16 Oktober 2015

16. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von GÜVEN TAŞ @GuvenTas

Flashback
39-43, Keine Playoffs

Plus
Tyson Chandler
Devin Booker
Mirza Teletovic
Ronnie Price
Sonny Weems
Cory Jefferson
Jon Leuer
Henry Sims

Minus
Marcus Morris
Gerald Green
Danny Granger
Marcus Thornton
Brandan Wright
Reggie Bullock
Earl Barron
Jerel McNeal

Cap-Situation
75 Mio. $ Gehalt
über dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Der Coach ist derselbe, die Leistungsträger ebenfalls, selbst das Saisonziel bleibt das gleiche wie bisher. Die Playoffs sollen her. Tyson Chandler war die hochgepriesene Addition im Sommer, nur er kann die Aussichten dieser Mannschaft nachhaltig verändern. Im Grunde ist der Status der Hornacek-Jungs wie in der Vorsaison. Das Ziel kann nur Platz Acht heißen. Für mehr fehlt es leider an Qualität, für viel weniger als den Kampf um den letzten Playoff-Platz sind die Suns eigentlich zu gut.

Beste Addition
Tyson Chandler ... In all dem Trubel des Sommers flog ein Hochkaräter unauffällig unterm Radar in Richtung Arizona. Bereits zu Beginn der Free Agency machte General Manager McDonough Nägel mit Köpfen und lockte Tyson Chandler für vier Jahre und 52 Mio. $ in die heiße Wüste. Auch wenn der Meister-Kumpel von Dirk Nowitzki bereits 33 Jahre alt ist, gehört er noch immer zu den besten Defensiv-Dirigenten der NBA.

Die junge Truppe der Phoenix Suns könnte stark vom erfahrenen Abwehrturm Chandler profitieren, der bereits in seine 15. Profisaison geht. Er versteht es wie nur wenige, eine gesamte Defensivformation zu lenken und im Alleingang auf ein respektables Niveau zu hieven. Ein Problem könnten die in den letzten Jahren fragilen Bänder und Knochen des Hünen darstellen. In seiner letzten Saison in Dallas machte Chandler immerhin 75 Partien. Davor verpasste er allerdings in drei Jahren satte 63 Spiele!

The Planet
Eric Bledsoe ... Der Herbst 2014 war ein goldener für den Guard der Phoenix Suns. Der immer noch erst 25-jährige Spielmacher verlängerte seinen Kontrakt in Arizona um fünf Jahre. Diesen Loyalitätseid ließ sich Bledsoe mit 70 Millionen grünen Dollar-Scheinchen versüßen. Bei manchen sorgte das für Kopfschütteln. Setzt man diesen Betrag jedoch in die heutigen Salär-Relationen der NBA, ist der Vertrag durchaus angemessen.

Der 1,85m große Pitbull gehört zu den schnellsten Spielern der Liga. Mit seiner ungeheuren Athletik kann er sich allabendlich zum Albtraum jeder Defensive entwickeln. Dank seiner schnellen Füße und seiner bullenstarken Physis ist der ehemalige Schützling von John Calipari auch ein sehr effektiver Verteidiger. Bledsoe ist übrigens einer von vier ex-Wildcats, die jetzt gemeinsam in Phoenix unter Vertrag stehen: sein Backcourt-Partner Brandon Knight, Rookie Devin Booker und Archie Goodwin.


Rising Star
Alex Len ... Der Ukrainer geht jetzt in seine dritte  NBA-Saison mit den Suns. Der 22-jährige Center konnte in der vergangenen Saison endlich mal zeigen, warum ihn Phoenix im Draft 2013 bereits an fünfter Position auswählte. Er stand 69 Partien auf dem Parkett, 44 davon als Starter, und legte mit 6,6 Rebounds, 1,5 Blocks und 51% aus dem Feld in nur 22 Minuten Spielzeit respektable Zahlen auf.

Im Sommer verbrachte der schlaksige Fünfer viele Extrastunden im Kraftraum, polierte auch seine Grundschnelligkeit und Reaktionsgeschwindigkeit auf. Mit Tyson Chandler hat er nun einen erstklassigen Lehrer auf seiner Position vor ihm - das wird ihn zunächst Einsatzminuten kosten, ihn aber mittel- und langfristig zu einem besseren, kompletteren und aggressiveren NBA-Center machen. 

Falling Fast (via @nbachefkoch)
Markieff Morris ... Eigentlich galt Markieff - linke Hälfte des seit dem Sommer-Drama berüchtigten Morris-Zwillingsduos - als Schlüsselspieler unter Coach Hornacek. Wenngleich er niemals andeutete, jemals zu den besten Profis auf seiner Position gehören zu können, lieferte Morris doch solide Leistungen ab, war Phoenix' offensiv gefährlichster Big Man. Ein Stretch Vierer, der aus dem Face-up feuern kann und knapp ein Drittel seiner Dreierversuche einnetzt, hat in der heutigen NBA seine Daseinsberechtigung.

Warum wir die Vergangenheitsform bemühen? Weil Morris' Tage in der Wüste Arizonas gezählt sein dürften. Die verbalen Entgleisungen in Richtung Team und Management, nachdem sein Bruder Marcus in einem Salary Dump (die Suns brauchten Platz, um LaMarcus Aldridge jagen zu können) getradet wurde, haben Spuren hinterlassen. Auch wenn Morris im Camp auftauchte und vorerst noch Teil des Klubs ist: sobald McDonough ein brauchbares Angebot per Telefonanruf erhält, ist Markieff weg. Nur eben nicht wann, wie und wohin er möchte...

Don’t Sleep! 
TJ Warren ... Der 22-jährige Small Forward von der North Carolina State University spielte eine bockstarke Summer League. Mit durchschnittlich 22 Punkten gehörte der Sophomore zu den herausragenden Spielern des Sommerturniers. Die Wahl ins First Team war da nur die logische Folge. In Phoenix wartet in der kommenden Saison die Chance, dem etatmäßigen Starter P.J. Tucker Stück für Stück die Position abzuringen.

Warren ist ein begnadeter Scorer, der seine athletischen Vorzüge sehr gut einzusetzen weiß und aus vielen Lagen punkten kann. Im Gegensatz zu Tucker offenbart er defensiv und von jenseits der Dreierlinie noch Schwächen - hat aber viel mehr Entwicklungspotenzial und in solch einem jungen Alter noch genügend Zeit, sich die Gunst des Trainerstabs zu erarbeiten.


Good News
+ Bledsoe und Knight ergänzen sich im Backcourt sehr gut und können dieses Team dank ihrer Scorer- und Vorbereiter-Qualitäten Abend für Abend exzellent anführen
+ Tyson Chandler ist ein extrem erfahrener Musterprofi und sorgte bislang in jedem seiner Teams für einen Aufschwung. Auch in Phoenix wird die Zusammenarbeit vor allem defensiv Früchte tragen
+ Die Schlüsselspieler Bledsoe, Knight, Chandler und Morris sind allesamt mit langfristigen und relativ moderaten Verträgen ausgestattet. Das gibt den Suns auch im nächsten Jahr genügend Platz, um erneut einen großen Namen anzulocken

Bad News
- Noch immer fehlt dem soliden Kollektiv aus guten Basketballern ein richtiger Star an der Spitze, Eric Bledsoe in allen Ehren. Wie so etwas meistens ausgeht, haben die Denver Nuggets jahrelang schmerzlich erfahren müssen
- Diesem jungen Team fehlt es häufig an 'Clutchness' in der Endphase knapper Partien. Im brutalen Westen wird diese Naivität gnadenlos bestraft
- Die Suns müssen von außen mehr Gefahr ausstrahlen. Im vergangenen Jahr belegte Phoenix nur den 21. Rang bei der Team-Trefferquote von jenseits der Dreierlinie.

Was fehlt?
Eigentlich ist dieses junge Kollektiv aus Arizona ein ganz gutes Team mit der berühmten Luft nach oben. Aber "ganz gut" reicht in der NBA bekanntlich nicht ansatzweise aus... vor allem nicht in der Western Conference. Ohne einen richtigen Superstar gewinnt ist dort nicht einmal der Playoff-Einzug garantiert. Im Sommer waren die Suns lange Zeit im Rennen um LaMarcus Aldridge, dachten ihn verpflichten zu können. Der wechselte jedoch, seinem Naturell entsprechend, lieber zu seinen Brüdern im Geiste nach Alamo City. Phoenix ging leer aus - und wartet weiterhin auf die eine, Franchise-verändernde Superstar-Verpflichtung. Egal ob via Free Agency, Trade oder Draft...

Blast from the Past


KGDCG (via @nbachefkoch)
Mirza Teletovic … Unser KGDCG Emblem ist eigentlich nichts, worauf die Spieler stolz sein sollten. Sind sie auch nicht - Wir haben nachgefragt. Bei Mirza Teletovic machen wir eine Ausnahme. Der Bosnier verpasste einen Großteil der Vorsaison mit Blutgerinseln in der Lunge. Lange war unklar, ob er überhaupt jemals wieder Basketball spielen kann. Dass er in seinem fortgeschrittenen Alter - Teletovic wird bald 30 - noch einen 5 Mio. $ Deal in Phoenix klargemacht hat, freut uns. Einerseits, weil er nach drei durchwachsenen Jahren in Brooklyn, fluktuierender Spielzeit und Rolle im Angriff einen Neustart bekommt; andererseits, weil er vielleicht ohnehin nicht mehr lange in der NBA bleibt; am meisten aber, weil er weiterhin das tun kann, was ihm Spaß macht, und dafür auch noch gut bezahlt wird. Im Leben kann alles auf einen Schlag vorbei sein. Darum: Keep gettin dem Checks, Mirza!

LP-Rating


Die Suns sind kein aufregendes Basketball-Team. Sicher, Eric Bledsoe ist ein begnadeter Two-Way Point Guard, Tyson Chandler hat immer die ein oder andere spektakuläre Aktion im Gepäck, und Brandon Knight will immer noch wie ein Besessener auf jedes Poster. Aber insgesamt ist hier zu wenig Synergie, zu wenig Teamchemie und zu wenig qualitativ hochwertiger Basketball am Start, als dass ihr dringend einschalten solltet. Phoenix wird seine Momente haben. Zieht man die zweite Saisonhälfte 2014/15 aber als Indikator heran, werden die negativen und frustrierenden überwiegen. 

Eine Frage noch... (via @nbachefkoch)
Was macht Jeff Hornacek? Phoenix platzierte in der Überraschungssaison 2013/14 unter den acht besten Offensiven der NBA, begeisterte mit seiner dynamischen Zwei-Pointguard-Lineup. Der geneigte Fan freute sich auf die Addition von Isaiah Thomas, der aus dem Bledsoe/Goran Dragic Duo eine dreiköpfige Hydra machte. Dann kam die Trade-Deadline, Phoenix vollzog die 180-Grad-Wende, schickte zwei Drittel seiner Point-Männer aus der Stadt... 

Die Auswirkungen auf den Angriff waren verheerend. Die Suns-Attacke brach ein und fiel nach dem All-Star-Break auf Rang 28 ab. Coach Hornacek wollte zwar weiterhin attackieren und schnell spielen lassen - allein, kaum jemand konnte seine Vorgaben noch umsetzen. Justiert er sein Playbook für die kommende Saison nach, passt er seine taktische Ausrichtung an das vorhandene Spielermaterial an? Oder beharrt er auf seiner schnellen, wilden... und bei diesem Kader ultimativ erfolglosen Philosophie? 

Check 1,2
Im nächsten Jahr wird der fleißige GM McDonough wieder einen Anlauf auf einen prominenten Free Agent starten. Der Platz unter dem Salary Cap und zahlreiche interessante Trade-Chips erlauben Phoenix gute Möglichkeiten auf dem Spielerbazar. Gelingt ein solcher Coup, ist dieses hungrige Team auf einem Schlag ein Abo-Kandidat für die Playoffs, unter Umständen sogar ein ernsthafter Contender.

Das alles ist aber zu diesem Zeitpunkt nur hypothetisch. Solange besagter Superstar nicht irgendwie, irgendwann, irgendwoher kommt, hat Coach Hornacek erneut eine Mammutaufgabe vor sich: einen durchschnittlich talentierten Kader mit seiner nicht ganz dazu passenden Philosophie zu vereinen, um in einer unverzeihlichen Conference irgendwie Rang acht zu erreichen.

Chef-Orakel
38-44

Playoffs?