14 Oktober 2015

14. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von ANDREAS DIETERLE @NuggetRabbit

Flashback
55-27, Playoffs Runde zwei (2-4 vs. Golden State)

Plus
Matt Barnes
Brandan Wright
Jarell Martin
Patrick Christopher

Minus
Luke Ridnour
Nick Calathes
Kosta Koufos
Jon Leuer

Cap-Situation
83 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Um es kurz zu machen: Nicht viel. Bei vielen Teams würde diese Tatsache eventuell einen Rückschritt bedeuten. Nicht bei den Grizzlies. Wichtige Abgänge hat das Team nicht zu verzeichnen. Mit Matt Barnes konnte ein Spieler per Trade geholt werden, der der Bezeichnung Grit-and-Grind gerecht werden sollte - weil sie auf kaum jemanden besser zutrifft als auf ihn.

Auf der Center-Position wurde Franchise-Player Marc Gasol für rund 110 Millionen US-Dollar gehalten. Sein neuer Vertrag läuft über fünf Jahre. Er bleibt damit das Zentrum aller Angriffs- und Verteidigungsbemühungen. Zudem wurde mit Brandan Wright ein Ersatz für Kosta Koufos gefunden, der eine neue athletischere Ergänzung auf der Bank der Bären darstellt.

Beste Addition
Brandan Wright ... Wenn die gemeinen Eltern Grit und Grind ein Kind bekommen würden, würde es wahrscheinlich Matt Barnes heißen. Allerdings bringt Wright eine völlig neue Komponente ins Spiel der Grizzlies und ist damit die Wahl als beste Addition der Offseason: Athletik auf den großen Positionen.

Memphis will vornehmlich langsam und über die Mitte spielen - sprich über Gasol und Randolph. Doch mit dem 28-Jährigen Wright hat der Coaching Staff ganz neue Möglichkeiten, das Spiel zu gestalten. Sei es im Fastbreak-Spiel oder als athletische Anspielstation im Halbfeld. Inwieweit diese Möglichkeiten genutzt und eingebrachten werden, ist natürlich eine andere, berechtigte Frage.

The Planet
Marc Gasol ... Der Verbleib des Franchise-Players war die wichtigste News für die Bären in diesem Sommer. Gasol bekommt 110 Millionen Dollar über die nächsten fünf Jahre ausgezahlt - für Spieler und Team gleichermaßen ein gutes Geschäft. Er war, ist und bleibt das Herz der Grizzlies.

Zuletzt kam der Spanier auf 17.4 Punkte, 7.8 Rebounds, 3.8 Assists und 1.6 Blocks im Schnitt - elitäre Werte für einen Center. Die zweite All-Star Teilnahme nach 2012, der Sprung ins All-NBA First Team... "Big Spain" hat sich nachhaltig als vielleicht bester Fünfer der Liga etabliert. Sein Verbleib war für diese Franchise Gold wert, hält die Grizzlies auf Final-Kurs und die Defensive genau dort, wo sie schon seit Jahren ist: auf allerhöchstem Liganiveau.


Rising Star
Die Grizzlies sind in die Jahre gekommen - da muss sich niemand etwas vormachen. Junges Talent, welches den Unterschied ausmachen könnte, ist in diesem Kader sehr schwer bis gar nicht zu finden. Youngster, so sieht das auch Trainer Dave Joerger, werden es im aktuellen Kader schwer haben, Minuten zu bekommen. In der Vergangenheit durften sich die gedrafteten Spieler meist nur in der Garbage Time beweisen - oder eben gleich in der D-League. Anzeigen auf eine Veränderung in dieser Vorgehensweise gibt es aktuell nicht.

Falling Fast
Jeff Green ... Der Swingman kam inmitten der letzten Saison per Trade aus Boston, wo er durchaus respektable Leistungen gezeigt hatte. Obwohl sein Einfluss auf die Grizzlies zunächst groß war, nahm er im Laufe der Spielzeit immer mehr ab. Kritiker sehen im 29-Jährigen jemanden, der bei den Celtics in einem damals miesen Team gute Stats aufgelegt hatte, sein volles Potenzial in der NBA aber nie abrufen konnte - oder wird.

Auch bei den Grizzlies war er bisher zwar kein Reinfall, aber die Erwartungen an ihn sind einfach höher. Ein endgültiges Urteil kann eigentlich erst nach einem kompletten Training Camp mit Dave Joergers Truppe fallen - die Befürchtung, dass Green aber nie der X-Spieler wird, den Memphis verpflichten wollte, wird jedoch immer größer.

Don’t Sleep! 
Mike Conley ... Auf den ersten Blick eine seltsame Wahl. Doch es gibt Fans in der Welt des orangenen Leders, die den Point Guard immer noch nicht auf der Rechnung haben. Conley ist kein Chris Paul oder Stephen Curry, aber er ist effektiv und der wahrscheinlich beste Akteur der Grizzlies auf der offensiven Seite des Parketts.

Die Schaltzentrale setzt seine Big Men und Nebenspieler immer wieder gekonnt in Szene (5.4 APG), punktet selbst wenn nötig (15.8 PPG bei 44% FG) und verteidigt auf allerhöchstem Niveau. Hoffentlich spricht jeder im Zusammenhang mit den Bären bald nicht mehr nur über Gasol & Z-Bo, denn Conley ist für dieses Team mindestens genauso wichtig - an beiden Enden des Parketts.


Good News
+ Grit & Grind. Wenn das Grindhouse die Pforten öffnet, bleibt der Spaß für den Gegner meistens draussen. Mittlerweile hat sich in der Liga herumgesprochen, dass es bei einem Aufeinandertreffen mit den Bären hart zur Sache geht. Der Heimvorteil ist real!
+ Die Defense. Mit Tony Allen, Marc Gasol und Mike Conley ist das Team auf den drei wichtigsten Postionen auf Elite-Niveau besetzt. Die Grizz belegen eigentlich immer einen der vorderen Plätze bei der defensiven Effizienz
+ Erfahrung Pur. Egal wen man aus dieser Veteranen-Truppe heraus pickt: Randolph, Gasol, Allen, Conley, Carter, Barnes... Diese Typen haben schon alles gesehen, sich große Playoff-Schlachten geliefert und spielen zu großen Teilen seit Jahren zusammen

Bad News
- Shooting. Der Wurf von Außen ist immer noch eines der Hauptprobleme in Memphis. Platz 22 bei den Dreiern (34%) reicht kaum aus, um offensiv konstant Punkte zu generieren
- Das Titel-Fenster schließt sich. Der Kern der Truppe ist bereits über 30 oder kratzt daran. Je älter die Spieler werden, desto schwieriger ist es bekanntlich auch, unversehrt durch eine lange Saison zu gehen 
- Die Zukunft der Guards steht in den Sternen, und damit die gesamte Komposition dieses Teams. Was passiert mit Conley, Lee und Udrih am Ende dieser Saison? Alle Verträge laufen aus...

Was fehlt?
Siehe Punkt eins in der 'Bad News' Kategorie. Das Shooting war, ist und bleibt das größte Problem der Memphis Grizzlies. Weder Spielsystem noch Spielermaterial sind auf das Nehmen und Treffen von langen Bällen ausgelegt. Auch die Neuzugänge sind eher Teil des Problems als deren Lösung. Barnes traf zwar zuletzt solide 36% seiner Dreierversuche - allerdings erst zum zweiten Mal in zwölf Profijahren. Der ein oder andere Move für einen treffsicheren Außenspieler sollte das Front Office auf jeden Fall noch tätigen - vor allem wenn es Coach Joerger ein paar Lineup-Alternativen auf den großen Positionen geben will. 

Blast from the Past


KGDCG (via @nbachefkoch)
Jeff Green … Green ist ein seltsamer Spieler. Eigentlich ausgestattet mit allen körperlichen und spielerischen Vorzügen, um einer der besten Spieler der NBA zu sein, bleibt er einer dieser Alleskönner, die irgendwie nichts richtig gut können. Dass Memphis ihn als fehlendes Puzzleteil für einen Meiterschafts-Run ansah, ist nachvollziehbar: Green ist groß, athletisch, kann werfen und beide Forward-Positionen spielen.

Soweit die Theorie. In der Praxis machte er diese Mannschaft null besser, wenn er auf dem Parkett stand, "coastete" nach wie vor viel zu häufig und ließ sich nie anstecken von der kollektiven Garstigkeit dieser Truppe. Dass er im Sommer ins letzte Jahr seines 2016 auslaufenden Deals hinein-optierte, macht für ihn mehr Sinn als für Memphis. Warum? Weil seine Leistungen die 9,2 Mio. $, die er in den nächsten acht Monaten verdienen wird, einfach nicht wert sind.

LP-Rating


Nicht jeder kann mit dem ruppigen Spielstil der Grizzlies etwas anfangen. Wer allerdings auf guten, alten Oldschool-Basketball der Marke “Hart aber Herzlich” steht, sollte unbedingt seinen League Pass auf Grizz-TV programmieren. Die Defensive ist ein Klasse für sich und nicht nur toll zu verfolgen, sondern auch lehrreich. Im Angriff bestechen Conley, Gasol und Randolph mit smartem, teamdienlichem und effizientem Basketball - ohne auf Vielflieger- und Pyrotechnik-Tricks setzen zu müssen. Das zwar nicht immer schön und sehr selten spektakulär, aber genau wegen diesem Kontrast zum Rest der NBA doch irgendwie auf seine ganz eigene Art geil.

Eine Frage noch...
Kann dieses Team Meister werden? Ja. Seit fünf Jahren ist Memphis Dauergast in den Playoffs, hat dort immer mindestens drei Partien gewonnen. Eine Teilnahme an den Conference Finals sowie zwei weitere Teilnahmen an den Conference Semis stehen während dieser Zeit zu Buche. Memphis ist also gesetzt, die Frage nach der Playoff-Teilnahme stellt sich gar nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Playoff-Klubs gibt es für die Grizzlies auch kein "schlechtes Matchup", denn ihre intensive Spielweise stellt jeden Gegner vor Probleme. In den vergangenen Jahren hatten Golden State, Oklahoma City und die L.A. Clippers an Memphis zu knabbern... alles realistische Gegner in der kommenden Postseason. Memphis ist für jedes dieser Teams bereit.

Check 1,2
Das Team wird natürlich nicht jünger, aber mit den punktuellen Verstärkungen und dem Zeichen, dass Marc Gasol gesetzt hat, sollte jeder die Grizzlies für eine Finals-Teilnahme auf dem Zettel haben. Mindestens die Western Conference Finals sollen es schon werden in Tennessee. Bleibt das Team aus dem mittleren Westen von großen Verletzungsproblemen verschont, legt es sich vor der Trading Deadline sogar noch den ein oder anderen Shooter zu, sollte es niemanden ernsthaft überraschen, wenn Memphis im hart umkämpften Westen mehrere Top-Favoriten ausschaltet.

Chef-Orakel
51-31

Playoffs?