20 Oktober 2015

20. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von PHILIPP LANDSGESELL @Phillyland

Flashback
45-37, Playoffs Runde eins (0-4 vs. Golden State)

Plus
Kendrick Perkins 
Alonzo Gee
Bo McCalebb
Nate Robinson 

Minus
Jimmer Fredette 
Jeff Withey 
Toney Douglas

Cap-Situation
84 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Allen voran gibt es mit Alvin Gentry einen neuen Head Coach in New Orleans. Dazu gleich mehr. Beschäftigt war das Front Office hauptsächlich mit den zahlreichen eigenen Free Agents. Die drei Bigs Ömer Asik, Alexis Ajinca und Dante Cunningham wurden mit neuen Verträgen ausgestattet. Wichtigste Errungenschaft war aber natürlich die vorzeitige Vertragsverlängerung von Franchiseplayer Anthony Davis. 

Bei den Neuzugängen hat sich dagegen wenig getan. Da Assets schon im Vorhinein verdealt wurden, waren die Möglichkeiten sehr begrenzt, um am Kader etwas zu verändern. Vielleicht werden Alonzo Gee und Kendrick Perkins mehr Spielzeit bekommen als gedacht. Mit dem in New Orleans geborenen und bisher erfolgreich in Europa spielenden Bo McCalebb haben die Pelicans zudem auf die Verletzungssorgen reagiert und geben dem 30-jährigen die Chance, sich in der NBA beweisen zu können. 

Beste Addition
Alvin Gentry ... Die wichtigeren Veränderungen bei den Pelicans fanden auf der Bank statt. Alvin Gentry löst Monty Williams als Head Coach ab und dürfte den bisher lahmen Pelikanen eine große Portion Tempo verschreiben, nachdem das Team letzte Saison die viertlangsamste Pace aller Teams spielte.

Inspiriert davon, wie Gentry in der abgelaufenenen Saison als Assistenztrainer den Warriors ein schnelleres, kreativeres Offensivspiel auf den Leib schneiderte, holten ihn die Verantwortlichen nun als Head Coach. Die Hoffnung liegt nun bei Gentry, um das Maximale aus diesem Kader herauszuholen. Das Spielermaterial ist da, um schnell zu spielen. Gentry, der bereits vier Mal als Cheftrainer in der NBA aktiv war, hat mit Anthony Davis eine Wunderwaffe, die ihm vieles erleichtern wird.

The Planet
Anthony Davis ... Es müsste auch dem langsamsten mittlerweile klar sein: Anthony Davis ist der nächste Über-Superstar, der die Liga auf lange Zeit prägen und erst LeBron James, dann Kevin Durant als Gesicht der NBA überholen wird. Nun wird er auch dementsprechend bezahlt. Am 9. Juli unterzeichnete er seinen frischen Fünfjahresvertrag, der ihm ab der nächsten Saison 145 Millionen Dollar garantiert. Das ist viel Geld, aber Davis ist jeden Cent wert.

Vergangene Saison führte Davis die Liga bei den Blocks an, scorte mit 24,4 Punkten pro Spiel die viertmeisten Punkte und mit über 53% Trefferquote effizient aus dem Feld. Außerdem belegte er einen Platz unter den zehn besten Reboundern. Das sind statistische Fabelwerte, die nur noch von seinem Player Efficiency Rating (30.8) getoppt werden. Nur zehn Spieler in der NBA-Historie erreichten jemals einen besseren Wert. Davis ist gerade einmal 22 Jahre alt. Nochmal in Worten: Zweiundzwanzig! Da er 2015/16 bereits in seine vierte NBA Saison geht und sein Skillset Jahr für Jahr erweitert, kann sich noch niemand ausmalen, wie gut dieser Ausnahmespieler eines Tages mal noch werden kann.


Rising Star
Ryan Anderson ... Der Scharfschütze kommt frisch erholt aus der Offseason und hat über den Sommer knapp 20 Kilo abgespeckt. Anderson konnte sich endlich wieder auf den Basketball konzentrieren. Vor zwei Jahren hatte er persönliche Schicksalsschläge zu verarbeiten, voriges Jahr verbrachte er den Sommer in der Reha, um nach einer schweren Nackenverletzung zurück zu finden, kam nicht fit ins Training Camp, spielte eine Saison zum Vergessen.

Nun scheint es für den Dreierspezialisten wieder aufwärts zu gehen. In der schnellen Scoring-Offense der Pelicans, und da das Hauptaugenmerk der gegnerischen Verteidigungen auf Anthony Davis liegen wird, dürfte Anderson unfassbar viele freie Dreier bekommen. Da die beiden Center vermutlich zum Start ausfallen werden, wird Anderson auf der Vier neben Davis auf der Fünf starten. Es ist an der Zeit, dass Anderson wieder positive Nachrichten liefert.

Falling Fast
Der medizinische Stab der Pelicans … Klar, für Verletzungen können normalerweise keine Schuldigen gefunden werden. Mehrere Faktoren spielen in der Regel mit hinein, aber die Häufigkeit, mit der diese bei den Pelicans auftreten, ist besorgniserregend. Diese Franchise scheint schwere Verletzungen nahezu anzuziehen. 

Auch in der vergangenen Saison verhinderten multiple Ausfälle eine bessere Platzierung, die Seuche scheint kein Ende zu nehmen: Mit Asik und Ajinca fallen beide Big Men mehrwöchig aus. Auf keiner Position im Kader gibt es Spieler, die sich nicht mit Verletzungen herumplagen müssen. Auffallend ist, dass vor allem Muskelblessuren extrem häufig auftreten. Eine kritische Überprüfung des kompletten medizinischen Stabs scheint angebracht. Ist das noch pures Pech?

Don’t Sleep! 
Eric Gordon ... Gordon kam ursprünglich von den L.A. Clippers im historischen Chris Paul Trade nach New Orleans, sollte einst adäquater Gegenwert für den besten Point Guard der Liga sein. Wirklich angekommen ist Gordon nie so wirklich. Verletzungen warfen den 26-Jährigen immer wieder zurück und verhinderten den so wichtigen Spielrhythmus, um an seine erfolgreiche Clippers-Zeit (zwei Mal 20+ Punkte pro Spiel zwischen 2010 und 2012) anzuknüpfen.

Seit 2012 sind seine Statistiken rückläufig, doch es gibt zwei Dinge die für eine Wiederbelebung von „The Hobbit“ sprechen. Zum einen läuft sein Vertrag zum Saisonende aus - das setzt meistens extra Motivation für Training im Sommer frei. Zudem sollte Gordon im schnelleren System von Alvin Gentry viel mehr Möglichkeiten bekommen, zu scoren. Das kann er gut, und das wird der neue Coach auch von ihm verlangen.


Good News
+ Mit Anthony Davis haben die Pelicans einen Spieler  in den eigenen Reihen, der das Prädikat Superstar wirklich verdient.  Davis wird erneut verbessert aus der Offseason kommen. Läuft alles optimal, wird Davis diese Saison ein heißer Anwärter auf den MVP Award
+ Alvin Gentry wird der Offensive neues Leben einhauchen. Ex-Head Coach Monty Williams machte es den Pelikanen mit seinem unkreativen System oft schwieriger als nötig. Tyreke Evans und Eric Gordon werden im neuen System ihre Stärken besser einbringen können
+ Davis ballert nun auch Dreier

Bad News
- Bei aller Euphorie um die neue Offensive der Pelicans: zugelassene 104,7 Punkte pro Spiel (Platz 22 ligaweit) ist die größere Herausforderung für den Coaching Staff. Wollen die Pelicans höher hinaus, muss die Defense eklatant verbessert werden.
- Die Auswirkungen der vielen Verletzungen  werden bis in die ersten Wochen in der Saison zu spüren sein. Vieles wird davon abhängen, wie viel die gesunden Spieler auffangen können. Nicht einmal Pierre the Pelican, das offizielle Maskottchen,  kann eine Saison verletzungsfrei überstehen.
- Ein großes Fragezeichen steht hinter der Point Guard Position. Da Jrue Holiday nach Verletzung ein eher konservatives Minutenlimit bekommen wird und Backup Norris Cole wochenlang ausfällt, werden die Pelicans viel mit Nate Robinson und Bo McCalebb auf dem Feld stehen. Keiner der beiden kann die Antwort auf die vielen dominanten Point Guards in der Liga sein 

Was fehlt?
Gesundheit, vor allem. Dieses Team ist nicht in der Lage, lange Ausfälle der Schlüsselspieler zu kompensieren. Das trifft bereits auf Starter wie Eric Gordon und Tyreke Evans zu - aber erst recht auf Anthony Davis. Der hat bisher in keiner seiner drei Profisaisons mehr als 68 Partien absolviert. Will New Orleans mehr sein als ein Erstrundenaus-Team, muss Neu-Coach Gentry den zugegeben interessanten Spielerkern so häufig wie möglich aufs Parkett schicken können. Kann er das nicht, ist dieses Team nicht tief genug, um im Westen zu überleben. 

Blast from the Past


KGDCG
Ömer Asik … Die Pelicans haben nicht nur einen mittleren Erstrundenpick (Platz 18 im Draft 2015, Sam Decker) für ein Jahr Ömer Asik ausgegeben, sondern durften den kommenden Free Agent auch noch dick bezahlen. Der Türke verlängerte im Sommer um fünf weitere Jahre und 60 Millionen Dollar. Daraufhin verpasste er erst die EuroBasket wegen Rückenproblemen, nun fällt er mit einer Wadenzerrung aus. Das sind Warnzeichen eines alternden Centers. Asik wird nächsten Sommer 30 Jahre alt und wird den Pelicans noch mindestens bis 2020 in den Büchern stehen. Ob 7 Punkte und 10 Rebounds pro Spiel wirklich so viel Geld wert sind?

LP-Rating


Allein Anthony Davis ist eigentlich Grund genug, die Pelicans religiös zu verfolgen. Auch das Spielsystem wird attraktiver werden als noch in der vergangenen Saison. Head Coach Alvin Gentry gilt als offensives Mastermind, wird die Pelicans mit einer hohen Pace spielen lassen und so das Herz der Offensivfans höher schlagen lassen.  Wer also auf schnellen, mitreißenden Basketball und einen der besten Spieler der Welt steht, sollte bei NOLA einschalten.

Eine Frage noch...
Werden und bleiben die Pelicans endlich fit? Unfassbare 239 Partien verpassten die Schlüsselspieler Anthony Davis, Jrue Holiday, Eric Gordon und Ryan Anderson über die letzten beiden Jahre. Will NOLA die besten Teams der Liga angreifen, darf sich die Verletzungsmisere nicht fortsetzen. Erste Blessuren sind schon wieder da. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Verletzungsteufel nur in der Vorbereitung „The Big Easy“ einen Besuch abstattet und sich über die reguläre Saison der Stadt fern hält.  

Check 1,2
Der Fast-Contender… Die Pelicans werden sicherlich eine bessere Saison spielen als in der vergangenen, als ein Davis Buzzer-Beater-Dreier gegen den direkten Konkurrenten Oklahoma City für den knappen Einzug in die Playoffs sorgte. Vieles wird davon abhängen, wie Gesund der Kader bleiben wird. Mit Gentry kommt neuer Schwung ins Spielsystem, offensiv wird es also wohl noch besser laufen. Das größere Fragezeichen steht hinter der Verteidigung. Ein 22. Rang in der Defensiv reicht einfach nicht, um die absoluten Contender anzugreifen. Um oben mitzuspielen, braucht New Orleans mehr Balance und eine unversehrte Startformation. 

Chef-Orakel
45-37

Playoffs?