16 Oktober 2015

15. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
56-26, Playoffs Conference Finals (1-4 vs. Golden State)

Plus
Ty Lawson
Marcus Thornton
Sam Dekker
Montrezl Harrell

Minus
Josh Smith
Kostas Papanikolaou
Pablo Prigioni
Joey Dorsey
Nick Johnson

Cap-Situation
87 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxussteuer

Stimmung so?


Was ist Neu?
Überraschend wenig: Zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit hat das Front Office den Laden zusammengehalten.  Coach Kevin McHale muss in dieser Vorbereitung keine größere Integrationsarbeit leisten. In Josh Smith verließ nur ein einziger relevanter Spieler das Team – ein schmerzlicher, aber nicht unersetzbarer Abgang. Ty Lawson kam aus Denver und verstärkt Houston dort, wo es James Harden am meisten gefordert hatte: auf der Point Guard Position.

Beste Addition
Ty Lawson ... Wenngleich hinter dem Privatleben des Aufbauspielers ein dickes Fragezeichen steht, ist seine Akquisition ohne Gegenwert der Coup des Sommers. Der ehemalige Nugget löst das Hauptproblem der Houstoner Offensive, die zu sehr auf James Harden zugeschnitten war. Wurde der Bart von mehreren Gegenspielern zugestellt, fehlte es an Ballhandling und Kreation. Lawson legte vergangenes Jahr bei einem offensiv deutlich impotenteren Team in Denver 9,6 Assists pro Spiel auf, heiß laufen kann er sowieso immer: Die gegnerische Defense kann es sich nicht leisten, ihm keine Beachtung zu schenken. Das gibt Harden mehr Freiräume und die Möglichkeit, effizienter off-the-ball zu agieren.

The Planet
James Harden ...  Von den Spielern zum MVP gewählt, Karrierebestwerte bei den Punkten, Rebounds, Assists und Steals, stark verbesserte Defense, als Führungsspieler das Team zum Division Title und in die Conference Finals geführt – und dabei gerade erst 26 Jahre alt geworden. Der Bärtige ist auf bestem Wege, zum Ligaprimus zu werden. Nur noch die Liaison mit dem Mitglied des unter Sportlern gefürchteten Sukkubus-Clans namens Kardashian kann ihn dabei aufhalten.


Rising Star
Donatas Motiejunas ... Von einer Rückenverletzung aus seiner mit Abstand besten Saison entrissen und um einen starken Playoff-Run betrogen, wird der Litauer bei seiner Rückkehr aufs Parkett hochmotiviert sein, an die zum Teil exzellenten Auftritte der letzten Spielzeit anzuknöpfen. Motiejunas' Zonenarbeit trägt die Handschrift von Kevin McHale und Hakeem Olajuwon, die wenigsten Spieler seiner Größe verfügen über einen Distanzwurf und zusätzlich ein solches Arsenal an Postmoves. Ein interner Zweikampf mit Terrence Jones macht diese Saison besonders interessant, denn Houston wird angesichts der durch die Liga fegenden Marktpreise im nächsten Sommer nur mit einem der beiden Big Men - dann beide Restricted Free Agents - verlängern.

Falling Fast
Jason Terry ...  Als Veteran und Lockerroom-Leader ist Terry immer noch wichtig, darüber hinaus wird der inzwischen 38-Jährige bald an seine körperlichen Grenzen stoßen. Defensiv war der 'Jet' in den Playoffs hauptsächlich damit beschäftigt, seinem Gegenspieler hinterherzuhecheln. Das wird kommenden Frühsommer nicht besser aussehen. Gut möglich also, dass Terry in seine letzte Saison geht und eher als Handtuchschwinger gebraucht wird.

Don’t Sleep! 
Clint Capela ...  Lange Zeit war das Rookie-Jahr des Schweizers unspektakulär, wie bei Frischlingen üblich verbrachte er den Großteil seiner Zeit in der D-League. Das änderte sich zum Saisonende, als er fast über Nacht den Platz als Backup von Dwight Howard übernahm und dann – als Rookie in Houston eigentlich unerhört – auch in den Playoffs nicht nur Minuten sah, sondern sogar überzeugte. Capela ist eine ähnlich rasante Entwicklung wie seinem Kumpel Rudy Gobert in Utah zuzutrauen, nicht nur spielerisch ähneln sich die beiden. Im Sommer hat der 21-Jährige ordentlich an Masse zugelegt. Die Zone der Rockets ist ein Stück unüberwindbarer geworden.


Good News
+ James Harden
+ Houston hat gestandene Qualität und ins System perfekt passende Rollenspieler (Trevor Ariza!), sich dazu unter gegebenen Möglichkeiten exzellent verstärkt und geht mit breiter Brust ins neue Jahr
+ Beverley, Motiejunas, Jones, Capela, McDaniels, Dekker, Harrell... die Rockets strotzen nur so vor Talent mit zum Teil enormem Verbesserungspotential - dies könnte auch bei Trade-Gedankenspielen im Februar nicht unwichtig werden

Bad News
- Houston spielt immer noch im brutalen Westen und der noch brutaleren Southwest Division, in der mit den Pelicans ein neuer Riese erwächst und auch San Antonio und Memphis über den Sommer nicht unbedingt schlechter geworden sind
- Die Rockets zählen seit Howards Signing zu den schwächsten Freiwurfteams der NBA. Das wissen auch die Gegner - und schicken Dwight oft absichtlich an die Linie. Wer hat im Jahr 2016 Lust, Dwight Howard eine Halbzeit lang Freiwürfe nehmen zu sehen?
- Kontinuität bedeutet auch, dass andere, bekannte Probleme nicht gelöst wurden: Houston war ligaweit die drittschlechteste Mannschaft bei der Turnover-Rate (durch Lawsons Ankunft nicht komplett getilgt) und bei der Defensivrebound-Rate, was aufgrund des Spielstils ebenfalls nicht besser werden wird

Was fehlt?
Nicht mehr viel. Zweifel bleiben an Lawsons Promillefahrten. Im früher mit starken Drogenproblemen belasteten John Lucas haben die Rockets womöglich den richtigen Sozialarbeiter, um den ehemaligen Nugget auf die anständige Bahn zu lenken (no pun intended). Sollte sich Lawson wider Erwarten als Fehlverpflichtung entpuppen, kann GM Morey noch vor Beginn der nächsten Free Agency den Vertrag auflösen. In Pat Beverley steht zwar bereits einen Aufbauspieler bereit, der zusammen mit Harden funktioniert und offensiv noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen ist. Dann wäre das Team aber immer noch dort, wo es schon letzte Spielzeit stand.

Blast from the Past


KGDCG
K.J. McDaniels ... Second Round Pick, ein Jahr Erfahrung, erst zehn Spiele als Rocket absolviert, davon keine einzige Sekunde in den Playoffs – und doch einen zehn Millionen Dollar schweren Vertrag in der Tasche. McDaniels hat eine enorme Bringschuld und wird es schwierig haben, diese überhaupt einlösen zu können. Hinter Harden, Ariza und Corey Brewer bleiben auf dem Flügel nur wenige Minuten übrig, die die Routiniers Thornton und Terry nicht kampflos preisgeben werden. Zudem spielt Coach McHale offen mit dem Gedanken, die Point Guards Beverley und Lawson zeitweise zusammen aufs Feld zu schicken. Kurzum: McDaniels bekommt (vorerst) viel Geld fürs Nichtstun.

LP-Rating


Hohe Pace, athletische Offensive, aggressive Defensive, Dreierregen, Intensität, giftige Rivalitäten mit diversen Teams... Rockets-Basketball wäre sogar noch bekömmlicher, gäbe es nicht an manchen Abenden zu viele Isolationen und kontinuierliche Turnover-Festivals. Leider werden gegnerische Coaches auch 2016 noch auf das meist ineffektive und gleichzeitig spielzerstörerische Hacking zurückgreifen und dem Spaßfaktor hier wuchtig ins Zentralmassiv treten.

Eine Frage noch...
Bleiben die Rockets gesund? Die Frage, die seit Tracy McGrady und Yao Ming über dem Kosmos von Südosttexas schwebt, war vergangene Spielzeit aktueller denn je: Howard verpasste 41 Spiele der regulären Saison, Jones 49, Beverley 26 plus Playoffs, Motiejunas 11 plus Playoffs. Houston spielte praktisch die ganze Saison über ohne zwei Leistungsträger. James Harden in MVP-Verfassung war in der Lage, das Team zu tragen – doch kann oder muss er das noch mal? Wie gefährlich sind die Rockets in voller Truppenstärke? 

Check 1,2
Das Hauptproblem - zusätzliches Ballhandling und weitere Feuerkraft - wurde mit der Akquisition Lawsons gelöst. Der Kader ist ausgewogen, die jungen Spieler haben Upside. Würde Houston im Osten spielen, könnten sie die Conference Finals schon jetzt buchen. Der Westen jedoch ist äußerst unvorhersehbar, Postseason-Matchups sind entscheidender als einen Platz höher oder niedriger zu rangieren. Homecourt schadet allerdings nie, dies ist das ausgerufene Ziel. Bleiben die Rockets gesund, muss die absolute Liga-Elite aufs Parkett, um dieses Team zu stoppen. Davon ist die Conference zwar bekanntlich voll bis oben hin. Houston zählt aber ganz klar dazu.

Chef-Orakel
56-26

Playoffs?