17 Oktober 2015

16. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von STEFAN DUPICK @hoopsgamede

Flashback
25-57, Keine Playoffs

Plus
Scott Skiles (HC)
Mario Hezonja
Shabazz Napier
C.J. Watson
Jason Smith 

Minus
Kyle O’Quinn
Ben Gordon
Moe Harkless
Luke Ridnour

Cap-Situation
71 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Head Coach Scott Skiles ist neu, und was er mitbringt ist Defense! Das ist in Orlando auch bitter nötig, denn in den letzten Jahren war das Defensivverhalten der Magic eher unterirdisch. Seine Qualitäten als Defensiv-Coach hat Skiles bereits mehrfach in der NBA bewiesen. Vorfinden wird Skiles eine spannende Ansammlung junger und athletischer Spieler mit der Bereitschaft sich weiterzuentwickeln - darunter auch Rookie Mario Hezonja.

Der Kroate kommt vom FC Barcelona und war der Pick Nummer fünf im diesjährigen Draft. Zudem wurde in diesem Sommer mit Shabazz Napier und C.J. Watson der Back Court gestärkt, beide Spieler werden Elfrid Payton Verschnaufpausen bescheren können. Für die Frontcourt-Rotation kam Jason Smith aus New York. Smith ist ein solider Rollenspieler und Back-Up für Nikola Vucevic.

Beste Addition
Mario Hezonja ... Mario Hezonja ist sowohl talentiert, als auch athletisch, und auf jeden Fall ist er der eingebildetste Spieler im diesjährigen Draft. Der Kroate ist 20 Jahre jung und sagt von sich selbst, dass er vor niemandem Respekt hat. Er ist ein aktiver Trash-Talker und ein Hitzkopf.

Auf der anderen Seite bringt der 2,03m große Flügelspieler Shooting nach Florida, das fehlte den Magic zuletzt. Hezonja ist offensiv talentiert, er kann zum Korb ziehen und spektakulär abschließen, er trifft aber eben auch den Dreier. Der Kroate wird in Orlando polarisieren. Einige werden ihn für sein attraktives Spiel lieben, andere werden ihn wegen seiner arroganten Art hassen - Hezonja stört das nicht, denn so war es auch schon beim FC Barcelona.

The Planet
Victor Oladipo ... Victor Oladipo ist der Franchise Player der Magic und wird in diese Rolle weiter hineinwachsen. Auch wenn Nikola Vucevic zuletzt noch die besten Stats des Teams aufweisen konnte, so gehört der Ball in den wichtigen Momenten in die Hände des Shooting Guards. Oladipo ist auf dem Weg, sich zu einem der besten Two-Guards der Liga zu entwickeln, er hat die Physis und vor allem das Talent, muss jedoch weiter an seinen Schwächen arbeiten.

Coach Skiles wird den ehemaligen Nummer zwei Pick speziell hinsichtlich Defense und Shooting entwickeln müssen, denn hier hat Oladipo noch sehr viel unerschlossenes Potential. Der 23-Jährige muss lernen, die einfachen Plays zu machen, das Pick & Roll anzunehmen und Ballverluste zu vermeiden. Oladipo geht nun in Jahr drei seiner noch jungen Karriere und wird auch in der kommenden Saison für Aufsehen sorgen. Will Orlando den großen Schritt nach vorne machen, hängt viel vom Hoffnungsträger im Backcourt ab.  


Rising Star
Elfrid Payton ... Payton hatte eine gute Rookie-Saison im Jersey der Magic. Der Spielmacher hatte jedoch nicht nur positive Momente. Seine Ballverlustrate muss er natürlich verbessern, aber das geht vielen jungen Point Guards so. Noch dringender muss der Mann mit der Fantasiefrisur an seinen Wurfquoten arbeiten: Payton traf als Rookie nur 42,5% aus dem Feld, 55% von der Freiwurflinie und nur 26% seiner Dreierversuche.

Auf der anderen Seite bekam er die Chance, Fehler zu machen und sich zu entwickeln. Er stand in allen 82 Partien auf dem Parkett, sammelte zwölf Double-Doubles und sogar zwei Triple Doubles ein. Das gelingt selbst Veteranen in dieser Liga nur ganz selten, mehrmals so gut wie nie. Im Draft 2015 verzichteten die Magic darauf, Emmanuel Mudiay zu ziehen, einen der talentiertesten Point Guards der letzten Jahre. Dieser Verzicht ist ein deutlicher Vertrauensbeweis in Richtung Payton. Mit diesem Vertrauen im Rücken, viel Spielzeit und einem Coach, der seine Defensivarbeit zu schätzen weiß, wird sich Payton in Jahr weiter verbessern.

Falling Fast 
Channing Frye ... Frye kam vor der letzten Saison mit großen Vorschusslorbeeren aus Phoenix. Leider konnte der Big Man die in ihn gesetzten Erwartungen nie erfüllen. Frye soll in Orlando eigentlich als Stretch-Big agieren und Räume für Payton und Oladipo schaffen. Seine Dreier-Quote lag zwar in der vergangenen Saison bei guten 39,3%.

Dennoch war Fryes offensiver Impact diskutabel. Schließlich erzielten die Magic ohne ihn auf dem Feld (99,3 Punkte je 100 Angriffe) nahezu genauso viele Punkte wie mit ihm (99,9 Punkte je 100). Nicht diskutabel war hingegen seine Defense. Mit 107,4 Punkten pro 100 Angriffen des Gegners wies Frye das schlechteste Defensiv-Rating aller Magic Spieler auf und war so neben dem ebenfalls schwachen Verteidiger Vucevic keine gute Ergänzung.

Don’t Sleep! 
Aaron Gordon ... Er soll Orlandos Power Forward der Zukunft sein. In seiner Rookie-Saison konnte der 20-Jährige nicht überzeugen, fiel jedoch auch die halbe Saison verletzt aus. Jetzt ist Gordon wieder da, und auch wenn er noch nicht wieder bei 100% ist, steht er vor dem Sprung in die Starting Five. Coach Skiles plant vorerst mit einem Forward-Gespann um Harris und Gordon.

Kein Wunder: Gordon ist einer der besten Verteidiger des Teams und kann aufgrund seiner Athletik sowohl Dreier als auch Vierer effektiv verteidigen. Diese Tatsache macht den Forward extrem wichtig, denn Qualitäts-Defense ist in Orlando Mangelware. Auch offensiv hat Gordon deutlich mehr drauf, als er bisher gezeigt hat. Sollte das Kraftpaket fit sein, dann wäre es nicht verwunderlich, wenn er seine Statistiken aus der Vorsaison (5,2 PPG und 3,6 RPG) als Sophomore verdoppeln könnte.


Good News
+ Coach Skiles ist ein Schleifer und bringt Defense mit nach Florida. Die hat dieses Team bitter nötig, will es den nächsten Schritt machen
+ Der junge, talentierte Nukleus um Oladipo, Payton, Harris, Gordon, Vucevic und Hezonja ist bereit zu lernen und wird Skiles an den Lippen kleben 
+ Tobias Harris bleibt langfristig ein Magic. Dank seiner Vertrags-Struktur hat das Team in Zukunft finanziellen Spielraum

Bad News
- Das Team ist unfassbar jung und unerfahren
- Hezonja ist ein Hitzkopf und könnte Probleme mit Sturkopf Skiles bekommen, der weder als Rookie-Freund, noch als umgänglicher "Player's Coach" bekannt ist
- Dem Team fehlt es nach wie vor an gefährlichen Distanzschützen - speziell der Backcourt um Payton und Oladipo ist sehr schwach von der Dreierlinie

Was fehlt?
Orlando fehlt es vor allem an Erfahrung! Die Magic sind unfassbar jung. In der Starting Five ist Nikola Vucevic mit 24 Jahren der Senior. Channing Frye und C.J. Watson sind die einzigen Spieler im Kader, die 30 Jahre oder älter sind. Die jungen Magic werden viele Fehler machen und eine ganze Weile brauchen, ehe sie Coach Skiles' Vorgaben in konstante Leistungen umsetzen. Das bestehende Grundgerüst ist vielversprechend, aber ganz klar zukunftsorientiert. Hat der neue Coach Geduld - oder reißt er irgendwann jemandem den Kopf ab?

Blast from the Past


KGDCG
Channing Frye ... passt am ehesten in diese Beschreibung, denn er bringt bisher nicht ansatzweise das, was von ihm erwartet wurde. Seine 7,3 Punkte pro Abend in 2014/15 bei weniger als 40% aus dem Feld - die wohl schwächste Saison seiner NBA-Karriere. Frye ist zwar mit knapp 8 Mio. $ nicht übertrieben teuer, aber jemandem noch drei Jahre lang soviel Geld zu überweisen, wenn er seine Leistungen nicht bringt, ist nicht sehr zuträglich. Es kann sein, dass Fryes schwache Saison eine Anomalie war und er sich wieder fängt. Bis dahin bleibt er aber der unangefochtene KGDCG in Orlando.

LP-Rating


In den 82 Spielen der Magic wird es viele Highlights geben, ebenso jedoch auch viele Katastrophen-Momente. An einem Abend werden Showtime-Elemente das Amway Center in Ekstase versetzen, an anderen Abenden werden unterirdische Wurfquoten und Turnover-Festivals die Fans zum Verzweifeln bringen. In Orlando herrscht die Inkonstanz - bei solch einem jungen Team mit einem neuen Coach ist das jedoch kein Wunder. 

Eine Frage noch...
Wie lange lässt der erste Erfolg noch auf sich warten? Prognose: Die Fans der Magic brauchen einen langen Atem, aber das Warten dürfte sich irgendwann auszahlen. Der Kader ist jung und talentiert, das Management fügt jedes Jahr neue Puzzleteile hinzu. Payton und Oladipo könnten bald zu einem der besten Back Courts der Liga herangereift sein, und auch der Front Court hat enormes Potential. Selbst von der Bank kommen mit Hezonja, Fournier und Napier noch junge, hungrige Spieler. Wenn die Magic ausreichend Zeit bekommen und mit Coach Skiles harmonieren, dann reift im Norden Floridas wieder ein künftiger Contender heran. 

Check 1,2
In der kommenden Saison wird in Orlando aber noch nicht viel gehen! In erster Linie geht es darum, dass das neue System von Head Coach Scott Skiles greift. Zudem müssen die jungen Spieler auf dem Platz stehen und spielen, um zu lernen! Die Defense wird kontinuierlich optimiert und jeder Spieler muss an seinen Schwächen arbeiten. Es wird für die Magic zahlreiche Niederlagen hageln, aber zwischendurch dürfte es selbst gegen Top-Teams den einen oder anderen Lichtblick geben. Von den Playoffs sollte in Orlando (noch immer) keine Rede sein. Eine Verbesserung gegenüber der Vorsaison, ein zeitweiliges Mitspielen um Platz acht, ein bisschen Euphorie... am Ende dürfte erneut ein Lottery Pick zu Buche stehen und der Kader um ein letztes, vielversprechendes Talent ergänzt werden.

Chef-Orakel
33-49

Playoffs?