08 Oktober 2015

8. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von PHILIPP LANDSGESELL @Phillyland

Flashback
18-64, keine Playoffs

Plus
Jahlil Okafor
Carl Landry
Nik Stauskas
Kendall Marshall
Richaun Holmes
J.P. Tokoto
Pierre Jackson
Scottie Wilbekin

Minus
Luc Richard Mbah a Moute
Thomas Robinson
Henry Sims
Ish Smith
Glenn Robinson III
Jason Richardson 

Cap-Situation
60 Mio. $ Gehalt
unter dem Cap
unter dem Minimum

Stimmung so?


Was ist Neu?
Der Rebuild nimmt kleine, aber feine Formen an. Mit Nummer-3-Pick Jahlil Okafor haben die Sixers ein mögliches Puzzlestück im Draft abgestaubt, der alle nötigen Voraussetzungen hat, das Team auf lange Sicht zu prägen. Der Center wird sofort die erste Option im Angriff werden und das offensive System wird sich nach dem Kraftpaket richten.

Per Trade kam Shooting Guard Nik Stauskas – immerhin Platz acht im Draft 2014 – der die Gelegenheit für einen Neustart in der NBA bekommt. Nach der verkorksten Premierensaison in Sacramento werden sich genügend Gelegenheiten ergeben, um seine NBA-Tauglichkeit unter Beweis zu stellen. Ansonsten wurden viele junge Spieler geholt, die sich im Trainings-Camp um einen Platz im Roster streiten werden.

Beste Addition
Jahlil Okafor ... Der NCAA-Champion wird die schlechteste Offensive der vergangenen Saison (93 Punkte pro 100 Ballbesitze) beleben. Die Zeiten in denen Tony Wroten (16.9 Zähler pro Spiel) mit unterirdischen Wurfquoten die Sixers punktemäßig anführt, sind damit hoffentlich vorbei. Okafor wird sofort zum Dreh- und Angelpunkt in der Sixers-Offensive.

Viel Last für einen Rookie, doch Okafor ist der Aufgabe gewachsen. Sein Körper ist NBA-ready. Er hat mehrere feine Post Moves, mit denen er auch NBA-Bigs in Schwierigkeiten bringen kann, eine gute Beinarbeit und einen hohen Basketball-IQ. Das alles wird ihm helfen, auch in der NBA effektiv zu punkten. Da auch sonst wenig offensives Potenzial im Kader der 76ers vorhanden ist, wird Okafor Sahnezahlen auflegen und zum aussichtsreichen Kandidaten für den Rookie des Jahres Award.

The Planet
Nerlens Noel ... Auch hier wäre Okafor eine logische Wahl. Doch da niemand mit Sicherheit vorhersagen kann, wie sich der Rookie entwickelt, und Nerlens Noel bereits eine volle Saison hinter sich hat, bekommt Noel hier vor das Vorrecht. Ist Okafor der offensive Anker der Sixers, ist es Noel, der in der Verteidigung den Laden zusammen hält.

Philadelphia spielte eine überdurchschnittlich gute Verteidigung (102 Punkte pro 100 Ballbesitze, Platz 12). Großteils ist dies dem ehemaligen Kentucky Wildcat zu verdanken. Er verteidigt clever, füllt Löcher, bietet wertvolle Rim-Protection und kann auch kleinere Spieler decken. Nach dem All-Star-Break verbesserte er seinen Schnitt auf 2,3 Blocks, 2,1 Steals und 10 Rebounds pro Spiel. Mit einer komplett absolvierten Spielzeit auf dem Buckel wird er einen weiteren Schritt nach vorne machen.


Rising Star
Robert Covington ... Relativ unbeachtet und fernab der großen NBA-Aufmerksamkeit hat sich Covington zu einem echten Leistungsträger in Philadelphia entwickelt. Durch den radikalen Rebuild boten sich für viele Talente Chancen, viele Minuten in der NBA zu sehen. Covington hat sie genutzt. Der Shooter kam in der vergangenen Saison auf knapp 14 Punkte pro Spiel und schoss 37% von jenseits der Dreipunktelinie.

Dank Okafor unter dem Korb wird Covington mehr offene Würfe bekommen, wenn sich die Defensive hauptsächlich auf Okafor konzentriert. Eine weitere Leistungssteigerung ist möglich, vor allem wenn er die spielfreie Zeit genutzt hat, um an seinem Handling zu arbeiten. Sein Dribbling ist seine große Schwäche, er konnte harte Closeouts kaum ausnutzen.

Falling Fast
Joel Embiid ... Der supertalentierte Center kommt einfach nicht auf die Beine. Nachdem er bereits die letzte Saison wegen eines Fußbruchs verpasste, musste er diesen Sommer erneut unters Messer und fällt voraussichtlich auch die kommende Saison gänzlich aus. Die Verantwortlichen in der Stadt der brüderlichen Liebe werden erneut Embiids Rehaprozess behutsam verfolgen und jegliches Risiko scheuen.

Bis jetzt sind sie sehr geduldig gewesen. Sie wissen, dass Embiid über besondere Fähigkeiten verfügt. Aber er wäre nicht der erste Big Man, dessen Karriere durch eine Fußverletzung stark beeinträchtigt wird. Embiid abzuschreiben wäre sicherlich ein Fehler, aber ob er wirklich der Franchise-verändernde Spieler sein kann, der er für Philadelphia sein sollte, ist fraglicher denn je.

Don’t Sleep! 
Nik Stauskas ... Nach einer enttäuschenden Rookie Saison in Sacramento mit mageren 4,4 Punkte pro Spiel bei nur 44% effektiver Trefferquote aus dem Feld kann der ehemalige Top-Ten Pick seine NBA-Karriere neu starten. Der Kanadier ist neben Doug McDermott der beste Shooter aus dem Draft 2014 und dürfte bei den Sixers einiges an offensiver Verantwortung tragen.

Auch er wird von der Präsenz Okafors unter dem Korb profitieren und den einen oder anderen Dreier von außen einstreuen können. Daneben gibt es noch eine Menge Spieler, die sich im NBA-Schaufenster präsentieren dürfen. J.P. Tokoto unterzeichnete einen Einjahresvertrag und geht damit den Weg, den in der vorherigen Saison auch KJ McDaniels gegangen ist. Auch Zweitrundenpick Richaun Holmes könnte für Aufsehen sorgen.


Good News
+ Schöpft Okafor sein volles Potenzial aus, ist er ein Grundpfeiler für die Zukunft. Für seine erst 19 Jahre ist der ehemalige Blue Devil bereits sehr weit in seiner Entwicklung. Wie schnell er sein Spiel auf NBA-Level übertragen kann, wird spannend zu beobachten sein
+ Die letzte Tanking-Saison? Mit zwei weiteren Lottery Picks nächstes Jahr, viel Capspace und einem weiteren Entwicklungsjahr für die jungen Spieler könnte dies die letzte krasse Tanking-Saison der Sixers werden
+ Der eigene Draft Pick 2016 und der Lakers Pick (Top-3 geschützt)

Bad News
- Auch in der kommenden Saison werden Niederlagen an der Tagesordnung sein. An das Thema Playoffs ist überhaupt nicht zu denken. Doch die Bad News sind gleichzeitig Good News: Niederlagen garantieren einen hohen Pick im nächsten Draft
- Offensiv wird trotz Okafor nicht viel gehen. Vor allem die Konstellation mit Okafor und Noel auf der Platte dürfte nicht immer schön anzusehen sein, da Noel keine Gefahr ausstrahlt und nur durch Dunks zu punkten kommen wird
- Wer spielt Point Guard? Tony Wroten und Kendall Marshall sind zu Saisonbeginn nicht fit. Cannan ist nur von außen gefährlich und ob Scottie Wilbekin und Pierre Jackson wirkliche NBA-Spieler sind, ist mehr als fraglich

Was fehlt?
Noch immer fehlt es an Talent an allen Ecken und Enden, vor allem auf den kleinen Positionen. Weder Kendall Marshall noch Isaiah Cannan können die Antwort auf Point Guard sein. Hier werden die Sixers abwarten müssen, ob etwas per Trade möglich ist - oder eben auf den nächsten Draft bauen. Die Sixers sind ein unfertiges Produkt, aber das ist jedem in der Führungsetage und auf den Zuschauerrängen bewusst.

Blast from the Past


KGDCG
Gerald Wallace & Javale McGee ... Die beiden repräsentieren die Absurdität des Sixers-Rebuilds. 24 Millionen Dollar wandern insgesamt auf die Konten der beiden Spieler, die nicht mehr im Kader stehen. Der Rest des Kaders verdient zusammengenommen gerade einmal 26 Millionen Dollar. Willkommen in der Welt der Philadelphia 76ers! JaVale McGee und Gerald Wallace werden sich freuen. Sie müssen dieses Jahr nicht für die Sixers spielen, bekommen nach ihren jeweiligen Buyouts aber zweistellige Millionenverträge überwiesen. God Bless America!

LP-Rating


Bis auf die vom Rebuild überzeugten Philly-Fans dürfte sich kein neutraler Betrachter Spiele der 76ers antun. Zu wenig kompetitiv, zu wenig Stimmung in der Halle, zu wenig Talent auf dem Court... Das ist nicht besonders attraktiv, klar. Gründe, die Sixers ab und zu sehen gibt es trotzdem, keiner von ihnen größer als Jahlil Okafor bei seiner Rookie-des-Jahres-Kampagne zu verfolgen.

Eine Frage noch...
Können Okafor und Noel gleichzeitig auf dem Parkett stehen? Die beiden Center könnten in ihrer Spielweise kaum unterschiedlicher sein. Okafor ist offensiv hochveranlagt, hat ein gutes Gefühl für das Spiel und auch seine Pässe aus dem Doppeln finden die Teamkollegen. So gut er aber vorne punktet, hinten haben seine Gegner meist leichtes Spiel.

Defensiv wird Okafor sehr viel Lehrgeld bezahlen. Noel wird viel für seinen Teamkollegen mitverteidigen müssen. Da Noels Sprungwurf nicht existent ist und er nur direkt am Korb zu punkten kommt, steht Head Coach Brett Brown vor einer riesigen Aufgabe. Okafor braucht Platz, um sein Low Spiel entfalten zu können? Aber wo wird Noel dann versteckt?

Check 1,2
Die Sixers werden weiterhin stur und entspannt (zumindest nach außen) ihren Rebuild-Plan umsetzen. Bei ellenlangen Niederlagenserien wird nicht in Panik verfallen, die Pleitenserien sind einkalkuliert. Jedoch werden die Sixers besser auftreten als letztes Jahr.

Spielerentwicklung, Defensivarbeit und Erfahrung sammeln werden die großen Themen der Sixers in der kommenden Saison sein. Siege sind zweitrangig, sollten aber mehr werden als noch letzte Saison. Die (vermeintlichen) ersten Säulen für die Zukunft, Noel und Okafor, sind verletzungsfrei. Die Fans können sich auf erste Resultate des bisherigen Rebuilds freuen und müssen weiter dem Prozess vertrauen. Was bleibt ihnen sonst auch übrig?

Chef-Orakel
20-62

Playoffs?