12 Oktober 2015

12. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41

Flashback
41-41, Playoffs Runde eins (2-4 vs. Chicago)

Plus
Greg Monroe
Greivis Vasquez
Chris Copeland
Rashad Vaughn
Marcus Landry

Minus
Jared Dudley
Ersan Ilyasova
Zaza Pachulia

Cap-Situation
74 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Die internen Ambitionen und die externe Erwartungshaltung an die jungen Hirsche aus dem Bierbrauerstaat sind neu. Letztes Jahr vollzogen die Bucks einen der größten Turnarounds der jüngeren NBA-Vergangenheit und transformierten sich von der miesesten Mannschaft der gesamten Liga zu einem 41-Siege und Playoff-Team. Naturgemäß gehen solche Erfolge mit einem Bestreben nach Höherem einher. Denn auch in der NBA gilt: Stillstand bedeutet Rückschritt.

Aus diesem Grund mussten die Verantwortlichen an der großen Stellschraube „Offense“ drehen (2014/15: ORtg von 100.5, nur Platz 25), um die qualitative Diskrepanz zwischen ihrer grandiosen Verteidigungsarbeit und dem wackeligen Angriffsspiel zu verringern. Und das taten sie auch. Die Neuankömmlinge Greg Monroe, Greivis Vasquez, Chris Copeland und Rashad Vaughn versprechen eine Aufwertung des schwachen Angriffs. Monroe bringt Scoring und Passing im Lowpost,Vasquez Erfahrung, Shooting und Spielintelligenz auf der Spielmacherposition, Copeland und Rookie Vaughn als Spot-up-Schützen die notwendige Potenz von Downtown.  

Beste Addition
Greg Monroe ... Dass sich „Moose“ als Free Agent trotz anderweitiger Angebote dazu entschlossen hat, fortan in Wisconsin auf Körbejagd zu gehen, unterstreicht den neuen Stellenwert, den die Bucks in der Association genießen. Es ist erstrebenswert, ein Teil der juvenilen Hirsch-Armada zu sein – wer hätte das vor anderthalb Jahren für möglich gehalten?

Der blutjunge und hochveranlagte Bucks-Nukleus aus Middleton, Antetokounmpo und Parker wurde durch die Addition des 25-jährigen Big Man Monroe um ein weiteres Mitglied ergänzt. Monroe gibt den Bucks eine effektive go-to Scoringoption im Lowpost und kann mit seiner Mischung aus Finesse und Robustheit das Angriffsspiel der Hirsche ankurbeln. Es sollte nicht verwundern, wenn Head Coach Kidd in der Halbfeld-Offensive eine Vielzahl seiner Angriffe künftig über den Pivoten aufzieht und sich Monroes sehr guten Passing-Skills bedient.

The Planet
Greg Monroe ... Noch. Denn in Zukunft werden an dieser Stelle die Namen Giannis Antetokounmpo und/oder Jabari Parker stehen. Doch solange die beiden 20-Jährigen noch fleißig an ihrem basketballerischen Handwerk basteln und momentan erst einmal dabei sind, sich zu einem fertigen Produkt zu entwickeln, hält Monroe den Platz als Franchise-Spieler der Bucks für die beiden Jungspunde warm.

Der 2,11-Meter-Mann wird von Anfang an eine wichtige Rolle in den Set-Plays der Bucks einnehmen und seine Scoring-Qualitäten im Interieur einbringen. Im Angriff wird Übungsleiter Kidd die Stärken seines neuen Centers als abrollender Spieler in Pick & Roll Spielzügen zu nutzen wissen und Monroe nicht nur exklusiv mit dem Rücken zum Korb im Lowpost parken. Außerdem versprechen die Rebounding-Skills des Frontcourt-Spielers die notorische Schwäche der Bucks bei dem Einsammeln von Abprallern auszumerzen. Es ist davon auszugehen, dass sich Monroe als eine effektive Double-Double-Maschine für die Bucks profiliert und, ohne einen weiteren „klassischen“ Big Man an seiner Seite, wie es Andre Drummond war, endlich aufblühen wird. 


Rising Star
Giannis Antetokounmpo ... 9.8 PPG, 6.9 RPG, 1.1 APG und 0.9 BPG in 24.4 Spielminuten pro Partie. Diese Stats zauberte das genetische Wunderkind während der Basketball-EM für Griechenland in acht Partien auf das haselnussbraune Parkett. Doch die interessanteste und bedeutsamste Zahl lautet 38.5. Denn 38.5% seiner Würfe von jenseits der Dreipunktelinie fanden den Weg durch die Reuse und bezeugen von einem Umstand, den sämtliche Coaches und Mitspieler von Antetokounmpo in den letzten Monaten immer wieder ansprachen: der Sprungwurf des jungen Griechen wird immer sicherer!

Sollte der Mann mit dem Buchstabensalat als Nachnamen tatsächlich nachhaltig sein Wurf von Downtown aufgebessert haben, dann eröffnen sich für ihn persönlich, und für die Bucks als Team, ganz neue Möglichkeiten. Antetokounmpo ist mit seiner Länge, den Ballhandlingskills in Pick & Roll-Situationen und der Athletik jetzt schon ein wandelndes Mismatch und so etwas wie der Lieblingsschüler von „J-Kidd“, der als NBA-Vorprediger des positionslosen Basketballspiels angesehen werden kann. Die spielerische Progression des Basketballers Antetokounmpo hat erst begonnen. Karrierebestewerte in nahezu allen Kategorien dürften folgen. A Star in the making!

Falling Fast
Michael Carter-Williams ... Wenn ein Spieler als amtierender Rookie-of-the-Year und Top-Scorer seiner Mannschaft getradet wird, dann muss man kein Trenchcoat-tragender, zigarrenrauchender Oberinspektor sein, um zu erkennen, dass es sich bei dem Spieler und seine Stats um eine Mogelpackung handeln könnten. Nicht nur Advanced-Stats-Gurus und Effizienz-Fetischisten haben längst begriffen, dass „MCW“ in der Offensive für sein Team nur von begrenzter Nützlichkeit ist. Sein Sprungwurf ist so wackelig wie ein Jenga-Turm nach 20 Spielzügen (2014/15: Jumpshot-Trefferquote von 18,1%), weshalb er als Off-Guard unbrauchbar ist und seine Gegenspieler sorglos in die Zone absinken können.

Seine Vorzüge hat Carter-Williams klar in der Defensive, wo er dank seiner Armspannweite und Athletik im Teamverbund gut verteidigt und auch seinen Anteil an der letztjährigen Erfolgsgeschichte der Bucks hatte. Mit „MCW“ auf dem Court kamen die Bucks auf ein Net-Rating von +6,4, sodass er durchaus einen positiven Einfluss auf sein Team haben kann. Nichtsdestotrotz ist die interne Konkurrenz mit Vasquez und Sophomore Tyler Ennis angewachsen. Carter-Williams muss dringend an der Variablität in seinem Offensiv-Spiel arbeiten, um nicht auf lange Sicht seinen Starter-Job zu verlieren.

Don’t Sleep! 
John Henson ... Khris Middleton und Vorjahrespick Parker sind bei den gemeinen NBA-Fans sicherlich klarer im Kopf als der 2,11-Meter-Big-Man John Henson. Nach den Abgängen von Starting-Center Zaza Pachulia und Stretch-Forward Ersan Ilyasova sind in der Frontcourt-Rotation Minuten frei geworden, die sich vor allem auch Henson einverleiben wird. Bereits während seiner College-Zeit bei den North Carolina Tar Heels konnte sich der Big-Man als ein ungemein effektiver Verteidiger etablieren. Nun scheint er endlich bereit dafür zu sein, auch in der NBA ein Interior-Defender der Extraklasse zu werden.

Mit einer Armspannweite von 2,29 Metern und einer guten lateralen Bewegungsgeschwindigkeit ist Henson ein sehr guter Ringbeschützer, was die Trefferquoten seiner direkten Gegenspieler innerhalb der Zone bezeugen können (Post-All-Star-Break: 47,3%, was minus-11,4 Prozent gegenüber den durchschnittlichen Trefferquoten seiner Gegner entsprach). Rudy Gobert mag den Hype besitzen, doch Henson sollte nicht mehr allzu lange im Schatten des Franzosen stehen, wenn es um die besten jungen Ringbeschützer der NBA geht.


Good News
+ Die Defensive der Bucks gehörte letztes Jahr schon zur NBA-Ligaspitze und wird es auch in der kommenden Saison. Die Länge und Athletik der Bucks-Starting-Five erschwert jeder Offense das Punkten. Henson ist dabei in Begriff, einer der besten Ringbeschützer der NBA zu werden
+ Head Coach Kidd will sein Prinzip der Positionslosigkeit weiter vorantreiben und ein äußerst variables Team auf den Court schicken. Mehrere Jungs, die das Pick & Roll als Ballhandler laufen und das Spiel in der Transition aufziehen können. Ziehen die Bucks nach Ballgewinnen das Tempo an, wird es für die gegnerische D schwer
+ Mit den Verpflichtungen von Copeland, Vaughn und Vasquez soll für ein Mehr an Spacing gesorgt werden. Die Bank der Bucks ist mit brauchbaren Rotationsspielern nun wesentlich tiefer besetzt, Kidd kann auch ein offensivstarkes Smallball-Team aufstellen

Bad News
- Die Bucks sind jung. Rugrats-jung. Kein Spieler der prädestinierten Starting-Five hat vor dem Jahr 1990 das Licht der Welt erblickt. Mit Fehlern aufgrund von Unerfahrenheit ist zu rechnen. Learning by doing heißt das Motto
- Je nach Lineup könnten die Bucks ein Spacing-Problem bekommen. Sollte 'Kounmpo seinen Distanzwurf inkonstant treffen, dann werden die Gegner dazuverleitet, die Post-ups von Monroe und Parker ungestraft zu doppeln und die Zone für die Drives der Perimeter-Spieler zuzustellen
- Weiterer Aufschwung kann nur erwartet werden, wenn die Hirsche eine stark verbesserte Offense-Performance zeigen. Lässt Kidd seine Schützlinge das Tempo anziehen, um die Schwächen in der Halbfeld-O zu kaschieren oder will er das Tempo eher drosseln, um mehr Sicherheit ins Spiel zu bekommen? Die Anzahl der Ballverluste (2014/15: 15,5 TOV% - Platz 29) muss dringend runtergeschraubt werden

Was fehlt?
Vor allem „Veteran Leadership“ und Synergien im offensiven Skillset der Frontcourt-Spieler. Die einzigen beiden Rotationsspieler der Hirsche, die mehr als sechs Spielzeiten in der NBA verbracht haben, sind O.J. Mayo und Jerryd Bayless (jeweils sieben). Und ist der Mayonnaisen-Mann mit dem Ansatz eines Wohlstandsbauch wirklich der Veteran, den man sich für sein Team wünscht? In engen Partien und bei partiellen Schwächenphasen der Mannschaft könnte sich das Fehlen von erfahrenen Leadern bemerkbar machen.

Der perfekte Frontcourt-Partner für Monroe, Henson oder auch Parker wäre eigentlich ein Stretch-Forward mit sicherem Distanzwurf – so jemand wie Ilyasova. Aus diesem Grund wird es wohl tatsächlich Ansätze von Smallball geben, bei denen Copeland einige Minuten auf der Vier verbringt, um für Spacing zu sorgen.

Blast from the Past


KGDCG
OJ Mayo ... Genau zwei Spieler bekommen in diesem Jahr mehr als 10 Mio. $ von den Bucks überwiesen – Monroe und Middleton. Das passt. Also geht die Suche nach Karteileichen weiter. „Erschreckenderweise“ machen aber nahezu alle Verträge verdammt viel Sinn und sind gemessen an dem Output der Spieler in Ordnung. Und so fällt die Wahl auf O.J. Mayo, der mit seinen bald 28 Jahren und dem 8 Mio. $ Vertrag noch am ehesten aus dem Rahmen fällt und in den letzten beiden Spielzeiten vom Hoffnungsträger zum „One-Trick-Pony“ gefallen ist, der von Zeit zu Zeit für Shooting vom Perimeter sorgt.

LP-Rating


Kommt schon. Hier kann man eines der kommenden Top-Teams des Ostens beim Wachsen zuschauen. Die Achse Middleton-Antetokounmpo-Monroe wird durch Jungs wie dem rekonvaleszenten Parker oder dem athletischen Defensivstopper Henson verstärkt und wird sich immer mehr zu einer homogenen Einheit wandeln. Die Defensive war und ist superb und in diesem Jahr steht die Steigerung des offensiven Outputs auf dem Plan. Lässt Kidd seine athletischen Zöglinge von der Leine und verstärkt die Transition laufen, dann stehen Highlights auf der Tagesordnung.

Eine Frage noch...
In der Theorie mag sich alles sehr gut anhören, doch werden die Bucks wirklich eine gesteigerte Offensiveffizienz an den Tag legen? Und überhaupt, welches Offensivkonzept verfolgt Kidd? Viel wird davon abhängen, ob Antetokounmpo und Parker zumindest mit einer 35%-Trefferquote von jenseits der Dreierlinie aufwarten können. Dies würde Freiräume für die Drives von „MCW“ schaffen und auch Monroe bzw. Henson Platz im Lowpost machen. Kidd wird anfangs mit unterschiedlichen Lineups experimentieren müssen, um den richtigen Mix aus Inside-Outside-Spiel und schnellem Transition- gegenüber strukturiertem Set-Play-Spiel zu finden. 

Check 1,2
Die Mannen aus Wisconsin sind im Kommen. GM Hammond und Head Coach Kidd haben genau das beisammen, wonach viele Teams in der NBA zur Zeit noch suchen: ein junger, talentierter Nukleus, um den herum sich ein ambitioniertes Playoff-Team aufbauen lässt. Die 41 Siege aus dem Vorjahr sind jetzt die Messlatte, die noch in dieser Saison übersprungen werden soll.

Doch bereits die eigene Division ist mit Chicago, Cleveland, Detroit und Indiana kein leichtes Unterfangen und die heranwachsende Bucks-Truppe weiterhin erst am Anfang ihrer Entwicklung. Macht es jedoch in der Offense „Klick“, bleibt die Defense unverändert stark und 'Kounmpo plus Parker offenbaren regelmäßig ihr immenses Talent, dann sind die Playoffs safe und der Kampf um die Playoff-Plätze 5-7 im erstarkten NBA-Osten das realistische Ziel.

Chef-Orakel
42-40

Playoffs?