13 Oktober 2015

13. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von PHILIPP KLEISLI @PhilippKleisli

Flashback
37-45, Keine Playoffs

Plus
Justise Winslow
Amar'e Stoudemire
Gerald Green
Josh Richardson

Minus
Shabazz Napier
Michael Beasley
Zoran Dragic

Cap-Situation
95 Mio. $ Gehalt
über dem Cap
Luxury Tax

Stimmung so?


Was ist Neu?
Positionen-Stretching durch die Rückkehrer. Schon letzte Saison rechnete man den Heat hohe Chancen im Kampf um einen Playoff Spot an. Die vielen Verletzungen von Schlüssel- und Franchiseplayern machten jegliche Vorhersagen eines Erreichens der Postseason zunichte. Neues Jahr, neues Glück? So klischeehaft es sich anhört, aber es umschreibt die aktuelle Situation des Teams aus South Florida ziemlich gut.

Mit Chris Bosh und Josh McRoberts kann Coach Spoelstra wieder auf zwei Spieler zurück greifen, die letzte Saison lange ausfielen. Durch die Rückkehr der Big Men wird sich die Spielweise sichtbar ändern. McRoberts und Bosh sind beide große Spieler, die exzellent werfen und passen können. Dadurch sind die Miami Heat auch auf den großen Positionen von außen gefährlich und werden oft das Spielfeld in der Offensive auseinander ziehen. 

Beste Addition
Gerald Green ... Warum nicht Winslow? Zwar ist der Rookie langfristig gesehen die bessere Addition für das Team, aber für mich ist es hier Gerald Green, weil er in der kommenden Saison wichtigeren Einfluss auf das Play der Miami Heat haben wird. Green wurde geholt, um ein gravierendes Problem der Jungs aus South Beach in den Griff zu bekommen: Dreier werfen!

Letztes Jahr belegte Miami als Team den 24. Platz in Sachen Three-Point Shooting, kein Spieler aus dem Roster hat im Durchschnitt mehr als zwei Dreier pro Spiel getroffen. Mit einem Karrieredurchschnitt von 37 Prozent von jenseits der 7,24 Meter Linie kann Green, der als Backup von Dwyane Wade und Luol Deng fungieren wird, Gefahr von der Bank bringen und einen großen Beitrag zur Drei-Punkte Problemlösung der Heat leisten.

The Planet
Dwyane Wade ... Wenn, und das Wenn muss extra betont werden, Wade gesund bleibt, ist er die unangefochtene Nummer eins im Team. Erste Scoringoption, Teamkapitän, unangefochtener Leader und eine lebende Legende in Miami. Wenn seine labilen Knie mitmachen, gehört er dieses Jahr wieder zu den Besten auf der Shooting Guard Position. Man hört immer wieder, dass dies die am schwächsten besetzte Position in der NBA sei, aber das mindert Wades Fähigkeiten nicht im Geringsten.

Ganz im Gegenteil! Für seine Heat ist Wade nicht zu ersetzen. Auch in seiner 13. Saison wird er offensiv brandgefährlich bleiben. Solange das Knie hält (und der Rest natürlich auch), ist Wade der Franchise-Player der Heat. Falls er wieder mit Problemen zu kämpfen hat, wird Bosh seinen Posten einnehmen und 'The Flash' würdevoll vertreten.


Rising Star
Hassan Whiteside ... Vom Nobody im Farmteam der Miami Heat zum Starter und regelmäßigen Gast in der allseits beliebten Top-10. Schon letztes Jahr galt Whiteside als die Überraschung der Saison und wurde als Most Improved Player Kandidat gehandelt. Über den Sommer hat das 26-jährige Überraschungstalent hart gearbeitet und sein Skillspotential weiter ausgebaut, sowie ordentlich an Muskelmasse zugelegt.

Das Besondere an Whiteside ist, dass er neben seine spektakulären Dunks und Blocks auch noch ein sehr effektiver Center ist, der durch viel Ehrgeiz und Kämpferherz aus der Masse heraus sticht. Natürlich scheint es im ersten Moment schwer, die letzte Saison, in der er durch unterschiedliche Franchise Rekorde Aufmerksamkeit erlangte, zu übertreffen. Allerdings hat die Nummer 21 scheinbar noch lange nicht genug und arbeitet überdurchschnittlich hart an seinem Körper und Game, sodass er weiterhin für Furore und Überraschungen sorgen wird.

Falling Fast
Mario Chalmers ... Die ehemalige Nummer 6 der Heat ist dem Team aus South Florida schon seit Jahren treu, war mal die unangefochtene erste Option auf der Point Guard Position. Doch seit dem Trade letzten Februar, der Goran Dragic nach Miami brachte, sitzt "Rio" mehr auf der Bank als dass er auf dem Paket steht. Durch die Verlängerung von "The Dragon" in dieser Offseason scheint auch kein Ende des Fallens in Sicht. 

Das Front Office der Heat plant langfristig mit Dragic und hat auch mehrfach versucht, Chalmers wegen seines zu hoch dotierten Vertrages zu traden. Einen kleinen Lichtblick gibt es dann allerdings doch für "Super-Mario": Durch den Trade von Shabazz Napier nach Orlando bleibt für ihn zumindest die Rolle des zweiten Point Guards, ohne sich künftig gegen aufstrebende Konkurrenz durchsetzen zu müssen. Seien wir ehrlich: Das auch eher die Rolle, die zu ihm passt. 

Don’t Sleep! 
Josh McRoberts ... Der Power Forward wird vom Verletzungspech verfolgt. Letzten Sommer unterschrieb er in Miami, konnte aber nur 17 Spiele absolvieren, bevor eine Knieverletzung seine Saison vorzeitig beendete. Der Big Man verfügt für einen Mann seiner Größe über außergewöhnliche Fähigkeiten.

Er hat einen guten Wurf, sowohl aus der Mitteldistanz als auch aus von jenseits der Dreier-Linie. Wegen seines überdurchschnittlich guten Spielverständnisses und Passspiels wird er oft als Point Forward eingesetzt. Die Mischung aus diesen für einen Big Man ungewöhnlichen Skills und seiner Athletik macht McRoberts zu einer gefährlichen Option von der Bank, vor allem im System von Coach Spoelstra.


Good News
+ Durch die Rückkehr von Bosh gehört Miami wieder zu den besten Teams im Osten und hat nicht nur die Chance auf die Playoffs, sondern auch auf einen tiefen Run in der Postseason
+ Dank der Vertragsverlängerungen mit allen gewünschten Spielern (Wade, Deng, Dragic) ändert sich nichts am System. Fast alle Spieler kennen den Plan und sich untereinander schon aus der Vergangenheit, sind eingespielt und können exzellent in die Saison starten
+ Gerald Green schafft es immer noch, dass sich die Leute die Augen reiben, wenn sie ihn springen sehen. Da darf sich jeder Heat-Fan auf spektakuläre Dunks freuen. Aber Green ist auch als Distanzschütze gefährlich und einer der besten Ersatzspieler der NBA

Bad News
-Auch wenn die Heat zu den besseren Teams im Osten zählen, werden sie sich wohl gegen die Top-Teams aus dem Westen schwer tun
- Der Kader ist voll mit Spielern, die eine dicke Krankenakte angesammelt haben - allen voran Wade, der chronisch verletzte Franchise-Player
- Durch die missglückten Versuche, Chris Andersen und Mario Chalmers zu traden, könnte es zur Unruhe und einer verschlechterten Chemie im Team kommen

Was fehlt?
Durchhaltevermögen… und damit möchte ich gar nicht erneut die Verletzungsproblematik ansprechen, sondern eher die Ausdauer. Dieses Team hat nicht die Fähigkeit, am Ende der Saison einen spektakulären Run hinzulegen. Außerdem wird es in den Playoffs nicht mehr die Luft haben wie in der ersten Hälfte der Saison. Das haben uns die letzten Jahre in Miami immer wieder gezeigt, und auch dieses Team ist alt und athletisch nicht auf dem höchsten Niveau. Es bleibt nur die Hoffnung, dass der Physio-Stab ganze Arbeit leistet und die Spieler in fittem Zustand durch die Saison transportiert.

Blast from the Past


KGDCG
Chris Andersen … Natürlich hat der "Birdman" immer noch seine Momente, er bleibt zudem der Fanliebling des zugegeben sehr eigenwilligen Heat-Publikums. Allerdings ist Andersen einfach alt geworden. In der Defensive ist der 37-Jährige oft mindestens einen Schritt zu langsam, offensiv war er sowieso noch nie eine Macht. Die 5 Mio. $ Salär würde Pat Riley sicherlich lieber anderswo investieren, denn für die Summe ließe sich sicherlich jemand verpflichten, der diesem Team durch konstantere Leistung auf dem Platz helfen kann.

LP-Rating


Eine sehr starke Starting Five mit Spielern die vieles können, ein tieferer Kader als zuletzt. Drives, Dreier, Clutch Plays, spektakuläre Blocks, perfekt getimte Alley-Oops... in Miami ist viel Qualität versammelt. Dazu kommt Gerald Green, einer der atemberaubendsten Dunker der NBA. Auch Whiteside, Winslow und James Ennis versprechen viel Action. Dieses Team wird Spaß machen. Die Mischung aus Athletik und Scoringfähigkeit ist gut gelungen.

Eine Frage noch...
Sind die Miami Heat so gut wie es scheint? Eine sehr gute Starting Five, eine akzeptable Bank, ein respektabler Coach... Auf dem Papier sieht der Kader rund um Dwyane Wade super aus. Die Frage ist, ob die Erwartungen die viele an dieses Team haben, nun auch erfüllt werden können. Schwer vorherzusagen, aber der Großteil des Teams hat letzte Saison schon gut harmoniert und akzeptable Leistungen geliefert. Es liegt nun an Bosh und Wade, selbst gesund zu bleiben und das Team optimal anzuführen.

Check 1,2
Letzte Saison hat Miami das Playoff-Ticket kurz vor Ende der regulären Saison aus der Hand gegeben. Das Team musste allerdings oft auf die wichtigsten Spieler verzichten, hat dennoch nie aufgehört zu kämpfen. Nimmt man diesen Kampfgeist mit in eine, zumindest einigermaßen, verletzungsfreie Saison, so ist das Erreichen der Playoffs reine Formsache. Mit diesem starken und ausgeglichenen Kader sind mindestens die Conference Halbfinals, vielleicht sogar die Conference Finals machbar.

Chef-Orakel
50-32

Playoffs?