18 Oktober 2015

18. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von TIAGO PEREIRA @24Sekunden

Flashback
67-15, NBA Champions

Plus
Jason Thompson
Kevon Looney

Minus
David Lee
Justin Holiday
Ognjen Kuzmic

Cap-Situation
97 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxussteuer

Stimmung so?


Was ist Neu?
Nichts hat sich in der Bucht verändert, nicht einmal das Wetter. Die Sonne scheint weiterhin über den kalifornischen Köpfen und Larry O‘Brien wandert immer noch durch die Straßen seiner goldenen Heimat. Vier Dekaden mussten Warriors-Fans warten, bis ihre Franchise sich das Gold im Namen zurück erkämpfen konnte, doch endlich ist die längste Dürre Kaliforniens vorbei.  

Kein Wunder, dass General Manager Bob Myers nach dem Titelgewinn nicht an den Abriss seiner Goldtruppe dachte, als die Free Agency im Juli ihre Tore öffnete. Hier und da wurden ein paar Vertragsfalten geglättet, und überflüssiges Luxussteuer Fett abgesaugt, aber ansonsten beließ es das Front Office der Dubs in diesem Sommer bei minimalen Schönheitskorrekturen.  

Beste Addition
Draymond Green* ... Abseits von texanischen Villen und ganz ohne Bananenboot-Emojis kümmerten sich die Warriors prompt um ihre wichtigste Free Agency Agenda: Draymond Green. Der Power Forward wurde unter Kerr in der abgelaufenen Saison zum Herzschlag der Krieger. Green war der Blaumann neben den Splash Brothers, räumte in der Verteidigung den Dreck weg und hielt den Angriff innerhalb der Dreipunktelinie zusammen. Die Lücken im Boxscore füllte Draymond dabei, als wären diese ein U12 Kreuzworträtsel.

11.7 Punkte, 8.2 Rebounds, 3.7 Assists, 1.6 Steals und 1.3 Blocks sind nicht die kumulierten Saisonwerte der 76ers, sondern allein das Werk von Draymond Green. Was bereits vor den Playoffs nach einem Max-Deal für den ehemaligen Zweitrundenpick roch, wurde nach dem Titelgewinn zur baren Münze. Zahlen die in der Vergangenheit den Kontostand eines MVPs füllten, sind unter dem neuen CBA standardisierte Rollenspielergehälter, sodass die Warriors bereitwillig $82 Millionen in den nächsten fünf Jahren für Greens Arbeitseinsatz zahlen. 

The Planet
Steph Curry ... In den letzten 15 Jahren schafften es nur drei Spieler, in ein und derselben Saison zum besten Spieler der Association gewählt zu werden und gleichzeitig die Meisterschaft zu gewinnen. Einer davon hört auf den Namen Wardell Stephen Curry. Einige Zweifler werden nörgeln, dass um wahre historische Größe zu erreichen ein wichtiger Briefbeschwerer in Stephen Currys Wohnzimmerschrank fehlt: die Finals MVP Trophäe. Doch machen wir uns nichts vor, das Resümee des Aufbauspielers aus North Carolina trägt spätestens seit dem Gewinn der Meisterschaft die Adresse: 1000 Hall of Fame Ave, Springfield.

MJs Bulls, Birds Celtics, LeBrons Heat und Magics Lakers, sie alle werden von nun an in einem Atemzug genannt mit Stephs Golden State Warriors. Die neue Gesellschaft im Kreis der besten Teams aller Zeiten verdankt die Historie nicht zuletzt Stephen Curry. Denn der Chef der Warriors kann mehr als fades Cafeteria Essen aufpeppen. Back-to-Back lautet daher das neue Ziel für den besten Point Guard der Liga, eine Aufgabe die ihn endlich auch im letzten Viertel einer Partie vor Herausforderungen stellen sollte.


Rising Star
Harrison Barnes ... Wer 62 Mio. $ auf dem Tisch liegen lässt, hat Großes vor, oder Rich Paul als Agent. Harrison Barnes will zu den erstgenannten gehören, denn nach dem Titelgewinn hoffte der Tar Heel auf seinen großen Zahltag. Doch dieser blieb bisher aus, zumindest in den Dimensionen, die Barnes erwartet hatte. Nachdem sowohl Klay Thompson als auch Draymond Green bei ihren Vertragsverlängerungen mit üppigen Summen geschmückt wurden, sehnt sich nun auch Harrison Barnes nach einem Max Deal.

Diesen sind die Warriors aber noch nicht bereit, ihrem Forward zu unterbreiten. Barnes soll sich in der kommenden Spielzeit erst einmal sein angestrebtes Gehalt verdienen, denn als Restricted Free Agent liegen die Karten weiterhin auf dem Tisch der Warriors. Etabliert sich der athletische Flügel als zuverlässige Stütze seines Meisterschaftsteams, wird nicht nur Bob Myers im kommenden Sommer mit Geldsäcken vor Barnes' Tür warten. Ehe die ganz dicken Offer Sheets im Postfach der Warriors landen, muss sich der talentierte Krieger die Moneten erst erspielen. Keiner möchte 90 Mio. $ auf pures Talent setzten. 

Falling Fast
Andre Iguodala ... Als Finals MVP erwarten einen viele schöne Dinge: Ruhm, Reichtum, Ortseinfahrtsschilder mit dem eigenen Namen, eben der ganze Glamour eines Basketballstars. Doch in Oakland wartet nur eine Sache auf Andre Iguodala – die Bank. Denn egal in wie viele Talk Shows Iguodala nach den Finals eingeladen wurde, in Kerrs Telefonbuch ist er weiterhin an Position sechs eingetragen.

Ob Iggy sein Ego auch im zweiten Jahr dem Teamkonzept unterwerfen kann, ist fraglich, schließlich möchte er zum Ende seines Vertrages hin nicht an Marktwert verlieren. Verlängern die Warriors dazu ihren Kontrakt mit Harrison Barnes, sollte es daher keine Überraschung sein, wenn dies die letzte Saison in der Bucht für den Andre Iguodala wird.

Don’t Sleep! 
Festus Ezeli ... Vor drei Jahren drafteten die Warriors den großen Nigerianer mit den klobigen Händen an 30. Stelle. Mittlerweile ist Festus zu einem der Big Man Talente der Liga heran gereift. Die Steinhände von Festus können mittlerweile nicht nur Bälle in die dritte Reihe Blocken, sondern auch fangen, und seine heutige Fußarbeit wirkt filigraner als das anfängliche Stolpern in der Zone.

Alles in allem reifte der Center zu einem mehr als passablen Puzzelstück heran, dass sich seine Minuten auch in den Playoffs verdienen konnte. Da Ringbeschützer immer noch heiß begehrt sind und im kommenden Sommer der Geldregen einsetzt, wird sich Festus diese Saison in viele Checkbücher der Liga spielen wollen.


Good News
+ 12 von 15 Spieler des Meisterkaders befinden sich auch in der kommenden Saison im Roster der Warriors
+ Golden State stellt nach wie vor das kompletteste und gefährlichste Team im Basketball
+ Stephen Curry verdient in den nächsten zwei Jahren $23 Millionen - zusammen genommen. Das ist weniger als Joe Johnson in 2015/16

Bad News
- Mit Alvin Gentry hat das Genie hinter der Warriors-Offensive das Team in Richtung Louisiana verlassen
- Eigenes Geld drucken ist in Kalifornien immer noch nicht legal. Schade in Anbetracht der Tatsache, dass Joe Lacob dieses Jahr $98 Millionen an Spielergehältern überweisen muss
- Steve Kerr hat Rücken. Nach zwei Rückenoperationen im Sommer ist der Cheftrainer der Warriors noch nicht in Topform
- (Bonus:) Kevin Durant hat das Lazarett verlassen

Was fehlt?
Alvin Gentry. Seitdem Steve Kerr in Behandlung ist und Luke Walton als Interims-Coach das Ruder in Oakland übernommen hat, dürften die ersten Vermisstenmeldungen für Alvin Gentry aufgegeben worden sein. Auch wenn mit Ron Adams noch einige Jahrzehnte an Trainererfahrung auf der Beifahrerseite sitzen, dürfen erste Sorgen aufkommen, sollten die Warriors dem Traineranfänger Luke Walton die Schlüssel zum Saisonstart übergeben müssen.

Blast from the Past


KGDCG
Draymond Green … Draymond Green verdiente in seinen bisherigen drei Jahren bei den Warriors $2.64 Millionen. Nächste Saison werden es dank dem frisch unterzeichneten Max-Deal $14.3 Millionen sein. Damit ist Mr. Green vom Pfennigfuchser zum zweitbestbezahlten Spieler der Warriors aufgestiegen und verdient schlappe drei Millionen mehr als der Liga-MVP, Stephen Curry.

LP-Rating


Wer genügend Daumen besitzt um den League Pass einzuschalten, hat keine Ausrede die Warriors nicht zu gucken. Jede Minute in der Stephen Curry und Klay Thompson zusammen mit einem Basketball in einem Raum sind, birgt die Möglichkeit einer absoluten Sensation. Vielleicht erleben wir den ersten internen Dreipunktewettbewerb der beiden während eines NBA Spiels, oder Curry erzielt 50 Punkte in einem Viertel. Wer das sehen will, sollte schlicht kein Spiel der Warriors verpassen.

Eine Frage noch...
Wie wahrscheinlich ist der Repeat? Die Historie rechnet den Warriors nur geringe Chancen ein. Seit 1971 haben 35 Teams die Meisterschaft gewonnen, die nicht von Phil Jackson trainiert wurden. Zwölf Teams schafften es zurück in die Finals, aber nur vier konnten diese am Ende erneut gewinnen. Die Krieger haben sicher das Potential, sich als Ausnahme der Regel zu erweisen, doch wie nah Sieg und Niederlage beieinander stehen, musste der Vorjahresmeister aus San Antonio am eigenen Leib erfahren. 

Check 1,2
Ehe die Tränen kullern - entweder nach dem Repeat oder einem tragischen Playoff-Aus - müssen zuvor 82 Spiele gespielt werden. Und die werden es für die Warriros in sich haben. Als amtierender Meister liegen den Warriors nicht nur die Clippers im Nacken, sondern auch der Rest der Liga. Dabei werden besonders die nicht sonderlich gastfreundlichen Teams der Western Conference jedes Spiel außerhalb der Oracle Arena zum schwersten der Saison machen. Die Konstanz des Kaders und eine hoffentlich wieder verletzungsfreie Saison wird es Golden State dennoch ermöglichen, sich einen Platz unter den besten drei Teams des Westens zu erkämpfen. 

Chef-Orakel
60-22

Playoffs?