15 Oktober 2015

15. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von MARC LANGE @godzfave44

Flashback
56-26, Playoffs Runde zwei (3-4 vs. Houston)

Plus
Lance Stephenson
Paul Pierce
Josh Smith
Wesley Johnson
Cole Aldrich
Pablo Prigioni
Luc Richard Mbah a Moute
Chuck Hayes
Branden Dawson

Minus
Matt Barnes
Spencer Hawes
Glen Davis
Hedo Turkoglu
Dahntay Jones
Ekpe Udoh
Lester Hudson
Jordan Hamilton

Cap-Situation
97 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxussteuer

Stimmung so?


Was ist Neu?
Eine Bank! Das wohl größte Problem der Clippers in den letzten Jahren scheint, zumindest auf dem Papier, ausgemerzt. In Anbetracht des überschaubaren finanziellen Spielraums der Kalifornier wurde hierbei das Maximum rausgeholt. Speziell Prigioni, Smith und Johnson machen eine der wohl am dünnsten besetzten Ersatzreihen in der NBA zu einer soliden Alternative. 

Das ist extrem wichtig, damit die Stars über die reguläre Saison nicht verheizt werden – ein Problem, mit dem sich die Clippers seit Jahren herum schlagen. Ob die Neuzugänge ihr Potenzial auch wirklich abrufen, ist natürlich wiederum eine andere Geschichte (siehe Hawes, Spencer). Jedoch kann man dem Front Office nicht vorwerfen, dass für diese Saison nicht alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um die vermeintlich größte Schwäche des Teams zu beseitigen. Good job, Doc!

Beste Addition
Paul Pierce ... Machen wir uns nichts vor: Die Clippers haben nicht den Paul Pierce aus den 2000ern verpflichtet. Der zukünftige Hall of Famer wird keine 25 PPG machen oder defensiv Bäume ausreißen. Auch wenn ich kein Fan dieser Umschreibung bin – Pierce wird dieser Mannschaft die nötige Erfahrung und Toughness bringen. Ein Team, welches in den Playoffs konsequent an sich selbst scheitert, braucht genau solch einen Spieler.

„The Truth“ trifft in entscheidenden Phasen die wichtigen Würfe und richtigen Entscheidungen. Davon kann kein Team je genug haben. Fragt mal in Toronto nach. Auch wenn Pierce seine besten Jahre hinter sich hat, ist er immer noch ein Upgrade gegenüber dem abgewanderten Matt Barnes, welcher sich gerade wohl entweder bei Rihanna, Derek Fisher oder in Memphis aufhält.

The Planet
Chris Paul ... Der kleine General jagt mit den Clippers mittlerweile im fünften Anlauf die Larry O’Brien Trophäe und ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens angekommen. Das stellte er letzte Saison eindrucksvoll unter Beweis.

Paul führte die Liga zum vierten Mal in den letzten acht Jahren im Bereich Assists an (10.2 APG), traf sagenhafte 90% von der Freiwurf- und starke 40% von der Dreier-Linie. Nebenbei schenkte er den Gegnern auch noch 19.1 PPG ein. Erwähnenswert: Es war CP3s erste Spielzeit seiner Karriere, in der er keine Partie verpasste. Ein fitter Paul ist und bleibt auch in diesem Jahr Herz, Hirn und Gesicht dieser Franchise.


Rising Star
Lance Stephenson ... Ganz ruhig, ihr habt alle richtig gelesen. Allerdings ist „Born Ready“ hier aus einem ganz einfachen Grund die richtige Wahl: Sehr viel schlechter als letzte Saison geht es nicht mehr. Es ist nicht allzu abwegig, dass Stephenson in einer funktionierenden Mannschaft seinen Teil beitragen kann.

Rivers ist ein ausgefuchster Coach und kann solch einem Spielertyp in einem positiven Umfeld durchaus wieder Leben einhauchen. Der Wing lebt von seinem Hustle und guter Defense – und darauf kann er sich in L.A. beschränken. Besinnt sich Stephenson auf diese Stärken und wird an der kurzen Leine gehalten, hat er durchaus das Potenzial, wieder ein brauchbarer NBA-Spieler zu werden. Ihn nach nur einem miserablen Jahr in Charlotte komplett abzuschreiben ist definitiv zu voreilig.

Falling Fast
Lance Stephenson ... Ja, ihr habt wieder richtig gelesen. Es stimmt schon, dass er sich selber wohl kaum noch unterbieten kann. Allerdings besteht doch ziemliche Gefahr, dass seine Leistung auf dem unglaublich niedrigen Niveau von letzter Saison stagniert. Um die Zahlen des Schreckens jedem noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: 17.1% von Downtown, 37.6% aus dem Feld, 8.2 PPG, und das alles in knapp 26 Minuten. Wow!

Defense und Hustle hin oder her, mit solchen Werten ist kein Spieler tragbar. Neben der Mission Titel wird das Thema Stephenson auf jeden Fall eines der spannendsten im Clippers-Lager. Sollte der alte Ohrenpuster tatsächlich an seine Leistungen aus Pacer-Zeiten anknüpfen, gehört Rivers der COTY-Award. Ohne Wenn und Aber.

Don’t Sleep! 
Branden Dawson  ... Einerseits steht hier Branden Dawson, weil es keine wirkliche Alternative gibt. Andererseits konnte der 22-jährige Forward in der Summer League positiv auf sich aufmerksam machen: Seine Statline war mit 12.8 PPG und 10.3 RPG in knapp 26 Minuten exzellent. Da sich die Clippers allerdings momentan in einer Phase befinden, in der Spielerentwicklung nicht auf der Agenda steht, wird von Dawson in der kommenden Kampagne nur wenig zu sehen sein.

Dass er zudem Spieler wie Blake Griffin, Paul Pierce oder Josh Smith vor sich hat, erleichtert seine Situation auch nicht wirklich. Doch wer weiß, wann die nächste Verletzungswelle anschlägt und Spieler wie er auf einmal zur Stelle sein müssen. Es gibt in solchen Situationen sicherlich schlechtere Alternativen als den 56. Pick des diesjährigen Drafts.


Good News
+ Nicht einmal die Golden State Warriors können mit der Firepower der Clippers mithalten. L.A. ist das beste Offensivteam der NBA
+ Die Starter sind bestialisch gut: CP3 ist der beste Point Guard der Liga; Redick einer der besten Shooter der Welt; Blake Griffin hat weiter an seinem Jumper gearbeitet und sein Spiel noch variabler gestaltet; DeAndre Jordan blieb ein Clipper und wird auch weiterhin die Bretter dominieren 
+ Nach all den Neuzugängen ist es nicht übertrieben zu sagen, dass diese Truppe die beste in der Historie der Clippers ist. Der Win-Now-Button leuchtet also lichterloh  

Bad News
- Obwohl die Bank ein deutliches Upgrade bekommen hat, klafft ein riesiges Loch auf der Center-Position. Wenn Jordan in Foultrouble gerät, wird es eng für LAC 
- Die Clippers sind notorisch schwach von der Freiwurflinie. Das kostet vor allem in engen Playoff-Partien wichtige Punkte in der Crunchtime - und damit auch Siege
- Die Frage, wie Coach Rivers das labile Gemüt seiner Truppe und die viel zu tiefe Rotation in den Griff bekommt, bleibt vorerst unbeantwortet

Was fehlt?
Ein solider, zweiter Center. Am besten einer, der über einen anständigen Mitteldistanz- bzw. Dreipunktewurf verfügt und für den Freiwürfe keine körperliche sowie geistige Überforderung sind. Vom Typ her also jemand wie Spencer Hawes. Nur halt nicht Spencer Hawes. Gibt es so einen Spieler noch? Am besten direkt fürs Veteranen-Minimum...? 

Blast from the Past


KGDCG
Lance Stephenson … Langsam tut's mir leid für Lance. Wirklich. Aber wer sollte hier sonst genannt werden? Stephenson verdient, zumindest in der kommenden Spielzeit, noch neun Millionen Dollar. Da klingt der 1,4 Mio. $ Kontrakt von Turkoglu in der letzten Saison auf einmal wie ein Bombenschnäppchen. Aber zum Thema 'Born Ready' ist nun endgültig alles gesagt und er wird in dieser Preview nicht mehr vorkommen. Indianer-Ehrenwort!   

LP-Rating


Die Clippers stehen für aufregenden Highlight-Basketball und haben eine der besten Offensiven der gesamten Liga. Crawford crosst, Griffin und Jordan lassen es scheppern und Paul sorgt für pausenloses Mit-der-Zunge-Schnalzen, während er eine Point Guard Clinic nach der anderen läuft. In der regulären Saison kriegen Fans von Offensivfeuerwerken fast immer das volle Programm geboten. Speziell die Rivalitäten mit den Warriors, Thunder, Grizzlies und Rockets sind Pflichtprogramm. Dank DeAndre Jordan sollten auch die Duelle mit den Mavericks zukünftig extra brisant sein. Und wenn alles nichts mehr hilft, ist ja auch noch Lan... Halt, Nein, wir hatten ja was versprochen! 

Eine Frage noch...
Ist endlich mehr drin als die zweite Runde? Auf jeden Fall. Das war es auch letzte Saison schon. Aber Mal wieder hatten sich die Clippers selbst einen Strich durch die Rechnung gemacht - die kriminell schwache Bank forderte am Ende ihren Tribut, die Starter gingen auf dem Zahnfleisch. Einfacher wird es dieses Jahr definitiv nicht: Der Westen ist erneut extrem stark, die Spurs, Warriors, Thunder, Rockets und Grizzlies sind alles potenzielle Erstrundengegner. Aber die Clippers haben das Spielermaterial und mittlerweile auch die Erfahrung, um sich in diesem Feld zu behaupten und endlich ihre eigenen Dämonen zu besiegen.  

Check 1,2
Die Clippers haben mit Paul, Griffin und Jordan einen hervorragenden Kern. Die Neuzugänge ergänzen die Truppe besser als je zuvor und machen die Kalifornier erneut zu einem Elite-Team. Ein paar Probleme bleiben weiterhin, vor allem in der Mitte. Jordans eklatante Freiwurfschwäche wird in den Playoffs wie immer massive Schwierigkeiten verursachen. Hack-a-Jordan zulassen? Aldrich in die Line-Up packen? Klein gehen und Griffin oder Smith auf die Fünf stellen? Keine dieser Möglichkeiten ist voll befriedigend, birgt aber Möglichkeiten. Die Antworten, die Rivers und sein Team auf diese Fragen finden werden, entscheiden letztendlich über das Playoff-Abschneiden des seit Jahren besten Angriffsteams im Basketball. 

Chef-Orakel
58-24

Playoffs?