20 Oktober 2015

20. Oktober, 2015


Mit dem Media Day, Trainingscamps und ersten Testspielen ist die neue NBA-Saison 2015/16 inoffiziell underways. Wie jedes Jahr checken wir vor dem Start alle Teams medizinisch durch. Die komplette Liste mit allen 30 Mannschaften findet ihr hier.

von PASCAL GIETLER @PascalCTB

Flashback
38-44, Keine Playoffs

Plus
Tibor Pleiss
Raul Neto
Trey Lyles
Jeff Withey

Minus
Jeremy Evans

Cap-Situation
64 Mio. $ Gehalt
unter dem Cap

Stimmung so?


Was ist Neu?
Die Erwartungshaltung bei den Jazz dürfte eine ganz andere sein als noch in den vergangenen Jahren. Nach der Schreckensherrschaft des unansehnlichen Basketballs unter Ty Corbin hat die Franchise aus dem Mormonen-Staat bereits in der vergangenen Saison den sportlichen Umbruch gewagt - mit Erfolg. 

Nach holprigem Start und einer neu-implementierten Offensive hat Coach Quin Snyder nach dem All-Star-Break respektive nach dem Trade von Enes Kanter Erfolge durch steinharte Defensive und einer langsamen, jedoch strukturierten Offensive feiern können. Nach den All-Star-Festivitäten konnten die Jazz ein bockstarkes Defensivrating von 94.8 vorweisen und waren von der Bilanz her das sechsterfolgreichste Team in der Association. Die Erwartungshaltung dürfte sich also tendenziell eher in Richtung Playoffs bewegen - wer hätte das im Frühjahr 2014 gedacht?

Beste Addition
Ist es Tibor Pleiss? Ist es Trey Lyles? Vielleicht sogar Raul Neto? Die Off-Season der Jazz war so ruhig und unspektakulär, dass es schwer fällt einem der Rookies an dieser Stelle besondere Erwähnung zu schenken. Die beste Addition war, dass in Utah all die Spieler, die in der vergangenen Saison wichtig für die Jazz gewesen sind, noch im Kader sind und der Klub mit jungen Talenten die Rotation vertieft hat - besonders im Frontcourt.

The Planet
Gordon Hayward ... Machen wir mal ein Fass auf: Gordon Hayward ist seit der vergangenen Saison a) auf seiner Position einer der besten Spieler der Liga und b) legitimer All-Star/All-NBA-Team-Kandidat. Wieso? Er hat seine Rolle als Allrounder und Leader der jungen Jazz-Musikanten angenommen, hat in der Defensive noch mal eine Schippe drauf gepackt und spielt trotz erhöhter Verantwortung mit der nötigen Effizienz, die er in der Saison 2013-14 noch vermissen ließ.

[Zwischenruf: „Dein Eye-Test kann uns ja viel erzählen. Wo sind die Zahlen?“] 

Interessanter Zwischenruf, entschuldige, dass ich Basketball mit den Augen und nicht mit einem komplexen Algorithmus gucke. Aber hier die nackten Zahlen: Karrierehöchstwert bei den Punkten (19.3 PPG) trotz niedriger Pace (90.4) der Jazz, eine Dreierquote von 36.4% und ein individuelles Offensivrating von 111. Und jetzt geh zurück in deine Mathevorlesung und lass mich Gordon Hayward abfeiern.


Rising Star
Rudy Gobert ... Gobzilla, The Stifle Tower, The French Rejection - der junge Franzose hatte bereits als Sophomore so viele coole Spitznamen auf seiner Basketball-Reference-Seite, dass selbst so manch ein Veteran beim fleißigen Nachschlagen seiner Statistiken vor Neid erblassen könnte. Doch Gobert hat nicht nur coole Spitznamen, sondern war die personifizierte sportliche Wende der Jazz in der vergangenen Saison.

Nach dem Trade von Enes Kanter und seiner Berufung in die Starting Five hat der Franzose bereits in seinem zweiten Jahr am eigenen Korb für Angst und Schrecken gesorgt. Wenn man selbst Russell Westbrook ansieht, dass er nicht so viel Bock hat, den Drive gegen Gobert anzusetzen, scheint der Jazz-Center in der Defensive fast alles richtig zu machen. „Defensive Player of the Year 2016“? Wieso eigentlich nicht?

Falling Fast
Trey Burke ... Verletzungssorgen zum Karrierebeginn, wackeliger Start nach seiner Genesung, ein starker Abschluss der Rookiesaison - die Erwartungen an Trey Burke waren vor der letzten Spielzeit zwar nicht gigantisch, jedoch ging man davon aus, das er zumindest in den kommenden Jahren der Starter für die Utah Jazz auf der Point Guard-Position sein würde. Selbst den australischen Rohdiamanten Dante Exum hat Utah zu Beginn seiner Karriere viel abseits des Balles agieren lassen, während Trey Burke den Ballvortrag übernehmen durfte.

Die sichtbare Steigerung von Burke als Sophomore blieb jedoch aus. Er ballert phasenweise wie ein Besessener, ohne dabei auch nur im Ansatz effizient zu sein (36.8% FG; 31,8% Dreier). Das Resultat war, dass er von Snyder auf die Bank gesetzt wurde. Selbst nach dem Ausfall von Exum, der lange ausfällt, scheinen seine Aktien nicht gestiegen zu sein. Die Jazz spielen mit dem Gedanken, vermehrt auf Line-Ups ohne traditionellen Point Guard zu setzen... Kein gutes Zeichen für Burke.

Don’t Sleep! 
Alec Burks ... Trey Burke wird wohl nur bedingt von der Verletzung Dante Exums profitieren; Alec Burks hingegen dürfte größter Nutznießer dieser Situation werden. Der driverstarke Guard, der den Großteil der vergangenen Saison mit einer Schulterverletzung ausfiel, verfügt im Ansatz sowohl über Ballhandling, einen Wurf und Qualitäten in der Defensive.

Der Ausfall von Exum könnte zur Folge haben, dass Burks gemeinsam mit Rodney Hood und Gordon Hayward das Spiel in der Offensive machen wird. Bisher war Burks NBA-Karriere relativ unauffällig, dennoch konnte er seine Qualitäten als Antreiber der Offensive in Schüben unter Beweis stellen. In diesem Jahr könnte sein endgültiger Durchbruch erfolgen.


Good News
+ 94.8 Punkte ließen die Jazz nach dem All-Star-Break auf 100 gegnerische Ballbesitze zu - ein bockstarker Wert. Sollte Utah diese defensive Disziplin weiterhin an den Tag legen, wird diese Saison von Erfolg gekrönt werden
+ Quin Snyder hat in seiner ersten Spielzeit als Cheftrainer gezeigt, dass er seinem Ruf als Nachwuchsförderer und Taktikfuchs gerecht wird
+ Gute News für alle Jazz-Fans: Tibor is in da house - und somit auch die deutschen Medien. Falls euch schon immer interessiert hat, wer nach dem Spiel am längsten duscht oder wie viele Croissants Rudy Gobert zum Frühstück verdrückt - ihr werdet es sicherlich bald erfahren. Unsere Augen sind überall. Endlich auch in Utah. #KrautWatch

Bad News
- Dante Exum wird in der kommenden Saison kein Spiel bestreiten können - somit bricht eine wichtige Säule in der Jazz-Verteidigung weg
- Exums etatmäßiger Ersatz hört auf den Namen Trey Burke, der besonders in der Defensive einige extrem lange Nächte gegen Spieler vom Kaliber Steph Curry, Russell Westbrook oder Chris Paul haben wird
- Die Off-Season war kein wirklicher Erfolg. Über den Draft konnte kein Spieler mit vermeintlich unmittelbarem Impact (Frank Kaminsky; Myles Turner) verpflichtet werden, auch in der Free Agency hielt Utah die Füße still

Was fehlt?
Es fehlt ein Point Guard. Und dieser fehlt unabhängig von Dante Exums Gesundheit. Bereits zum Ende der vergangenen Saison hat man auf einer Welle der Euphorie über mögliche Trade-Szenarien für einen Aufbauspieler nachgedacht, die Utah zu einem unangefochtenen Playoff-Aspiranten im Westen gemacht hätten - oder machen würden. Ein großer Trade für einen Borderline-All-Star blieb aus. Im Backcourt muss Coach Snyder kreativ werden. 

Blast from the Past


KGDCG
Alec Burks … Irgendein Spieler muss nun mal hier stehen, und der Vertrag, an dem sich die Kritiker der Jazz am meisten gestört haben, war die achtstellige Verlängerung von Alec Burks. Ja es stimm, Burks verdient bis 2019 noch 40 Millionen Dollar - für manche zuviel angesichts seiner kurzen und bisher recht ereignislosen NBA-Karriere. In zwei Jahren ist jedoch ohnehin jeder Vertrag ein Schnäppchen. Und falls Burks sich wirklich gut von seiner Verletzung erholt hat, dürften die kritischen Stimmen auch bald endgültig verstummt sein.

LP-Rating


Wer 9 € für eine Kinokarte bezahlt um zu sehen, wie Godzilla eine x-beliebige Großstadt zertrampelt, sollte sich zumindest für quasi lau angucken, wie Gobzilla Würfe am Fließband blockt. Außerdem sind die Jazz jung und experimentierfreudig in ihrem taktischen Auftreten. Eine Sache fehlt jedoch noch...was war das noch gleich? Moment, ich schalte mal kurz das GPS auf meinem Smartphone an... ACHJA! Klar. Ich wohne ja in Deutschland, somit muss ich alleine schon aus patriotischen Gründen den Jazz beim Zocken zusehen.

Außerdem arbeiten wir beim NBAChef alle in einem dunklen Keller und die Höhe unserer Strafarbeiten richtet sich nach Klicks für unsere Artikel. Tibor zieht doch...oder? Hallo? Ich will nicht wieder mit einem Text über die Brooklyn Nets bestraft werden. Bitte guckt euch die Jazz an und lest meinen Jazz-Stuff! Bitte. Ich will das nicht mehr. #KrautWatch

Eine Frage noch...
Was war das nach dem All-Star-Break? War es nur ein kurzzeitiges Hoch? Können die Jazz mit ihrem vorhandenen Spielermaterial wirklich über eine Saison hinweg diese steinharte Defensive gepaart mit langsamer Offensive spielen und Erfolg dabei haben? Besondere Betonung genießt bei dieser Frage das „vorhandene Spielermaterial“ - Gordon Haywards Qualitäten sollten nicht zur Debatte stehen, doch wer ist der Robin zu Haywards Batman? Derrick Favors? Alec Burks?

Viele werden jetzt argumentieren, dass Robin in den Batman-Comics eh nur genervt hat, jedoch hat er der alten Fledermaus schon ab und an mal den Allerwertesten gerettet. Gordon Hayward kann die Jazz nicht alleine tragen und braucht Hilfe - besonders in engen Spielen. Defensive alleine wird im Westen nicht für den achten Platz reichen.

Check 1,2
Der Westen ist spannend - zumindest ab dem siebten Platz. Die ersten sieben Playoff-Teams dürften sicher gesetzt sein, ein achtes wird nach der Regular Season die Ehre haben, sich von den Warriors, Thunder oder Spurs in der ersten Runde den Hintern versohlen zu lassen. Die jungen Jazz haben gute Karten, dieses Team zu werden. 

Fakt ist, dass die Jazz gefestigter wirken als die direkt konkurrierenden Dallas Mavericks, Sacramento Kings oder Phoenix Suns. Mit dem Schwung des letzten Saisondrittels sind die Jazz heute - zumindest auf dem Papier - Favoriten auf Rang acht. Jedoch kann sich diese Mannschaft in einem solchen Kopf-an-Kopf-Rennen keine Schwächephase erlauben. Utah muss eine nahezu perfekte Saison spielen, um sich für die Playoffs zu qualifizieren. 

Chef-Orakel
40-42

Playoffs?