10 Oktober 2015

10. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Flashback
16-66, Keine Playoffs

Plus
Karl-Anthony Towns
Tyus Jones
Andre Miller
Nemanja Bjelica
Tayshaun Prince
Damjan Rudez

Minus
Anthony Bennett
Chase Budinger
Robbie Hummel
Justin Hamilton
Gary Neal
Arinze Onuaku 

Cap-Situation
73 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
In diesem Sommer gab es für die Wolves den ersten Pick im Draft, es wurden erfahrene Rollenspieler verpflichtet und ein ehemaliger Nummer eins Pick (Anthony Bennett) wurde entlassen. In Minnesota passiert derzeit viel, die Erwartungen sind gestiegen, und das ist definitiv neu.

In den letzten Jahren konnten Wolves-Fans nicht viel erwarten, das Team war mies und zudem gab es immer wieder Verletzungsprobleme. Ab der kommenden Saison könnte es bergauf gehen, denn neben Top-Pick Karl-Anthony Towns konnten auch Routiniers wie Tayshaun Prince und Andre Miller verpflichtet werden, die den Coaches bei der Entwicklung der Talente helfen werden. Die Stimmung in Minneapolis dürfte sich also langsam wandeln, denn hier schlummert massives Potenzial.

Beste Addition
Karl-Anthony Towns ... Mit großen Vorschusslorbeeren kommt Towns in die Liga und die Experten prophezeien dem Halb-Dominikaner eine große Karriere. Ob er "nur" das größte Talent in diesem Draft ist oder sogar mal der beste Spieler des Jahrgangs wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Towns alles mitbringt, um ein dominanter Big Man in der modernen NBA zu werden.
 Der ehemalige Kentucky Wildcat kann sowohl in der Offensive als auch in der Defensive den Unterschied machen und ist speziell defensiv für sein Alter schon sehr weit.

Towns arbeitet gut am Brett, verfügt über ordentliche Bewegungen in der Zone, trifft aus der Distanz und ist auch an der Freiwurflinie gut aufgehoben. Zudem verfügt 'KAT' über die richtigen Attribute, um der Liga seinen Stempel aufzudrücken – er ist zielstrebig und ehrgeizig, dennoch selbstlos und demütig. Zudem hat er in Kevin Garnett den perfekten Lehrmeister. KG kann Towns „fit“ für die Liga machen und ihm alles beibringen, was ein potenzieller Superstar können muss.

The Planet
Andrew Wiggins ... Die kurze NBA-Karriere des Kanadiers war bereits sehr ereignisreich. Zunächst sah es danach aus, dass der Top-Pick 2014 an der Seite von LeBron James mit Cleveland um den Titel spielen würde, nur um sich kurze Zeit später im Rahmen des Kevin Love Trades am anderen Ende der Tabelle wiederzufinden - in Minnesota.
 Letztlich war der Trade für Wiggins' persönliche Entwicklung viel hilfreicher, als in Cleveland zu bleiben.

Mit 16,9 Punkten und 4,6 Rebounds pro Partie spielte der Rookie of the Year eine sehr starke Saison. Gegen Ende des Jahres erhöhte Wiggins seinen Schnitt sogar auf 23,3 PPG und 5,8 RPG. Dabei darf nicht vergessen werden, wie jung der Small Forward noch ist. Er wird erst im kommenden Februar 21 Jahre alt. Trotz seines jungen Alters ist der Kanadier bereits jetzt der uneingeschränkte Franchise-Player der Wolves und hat noch enormes Entwicklungspotenzial.


Rising Star
Ricky Rubio ... Natürlich wäre Andrew Wiggins hier genauso gut aufgehoben gewesen; er ist schon jetzt der Top-Star und ist von seinem basketballerischen Zenit noch weit entfernt. Rubio hingegen wirkt irgendwie schon seit Jahren wie der „Rising Star“ der Wolves, und Jahr für Jahr warten wir darauf, dass der Spanier explodiert. Diese Detonation ist bisher immer ausgeblieben. Rubio zählt zweifelsfrei zu den talentiertesten Point Guards der Liga, aber seine Schwächen sind offensichtlich. Speziell seinen Distanzwurf hat er jedoch noch immer nicht gefunden.

Ohne Wurf bleibt Rubio ein Point Guard mit sehr gutem Passing und einer herausragenden Übersicht auf dem Feld - leider jedoch zu eindimensional. Die Hoffnung stirbt aber bekanntlich zuletzt, und Rubio wird weiterhin seine Chance bekommen, denn er ist gerade einmal 24 Jahre jung. Sein defensives Verhalten ist stark, er ist lang und schnell und kann das Spiel lesen wie kaum ein anderer. Wenn Rubio fit bleibt und der Wurf endlich fällt, dann könnte der Spanier All-Star-Niveau erreichen und sein Team auf ein neues Level hieven.

Falling Fast
Nikola Pekovic ... Der Center verliert für die Timberwolves zunehmend an Bedeutung. Der Montenegriner ist nach wie vor ein solider Fünfer und mit seinen 2,10m und knapp 150kg ein physisches Monster. Viele NBA Teams wären froh, wenn sie jemanden wie 'Pek' im Kader hätten.
Für die Wolves ist er aber überflüssig geworden, denn speziell auf den großen Positionen verfügt Minnesota über sehr viele Optionen.

Pekovic hat das große Problem, dass sein statisches und eindimensionales Spiel nicht sonderlich kompatibel mit dem schnellen und agilen Spiel der Wolves ist. Als Back-Up ist Pek mit seinen 12 Mio. $ pro Jahr eigentlich zu teuer... somit könnte der Europäer im Laufe der Saison zu einem interessanten Trade-Objekt werden. Das einzige Problem dabei: wer will den verletzungsanfälligen Big Man zu diesem Preis haben?

Don’t Sleep! 
Nemanja Bjelica ... Der Serbe ist in den USA noch nahezu unbekannt, während er in Europa zuletzt einer der herausragenden Spieler war. Bjelica bewies nicht zuletzt bei der Euro, dass er einer der besten Europäer ist. Er kann sowohl Small Forward als auch Power Forward spielen, hat trotz seiner Größe von 2,09m ein sehr gutes Händchen und kann dank seiner Übersicht auch im Aufbau aushelfen.

Mit 27 Jahren ist „Professor Big Shots“ ein sehr erfahrener Rookie und dürfte, nach kurzer Eingewöhnungsphase, auch in der NBA seine Spuren hinterlassen. Der große, unbekannte Serbe mit dem komischen Namen dürfte sich schnell in die Herzen der Fans spielen und gute Stats auflegen..


Good News
+ Wiggins ist auf dem Weg, ein NBA-Superstar zu werden 
+ Der Frontcourt um Towns, Garnett, Dieng, Pekovic, Bjelica und Payne ist sehr stark, talentiert und facettenreich besetzt 
+ Garnett, Prince, Martin und Miller werden den talentierten Jung-Wölfen extrem viel beibringen und dafür sorgen, dass nicht mehr so viele Spielen in der Endphase verloren gehen

Bad News
- Die Timberwolves spielen im qualitativ überbesetzten Westen... da wird leider nicht viel gehen
- Das Team ist extrem jung und muss sich erst einmal finden, bevor die Erwartungen an die Top-Picks zu groß werden  
- Coach Flip Saunders fällt durch seine Krebs-Erkrankung für die komplette Saison aus; sein Assistent Sam Mitchell übernimmt das Traineramt

Was fehlt?
Den Timberwolves fehlt es an Erfahrung! Das Team ist blutjung, aufregend und wild, aber Wiggins, Towns, LaVine, Muhammad, Dieng, Jones, Payne und sogar Rubio haben noch nicht viel von der Liga gesehen und kennen vor allem die Playoffs nur aus Erzählungen. Das Team muss wachsen und sich finden. Frei nach dem Motto „Trial and Error“ werden die Wolves viel versuchen, scheitern und dann wieder Gas geben. Der bereits erwähnte Ältestenrat um Garnett (39), Miller (39) und Prince (35) wird dabei helfen, diesen Lernprozess zu beschleunigen. 

Blast from the Past


KGDCG
Kevin Garnett ... Auch wenn es schmerzt, so ist „The Big Ticket“ in diesem Team der „Keep gettin‘ dem checks guy“. Garnett ist nach wie vor ein Arbeitstier und wird sich auf dem Platz den Arsch aufreißen, viel mehr als 20 Minuten pro Spiel sind für den 39-Jährigen jedoch nicht mehr drin. Für einen coachenden Teilzeit-Spieler sind 8,5 Mio. $ im Jahr einfach zu viel Geld.

LP-Rating


Für den Taktik-Fan werden die Timberwolves vermutlich kein Hingucker sein, aber für Freunde des schnellen Spiels, bei dem die Emotionen kochen (Garnett), es vorne knallt (LaVine, Wiggins, Towns, Muhammad) und zudem noch einige Traumpässe und Alley-Oop Anspiele (Rubio) übers Feld gejagt werden, sind die Wolves eine große Nummer. Die Spiele werden schnell sein und Punkte dürften zahlreich fallen. Showtime ist garantiert!

Eine Frage noch...
Werden die Timberwolves vor oder während der Saison noch einmal auf dem Markt aktiv?
Prognose: Das ist nicht auszuschließen, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Zunächst bleibt Rubio der Starting Point Guard. Tyus Jones lauert aber bereits auf seine Chance. Langsam möchten die Verantwortlichen in Minnesota eine Entwicklung bei Rubio sehen, ansonsten könnte im Laufe der Saison ein Trade anstehen. Auch Pekovic ist ein Top-Kandidat für einen Trade. 

Check 1,2
Die Timberwolves werden in der kommenden Saison nicht mehr das schlechteste Team der Liga sein. Die Erwartungen dürfen natürlich nicht zu sehr in die Höhe schießen, schließlich spielen die Wolves im Westen der NBA. Am Ende wird erneut ein hoher Draft-Pick zur Verfügung stehen, um dem talentierten Kader ein weiteres Puzzlestück hinzuzufügen – dieser Pick muss aber unter die Top-12 fallen, da er sonst nach Boston geht. Minnesota-Fans sollten sich jedoch keine Sorgen machen: trotz aller Verbesserungen und der rosigen Zukunft wird Minnesota am Ende dieser Saison wieder in der Lotterie landen. 

Chef-Orakel
30-52

Playoffs?