur 41 seiner 961 Korbversuche fielen in die Kategorie „Mid-Range“. Auch wenn er ein Ringkämpfer und einer der wenigen klassischen Bigs ist: Drummond muss Verbesserungen zeigen, will er tatsächlich seiner eingeplanten Rolle als Franchise-Anker und Dauer-Allstar gerecht werden.


Rising Star
Kentavious Caldwell-Pope ... Mit gerade einmal 22 Jahren geht Caldwell-Pope in sein drittes NBA-Jahr. Er bringt Schnelligkeit, Energie und Unerschrockenheit ins Spiel. Er sucht bisweilen noch zu häufig wilde Abschlüsse und wird häufig geblockt, aber er sorgt eben auch für spektakuläre Action, für die die Leute nach Auburn Hills raus fahren. Am Ring traf Caldwell-Pope 55,7 Prozent seiner Abschlüsse – sein Bestwert, der einen großen Teil zu den durchschnittlich 12,7 punkten in 31 Spielminuten beitrug.

Verbesserungspotenzial bleibt reichlich. Defensiv muss er es besser schaffen, seinen Mann am Zug zum Korb und beim Wurf aus dem Feld zu hindern. Über 70 Prozent treffen Caldwell-Popes Gegenspieler in Ringnähe, über 50 Prozent aus dem Feld. Auch im Angriff hat KCP Luft nach oben, egal ob beim Ball-Handling, beim Auge für den freien Mitspieler (nur 1,9 Assists), der Wurfauswahl oder dem Wurf selbst. Gerade mal 34,5 Prozent seiner Dreier fanden vergangene Saison ihr Ziel – zu wenig für einen Shooting Guard, zu wenig vor allem für ein Team, das einen echten Big Man unter dem Korb besitzt, der entsprechend Raum für seine Flügelspieler schafft.

Falling Fast
Brandon Jennings ... Bis zum Januar war Brandon Jennings das Spielmacher-Gesicht der Detroit Pistons. Der 26-Jährige spielte unerwartet uneigennützig und traf so effizient wie nie aus dem Feld. Dann kam besagter Samstag, ein Heimspiel gegen die Milwaukee Bucks – und mit Jennings Achillessehne riss auch der dünne Faden Playoff-Hoffnung in der Motor City.

Rund drei Wochen später tradeten die Pistons für Reggie Jackson, der explodierte fortan an Stelle Jennings'. Das ewige Talent, dass in Detroit spät vielleicht doch noch zum Allstar hätte reifen können, war wieder mal aufs Abstellgleis geraten – und wir dort wohl auch solange bleiben, so lange Jackson gesund und/oder die Pistons keinen Trade-Partner für Jennings finden.

Don’t Sleep! 
Jodie Meeks ... Ein Sleeper im Alter von 28 Jahren und mit sechs Jahren NBA-Erfahrung, wirklich jetzt? Ja, wirklich jetzt. Jodie Meeks bringt alles mit, um der Glue Guy der Pistons zu sein. Mit seinem Wechsel nach L.A. 2012 startete der Zweitrunden-Pick von 2009 einen gewaltigen Sprung: vom unterdurchschnittlichen Rollenspieler zum ernstzunehmenden Shooter.

15,7 Punkte bei 40,7 Prozent Treffquote legte er 2013/2014 für die Lakers auf, vergangene Saison für die Pistons waren es in deutlich weniger Spielzeit (24 statt 33 Minuten) immer noch 11,1 Punkte bei 35 Prozent von Außen. Kann Meeks seinen Schuss wieder auf „altes“ Lakers-Niveau steigern, stellt er für die zweite Pistons-Garde die wichtigste Scoring-Option dar.


Good News
+ Drummond ist einer der besten Big Men der Liga - ein physisches Ausnahmetalent und endlich auch alleiniger Fokus der Pistons im Interieur
+ Stan van Gundy hat den Kader nach und nach gemäß seinen Vorstellungen umgebaut und auf seine intendierte Spielweise zugeschnitten. Die neue Rotation erinnert stark an SVGs Final-Team in Orlando
+ Die Vorbereitung überstanden alle Pistons bislang nahezu verletzungsfrei. Auch Reggie Jackson ist pünktlich zu Saisonbeginn wieder fit und feierte im zweiten Vorbereitungsspiel sein Comeback, nachdem eine schmerzende Achillessehne ihn für einige Wochen außer Gefecht gesetzt hatte.

Bad News
- Die gigantische Vertragsverlängerung für Jackson war unnötig. Jackson war Restricted Free-Agent, die Pistons hätten mit jemand Angebot gleichziehen können – und kaum eine andere Franchise hätte Jackson 80 Millionen für fünf Jahre gezahlt. Der Deal schmälert die Handlungsfähigkeit der Pistons unnötig
- Brandon Jennings’ Reha verzögerte sich. Der Trade-Kandidat kann nach seinem Achillessehnenriss vom Januar immer noch nicht trainieren und ist damit auch für den Markt und potenzielle Trade-Interessenten nicht von Interesse
- Marcus Morris war über die Trennung von seinem Zwillingsbruder Markieff in Phoenix alles andere als begeistert und legte sich anschließend auch via Twitter mit der Suns-Fangemeinde an. Schon am 6. November darf er sich in Phoenix den Konsequenzen stellen

Was fehlt?
Ein wenig Tiefe und mehr Glück beim Thema Verletzungen. Ein echtes Loch klafft hinter Ersan Ilyasova auf der Vier - es sei denn, Anthony Tolliver kann an seine soliden Auftritte aus der zweiten Saisonhälfte 2014/15 anknüpfen. Wenn nicht, sind die Pistons hinter dem verletzungsanfälligen Ilyasova nämlich ziemlich nackig. Die erste Alternative wäre dann wohl Baynes, was wiederum zu Problemen auf Center führt – kurzum: Verstärkung unter dem Korb wäre gut.

Verletzungsproblematik und Ilyasova gehen Hand in Hand. In vier von sieben NBA-Jahren fehlte der Türke mindestens 15 Mal, zuletzt 24 und davor sogar 27 Partien. In der jüngsten Vergangenheit fielen den Pistons regelmäßig Leistungsträger langzeitig aus. Unpassenderweise immer dann, wenn es gerade mal gut lief. Brandon Jennings’ Achillessehnenriss vom Januar 2015 lässt grüßen.

Blast from the Past


KGDCG (via @nbachefkoch)
Josh Smith ... Unfähig, einen geeigneten Abnehmer für Smith zu finden, sortierte van Gundy seinen Forward letzten Dezember einfach aus und schluckte die ausstehenden 27 Millionen Dollar Gehalt, die er ihm in den letzen beiden Jahren seines bis 2017 gültigen Vertrags noch hätte bezahlen müssen. Van Gundy nutzte die "Stretch Provision", um den Cap Hit zu mindern. Smiths Restgehalt wurde auf die nächsten fünf Jahre verteilt, und obwohl er nach wie vor gegen das Salary Cap der Pistons zählt, sind jeweils 5,4 Mio. $ bis 2020 leichter abzufedern als 14 Mio. $ jährlich.

Smith war die letzte völlig verfehlte Free Agent Akquisition des ex-Managers Joe Dumars, der letztes Frühjahr von van Gundy abgelöst wurde. Mittlerweile spielt "Smoove" bekanntlich bei den L.A. Clippers, heuerte dort überraschend zum Veteranen-Minimum an. Wer sich im Sommer gefragt hat, wieso der immer noch produktive 29-Jährige auf viel Geld verzichtete... hier ist die Antwort: Er keeps getting dem Checks von die Pistons.

LP-Rating


Pistons-Spiele hatten in den vergangenen Jahren etwas von einer QVC-Dauerwerbesendung: Von miesen Moderatoren (GMs) spektakulär angepriesene Produkte (Spieler), die am Ende langweilig, von minderer Qualität und deshalb ihr Geld nicht wert waren.  Das wird künftig anders aussehen. Pistons-Spiele versprechen mindestens mal solide Spannung auf NCIS-Niveau. Das ist zwar noch nicht Homeland oder Breaking Bad, aber immerhin. Für die besonderen Auftritte gibt es Stars (Drummond) und solche die es werden wollen (Jackson, Caldwell-Pope und Johnson), sowie an ihrer Seite einige sehenswerte Nebenprotagonisten. Einschalten lohnt sich... (mehr als früher)...

Eine Frage noch...
Was passiert denn nun mit Brandon Jennings? Sein Verbleib in Motown ist unwahrscheinlich, ja geradezu ausgeschlossen. Spätestens, wenn sich der 26-Jährige von seinem Achillessehnenriss erholt hat – Mitte Oktober soll er wieder ins Training einsteigen – wird van Gundy die Drähte glühen lassen. Ein auslaufender 8,3 Mio. $ Deal bietet durchaus Potenzial, um zum Beispiel Ilyasova einen besseren Backup-Vierer an die Seite zu traden.

Markieff Morris, der Zwillingsbruder von Marcus, ist bereits im Gespräch. Die Brüder machten nach Marcus’ Trade nie einen Hehl aus ihrer Absicht, schon bald wieder vereint auf dem Feld zu stehen. Jennings wiederum würde gut zur schnellen Spielweise der Suns passen. Der Status quo lautet: Jennings bei den Pistons, Jennings im Aufbautraining, Jennings maximal noch zweite Wahl in Auburn Hills. Gegenwart und Zukunft auf der Eins hören auf den Namen Reggie Jackson.

Check 1,2
Detroit kann 2015/16 auf die Playoff-Bühne zurückkehren. Also, wenn nicht wirklich alles schief läuft, was in so einer NBA-Saison schief gehen kann, beispielsweise ein Malice at the Palace Part 2. Ansonsten dürfen alle Anhänger nach Jahren der Einreiß- und Wiederaufbauprozesse endlich wieder mit ordentlicher Vorfreude in eine Saison gehen. Der Kader hat alles, was ein Playoff-Team im Osten braucht: einen jungen Star, ordentlich Talent, brauchbare Tiefe, Erfahrung und gutes Coaching.

Die Starting-Five klingt definitiv nicht nach einem weiteren Jahr im Ost-Keller. Fügen sich die Neuen gut ein, darf sogar von einer positiven Bilanz geträumt werden – es wäre die erste für Detroit seit 2007/08. Außerdem ist mit einem möglichen Jennings-Deal sogar noch Luft nach oben. Stan van Gundy hat seit seiner Amtsübernahme durchaus bewiesen, dass er der richtige Mann am richtigen Ort ist. Zeit für Deeeeeetroit Baaaaaaasketbaaaaall!

Chef-Orakel
39-43

Playoffs?