10 Oktober 2015

10. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Flashback
51-31, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Memphis)

Plus
Al-Farouq Aminu
Gerald Henderson
Mason Plumlee
Ed Davis
Noah Vonleh
Cliff Alexander
Maurice Harkless 
Pat Connaughton
Phil Pressey

Minus
LaMarcus Aldridge
Nicolas Batum
Wesley Matthews
Robin Lopez
Arron Afflalo
Thomas Robinson
Joel Freeland
Steve Blake
Dorell Wright 

Cap-Situation
51 Mio. $ Gehalt
(weit) unter dem Cap
unter dem Minimum

Stimmung so?


Was ist Neu?
Vier der fünf Starter sind weg, von den acht Blazers mit mehr als 18 Minuten pro Abend haben nur Damian Lillard und Chris Kaman nicht die Koffer gepackt bzw. packen müssen. Die Ära Aldridge ist vorbei, Lillard-Time soll anbrechen: Der junge Spielmacher will, soll und muss in seinem vierten Jahr der neue Fixpunkt in Oregon werden.

General Manager Neil Olshey hat den roten Knopf gedrückt und den Trail Blazers ein komplett neues, verjüngtes Gesicht gegeben. Frei nach Peter Fox: „Wenn’s dir nicht gefällt, mach‘ neu!“ Die Träume eines tiefen Playoff-Runs hatten sich in den letzten Jahren nicht erfüllt, viele Verträge liefen gleichzeitig aus, deshalb der Neustart. Defensivspezialist Al-Farouq Aminu wurde als Free Agent verpflichtet, Gerald Henderson und Sophomore Noah Vonleh für den in der letzten Saison enttäuschenden Nicolas Batum aus Charlotte per Trade geholt.

Beste Addition
Al-Farouq Aminu ... Olshey hatte, damals als noch bei den Los Angeles Clippers, den Forward 2010 als achten Draftpick in die NBA geholt und ihn seitdem nicht aus den Augen gelassen. In Dallas erspielte sich Aminu in der Vorsaison eine wichtige Rolle und eine Gehaltserhöhung von knapp sieben Millionen Dollar pro Jahr.

Mit seiner Erfahrung aus bisher 382 NBA-Spielen ist er einer der erfahrensten Profis im Kader und wird erstmals als Anführer eines Teams gefragt sein – sonst hätten ihn die Blazers wohl kaum hinter Lillard zum Topverdiener des Teams gemacht. Defensiv bewies Aminu im letzten Jahr in Dallas dank langer Arme und überdurchschnittlicher Athletik immer wieder seine Kompetenz, offensiv weiß er um seine Stärken und Schwächen.

The Planet
Damian Lillard ... Im Draft 2012 an sechster Stelle ausgewählt, stach er in seiner ersten Saison gleich mal Anthony Davis als Rookie of the Year aus. Von einer kleinen Uni gekommen, spielte sich der Point Guard an der Seite von LaMarcus Aldridge in die Herzen der Fans und profilierte sich von Anfang an als scorender Spielmacher.

In den Playoffs 2014 versetzte er ganz Portland mit seinem Dreier zum ersten Seriensieg seit über einem Jahrzehnt in Ekstase, in diesem Jahr aber enttäuschte er in der Postseason. Defensiv muss Lillard weiter lernen, die Rolle als Fixstern aber hat er gesucht und kann sie jetzt annehmen. Mit 25 Jahren und zwei All-Star Nominierungen in diese Aufgabe zu starten, ist nicht die schlechteste Ausgangsposition.


Rising Star
C.J. Collum ... Das dritte NBA-Jahr steht an für McCollum, der nach der Verletzung von Wesley Matthews in der Schlussphase der letzten Saison seiner Stellenbeschreibung als Shooting Guard absolut gerecht wurde. In den 13 regulären Saison- sowie Playoffpartien im April zeigte die Anzeigetafel für ihn durchschnittlich knapp 30 Minuten, 16 Punkte und einen True Shooting-Wert von 61.9% an.

Diesen in kleiner Stichprobenmenge sehr guten Lauf gilt es jetzt in vermutlich wesentlich prominenterer Rolle zu bestätigen: Viele Minuten sind neu zu verteilen, McCollum will dabei den Schwung mitnehmen und neben Lillard die Offensive prägen. Wir dürfen gespannt sein, ob er den Abgang von Wesley Matthews vergessen machen kann.

Falling Fast
Die Hoffnungen der Fans ... Eigentlich soll hier ein Spielername stehen, der einzige Veteran im Kader aber ist Chris Kaman. Und naja, also… ihr versteht. Deshalb unsere Wahl: Die in den letzten Jahren erhofften Chancen der Blazers-Anhängerschaft auf eine lange und erfolgreiche Postseason. 2014 gewann ihr Team erstmals seit dem Jahr 2000 wieder eine Playoff-Serie, vom Kern Aldridge, Lillard und Batum erhofften sie sich Feierstunden.

Nun: LaMarcus Aldridge arbeitet jetzt in San Antonio, Nicolas Batum wurde nach einer schwachen Saison nach Charlotte verschifft, weil das Front Office offenbar nicht mehr an den Kader glaubte. Verjüngt und mit vielen Fragezeichen geht Portland in die neue Saison, die Blicke der Fans sind vom Playoffrennen in Richtung Lottery abgeschweift.

Don’t Sleep! 
Noah Vonleh ... Im so jungen und weitgehend unerfahrenen Kader der Blazers den einen Sleeper auszumachen, ist schwierig. Die Erwartungen für die unmittelbare Zukunft sind überschaubar. Zurück zu Vonleh, dem neunten Pick des Drafts 2014. In Charlotte wegen einer Rückenverletzung nie so richtig angekommen, hofft der gerade einmal 20 Jahre alte Big Man auf ein gutes zweites Jahr in der NBA.

Ihm wird von vielen Scouts großes Potenzial als Rebounder und Schütze attestiert. In der Summer League wirkte Vonleh erstmals wirklich gesund und er konnte mit durchschnittlich 17.3 Punkten und 8.5 Rebounds bei guten Wurfquoten überzeugen. Dass dabei jeweils 1.3 Dreier pro Partie das Netz fanden, schmälert seine Chance auf Minuten sicher nicht. Im Draft vor einem Jahr galt Vonleh als noch nicht bereit für das Spiel in der NBA. Dieser Skepsis will der Sophomore in Portland entgegen treten.


Good News
+ Der Coaching Staff um Terry Stotts ist der gleiche wie im Vorjahr, immerhin hier also herrscht Kontinuität
+ Gerald Henderson ist mit 27 Jahren der zweitälteste Spieler im Kader, das Team läuft beinahe über vor Youngstern, die sich beweisen wollen
+ Die Blazers können sich im Laufe der Saison auf viele Anrufe aus anderen Front Offices freuen, die Trade-Szenarien sind dank des üppigen Platzes unter dem Salary Cap vielfältig

Bad News
- Zu viel wird offensiv von Lillard abhängen. Die Gegner können fast ihren gesamten defensiven Plan auf den All-Star Point Guard ausrichten
- Veteranen finden sich abseits von Chris Kaman (haha!) nicht im Kader, dabei gelten die doch als unverzichtbar für die Entwicklung von Talent. Oder?
- Das Talentlevel ist übersichtlich, neben Lillard ist aktuell niemand mit All-Star Potenzial zu sehen

Was fehlt?
Panik im Frontoffice. Statt nach der Entscheidung von LaMarcus Aldridge, sich den Spurs anzuschließen, in Hektik zu verfallen und hastig alternde Profis für den Kampf um Platz acht (und ein relativ sicheres Erstrundenaus) zu verpflichten, bewahrte die Führungsetage der Blazers die Ruhe. Mittelmaß stinkt, aber die Draftpicks sind vermutlich dennoch weg: Neil Olshey hat einen Kader mit viel Potenzial gebastelt, aus dem in den nächsten Jahren der Kern für den nächsten Angriff auf die Spitze der Western Conference erwachsen soll. Erfreulich. 

Blast from the Past


KGDCG
Es gibt keinen. Ernsthaft. Chris Kaman ist der einzige Ü30-Profi und verdient knapp über fünf Millionen Dollar. Ed Davis muss im Alter von jetzt 26 Jahren endlich beweisen, dass er auch über längere Zeit eine vernünftige Arbeitseinstellung an den Tag legen kann und wieso ihm die Blazers drei Jahre und 20 Millionen Dollar in den Vertrag geschrieben haben. Aber für den guten alten Keep Getting Dem Checks-Ausruf von Jalen Rose reicht das nicht.

LP-Rating


Verglichen mit den letzten Saisons wird die kommende im Nordwesten wohl nur den wenigsten wirklich Freude bereiten. Lillard will und muss das Team führen, danach kommen fast ausschließlich Spieler mit dem Label „Talent“. Zu hoffen ist also aus Sicht des League Pass-Ratings, dass eben jener Damian Lillard explodiert. Wenn er regelmäßig 30 bis 35 Punkte auflegt, schaue ich gerne mal rein.

Eine Frage noch...
Wieviel Zukunft hat dieser Kader? Lillard ist langfristig gebunden, Aminu ebenfalls. In der Starting Five sind es vermutlich nur die zwei, deren Platz wirklich sicher ist. Daneben aber besteht in der Rotation viel Raum zur Gestaltung, je nachdem welche der Neuverpflichtungen einschlägt. Viel Potenzial, wenig Handfestes. Die Blazers dürften je nach Saisonverlauf in wenigen bis vielen Verhandlungen für Trades zu finden sein. Immerhin: Nach dem Abgang von Aldridge setzt das Front Office konsequent auf Jungprofis, statt das Geld für Veteranen und einen Platz im Mittelmaß auszugeben.

Check 1,2
51 und 54 Spiele haben die Blazers in den letzten beiden Jahren gewonnen. Vier der fünf Starter sind weg, auch auf der Bank wird der geneigte NBA-Beobachter viele neue Gesichter vorfinden. Abhängig davon, wie schnell das Team zusammen kommt und welche der Jungprofis überzeugen können, werden Trade-Gerüchte das Team umschwirren. Portland hat viel Platz, größere Verträge zu schlucken und eine Menge günstiger Youngster im Angebot. Es dürfte eine Übergangssaison werden mit dem Ziel, Spieler an der Seite von Damian Lillard zu evaluieren und zu entwickeln. Wie viele der Jungs in drei, vier oder fünf Jahren noch in schwarz, rot und weiß auflaufen werden, ist reine Spekulation.

Chef-Orakel
20-62

Playoffs?